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Casa Littoria

Blick auf die Casa Littoria am Gerichtsplatz

Die Casa Littoria (auch Haus der faschistischen Partei oder Casa del Fascio) ist ein ehemaliges Parteigebäude der Nationalen Faschistischen Partei am Gerichtsplatz in Bozen. Es wurde zwischen 1939 und 1942 nach den Entwürfen der Architekten Guido Pellizzari, Paolo Rossi und Luis Plattner errichtet.

An der Stirnseite des Hauses befindet sich oberhalb der Freitreppe ein monumentales Relief des Bozner Bildhauers Hans Piffrader. Es verherrlicht die zwanzigjährige faschistische Herrschaft seit dem Marsch auf Rom und zeigt in der Mitte den italienischen Diktator, „Duce“ Benito Mussolini, als Reiter mit römischem Gruß und dem Leitspruch der italienischen Faschisten „Credere, obbedire, combattere“ („glauben, gehorchen, kämpfen“). Außerdem werden der italienische Sieg im Ersten Weltkrieg (Kanone mit Lorbeerkranz), die Gründung der verschiedenen faschistischen Kampfbünde und der Marsch auf Rom dargestellt. Die letzten Tafeln des Reliefs wurden erst 1957, also über ein Jahrzehnt nach dem Fall des Faschismus, montiert.[1]

Das Gebäude dient heute als Verwaltungssitz der Agentur für Einnahmen (Finanzamt). Im Zuge eines Gebäudetausches zwischen Staat, Gemeinde Bozen und Land Südtirol soll die Agentur ausziehen und die autonome Sektion des Oberlandesgerichts sowie das Jugendgericht hier einziehen.[2]

Inhaltsverzeichnis

ReliefBearbeiten

BeschreibungBearbeiten

Das im Volksmund „Mussolini-Fries“ genannte Relief aus Travertinstein ist mit 36 Metern Breite und 5,5 Metern Höhe das größte Relief Europas. Es besteht aus 57 unterschiedlich breiten, zusammengesetzten Platten, die in zwei Reihen übereinander angebracht sind und insgesamt 95 Tonnen schwer sind.[1] An der linken oberen Ecke des Reliefs ist deutlich eingraviert „VV Mussolini“ („Viva / es lebe Mussolini“). Am rechten Rand zeigt das Relief ein symbolisches „DUX“ (Führer). Darunter steht die Signatur des Bildhauers, der sich hier „Giovanni“ statt „Hans“ nennt: Giov. Piffrader, d'anni 52: „Giovanni Piffrader, 52-jährig“. Zwischen den Vorderbeinen des Pferds steht die Datierung „EF XX“, also das zwanzigste Jahr der „Era Fascista“ („Faschistischen Ära“). Die Zeitrechnung begann mit dem Marsch auf Rom im Oktober 1922, dem Jahr der Machtergreifung Mussolinis (Jahr 1). Das Relief nahm somit das zwanzigste Jubiläum des Regimes vorweg.[3]

Folgende ehemalige faschistische Organisationen, allesamt nach 1945 in Italien verboten, sind mit ihren Abkürzungen im mittleren Teil in großen Buchstaben eingemeißelt:

  • GUF: Gruppo Universitario Fascista, damalige faschistische Studentenorganisation. Ohne eine Mitgliedschaft in der GUF war Studieren im faschistischen Italien nicht möglich.
  • PNF: Partito Nazionale Fascista, die italienische Faschistenpartei, deren Gründer und Anführer der „Duce“ Benito Mussolini war.
  • GIL: Gioventù Italiana del Littorio, die damalige faschistische Jugendorganisation, vergleichbar der Hitlerjugend im nationalsozialistischen Deutschen Reich, die regimetreuen Nachwuchs züchtete.
  • OND: Opera Nazionale Dopo Lavoro, damalige faschistische Organisation für die politische Beeinflussung der Arbeiterschaft.
  • MVSN: Milizia Volontaria Sicurezza Nazionale, die Camicie nere (Schwarzhemden) der Faschisten. Morde, Attentate, Massenmorde, Verbrechen gegen die Menschlichkeit gehen auf ihr Konto. Als Leibwache des Faschismus verfolgte sie auch Partisanen und Juden.

Politische RezeptionBearbeiten

Die faschistischen Monumente in Südtirol werden heute noch politisch manipuliert und zu unrecht als Symbole der Identität der Italiener in Südtirol missbraucht[4]. Dies wird von vielen Südtirolern und Menschen aus anderen Ländern scharf kritisiert.

Der ehemalige Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder sprach sich am 9. Februar 2009 für eine „Abtragung“ des Mussolini-Frieses aus und schlug vor, dieses zu „musealisieren“[5].

Am 1. Dezember 2009 hat der Südtiroler Landtag auf Antrag der Fraktionen der Süd-Tiroler Freiheit und der Freiheitlichen in einem Beschluss „die noch immer bestehenden faschistischen Relikte, sowie die in diesen Tagen begonnene Renovierung des Siegesdenkmals aufs schärfste verurteilt“.

Am 26. Jänner 2011 hat der italienische Kulturminister Sandro Bondi zugesagt, das Mussolini-Fries vom Gebäude entfernen lassen zu wollen. Dies geschah im Zuge der Verhandlungen zum Stimmverhalten der SVP-Parlamentarier anlässlich eines Misstrauensvotums gegen die Regierung. Dies war die erste Öffnung eines italienischen Regierungsmitglieds zu den faschistischen Relikten in Südtirol[6].

Da gegen eine schlichte Entfernung oder Verhüllung des Reliefs sowohl von italienischer Seite als auch von Historikern und Kunsthistorikern aller Sprachgruppen[7] Einwände erhoben wurden, hat die Südtiroler Landesregierung einen Ideenwettbewerb ausgelobt, wie das Relief am besten historisiert werden kann[8]. Daraus ging 2016 der Beschluss hervor, das Relief mit einem gegen den Totalitarismus gerichteten Zitat von Hannah Arendt und entsprechender Erklärung versehen zu wollen.[9]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Sabrina Michielli, Hannes Obermair (Red.): BZ ’18–’45: ein Denkmal, eine Stadt, zwei Diktaturen. Begleitband zur Dokumentations-Ausstellung im Bozener Siegesdenkmal. Folio Verlag, Wien-Bozen 2016, ISBN 978-3-85256-713-6, S. 66–67.
  2. Südtiroler Landesregierung: Regierungsprogramm. 2008, S. 25, abgerufen am 5. März 2011 (pdf; 156 kB).
  3. Beitrag in der Tageszeitung Dolomiten vom 5. Februar 2011
  4. Riccardo dello Sbarba über faschistische Monumente (italienisch)
  5. Pressemitteilung der Südtiroler Landesregierung vom 9. Februar 2009
  6. Artikel auf dem Nachrichtenportal Stol.it, gesehen am 28. Jänner 2011
  7. Der Historikerappell vom Februar 2011: «Lasst uns das Problem der faschistischen Denkmäler gemeinsam lösen!»
  8. Duce-Relief: Schon 100 Vorschläge. Südtirol Online, 1. März 2011, abgerufen am 5. März 2011.
  9. Portal salto.bz: Warten auf Hannah Arendt, 30. September 2016, abgerufen am 3. Dezember 2016.

Koordinaten: 46° 29′ 50″ N, 11° 20′ 22″ O