Carsten Herrmann-Pillath

deutscher Volkswirtschaftler und Sinologe

Carsten Herrmann-Pillath (* 24. Februar 1959 in Dessau) ist deutscher Volkswirt und Sinologe. Er ist Professor und Permanent Fellow am Max Weber Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien an der Universität Erfurt.

Carsten Herrmann-Pillath

WerdegangBearbeiten

Nach einem Studium der Volkswirtschaftslehre und Sinologie mit anschließendem Promotionsstudium an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln von 1978 bis 1988 war Herrmann-Pillath etwa vier Jahre als wissenschaftlicher Referent am Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien, Köln, tätig, bevor er 1992 zum Professor für Ostasienwirtschaft/China an der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg berufen wurde. Zwischen 1996 und 2008 war er Inhaber des Lehrstuhls Evolutionsökonomik und Institutionentheorie der Universität Witten/Herdecke und Leiter des Institutes für kulturvergleichende Wirtschaftsforschung. Zwischen 2005 und 2010 gründete und leitete er die dortige Sino-German School of Governance (SGSG). Im Jahr 2008 wurde er an die Frankfurt School of Finance and Management berufen und gründete dort das East West Centre for Business Studies and Cultural Science als Nachfolgeorganisation der SGSG, kombiniert mit dem Studiengang ‚Master of International Business‘. Zwischen 2015 und 2016 hatte er die Professur für Economics and Evolutionary Sciences an der privaten Universität Witten/Herdecke inne. Im Mai 2016 wurde er als Permanent Fellow an das Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt berufen. Er ist Distinguished Visiting Professor of Schwarzman Scholars an der Tsinghua University, China.

WirkenBearbeiten

Herrmann-Pillath ist ein Vertreter der evolutionsökonomischen und institutionenökonomischen sowie der chinawissenschaftlichen (sinologischen) Forschung in Deutschland. Seine Forschungen zielen auf die Entwicklung einer interdisziplinären Theorie des Wandels der Wirtschaft in ihrer institutionellen und kulturellen Einbettung. Ausgehend von modernen philosophischen Ansätzen in der Ontologie und Sprachphilosophie begreift er die Wirtschaftswissenschaft als Brückenwissenschaft zwischen Natur- und Geisteswissenschaften.

Herrmann-Pillath hat international rezipierte Beiträge zur interdisziplinären Begründung der Wirtschaftswissenschaft geleistet, und diese Ansätze auf unterschiedliche Bereiche empirisch bzw. wirtschaftspolitisch angewendet, vor allem im Bereich der Erforschung der chinesischen Wirtschaft und der internationalen Handelspolitik. Die philosophischen Perspektiven gewinnt er von Hegel und Peirce. Im Bereich der evolutionären und ökologischen Ökonomik hat er eine Theorie des Wachstums mit Energie und Information als fundamentalen theoretischen Konzepten entwickelt. Er hat eine naturalistische Theorie der Institutionen vorgelegt und am Beispiel des Geldes ausgearbeitet, in dem die moderne Neuroökonomik mit der Institutionentheorie Masahiko Aokis integriert wird. Seine Institutionentheorie baut auf dem Konzept der ‚Performativität‘ auf und schlägt Brücken zu neuesten Entwicklungen in der Soziologie und Philosophie (u. a. actor-network theory, science and technology studies). Im Bereich der internationalen Wirtschaft hat er das neue Paradigma der ‚Deliberativen Handelspolitik‘ vorgeschlagen und vor allem in Analysen der WTO ausgearbeitet. Seine Forschung zu China kulminiert in einer kulturwissenschaftlichen Theorie der chinesischen Wirtschaft, die den Begriff des ‚Rituals‘ in den Mittelpunkt rückt.

Veröffentlichungen (Auswahl)Bearbeiten

Bücher:

  • Foundations of Economic Evolution. A Treatise on the Natural Philosophy of Economics. Edward Elgar, Cheltenham 2013, ISBN 978-1-84720-474-5.
  • mit Ivan Boldyrev, Hegel, Institutions and Economics: Performing the Social, Routledge, Abingdon and New York, ISBN 978-1-31584-866-2
  • Wachstum, Macht und Ordnung. Eine wirtschaftsphilosophische Auseinandersetzung mit China, Marburg, Metropolis, ISBN 978-3-7316-1108-0
  • China’s Economic Culture: The Ritual Order of State and Markets, Routledge, Abingdon and New York, ISBN 978-1-31588-465-3

Aufsätze:

WeblinksBearbeiten