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Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e. V. ist eine deutsche humanitäre Hilfsorganisation mit Sitz in Köln. Rupert Neudeck gründete den Verein 1979 zusammen mit seiner Frau sowie einigen Unterstützern zur Rettung der vietnamesischen Flüchtlinge im Südchinesischen Meer, der sogenannten Boatpeople. Heute leistet der Verein medizinische Versorgung Hilfebedürftiger in verschiedenen Regionen und Krisenherden weltweit. Im Zentrum der Projekte steht zudem die Weiterbildung des medizinischen Personals vor Ort sowie Baumaßnahmen zur Instandsetzung medizinischer Einrichtungen und Schulen.

Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte e. V.
Logo Cap Anamur.jpg
Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 1979
Gründer Rupert Neudeck, Christel Neudeck und Freunde (darunter Heinrich Böll)
Sitz Köln, DeutschlandDeutschland Deutschland
Personen Vorstand:
  • Werner Strahl
  • Werner Höfner
  • Boris Dieckow
Aktionsraum weltweit
Schwerpunkt medizinische Nothilfe, Bildung, Bau
Methode Hilfe zur Selbsthilfe
Budget 4,52 Mio. Euro (Ausgaben 2017)[1]
Website www.cap-anamur.org
Fluchtboot, das Ende April 1984 von der Cap Anamur im südchineschen Meer aufgefunden wurde. Heute steht es als Denkmal in Troisdorf
Gedenkstein in Hamburg mit Danksagung der vietnamesischen Flüchtlinge

Inhaltsverzeichnis

OrganisationBearbeiten

StrukturBearbeiten

Die Mitgliederversammlung ist das höchste Organ des Vereins. Eine ordentliche Mitgliederversammlung findet mindestens einmal jährlich statt. In ihren Aufgabenbereich fallen die Entlastung und die Wahl des Vorstands, das Fassen von Beschlüsse über Satzungsänderungen sowie die Auflösung des Vereins und Festlegen der Rahmenbedingungen und Vergütung des Vorstands. Aktuell gibt es 13 Mitglieder.

Der Vorstand, aktuell bestehend aus Werner Strahl, Werner Höfner und Boris Dieckow, ist für alle Angelegenheiten des Vereins zuständig, soweit diese nicht in den Aufgabenbereich der Mitgliederversammlung fallen und agiert ehrenamtlich. Der Vorstand ist verantwortlich für die Umsetzung der Satzung und der satzungsgemäßen Verwendung von Spendengeldern. Rechtsverbindlich vertreten wird der Verein nach § 26 des BGB gemeinsam von zwei Vorstandsmitgliedern. Die Mitglieder des Vorstands werden einzeln für eine Amtszeit von zwei Jahren gewählt.

In der Geschäftsstelle sind sechs hauptamtliche MitarbeiterInnen beschäftigt, davon sind zwei in Teilzeit tätig. Die Geschäftsstelle in Köln ist sowohl für die Verwaltung als auch für die Projektkoordination in den Einsatzgebieten zuständig.

GrundsätzeBearbeiten

In fünfzehn Grundsätzen hat sich die Organisation auf eine professionelle Hilfe nach den heutigen Standards von Nichtregierungsorganisationen verpflichtet. Hierzu zählen eine schnelle und unbürokratische Hilfe, die Stärkung der Eigeninitiative von Menschen vor Ort sowie die Hilfe für Menschen ungeachtet ihrer ethnischen, religiösen und politischen Zugehörigkeit.

FinanzierungBearbeiten

Cap Anamur finanziert seine Einsätze überwiegend aus privaten Spenden. Während der Ebolafieber-Epidemie 2014 beantragte die Hilfsorganisation erstmals eine Projektunterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) für den Bau einer Isolierstation und wurde mit rund 231.000 Euro bezuschusst. 2015 erhielt sie rund 138.000 Euro Zuschüsse von der GIZ.[2]

2017 betrugen die Gesamtausgaben 4,52 Millionen Euro bei Gesamteinnahmen in Höhe von 4,38 Millionen Euro, davon rund 90 % Spenden. Rund 94 % der Ausgaben gingen in Form von Hilfsgütern, Baumaterial und Personal an die Projekte, 4 % fielen für Öffentlichkeitsarbeit und rund 2 % als Verwaltungskosten an.[3]

VereinBearbeiten

 
Werner Strahl, Vorstandsvorsitzender (2011)

Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte ist ein beim Amtsgericht Köln eingetragener gemeinnütziger Verein. Nachdem sich Rupert Neudeck aus dem Vereinsvorstand zurückgezogen hatte, wurde im Dezember 2002 Elias Bierdel neuer Vorsitzender, der 2004 wegen einer politisch umstrittenen Rettungsaktion in Italien nicht wiedergewählt wurde. Im Oktober 2004 wurde er von Edith Fischnaller als Vorsitzende des Vereins abgelöst. Seit September 2012 wird dieses Amt von dem Essener Kinderarzt Werner Strahl ausgeübt. Sein Engagement wurde im Dezember 2016 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland (Verdienstkreuz 1. Klasse) geehrt.[4] Die Organisation besitzt das DZI Spenden-Siegel.[5] Diese stuft die Ausgaben für Verwaltung und Werbung als niedrig ein. Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte ist Unterzeichner der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.

GeschichteBearbeiten

GründungBearbeiten

Der gemeinnützige Verein entstand 1979 aus dem Hilfskomitee Ein Schiff für Vietnam. Als 1975 Vietnam unter kommunistischer Herrschaft wiedervereinigt wurde, wurden Menschen, die zuvor die Republik Vietnam unterstützt hatten, in sogenannte Neue Ökonomische Zonen (Umerziehungslager) geschickt. 2,5 Million Menschen wurden eingesperrt. Die Flucht in Nachbarländer Laos, Kambodscha oder China war aus politischer Sicht keine Option, weswegen 1,6 Millionen Vietnamesen versuchten über das Südchinesische Meer ins Ausland zu fliehen. Jedoch fanden 250.000 Vietnamesen wegen des schlechten Zustandes der Boote, Piratenangriffen, Monsun-Winden, sowie Nahrungs- und Wasserknappheit den Tod. Rupert und Christel Neudeck und einige ihrer Freunde, darunter der Schriftsteller Heinrich Böll, charterten das Frachtschiff Cap Anamur, welches später namens gebend für den Verein wurde, das sie mit Hilfe einer nationalen Spendenaktion zu einem Hospitalschiff umfunktionierten. Am 13. August 1979 kam die Cap Anamur mit einem Team aus freiwilligen Helfern und Technikern im Südchinesischen Meer an. Bis 1982 wurden 9.500 Flüchtlinge gerettet und über 35.000 an Bord medizinisch versorgt. Der Aktionskreis wurde zeitgleich vom regional begrenzten Einsatz auf dauerhafte, internationale Projekte ausgeweitet.

Einsätze an LandBearbeiten

Nach der Rettung der vietnamesischen Flüchtlinge verkaufte die Organisation das umgebaute Hospitalschiff und richtete ihren Fokus stattdessen auf Krisen an Land. Im Fokus stehen dabei die medizinische Versorgung Hilfsbedürftiger, die Weiterbildung des lokalen Personals und der Bau und die Instandsetzung von medizinischen Einrichtungen und Schulen. Das Konzept von Cap Anamur stellt auf nachhaltig wirksame Hilfe in Krisenregionen ab (Hilfe zur Selbsthilfe). Die einheimische Bevölkerung wird weitgehend in die Einsätze einbezogen. Nach Rückzug der deutschen Mitarbeiter werden die Projekte von den ortsansässigen Mitarbeitern selbst weitergeführt. Bis November 2018 war Cap Anamur in über 60 Ländern vertreten.

EinsatzländerBearbeiten

Aktuelle Einsatzländer sind mit Stand November 2018:[6]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten