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Carl Ludwig von Willdenow

Carl Ludwig (von) Willdenow (* 22. August 1765 in Berlin; † 10. Juli 1812 ebenda) war ein deutscher Botaniker. Er war einer der bedeutendsten Systematiker seiner Zeit und zählt zu den Begründern der Dendrologie. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Willd.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Nach einer Apothekerlehre in Langensalza 1785 studierte er an der Universität Halle Medizin und Botanik und wurde dort 1789 zum Dr. med. promoviert. Schon im Jahr zuvor hatte er Alexander von Humboldt kennengelernt und dessen botanische Interessen nachhaltig gefördert. Danach arbeitete er als Apotheker in Berlin. 1794 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften gewählt,[1] 1798 wurde er Professor für Naturgeschichte am Collegium medico-chirurgicum und 1809 öffentlicher Lehrer für Botanik an der neu gegründeten Universität Berlin. Seit 1808 war er auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 1810 wurde er Direktor des Botanischen Gartens Berlin.

Schon während seiner amerikanischen Forschungsreise mit Aimé Bonpland hatte Alexander von Humboldt Willdenow Pflanzenproben zukommen und darüber publizieren lassen. Am 18. Oktober 1802 referierte Willdenow vor der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin die erste diesbezügliche Veröffentlichung Von der Agostura-Rinde. „Im königlichen botanischen Garten in Schöneberg bei Berlin blühten bald danach eine Anzahl Pflanzen aus Lateinamerika, deren Samen Humboldt und Bonpland gesammelt hatten.“[2]

Seit Jahresende 1810 arbeitete Willdenow auf eine dringliche Bitte Humboldts hin[3] in Paris an der wissenschaftlichen Erfassung des allen widrigen Umständen zum Trotz geretteten Großteils der botanischen Ausbeute, die Humboldt und Bonpland aus Südamerika verschifft hatten. Dabei kam er in den wenigen Monaten bis zu seiner Rückreise nach Berlin jedoch kaum voran und erkrankte bald darauf, ohne die Arbeitsergebnisse bis zu seinem Tod noch publizieren zu können.[4] Doch war es wiederum Willdenows Schüler Karl Sigismund Kunth, der von 1813 an für viele Jahre an der siebenbändigen Publikation der Nova genera et species plantarum quas in peregrinatione ad plagam aequinoctialem orbis novi collegerunt Bonpland et Humboldt arbeitete und sie erfolgreich abschloss.

 
Willdenows Grabstein im Botanischen Museum

Nach seiner Rückkehr mit der Familie aus Paris hatte Willdenow krankheitsbedingt nur noch wenige Monate zu leben und starb im Juli 1812 im Alter von 46 Jahren. Er wurde auf dem Kirchhof an der Dorotheenstädtischen Kirche beigesetzt.[5]

EhrungenBearbeiten

Vor Einebnung von Dorotheenstädtischer Kirche und Kirchhof im Jahr 1965 wurde Willdenows Grabstein entfernt und gesichert. Dieser Epitaph steht zu seinem Andenken heute in der Eingangshalle des Botanischen Museums Berlin-Dahlem.[6]

Ihm zu Ehren wurde die Gattung Willdenowia Thunb. der Pflanzenfamilie der Restionaceae benannt. Auch die seit 1953 erscheinende Zeitschrift Willdenowia ist nach ihm benannt.

Der Botanische Garten Berlin vergibt die Auszeichnung Willdenow-Medaille.

In Berlin sind zwei Straßen nach ihm benannt: in unmittelbarer Nachbarschaft zum Botanischen Garten die Willdenowstraße[7] in Berlin-Lichterfelde und in Berlin-Wedding die Willdenowstraße[8] in der Nähe des U-Bahnhofs Wedding.

Schriften (Auswahl)Bearbeiten

 
Die wilde Baumzucht (1811)
  • Florae Berolinensis prodromus. 1787, doi:10.5962/bhl.title.6727.
  • Historia Amaranthorum. (1790, 1798).
  • Grundriss der Kräuterkunde. 1792, doi:10.5962/bhl.title.8054.
  • Phytographia. 1794.
  • Linnaei species plantarum. (1798–1826, 6 Bände).
  • Drei neue Pflanzengattungen. 1801 (books.google.de).
  • Hortus Berolinensis, sive icones et descriptiones … (1803–1816).
  • Anleitung zum Selbststudium der Botanik. 1804 (books.google.com – 4. Auflage 1832).
  • Caricologia. 1805.
  • Enumeratio plantarum horti regii botanici berolinensis, continens descriptiones omnium vegetabilium in horto dicto cultorum. 1809; Supplement 1814 (books.google.de).
  • Grundriss der Kräuterkunde. 1810 (books.google.de – 5. Auflage).
  • Abbildungen der deutschen Holzarten. (books.google.com – 1810–1820).
  • Berlinische Baumzucht. 1796 (2. Auflage, 1811).
  • Die zweite Baumzucht. 1811 (books.google.de).

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Mitglieder der Vorgängerakademien. Carl Ludwig Willdenow. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 28. Juni 2015 (mit Kurzbiografie).
  2. Lack, 2. Auflage 2018, S. 34 (Zitat) und 37.
  3. „Die Botanik bleibt ganz zurück. [...] Die Kaiserin Josephine hält sich jetzt bald in Malmaison, bald in Navarre auf. Bonpland hat sich ganz in die Administration geworfen, er hat 1200 Livres Gehalt u. verspricht wissenschaftliche Arbeiten, die er nicht leisten kann, selbst bei gutem Willen nicht leisten könnte.“ (Zitiert nach Lack, 2. Auflage 2018, S. 60)
  4. Lack, 2. Auflage 2018, S. 61. „Nichts deutet darauf hin“, bilanziert Lack, „dass Willdenow während seines kurzen Aufenthalts im Winter 1810/11 die von Bonpland begonnenen Arbeiten in nennenswertem Umfang fortgesetzt hat.“ (Ebenda)
  5. Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 40–41.
  6. Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. S. 40–41.
  7. Willdenowstraße (Lichterfelde). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  8. Willdenowstraße (Wedding). In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)