Chamaechorie

Ausbreitungsstrategie von Pflanzen

Die Chamaechorie, auch Anemogeochorie[1] genannt, ist eine Ausbreitungsstrategie, die von Pflanzen genutzt wird. Sie stellt eine Unterform der Anemochorie dar, der Ausbreitung durch den Wind. Die Pflanzen nennt man Bodenläufer, Bodenroller, Steppenläufer, Steppenroller oder Steppenhexe, in Nordamerika und Australien auch Tumbleweed (wörtl. „Taumelkraut“).

„Steppenläufer“ (Lechenaultia divaricata) in Bewegung
Die von Kohlendioxid aufgetriebenen Hülsenfrüchte des Blasenstrauchs werden vom Wind auch chamaechor ausgebreitet
Feld-Mannstreu, ein typischer „Steppenroller“, bei dem der oberirdische Anteil der Pflanze in seiner Gesamtheit rollend vom Wind vertrieben wird.

Chamaechore Ausbreitung liegt immer dann vor, wenn Früchte, ganze Pflanzen oder Teile von ihnen losgelöst und rollend oder rutschend vom Wind auf der Bodenoberfläche entlang getrieben werden. Typisch ist diese Ausbreitungsform für Steppenpflanzen und besonders häufig bei Schmetterlingsblütengewächsen zu finden. Typische Bodenroller auch in Mitteleuropa vorkommender Pflanzen sind die Früchte des Kicher-Tragants und die blasig aufgetriebenen Früchte des Blasenstrauchs. Zu den bekanntesten chamaechor ausgebreiteten Pflanzen zählen die Echte Rose von Jericho (Anastatica hierochuntica) und das Ruthenische Salzkraut (Kali tragus) sowie in der mitteleuropäischen und pannonischen Flora der Feld-Mannstreu (Eryngium campestre), die Sicheldolde (Falcaria vulgaris), die Besen-Radmelde (Bassia scoparia), der Stauden-Rapsdotter (Rapistrum perenne), der Weiß-Amarant (Amaranthus albus) sowie – sehr selten – der Tátorján-Meerkohl (Crambe tataria).

Als Klischee in Filmen und FernsehserienBearbeiten

Ausgehend vom Western-Genre hat sich die chamaechore Ausbreitung zu einem stereotypen Topos in Filmen und Fernsehserien entwickelt. Wenn in einer Szene eine verlassene Ortschaft oder ein Ort, an dem wenig geschieht oder besonders große Langeweile herrscht, gezeigt werden soll, so rollt bisweilen für einen kurzen Moment ein Bodenläufer durch das Bild[2][3][4]. Dieses Motiv ist zu einer Art Klischee geworden[5], sodass es mittlerweile bevorzugt humoristisch eingesetzt wird, etwa dann, wenn in einer Szene lediglich kurzfristig eine als peinlich empfundene Stille eintritt. Einer der bekanntesten Einsätze von Tumbleweeds im Kino ist in der Eröffnungssequenz von The Big Lebowski (1998), wo es das "dahintreibende" Wesen der Hauptfigur symbolisiert[6].

LiteraturBearbeiten

  • Angelika Lüttig, Juliane Kasten: Hagebutte & Co. Blüten, Früchte und Ausbreitung europäischer Pflanzen. Fauna Verlag, Nottuln 2003, ISBN 3-935980-90-6.

WeblinksBearbeiten

Commons: Chamaechorie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ecology. Vol. XIV, Brooklyn Botanic Garden, 1933, S. 226, archive.org.
  2. https://www.ranker.com/list/historically-inaccurate-western-movie-tropes/genevieve-carlton
  3. https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/QuieterThanSilence
  4. https://www.urbandictionary.com/define.php?term=tumbleweed.
  5. https://www.kolotv.com/content/news/Tumbleweeds-an-enduring-symbol-of-the-West-in-Fernley-a-nuisance-506800131.html
  6. https://eng282.wordpress.com/2015/04/07/the-tumbling-tumbleweed/