Carl Nicolaus Kähler

deutscher evangelisch-lutherischer Pastor und Theologe

Carl Nicolaus Kähler, gelegentlich findet sich auch die falsche Schreibweise: Karl Nicolaus Kähler[1], (* 28. Juni 1804 in Freienfelde; † 3. April 1871 in Altona) war ein schleswig-holsteinischer Pädagoge, evangelisch-lutherischer Pastor, Theologe und Heimatforscher.

LebenBearbeiten

Carl Nicolaus Kähler wurde am 28. Juni 1804 als Sohn des Gutspächters Johann Diedrich Kähler in Freienfelde in der Probstei geboren. Er besuchte die Lateinschule in Plön[2] und begann 1825 das Studium der Philologie[3] und Theologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Nachdem er das Examen 1827 in Glückstadt mit Auszeichnung bestanden hatte, wurde er 1830 Rector an der Bürgerschule in Heiligenhafen und zugleich Diakonus an der dortigen Stadtkirche. Ab 1839 war Kähler Pastor an der St.-Georg-und-Mauritius-Kirche in Flemhude, wechselte 1849 von dort nach Brügge, bevor er schließlich 1855 erster Compastor an der Hauptkirche St. Trinitatis in Altona wurde, wo er am 3. April 1871 starb.

Sowohl in Heiligenhafen als auch in Flemhude hat Kähler, wie zu seiner Zeit für Pastoren nicht unüblich, als Heimatforscher gewirkt und war Mitglied der Königlich Schleswig-Holstein-Lauenburgische Gesellschaft für die Sammlung und Erhaltung vaterländischer Alterthümer.[4] Bedeutsam ist er jedoch in erster Linie als Autor und Herausgeber zahlreicher Schriften und Aufsätze. Kähler setze sich besonders für eine Reform des Schulwesens in Schleswig-Holstein ein und gründete 1839 zu diesem Zweck die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift Schleswig-Holsteinisches Schulblatt, für die er als Herausgeber der ersten beiden Jahrgänge verantwortlich war.[5] Er war des Weiteren, zusammen mit Carl Peter Matthias Lüdemann, Gründer und Herausgeber der 1848 in nur einem Jahrgang erschienenen Kirchlichen Vierteljahrs-Schrift[6] sowie einer der Herausgeber der 1852 gegründeten Kirchlichen Monatsschrift.[7][8]

Kähler publizierte außerdem zwischen 1832 und 1861 mehrere Sammlungen von Predigten sowie praktische Schriften zur Katechetik bzw. Religionspädagogik, mit denen er über Schleswig-Holstein hinaus und auch international bekannt wurde.[9] Posthum erschien eine Neuauflage seiner Christliche Lehre nach Luthers kleinem Katechismus, überarbeitet von seinem Sohn Gregor Clemens Kähler. Dabei gilt Kählers Werk im Zusammenhang der theologischen Auseinandersetzungen seiner Zeit mit Luthers Kleinem Katechismus als das „bedeutsamste“ jener Richtung, die zur praktischen Interpretation des Werkes den „historischem Rückgriff“ auf weitere Schriften Luthers unternahm.[10] Insgesamt pflegte Kähler einen eigenwilligen, geistreich pointierten Stil, insbesondere seine Beiträge im Schleswig-Holsteinischen Schulblatt galten als „originell“ „in Jean-Paul’schem Geist.“[11]

SchriftenBearbeiten

  • Die Sitte am Neujahrsfeste. Eine Predigt, 1. Januar 1832 zu Großenbrode in der Probstei Oldenburg gehalten. Fränck, Oldenburg in Holstein 1832 (online).
  • Predigt bei der Wahl zum Archidiakonat an der Nikolaikirche in Kiel am 13. December 1835. Universitäts-Buchhandlung, Kiel 1835.[12]
  • Keine Kirchen-Agende! Ein Ausruf. Schwers, Kiel 1843 DNB 573266786 (online).
  • Moses in Christo. 21 Predigten über Matthäi 5, 1–16. Bünsow, Kiel 1844 OCLC 602292494 OCLC 474251732.
  • Katechismus in biblischen Fragen und Antworten und mit Beispielen und andern Zusätzen aus der heil. Schrift. Bünsow, Kiel 1846 OCLC 257574298.
  • Dritter Lutherischer Katechismus oder vollständige Glaubens- u Sittenlehre auf Grundlage des kleinen Katechismus für Kirche, Schule u. Haus, aus Luthers Schriften gesammelt. Schwers'sche Buchhandlung, Kiel 1849 OCLC 43429085; zweite wohlfeile Ausgabe: Homann, Kiel 1861 OCLC 681427029 (online).
  • Auslegung der Epistel Pauli an die Colosser in 36 Betrachtungen. Herausgegeben vom christlichen Vereine im nördlichen Deutschland. Klöppel, Eisleben u. G. E. Schulze, Leipzig 1853 OCLC 690777000 OCLC 246353355 (online).
  • Christ[ian] Sam[uel] Ulber's erbauliche Denkzettel, oder Entwürfe zu Predigten über die Sonntags-Evangelien. Acht Jahrgänge in einem ausführlichen Auszuge. Hrsg. v. C[arl] N[icolaus] Kähler. Naeck, Kiel 1847 OCLC 162471426 (online).
  • Die katechetische Baukunst oder Beiträge zur Reform des Katechismus- und Katechumenen-Unterrichts. Schwers, Kiel 1850 OCLC 247512081 OCLC 474251811.
  • Auslegung der Epistel Pauli an die Epheser in 34 Predigten. Schwers, Kiel 1854 OCLC 248047080 OCLC 603393337.(Rezension)
  • Auslegung der Epistel Pauli an die Philipper in 25 Predigten. Schwers, Kiel 1855 OCLC 45973779 OCLC 602292469 (online).
  • Die Fernen die Nahen. Predigt bei der gottesdienstlichen Feier des Holsteinischen Hauptvereins der evangelischen Gustav-Adolf-Stiftung am 22. August 1855 in Rendsburg, gehalten von C. N. Kähler. Schwers, Kiel 1855 OCLC 474251887.
  • Die christliche Lehre nach Luthers kleinem Catechismus zum Gebrauch beim Schul- u. Confirmations-Unterricht. Lehmkuhl, Altona 1861 OCLC 247810987 OCLC 549566806; 5. vermehrte und verbesserte Auflage von Gregor Clemens Kähler: Dürr, Leipzig 1892 OCLC 961831702.

LiteraturBearbeiten

  • Eduard Alberti: Kähler, Karl Nicolaus. In: Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen und Eutinischen Schriftsteller von 1829 bis Mitte 1866. Erste Abtheilung. A-L. Akademische Buchhandlung G.G.L. v. Maack, Kiel 1867, S. 434–435, (archive.org).
  • Carsten Erich CarstensKähler, Karl Nicolaus. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 796 f.
  • Eduard Alberti: Kähler, Karl Nicolaus. In: Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen und Eutinischen Schriftsteller von 1866–1882. Im Anschluss an des Verfassers Lexikon von 1829-1866. 1. Band. Karl Biernatzki, Kiel 1885, S. 362 (archive.org)
  • C[arsten] Er[ich] Carstens: Aus der schleswig-holsteinischen Predigergeschichte. XVI. Pastor K. N. Kähler. In: Schleswig-Holstein-Lauenburgisches Kirchen- und Schulblatt 1887, Nr. 52, 24. Dezember, ZDB-ID 551312-1 S. 205–207.
  • Hans-Joachim Schwark: Karl Nicolaus Kähler – ein Pionier der Spatenforschung. In: Jahrbuch für Heimatkunde Oldenburg/Ostholstein 32 (1988), ZDB-ID 290904-2 S. 50–68.
  • Ursula Grell: Fotos erzählen: Kirche und Gemeindeleben im Wandel der Zeiten. In: Nachrichten aus der Kirchengemeinde Flemhude, Ausgabe 159, Juni–Juli-August 2010, S. 6–7 (kirche-flemhude.de [PDF; 892 kB; abgerufen am 21. Februar 2020]).

WeblinksBearbeiten

Wikisource: Carl Nicolaus Kähler – Quellen und Volltexte

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karl statt Carl wurde zuerst im Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen und Eutinischen Schriftsteller, darauf aufbauend in der ADB und weiteren Biographien verwendet, siehe Abschnitt Literatur, Kähler selbst und andere Zeitgenossen verwendeten diese Variante nie.
  2. Altonaer Nachrichten, 4. April 1871, S. 1, Sp. 1 (online).
  3. Das Album der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel 1665-1865. Hrsg. v. Franz Gundlach. Lipsius & Tischer, Kiel 1915, S. 208 online.
  4. IV. Verzeichniß der seit Januar 1838 von der Gesellschaft erworbenen Bücher und Zeichnungen. In: Vierter Bericht der Königl. Schleswig-Holstein-Lauenburgischen Gesellschaft für die Sammlung und Erhaltung Vaterländischer Alterthümer 1839, S. 81, abgerufen am 22. Juni 2017.
  5. Eduard Alberti: Kähler, Karl Nicolaus. In: Lexikon der Schleswig-Holstein-Lauenburgischen und Eutinischen Schriftsteller von 1829 bis Mitte 1866. Erste Abtheilung. A-L. Akademische Buchhandlung G.G.L. v. Maack, Kiel 1867, S. 434 (online).
  6. ZDB-ID 547945-9.
  7. ZDB-ID 1489889-5.
  8. Allgemeine Kirchenzeitung 1852, 14. März, Nr. 43, Sp. 349–350 online.
  9. The British Quarterly Review, Band 23, 1856, S. 593 (archive.org).
  10. Hans-Jürgen Fraas: Katechismustradition. Luthers kleiner Katechismus in Kirche und Schule. Vandenhoeck u. Ruprecht, Göttingen 1971, S. 192.
  11. Carsten Erich Carstens: Kähler, Karl Nicolaus. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 796–97.
  12. Ernst Amandus Zuchold: Bibliotheca Theologica. Verzeichniss der auf dem Gebiete der evangelischen Theologie nebst denn für dieselbe wichtigen während der Jahre 1830-1863 in Deutschland erschienenen Schriften, Vandenhoeck & Ruprecht, 1864, Band 1, S. 637.