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Carnaubawachs

chemische Verbindung
Carnaubapalme (Copernicia prunifera)
Carnaubawachs
Carnaubawachs, teilweise geschmolzen

Carnaubawachs (lateinisch Cera Carnaubae), auch Brasilianisches Wachs oder Cearawachs, stammt aus dem Blatt-Exsudat der in Brasilien wachsenden Carnaubapalme (Copernicia prunifera). Es wird vor allem in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie, in Medikamenten und als Bestandteil in Autowachsen und Polituren verwendet.

Inhaltsverzeichnis

GewinnungBearbeiten

Carnaubawachs wird von den beidseitig mit einer ca. 5 mm dicken, pulverförmigen Wachsschicht bedeckten Blätter gewonnen. Diese löst sich nach dem Trocknen der Blätter ab, der Rest wird durch Bürsten, Klopfen und Schaben abgelöst. Danach wird das Wachs geschmolzen und von den sich absetzenden Verunreinigungen befreit und abgesiebt.[1] Das Wachs kann mit Paraffin vermischt gebleicht werden.[2] Die Blätter werden zwei- bis dreimal im Jahr geerntet.

Man kann auch die jungen Triebe und Blätter in Wasser auskochen und das Wachs abschöpfen.[3]

Der Name entstammt dem brasilianisch Portugiesischem Carnahuba und dem Alt-Tupi karana'iwa. Es wurde erstmals 1648 erwähnt.[4] Das Wachs wurde in Brasilien seit 1810 in größerem Stil verwendet.[5] Es ist seit Mitte des 19. Jh. in Europa gebräuchlich, 1846[6] wurde erstmals Wachs in größeren Mengen aus Brasilien exportiert und ab 1890 wurden die ersten Plantagen angelegt.

EigenschaftenBearbeiten

Rohes Carnaubawachs besitzt eine helle gelbliche, grünliche, bis dunkelgraue Farbe, es ist von Luftbläschen durchsetzt, hart, spröde, leicht zerreibbar und fast geschmacklos. Es ist das härteste bekannte natürliche Wachs. Es hat etwa die Dichte von Wasser; ca. 0,98, sein hoher Schmelzpunkt von 80 bis 87 °C hält es auch in warmen Räumen und bei Sonneneinstrahlung stabil. Gereinigtes Wachs ist hellgelb; gebleicht (mit Bleicherde, Wasserstoffperoxid) ist es fast weiß. Weißes Wachs ist dagegen eine Mischung mit Ceresin. Es gibt drei Sorten gelb oder mittelgelb, fettgrau und kurantgrau.

Es ist unlöslich in Wasser, löslich in Ether, Benzol, Xylol, Benzin, Chloroform, heißem Alkohol und heißem Terpentinöl, es ist schwer verseifbar.

Carnaubawachs ist unverdaulich und wird bei Verzehr (auch durch Tiere) auf natürlichem Wege wieder ausgeschieden. Es gilt als gesundheitlich unbedenklich und ist frei von Duftstoffen, was für Allergiker bedeutsam sein kann.

InhaltsstoffeBearbeiten

Carnaubawachs besteht zu etwa 85 % aus Estern langkettiger Fettsäuren (Wachssäuren), ω-Hydroxycarbonsäuren und aromatischen Carbonsäuren wie Zimtsäuren. Als Alkoholkomponente kommen Fettalkohole (Wachsalkohole) und Diole vor. Daneben sind auch jeweils rund 2–3 % unveresterte Diole, langkettige Wachssäuren, wie Behensäure, Carnaubasäure, Cerotinsäure, Lignocerinsäure oder Melissinsäure, Wachsalkohole und auch gesättigte Kohlenwasserstoffe vorhanden.[7]

Es wird unter der CAS-Nr. 8015-86-9 geführt.

Produktion und wirtschaftliche BedeutungBearbeiten

Brasilien ist das einzige Land mit bedeutender Carnaubaproduktion. Der größte Teil der Produktion wird zu Pulver verarbeitet. Die brasilianische Erzeugung von Carnaubawachs-Pulver betrug rund 19.000  t im Jahr 2007. Innerhalb Brasiliens findet die Hauptproduktion im Bundesstaat Piauí statt (69,3 %). An zweiter Stelle kommt der Bundesstaat Ceará mit 28 %. Die Produktion von Carnaubawachs betrug dagegen nur rund 3.000  t, wobei in diesem Fall Ceará der größte Erzeuger war mit 81,8 % der Produktion, gefolgt vom Bundesstaat Rio Grande do Norte mit 16,8 %.[8]

Im semi-ariden Nordosten Brasiliens ist Carnaubawachs traditionell eines der wichtigsten Exportprodukte. Es haben sich jedoch bis heute keine intensiv bewirtschafteten Plantagen etabliert. Stattdessen werden natürliche Carnaubabestände in regelmäßigen Abständen beerntet (Extraktivismus). Dies liegt zum einen daran, dass eine neu angelegte Plantage etwa 20 Jahre bräuchte, bis sie eine angemessene Produktion liefert, so dass entsprechende Investitionen gescheut werden. Zum anderen liefert Carnauba gegenüber anderen Kulturen nur geringe Erlöse pro Hektar. Auf kargen Böden kommt Carnauba jedoch in hoher Dichte vor und aufgrund der relativ stabilen Weltmarktnachfrage nach Carnaubawachs war dieser Bestand zur Deckung der Nachfrage bisher ausreichend.[9]

VerwendungBearbeiten

Carnaubawachs wird oft mit anderen Wachsen gemischt verwendet. Es findet vor allem in der Lebensmittel- und in der Kosmetikindustrie sowie in Medikamenten Verwendung, unter anderem als:

Auch in Pflegemitteln für Gebrauchsgegenstände wird Carnaubawachs verwendet:

  • zur Oberflächenbehandlung von Möbeln, Holzböden und Bodenfliesen
  • in Autopolituren und Autowachsen
  • als Poliermittel für Bruyère-Pfeifenköpfe
  • als Bestandteil von Schuhcreme
  • In Kombination mit Bienenwachs als Didgeridoo-Mundstück
  • In Firnissen

In der Lackindustrie werden mikronisiertes Carnaubawachspulver oder Carnaubadispersionen (in organischen Lösemitteln suspendiertes oder in Wasser emulgiertes Carnaubawachs) als Oberflächenadditiv in eingesetzt, um die Kratzbeständigkeit zu verbessern und den Reibungswiderstand der Oberfläche herabzusetzen.

Kohlepapier wird mit Carnaubawachs hergestellt.[10] Frühe Schallplatten waren aus einer Wachsmischung die Carnaubawachs enthielt,[11] später wurden Master-Recordings (Erstaufzeichnung) auf einer speziellen, dicken Carnaubawachs-Scheibe aufgezeichnet.[12]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Wiktionary: carnauba wax – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Carnaubawachs auf materialarchiv.ch, abgerufen am 8. März 2017.

LiteraturBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Hans Irion: Drogisten Lexikon. 2. Band: A–K, Springer, 1955, ISBN 978-3-642-49508-3, S. 268.
  2. Fritz Ullman, ‎Wilhelm Foerst: Encyklopädie der technischen Chemie. Band 18, 3. Auflage, Urban 1967, S. 283 f.
  3. A. Rettenmeier: Lehrbuch für Drogisten. Teil 2, Drogenkunde II, 4. Auflage, Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, 1955, S. 205.
  4. Pharmaceutisches Central-blatt. für 1834. Fünfter Jahrgang, Erster Band: No. 1–30, Leopold Voss, Leipzig 1834, S. 332.
  5. Ghillean Prance, Mark Nesbitt: The Cultural History of Plants. Routledge, 2005, ISBN 0-415-92746-3, S. 340.
  6. Franz Heske (Hrsg.) : Zeitschrift für Weltforstwirtschaft. Band 9, J. Neumann, 1942, S. 215.
  7. Eintrag zu Carnaubawachs. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 4. März 2014.
  8. Instituto Brasileiro de Geografia e Estatística: Production of vegetable extraction and silviculture 2007 (Memento vom 17. Januar 2013 im Internet Archive).
  9. S. Wunder: Value determinants of plant extractivism in Brazil. Texto para discussão No. 682, Institudo de Pesquisa Econômica Aplicada, 1999, ISSN 1415-4765, pdf.
  10. Werner Baumann, Herberg-Liedtke: Papierchemikalien. Band II, Springer, 1994, ISBN 978-3-540-56269-6, S. 514.
  11. Andre Millard: America on Record: A History of Recorded Sound. Second Edition, Cambridge University Press, 2005, ISBN 978-0-521-83515-2, S. 45 f.
  12. Charles L. Granata: Sessions with Sinatra. 1999, Chicago Review Press, 2004, ISBN 978-1-61374-281-5 (Reprint), S. 26.