Hauptmenü öffnen

Burgruine Mitterberg

Burg in Österreich

Die Burgruine Mitterberg liegt in Oberösterreich östlich der Stadt Perg verborgen im Waldgelände. Ehemals war Mitterberg die größte Burg im Mühlviertel. 1278 bis 1491 war sie der Sitz des großen Landgerichtes Machland.

Burgruine Mitterberg
Burgruine Mitterberg im Jahre 1673. Ansicht von Süden. 1 Wohnturm. 2 links: Kapellenabgang. rechts: Hauptkeller. 3 Rondell (Eck- und Halbtürme). 4 Vorburggraben. 5 Brücke. 6 Vorburg, Turm. 7 Felsen und Wald.

Burgruine Mitterberg im Jahre 1673. Ansicht von Süden. 1 Wohnturm. 2 links: Kapellenabgang. rechts: Hauptkeller. 3 Rondell (Eck- und Halbtürme). 4 Vorburggraben. 5 Brücke. 6 Vorburg, Turm. 7 Felsen und Wald.

Entstehungszeit: 1165 erstmals erwähnt
Erhaltungszustand: Burgruine
Ort: Mitterberg, Stadt Perg
Geographische Lage 48° 15′ 14,4″ N, 14° 39′ 32,8″ OKoordinaten: 48° 15′ 14,4″ N, 14° 39′ 32,8″ O
Burgruine Mitterberg (Oberösterreich)
Burgruine Mitterberg

LageBearbeiten

Die Burgruine liegt auf einer Felsenkuppe verborgen unter Mischwald etwa 2 km östlich der Stadt Perg und 200 m südwestlich der Siedlung Mitterberg. Unterhalb der Felskuppe fließt der Thurnhofbach vorbei. Er erreicht die Ortschaft Thurnhof im Süden nach etwa 800 m. Die Ruine steht auf Privatgelände und steht nicht unter Denkmalschutz.

BeschreibungBearbeiten

Die ehemalige Burg war im Mittelalter die größte Burganlage des Mühlviertels und nach der Burg Schaunburg (Gemeinde Hartkirchen) die zweitgrößte im Gebiet des heutigen Oberösterreich. Die Burganlage erstreckt sich auf einer Länge von mehr als 200 Metern von Nord nach Süd. Die Hauptburg erreichte man erst nach der Durchquerung von drei Vorburgen. Eine ausführliche Beschreibung findet sich auf Martin Aigner's Burgenseite.[1]

Im 17. Jahrhundert wurden Steine der Burg zum Bau von Schloss Windhaag und Schloss Pragtal verwendet. Es sind daher nur mehr wenige aufrechte Steinmauern erhalten. Gut erkennbar sind jedoch die Wall- und Grabenanlagen. Bei Grabungen auf dem Areal der Burg legte man Keramikfragmente und Eisenteile frei, die sich heute im Heimathaus-Stadtmuseum Perg (Sammlung Leopold Mayböck) befinden.

Die Besitzer und Lehnsnehmer der Herrschaft MitterbergBearbeiten

Der Name der Burg ist erstmals 1165 belegt. Die Erbauer und ersten Besitzer waren sehr wahrscheinlich die Herren von Perg. Sie fiel spätestens nach deren Aussterben 1191 an den babenbergischen Landesherrn. Wahrscheinlich gehörte die Burg zu jenen Gütern, die 1180 vom Babenberger Herzog Leopold V. eingezogen und später wieder an Friedrich II. von Perg als Lehen überlassen wurde. 1208 saßen Gumpold und Marquard von Mitterberg auf der Burg. Eine Verwandtschaft mit den Herren von Perg und Machland ist eher unwahrscheinlich.

 
Mitterberg auf dem Notgeld von Pergkirchen

Weitere Geschlechter auf Mitterberg waren insbesondere die Kapeller, Wallseer, die Zelkinger und Prüschenken. 1277 erhielt Ulrich II. von Kapellen von König Rudolf I., Herzog von Österreich die Burg Mitterberg als landesfürstliches Lehen und etwas später zusätzlich das Landgericht Machland. 1279 wurde er Hauptmann ob der Enns. Herzog Albrecht I. von Österreich erneuerte die Belehnung der Kapeller. Das Landgericht wurde 1318 und 1386 an die Herren von Kapellen verpfändet.

Hans I. von Kapellen (auch Janns von Capellen genannt) errichtete 1351 im inneren Burghof von Mitterberg eine Marienkapelle, wobei in diesem Zusammenhang die Pfarre Pergkirchen dafür mit Gütern in Kreuzen und Mitterkirchen entschädigt werden musste. Der geistliche Lehnsherr der Pfarrkirche Pergkirchen, der Abt von Stift Melk, bewilligte hierauf den Kapellern einen Kaplan für ihre Burgkapelle.

Da eine der Töchter des letzten Kapellers Eberhard II. von Kapellen († 1406), Dorothea von Kapellen († um 1426), den Liechtensteiner Hartneid V. († 1427) heiratete, kam Mitterberg zunächst an diese und später an die Wallseer beziehungsweise die Zelkinger und verblieb bis zum Ende des 15. Jahrhunderts in deren Besitz.

1491 wurde ein kleinerer Teil der Herrschaft Mitterberg mit der teilweise schon zur Burgruine verkommenen Burg vom Landgericht Machland abgetrennt und dem von Kaiser Friedrich III. neu geschaffenen Landgericht Windhaag angegliedert, das damals den Pragern gehörte. Der größere Teil der Herrschaft Mitterberg und das Landgericht fielen an die Brüder Sigmund und Heinrich Prüschenk, die späteren Grafen von Hardegg und im Machland. Diese hatten 1491 bis 1493 die Greinburg, auch Heinrichsburg genannt, erbaut. In Mitterberg blieb vorerst ein Pfleger. Schließlich wurde die Burg ganz aufgegeben und verfiel immer mehr. 1564 verwendete Andreas von Prag (1514–1569) Bausteine von der Burg für sein Schloss Pragtal.

Das Landgericht MachlandBearbeiten

Das Landgericht Machland wurde um 1227 vom Babenbergerherzog Leopold VI. errichtet, auch das benachbarte Landgericht Riedmark dürfte um diese Zeit entstanden sein. Die Grenze zwischen den beiden Landgerichten ist nicht mehr eindeutig feststellbar, wahrscheinlich wurde sie von der Aist, Waldaist und Weißen Aist gebildet.

Der Sitz des Landgerichtes war zunächst die Burg Arbing, später die Feste Klam und nach 1278 die Burg Mitterberg. 1485 kam das Landgericht an die Prüschenk, die das Landgericht von der Burg Mitterberg auf die Greinburg (Heinrichsburg) verlegten und danach nannten. 1491 wurde aus einem Teil des Landgerichtes Machland das Landgericht Windhaag gebildet. Der Markt Perg und die Pfarre Pergkirchen blieben zunächst beim Landgericht Machland beziehungsweise Greinburg.

1591 ging die Landgerichtsbarkeit über den Markt Perg (und die Pfarren Tragwein und Schwertberg) an die Herrschaft beziehungsweise das Landgericht Schwertberg über und 1661 jene der Pfarre Pergkirchen an die Herrschaft beziehungsweise das Landgericht Windhaag bei Perg.

Überlieferte Landrichter im Machland waren:

1227 Wenzel von Arbing. 1240 Dietmar von Stein. 1241 Heinricus de Friethalmdorf. 1281 Ulrich II. von Kapellen. 1304–1313 Marchart von Osterberg. 1314–1334 Janns von Kapellen (oberster Landrichter als Pfandinhaber). 1314–1322 Weichart (von Pernau). 1332 Albrecht der Schreiber. 1342 Wetzlein von Arbing. 1344–1350 Lorenz Öder. 1331–1356 Otto Öder. 1357 Heinrich Fleischess von Stein. 1338–1359 Leutold Stainreuter. 1360 Konrad von Au. 1365 Jans der Weigl. 1367 Heinrich der Schaffer. 1370–1379 Albrecht der Öder. 1381–1383 Ulrich der Weezl. 1383 Heinrich der Schaler. 1390–1406 Stefan Piber. 1409 Thoman Tanpek, Pfleger zu Windeck. 1412–1415 Ulrich von Rorbach. 1416 Ernst Prehafen, Verweser. 1427 Lienhart Stetthaimer, Pfleger zu Reichenstein. 1433 Heinrich Ternperger, Pfleger zu Klingenberg

Überlieferte Pfleger zu Mitterberg waren: 1409 Stefan Piber. 1416–1424 Wilhelm Frodnacher. 1486 Christof Graaber

Gerichtsstätte des Landgerichtes Machland war Ruprechtshofen in der Pfarre Naarn.

BildergalerieBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Florian Eibensteiner, Konrad Eibensteiner: Das Heimatbuch von Perg Oberösterreich. Selbstverlag, Linz 1933, S. 150ff.
  • Norbert Grabherr: Burgen und Schlösser in Oberösterreich. Oberösterreichischer Landesverlag, Linz 1970, S. 264.
  • Leopold Mayböck: Die Burgherrschaft Mitterberg. In: Heimatverein Perg und Stadtgemeinde Perg (Hrsg.): Heimatbuch der Stadt Perg 2009. Denkmayr Druck, Linz 2009, ISBN 978-3-902598-90-5, S. 167ff.
  • Franz Xaver Pritz: Geschichte des Landes ob der Enns von der ältesten bis zur neuesten Zeit, Linz 1847. Kommission zur Pflege vaterländischer Geschichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen, Band 15, Wien 1856 und Band 18/I., Wien 1857.
  • Stadtgemeinde Perg (Hrsg.): Perg Stadterheung 1969. Festschrift anlässlich der Stadterhebung. Trauner-Druck, Linz 1969, S. 79ff.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Martin Aigner’s Burgenseite, Baubeschreibungen und Baupläne österreichischer Burgen und Burgruinen: Aigner's Burgenseite"

WeblinksBearbeiten