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Bundeswehrkrankenhaus Ulm

Krankenhaus der Bundeswehr auf dem Ulmer Eselsberg
Bundeswehrkrankenhaus Ulm
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Trägerschaft Zentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr
Ort Ulm, Deutschland
Koordinaten 48° 25′ 31″ N, 9° 56′ 44″ OKoordinaten: 48° 25′ 31″ N, 9° 56′ 44″ O
Leitung Generalarzt Ralf Hoffmann
Versorgungsstufe Maximalversorgung
Betten 496
Mitarbeiter 1571[1]
davon Ärzte 286[1]
Fachgebiete 18
Gründung 1968
Website http://ulm.bwkrankenhaus.de/

Das Bundeswehrkrankenhaus Ulm ist ein Krankenhaus auf dem Ulmer Eselsberg und ist eines von fünf Bundeswehrkrankenhäusern. Es wurde 1968 gegründet und ist seit dem 1. April 2007 das einzige in Süddeutschland verbliebene Bundeswehrkrankenhaus. Seit 2013 untersteht die Dienststelle dem Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr in Koblenz.

Es ist im Krankenhausplan des Landes Baden-Württemberg mit 323 Betten verankert, die für die stationäre Behandlung von zivilen Patienten zur Verfügung stehen. Insgesamt verfügt die Klinik über 496 Betten laut StAN. Die Klinik ist Akademisches Krankenhaus der Universität Ulm und damit in die Ausbildung von Medizinstudenten eingebunden.

Im Juli 2007 musste das Bundeswehrkrankenhaus nach einer Bombendrohung, die bei einer Lokalzeitung eingegangen war, komplett evakuiert werden. Die Patienten wurden in umliegende Krankenhäuser in Baden-Württemberg und Bayern verlegt.

Bundeswehrkrankenhaus Ulm
Lageplan des Bundeswehrkrankenhauses Ulm

GeschichteBearbeiten

Planung und BauBearbeiten

Die Planungen für den Bau eines weiteren Bundeswehrkrankenhauses im süddeutschen Raum (neben den damals bereits bestehenden BwKrhs Amberg, Kempten und Wildbad) gehen auf die Anfänge der 1960er Jahre zurück. So stellte die Bundeswehr 1964 dem Land Baden-Württemberg zwar Grundstücke für den bevorstehenden Bau der Universität Ulm auf dem Oberen Eselsberg zur Verfügung, nicht jedoch ohne sich dabei eine Fläche von rund 20 Hektar für den Bau eines Bundeswehrkrankenhauses vorzuhalten.[2]

Am 2. Januar 1968 begann Oberstarzt Friedrich Wilhelm Ahnefeld gemeinsam mit zwei Krankenpflegern, zwei Krankenschwestern und einem Medizinisch-technischen Assistenten mit der Einrichtung einer anästhesiologischen Abteilung, mangels eigener Räumlichkeiten noch in der Frauenklinik des Universitätsklinikums Ulm untergebracht. Ahnefeld wurde zudem zum ersten Chefarzt des Bundeswehrkrankenhauses ernannt. Noch im gleichen Jahr wurde eine ständige Kommission zur weiteren Krankenhausplanung eingerichtet, der Vertreter des Bundeswehrkrankenhauses, der Universität Ulm, des Kultusministeriums Baden-Württemberg und des Bundesverteidigungsministeriums angehörten.[3]

Die bauliche Gestalt des Bundeswehrkrankenhauses wurde ab 1971 geplant, die ersten Bauarbeiten begannen mit der Grundsteinlegung am 26. November 1974.[4] Die Baugrube war damals die größte Süddeutschlands. Dies lag vor allem am Schutzbunker unter den Gebäuden, welcher im Kriegsfall bis zu 2000 Menschen Schutz bieten sollte.[5] Bis in 20 Meter Tiefe waren Operationssäle, Entgiftungsgeräte, Desinfektionsschleusen, Behandlungsräume, Notstromaggregate und technische Klinik-Einrichtungen – verteilt auf 270 Räume – vorhanden, ebenso die entsprechenden Lebensmittelvorräte für 90 Tage. Nach rund sechsjähriger Bauzeit wurde im Jahr 1980 der klinische Betrieb im neuen Krankenhausbau mit damals noch 620 Betten aufgenommen.[6] Zugunsten von Ulm wurde im gleichen Jahr das Bundeswehrkrankenhaus Kempten geschlossen.

Bombendrohung 2007Bearbeiten

Am 16. Juli 2007 musste das Bundeswehrkrankenhaus aufgrund einer Bombendrohung evakuiert werden. Ein männlicher Anrufer mit offensichtlich stark ausländischem Akzent hatte gegen 13 Uhr gegenüber einer Lokalzeitung angekündigt, nach Ablauf von zwei Stunden insgesamt sieben von ihm in dem Gebäude verteilte Sprengsätze zur Detonation zu bringen.[7] Da für die Klinikleitung aufgrund verschiedener Umstände, beispielsweise des zunehmenden Einsatzes der Bundeswehr im Ausland, die Ernsthaftigkeit der Drohung nicht auszuschließen war, wurde eine sofortige Räumung des Krankenhauses eingeleitet. Die zu diesem Zeitpunkt rund 600 Patienten und 800 Mitarbeiter wurden größtenteils in das benachbarte RKU und in eine ebenfalls nahe gelegene Sporthalle evakuiert. Die Patienten der beiden Intensivstationen wurden teilweise auch in weiter entfernte Krankenhäuser in Baden-Württemberg und Bayern verlegt. Im Anschluss durchsuchten Einsatzkräfte der Polizei und der Feldjäger mit rund 50 Sprengstoffspürhunden das Gebäude. Gegen 19:30 Uhr erklärten die Behörden das Klinikgebäude für frei von Sprengsätzen und gaben es für die Rückführung der Patienten frei, die gegen 23 Uhr abgeschlossen werden konnte.[8]

GeneralsanierungBearbeiten

Seit 2007 finden im Rahmen einer Generalsanierung am und um das Bundeswehrkrankenhaus Ulm verschiedene Umbau-, Neubau- und Instandsetzungsmaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 100 Millionen Euro statt.[9] Die Sanierung umfasst unter anderem die Erneuerung der Haustechnik (abgeschlossen 2009[10]), den Bau einer neuen zentralen Notaufnahme (2011) und eines neuen OP-Traktes (2013[11]), die Renovierung und Neugestaltung des Bettenhochhauses (zwischen 2007 und 2015[12]), die Erweiterung des Klinikgeländes um eine Kindertagesstätte, die Neugestaltung des Eingangsbereichs sowie den Bau einer Rettungswache und eines neuen Hubschrauberlandeplatzes. Mit der endgültigen Fertigstellung aller Bauarbeiten ist erst im Laufe der 2020er-Jahre zu rechnen.[9]

Medizinische AbteilungenBearbeiten

Luftrettungszentrum UlmBearbeiten

 
Die ehemalige Stammmaschine von Christoph 22 am LRZ Ulm, eine BK-117 C1 mit der Kennung D-HLIR.

Von 1971 bis 2003 war am Krankenhaus Ulm ein SAR-Hubschrauber des Lufttransportgeschwaders 61 vom Typ Bell UH-1D mit dem Rufnamen SAR 75 im Einsatz, der nach dem Münchner Christoph 1 das zweite notarztbesetzte Luftrettungsmittel der zivilen Luftrettung in Deutschland war. Zum 1. April 2003 wurde der Rettungshubschrauber SAR 75 durch eine Maschine der ADAC Luftrettung ersetzt, die den Namen Christoph 22 erhielt. Seitdem wird der Betrieb im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit gemeinsam von ADAC und Bundeswehr sichergestellt. Hubschrauber und Pilot werden vom ADAC gestellt, Notarzt und Rettungsassistent bzw. HEMS Crew Member weiterhin vom Bundeswehrkrankenhaus.

Von April 2003 bis Januar 2016 war als Stammmaschine am BwKrhs Ulm eine BK-117 B2 mit der Kennung D-HBND (Baujahr: 1985) im Einsatz. Am 23. Mai 2015 wurde diese zunächst vorübergehend und im Januar 2016 endgültig außer Dienst gestellt und nach Neuseeland verkauft. Neue Stammmaschine für Christoph 22 sollte ab 2017 eine Airbus Helicopters H145 T2 werden. In der Zwischenzeit flog vom Luftrettungszentrum Ulm eine BK-117 C1 mit der Kennung D-HLIR als Christoph 22, die vom Rettungszentrum Christoph Murnau übernommen wurde.[13] Im Dezember 2017 kam zum ersten Mal eine neue H145-Maschine zum Einsatz. Die offizielle Indienststellung der neuen H145-Stammmaschine für Christoph 22 (Kennung: D-HYAL) erfolgte am 28. Mai 2018.[14]

Nichtakademische AusbildungBearbeiten

In der Liegenschaft befindet sich seit dem 1. Januar 2006 eine der Lehrgruppe B der Sanitätsakademie der Bundeswehr unterstellte Fachschule für Rettungsdienst zur Ausbildung von Einsatzsanitätern und der Fort- und Ausbildung von Rettungsassistenten und Notfallsanitätern der Bundeswehr. Zum 1. Oktober 2015 hat auch eine Schule für Gesundheits- und Krankenpflege am Bundeswehrkrankenhaus ihren Betrieb aufgenommen. Die Schule bestand bereits seit dem Jahr 1985, war zwischenzeitlich geschlossen worden und wurde jetzt wieder errichtet.[15] Beginnend mit 15 Plätzen für die Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, soll die Schule bis 2018 auf 75 Ausbildungsplätze aufwachsen.[16][17][18]

ChefärzteBearbeiten

Nr. Name Beginn der Berufung Ende der Berufung Dienstgrad
1 Friedrich Wilhelm Ahnefeld seit Planung 1972 Oberstarzt
2 Bernhard Stolze 1972 1978 Oberstarzt
3 Johann-Friedrich Borkowski 1978 1982 Oberstarzt
4 Claus Kalbitzer 1982 März 1987 Oberstarzt
5 Siegfried Spahn April 1987 März 2001 Generalarzt
6 Gerd Karl-Philipp Wallner April 2001 März 2006 Generalarzt
7 Erika Franke April 2006 September 2009 Generalarzt
8 Erhard Grunwald September 2009 Mai 2013 Generalarzt
9 Armin Kalinowski Mai 2013 November 2016 Generalarzt
10 Ralf Hoffmann November 2016[19] - Generalarzt

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Bundeswehrkrankenhaus Ulm: Daten und Zahlen (Memento des Originals vom 29. August 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundeswehrkrankenhaus-ulm.de
  2. Wolf-Dieter Hepach: Die Universität Ulm. Lebendige Traditionen. Neue Horizonte. Süddeutsche Verlagsgesellschaft Ulm, Ulm, ISBN 978-3-7995-0187-3, S. 33.
  3. Wolf-Dieter Hepach: Die Universität Ulm. Lebendige Traditionen. Neue Horizonte. Süddeutsche Verlagsgesellschaft Ulm, Ulm, ISBN 978-3-7995-0187-3, S. 102.
  4. Wolf-Dieter Hepach: Die Universität Ulm. Lebendige Traditionen. Neue Horizonte. Süddeutsche Verlagsgesellschaft Ulm, Ulm, ISBN 978-3-7995-0187-3, S. 103.
  5. Spuren des Kalten Krieges, Naumburger Tageblatt vom 10. September 2010 letzter Abruf 18. Dezember 2011
  6. Wolf-Dieter Hepach: Die Universität Ulm. Lebendige Traditionen. Neue Horizonte. Süddeutsche Verlagsgesellschaft Ulm, Ulm, ISBN 978-3-7995-0187-3, S. 103.
  7. SPIEGEL ONLINE, Hamburg Germany: Großeinsatz: Bundeswehrkrankenhaus in Ulm nach Bombendrohung evakuiert – SPIEGEL ONLINE – Panorama. Abgerufen am 28. Januar 2017.
  8. Wehrmed:: Artikel: Evakuierung des Bundeswehrkrankenhauses Ulm nach einer Bombendrohung. Abgerufen am 28. Januar 2017.
  9. a b Südwest Presse Online-Dienste GmbH: 100 Millionen für das BWK Ulm. In: swp.de. 23. Juli 2015 (swp.de [abgerufen am 28. Januar 2017]).
  10. Super User: Referenzen. Abgerufen am 28. Januar 2017.
  11. Südwest Presse Online-Dienste GmbH: Neuer OP-Trakt im BWK wartet auf Patienten. In: swp.de. 14. Juni 2013 (swp.de [abgerufen am 28. Januar 2017]).
  12. kognito Gestaltung: Bundeswehrkrankenhaus Ulm, Sanierung Hochhaus, Flachbauten und Versorgungsgebäude. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 28. März 2017; abgerufen am 28. Januar 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.heinlewischerpartner.de
  13. D-HLIR jetzt Ulmer Standard-RTH. In: Traumateam e. V. Abgerufen am 3. April 2016.
  14. Südwest Presse Online-Dienste GmbH: Notfallmedizin: Neuer Rettungshubschrauber im Einsatz. In: swp.de. 29. Mai 2018 (swp.de [abgerufen am 29. Mai 2018]).
  15. Wehrmed:: Artikel: Die Sanitätsschülerkompanie und Krankenpflegeschule am Bundeswehrkrankenhaus Ulm. In: www.wehrmed.de. Abgerufen am 30. Mai 2016.
  16. Sanitätsdienst Bundeswehr: Pilotprojekt: Neue Krankenpflegeschule startet in Ulm. In: www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de. Abgerufen am 30. Mai 2016.
  17. Sanitätsdienst Bundeswehr: Krankenpflegeschule hat Schulbetrieb aufgenommen. In: www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de. Abgerufen am 30. Mai 2016.
  18. Augsburger Allgemeine: Bundeswehr eröffnet neue Krankenpflegeschule in Ulm. In: Augsburger Allgemeine. Abgerufen am 30. Mai 2016.
  19. Sanitätsdienst Bundeswehr: Chefarzt geht, Chefarzt kommt. In: www.sanitaetsdienst-bundeswehr.de. Abgerufen am 11. November 2016.