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Ch (spanische Sprache)

Digraph ch in der spanischen Sprache
Wörter, die im Spanischen mit ch beginnen, wie Cha-Cha-Cha stammen häufig aus Südamerika und suggerieren eine Bewegung.

Die Buchstabenkombination ch (Aussprache als Affrikate [t͡ʃ]) galt von 1803 bis 1994 als der vierte Buchstabe im spanischen Alphabet[1] mit dem Namen che (mit weiblichem Artikel la che[2], Plural las ches). In der Rechtschreibung darf der Digraph nicht getrennt werden.

Inhaltsverzeichnis

Die Sonderrolle des chBearbeiten

Im mittelalterlichen Spanisch begannen relativ wenige Wörter mit ch-. Sie verhielten sich zu den übrigen mit c- beginnenden Wörtern wie 1:59. Im modernen Spanisch ist ihr Verhältnis dagegen auf rund 1:9 gestiegen.[3] 1803 entschied sich die für die Pflege des Spanischen zuständige Real Academia Española, ch als eigenen Buchstaben zu werten.

Wörter auf ch- sind häufig expressiv, lautmalerisch oder südamerikanischer Herkunft. Die Lexikografin María Moliner charakterisierte sie so: „Der Klang, der durch diesen Buchstaben repräsentiert wird, ist in hohem Grad expressiv oder imitativ, das heißt, er formt Wörter, die nicht oder nicht nur repräsentativ-objektiv sind, sondern eine affektive oder intentionale Haltung des Subjekts ausdrücken (sie dienen vor allem dem Herabwürdigen oder dem Rufen) oder einen Klang oder eine Bewegung suggerieren oder imitieren.“[4] Moliner war die Erste, die in ihrem 1966/67 erschienenen Wörterbuch Diccionario de Uso del Español die Sonderrolle des ch (und des ll) aufgab und die Buchstaben getrennt einordnete.[5] 1994 beschloss der 10. Kongress der Vereinigung spanischsprachiger Akademien ch als zwei getrennte Buchstaben zu behandeln.

Das Akademie-Wörterbuch ist unvollständigBearbeiten

Der Lexikograf Miguel de Toro y Gisbert (1880–1966) nutzte den Buchstaben ch, um zu demonstrieren, wie unvollständig das für die spanische Sprache maßgebliche Wörterbuch der Akademie Diccionario de la lengua española ist. Er nahm eine Seite des Akademie-Wörterbuchs, die in der Ausgabe von 1914 die Wörter von chirivía bis chocolate mit 91 Einträgen und 156 Bedeutungen umfasste. Für diesen Abschnitt wies er 630 Einträge mit 800 Bedeutungen nach. Zu diesem Zweck hatte er sämtliche Wörterbücher der spanischen Sprache, auch Wörter dialektaler Herkunft und aus Südamerika, sowie Fachwörter aus Botanik und Zoologie ausgewertet. Miguel de Toro rechnete hoch, dass das Akademie-Wörterbuch – das damals 67.000 Einträge umfasste – auf 400.000 bis 500.000 Einträge erweitert werden müsse, um die gesamte spanische Sprache abzubilden.[6] Die Arbeit von Miguel de Toro ist kritisiert worden, weil er extrem seltene Wörter – die teilweise nur ein einziges Mal nachgewiesen sind –, Schreibvarianten und sogar Druckfehler aufgenommen hatte.[7] Außerdem hat das Akademie-Wörterbuch – anders als etwa das Oxford English Dictionary für das Englische – nie beansprucht, den vollständigen Wortschatz der spanischen Sprache wiederzugeben.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Pedro Álvarez de Miranda: La aspiración al 'diccionario total': un fragmento del diccionario general de la lengua española (c1933) de Miguel de Toro y Gisbert. In: Los diccionarios del español moderno, Ediciones Trea, Gijón 2011, ISBN 978-84-9704-512-4, S. 205–219.
  • Eduardo Arias und Karl Troller: Diccionario de la CH. Intermedio editores, Santafé de Bogotá 1999, ISBN 958-28-1051-3.
  • Miguel de Toro y Gisbert: Un trou dans le dictionnaire de l'Académie Espagnole. In: Bulletin Hispanique. Bd. 24, 1922, S. 225–237.
  • Miguel de Toro y Gisbert: Un fragmento del diccionario general de la lengua española. Librairie Larousse, Paris [ca. 1933].

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Online-Ausgabe des Diccionario de la lengua española: (Memento des Originals vom 24. Dezember 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rae.es ch in der Suche eingeben.
  2. el Che steht im Spanischen für Ernesto „Che“ Guevara
  3. Álvarez de Miranda: La aspiración al ’diccionario total’ … , S. 213, Fußnote 14.
  4. María Moliner, Diccionario de Uso del Español, Gredos, Madrid. Bd. 1: A-G (1966): “el sonido representado por esta letra es en alto grado expresivo o imitativo, es decir, forma palabras que no son, o no son solo, representativo-objetivas, sino que expresan una actitud afectiva o intencional del sujeto (sirven, sobre todo, para despreciar o para llamar), o imitan o sugieren un sonido, un movimiento, etc.
  5. Inmaculada de la Fuente: El exilio interior. La vida de María Moliner. Turner, Madrid 2011, ISBN 978-84-7506-930-2, S. 254. Die Autorin vermutet, dass dies auf Moliners Herkunft als Bibliothekarin zurückgeht, da nach den spanischen Katalogisierungsregeln ch und ll schon immer als je zwei Buchstaben behandelt wurden.
  6. Álvarez de Miranda: La aspiración al 'diccionario total' … , S. 212.
  7. Álvarez de Miranda: La aspiración al 'diccionario total' … , S. 216–218.