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Bundesamt für Strahlenschutz

deutsche Bundesoberbehörde

Koordinaten: 52° 9′ 4,1″ N, 10° 19′ 51,6″ O

Bundesamt für Strahlenschutz
– BfS –
Staatliche Ebene Bund
Stellung Bundesoberbehörde
Aufsichtsbehörde Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Gründung 1. November 1989
Hauptsitz Salzgitter, Niedersachsen
Behördenleitung Inge Paulini, Präsidentin[1]
Bedienstete mehr als 500 (Stand 2017)
Haushaltsvolumen Rd. 488 Mio. Euro (Soll 2016)[2]
Website www.bfs.de
Bundesamt für Strahlenschutz

Das Bundesamt für Strahlenschutz (Abkürzung: BfS) ist eine organisatorisch selbstständige deutsche Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. Zu den wesentlichen Aufgaben zählen die Sicherheit und der Schutz von Mensch und Umwelt vor Schäden durch ionisierende und nichtionisierende Strahlung. Das Amt wurde im November 1989 gegründet und hat seinen Sitz in Salzgitter; Außenstellen befinden sich in Berlin, Bonn, Freiburg im Breisgau, Neuherberg bei München und Rendsburg. Das BfS hat insgesamt mehr als 500 Mitarbeiter (Stand Mai 2017).

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Das BfS wurde vor dem Hintergrund der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 sowie des sogenannten Transnuklear-Skandals im Jahr 1987 mit der Zielrichtung gegründet, die Kompetenzen und Zuständigkeiten auf dem Gebiet des Strahlenschutzes neu zu bündeln.[3] Folgende Organisationseinheiten gingen im BfS auf:[4]

Mit der Wiedervereinigung kamen nach kurzer Zeit darüber hinaus Teile des Staatlichen Amts für Atomsicherheit und Strahlenschutz der ehemaligen DDR hinzu.

1990 übernahm das BfS die Betriebsführung des Endlagers für radioaktive Abfälle der ehemaligen DDR in Morsleben. In den folgenden Jahren baute es das ODL-Messnetz zur Überwachung der Umweltradioaktivität aus.

Zwischen 2001 und 2003 erteilte das BfS die ersten Genehmigungen zur Errichtung von dezentralen Zwischenlagern für abgebrannte Kernbrennstoffe an den Standorten der deutschen Kernkraftwerke. 2009 wurden dem BfS der Betrieb und die unverzügliche Stilllegung der Schachtanlage Asse übertragen. Nach einem Optionenvergleich wurde festgelegt, die Abfälle aus dem Bergwerk zu bergen.

Der Neuanfang bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle hatte 2016 auch eine Neustrukturierung der beteiligten Behörden zur Folge: Aufgaben im Bereich der Entsorgung, Lagerung und Transport von radioaktiven Abfällen sowie der kerntechnischen Sicherheit, für die das BfS zuständig war, wurden zum einen auf das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) übertragen, zum anderen auf die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE).[5] Das BfE hat unter anderem vom BfS auch die Aufgabe übernommen, die Statistik über die meldepflichtigen Ereignisse zu führen. Die Kompetenzen des BfS sind mit der Neuorganisation auf die staatlichen Aufgaben des Strahlenschutzes konzentriert, so zum Beispiel im Bereich des nuklearen Notfallschutzes, der medizinischen Forschung, des Mobilfunks, des UV-Schutzes oder der Messnetze für Radioaktivität in der Umwelt.

OrganisationBearbeiten

Das Amt ist dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) unterstellt. Das BfS wird durch eine Präsidentin geleitet. Bei Abwesenheit wird sie von einem Vizepräsidenten vertreten. Nach der Amtsübergabe im April 2017 ist die Naturwissenschaftlerin Dr. Inge Paulini Präsidentin des BfS.[6]

Das BfS wird in den Präsidialbereich (PB), der direkt der Präsidentin unterstellt ist, die Zentralabteilung (Z) und die folgenden Fachbereiche unterteilt:

  • Fachbereich SG – Strahlenschutz und Gesundheit mit den Abteilungen Wirkungen und Risiken ionisierender und nichtionisierender Strahlung sowie Medizinischer und beruflicher Strahlenschutz
  • Fachbereich SW – Strahlenschutz und Umwelt mit den Abteilungen Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt sowie Notfallschutz

AufgabenBearbeiten

 
Messstation des BfS auf dem Schauinsland

Zentrale Aufgabe des Bundesamts für Strahlenschutz ist der Schutz von Mensch und Umwelt vor den schädlichen Auswirkungen von Strahlung sowie die Aufklärung über mögliche strahlenschutzbedingte Risiken: Dazu zählen Anwendungen in der Medizin, Strahlenbelastungen im Alltag etwa durch UV- und Mobilfunkstrahlung sowie durch das natürlich vorkommende radioaktive Edelgas Radon, aber auch der Schutz der Bevölkerung in einem radiologischen Notfall. Zu diesem Zweck betreibt das BfS ein Messnetz zur Messung der Umweltradioaktivität mit insgesamt 1800 Messstellen.[7] Auch der Ausbau der Stromnetze bringt zahlreiche Fragestellungen im Bereich des Strahlenschutzes mit sich.

Mit dem Strahlenschutzgesetz, das am 27. Juni 2017 erlassen wurde, hat das BfS neue Aufgaben erhalten, beispielsweise bei der Bewertung neuer medizinischer Verfahren oder im Notfallschutz. Das BfS spielt hierbei eine zentrale Rolle. Das Gesetz setzt die EU-Richtlinie 2013/59/EURATOM in nationales Recht um.

Weitere Aufgaben des BfS sind die Führung des Strahlenschutzregisters, in dem die Strahlenexpositionen beruflich strahlenexponierter Personen erfasst wird, sowie die Führung des Registers über hochradioaktive Strahlenquellen (HRQ-Register).

Im Bereich der nuklearspezifischen Gefahrenabwehr (NGA) berät und unterstützt das BfS im Rahmen der Amtshilfe die zuständigen Behörden der Polizei und des Katastrophenschutzes für den Fall, dass radioaktive Stoffe entdeckt wurden.[8] Die „Arbeitsgruppe Nuklearspezifische Gefahrenabwehr“ (AG-NGA) ist Teil der Zentralen Unterstützungsgruppe des Bundes (ZUB).

Eine weitere wichtige Aufgabe des BfS ist die Forschung in Bereichen des Strahlenschutzes und der Strahlenschutzvorsorge.[9] Auf den genannten Gebieten unterstützt das BfS das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) fachlich und wissenschaftlich.

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Inge Paulini wird neue Präsidentin des Bundesamtes für Strahlenschutz. Bundesumweltministerium, 22. März 2017, abgerufen am 23. März 2017.
  2. Bundeshaushalt 2016 Kapitel 1616.Abgerufen am 31. Dezember 2015.
  3. BfS (Hrsg.), Bundesamt für Strahlenschutz 1989–2014 vom 26. Oktober 2015, S. 10, zuletzt abgerufen am 31. Dezember 2015.
  4. Entwurf eines Gesetzes über die Errichtung eines Bundesamtes für Strahlenschutz vom 24. Februar 1989, BT-Drs. 11/4086, S. 7 f.
  5. Endlagerung: Neuordnung der Organisationsstruktur, BfS, 1. August 2016.
  6. Hendricks gibt wichtige Personalentscheidungen zur Neuorganisation im Endlagerbereich bekannt, BMUB, 3. August 2016.
  7. BfS: Überwachung der Gamma-Ortsdosisleistung, zuletzt abgerufen am 19. März 2018
  8. Nuklearspezifische Gefahrenabwehr, bfs.de, zuletzt abgerufen am 31. Dezember 2015.
  9. Forschungstätigkeit am BfS, bfs.de, zuletzt abgerufen am 31. Dezember 2015.