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Carlo Maria Viganò

italienischer Kurienerzbischof der römisch-katholischen Kirche und Diplomat des Heiligen Stuhls
Viganò mit US-Präsident Barack Obama
Erzbischofswappen von Carlo Maria Viganò

Carlo Maria Viganò (* 16. Januar 1941 in Varese, Italien) ist ein italienischer Geistlicher und emeritierter Diplomat des Heiligen Stuhls.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Carlo Maria Viganò empfing am 24. März 1968 das Sakrament der Priesterweihe für das Bistum Pavia. Viganò wurde zum Doktor beider Rechte promoviert.

1973 trat Carlo Maria Viganò in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein. Er war in den Apostolischen Nuntiaturen im Irak und in Großbritannien sowie von 1978 bis 1989 im Vatikanischen Staatssekretariat tätig. Viganò wurde am 4. April 1989 zum Ständigen Beobachter beim Europarat in Straßburg berufen.

Am 3. April 1992 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularerzbischof von Ulpiana und bestellte ihn zum Apostolischen Nuntius in Nigeria. Papst Johannes Paul II. spendete ihm am 26. April 1992 die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano und der Erzbischof von Krakau, Franciszek Kardinal Macharski. Am 4. April 1998 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Delegaten im Vatikanischen Staatssekretariat. Am 16. Juli 2009 bestellte ihn Papst Benedikt XVI. in Nachfolge von Renato Boccardo zum Generalsekretär des Governatorats der Vatikanstadt.[1]

Am 19. Oktober 2011 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Apostolischen Nuntius in den USA. Vorausgegangen war die Veröffentlichung geleakter Briefe (zum Beispiel einer vom 27. März 2011), in denen Viganò auf seine Bemühungen zur Bekämpfung von Korruption und Vetternwirtschaft hinweist und den Wunsch äußert, sein Amt weiterzuführen.[2][3] Mit der Ernennung seines Nachfolgers Christophe Pierre zum Apostolischen Nuntius in den USA am 12. April 2016 endete seine Amtszeit.[4]

Konflikte mit Papst FranziskusBearbeiten

Im Zusammenhang mit dem wegen sexuellen Missbrauchs aus dem Kardinalsstand zurückgetretenen Washingtoner Alt-Erzbischof Theodore McCarrick und dem Vertuschungsskandal um seine Vergehen wurde am Abend des 25. August 2018 in den USA ein elfseitiges Schreiben von Erzbischof Viganò veröffentlicht, in dem er bezeugt, dass Papst Benedikt XVI. im Jahr 2009 oder 2010 strenge kanonische Sanktionen gegen McCarrick verhängt und ihm ein Leben in Gebet und Buße auferlegt habe, und dessen Nachfolger Papst Franziskus beschuldigt, diese 2013 wieder aufgehoben und McCarrick zu einem seiner Berater gemacht zu haben, obwohl er von ihm selbst über die Vergehen McCarricks informiert worden sei. Er forderte in seinem Schreiben Papst Franziskus und mehrere Kardinäle zum Amtsverzicht auf.

Die Würzburger Wochenzeitung Die Tagespost publizierte Viganòs Vorwürfe gegen Papst Franziskus in deutscher Übersetzung als „exklusive Veröffentlichung“.[5] Am 7. Oktober 2018 übte Kurienkardinal Marc Ouellet scharfe Kritik an Viganòs Behauptungen.[6] In seiner Replik an Ouellet kritisierte Viganò den Papst erneut und bezeichnete Homosexualität im Klerus als „ansteckende Plage“. Missbrauchsopfer zu beklagen, aber nicht „Homosexualität als die Hauptursache zahllosen sexuellen Missbrauchs“ zu benennen, sei „Heuchelei“.[7]

EhrungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Nomina del Segretario Generale del Governatorato dello Stato della Città del Vaticano, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 16. Juli 2009.
  2. Spiegel.de: Bischof prangert Korruption im Vatikan an (27. Januar 2012)
  3. Andreas Englisch: Das Komplott der Kardinäle, Hamburger Abendblatt.de 4. Juni 2012
  4. Nomina del Nunzio Apostolico negli Stati Uniti d’America. In: Tägliches Bulletin. Presseamt des Heiligen Stuhls, 12. April 2016, abgerufen am 12. April 2016 (italienisch).
  5. Das Schreiben von Ex-Nuntius Viganò exklusiv in deutscher Übersetzung. Die Tagespost vom 29. August 2018, abgerufen am 11. September 2018
  6. Gudrun Sailer: Vatikan: Offener Brief von Kardinal Ouellet zu den jüngsten Anschuldigungen gegen den Heiligen Stuhl. Vatican News vom 7. Oktober 2018
  7. Erzbischof Vigano: Papst soll "Irrtümer bekennen". katholisch.de vom 19. Oktober 2018