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Budzyń

Dorf in Polen in der Wojewodschaft Großpolen

Budzyń (deutsch Budsin, früher auch Budzin) ist ein Dorf in der polnischen Wojewodschaft Großpolen. Der Ort ist Sitz einer Landgemeinde im Powiat Chodzieski (Colmar).

Budzyń
Wappen von Budzyń
Budzyń (Polen)
Budzyń
Budzyń
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Chodzież
Fläche: 2,08 km²
Geographische Lage: 52° 53′ N, 16° 59′ OKoordinaten: 52° 53′ 22″ N, 16° 59′ 19″ O
Einwohner: siehe Gmina
Postleitzahl: 64-840
Telefonvorwahl: (+48) 67
Kfz-Kennzeichen: PCH
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Posen–Schneidemühl
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 16 Ortschaften
13 Schulzenämter
Fläche: 207,61 km²
Einwohner: 8442
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 41 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3001022
Verwaltung
Bürgermeister: Marcin Sokołowski
Adresse: ul. Lipowa 6
64-840 Budzyń
Webpräsenz: www.budzyn.pl



Budsin nördlich der Stadt Posen und südlich der Stadt Schneidemühl auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung)

Geographische LageBearbeiten

Budzyń liegt etwa 35 Kilometer südlich der Stadt Piła (Schneidemühl) und 65 Kilometer nördlich der Stadt Posen.

GeschichteBearbeiten

In älterer Zeit war Budsin eine königliche Stadt; dies folgt aus einer Urkunde von 1458, aus der hervorgeht, dass König Kasimir II. der Jagiellone auf sie eine Schuld aufnahm. Ältere Urkunden der Ortschaft gingen bei einem Brandunglück verloren. König Władysław IV. ersetzte der Stadt am 26. August 1641 in Warschau die verlorengegangen Freibriefe und bestimmte, dass das gleiche Bürgerrecht (jus civile) wie in anderen Städten gelten solle und dass fortan statt des bisherigen polnischen Stadtrechts das deutsche Magdeburger Recht anzuwenden sei; alle letzterem zuwiderstehenden polnischen Gesetze und Bräuche erklärte er für abgeschafft.[2] Demgemäß sollte nicht mehr der Kastellan oder ein anderer Beamter über die Bürger Gericht halten, sondern die Rechtsprechung über sie von städtischen Richtern wahrgenommen werden. Die städtischen Richter sollten dem König oder Starosten unterworfen sein, jedoch ebenfalls auf der Grundlage Magdeburger Rechts. Die Bürgerschaft sollte jedes Jahr vier Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters nominieren, aus denen der Starost den Bürgermeister zu ernennen hatte. Auf gleiche Weise sollte bei der Ernennung der städtischen Richter verfahren werden. Die Handwerker-Innungen sollten gleiche Rechte genießen wie in Rogasen, dem Sitz des Starosten. Am 22. November 1722 erteilte König August II. der Starke der Stadt einen Freibrief über die Märkte, das Holzrecht, das Brauereiwesen und die Branntweinbrennerei.[2] Die Stadt hatte eine katholische Kirche.

1773 kam Budsin zu Preußen. Der Ort befand sich zur Zeit der Inbesitznahme in keinem guten Zustand und bestand nur aus wenigen, mit Stroh gedeckten Häusern sowie der Kirche.[3] Die Dorfbewohner waren Polen und ernährten sich größtenteils vom Ackerbau. Um die wirtschaftliche Lage der Stadt zu verbessern, wurden hier unter der Regierung Friedrichs des Großen ausländische Tuchmacher-Kolonistenfamilien angesiedelt, denen Neubauten zur Verfügung gestellt wurden, die sie geschenkt bekamen; im Jahr 1782 wurden hier fünfzehn Häuser auf Staatskosten errichtet und den Kolonistenfamilien übergeben. Von 1774 bis 1783 wurden 49 ausländische Familien angesiedelt, die aus 158 Personen bestanden.[3] Bis auf die ausländischen Kolonisten, die evangelisch waren, waren die Bewohner katholisch. Die Katholiken benutzten die vorhandene Kirche; die Evangelischen hatten vorläufig eine Betstube in einem Privathaus;[3] später bekamen die Evangelischen ebenfalls eine eigene Kirche.

1894 hatte die Stadt einen Bahnhof der Linie PosenNeustettin.[4]

Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs gehörte die Stadt Budsin zum Kreis Kolmar i. Posen in der preußischen Provinz Posen. Nach Kriegsende fiel Budsin aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 1920 an die Zweite Polnische Republik. Von 1939 bis 1945 befand sich Budsin beim Deutschen Reich und gehörte zum Reichsgau Wartheland im Regierungsbezirk Posen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam die Stadt an Polen zurück. Soweit die deutschen Bewohner nicht vor Kriegsende vor der näherrückenden kämpfenden Kriegsfront geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von lokalen polnischen Behörden vertrieben. Das Stadtrecht wurde der Ortschaft entzogen.

EinwohnerzahlenBearbeiten

  • 1788: 827[2]
  • 1816: 968, darunter 694 Katholiken, 232 Evangelische und 42 Juden[2]
  • 1843: 1.592[2]
  • 1861: 1.820[2]
  • 1885: 1.973[4]

GemeindeBearbeiten

Zur Landgemeinde Budzyń gehören 13 Ortsteile (deutsche Namen bis 1945)[5][6][7][8][9] mit einem Schulzenamt:

  • Brzekiniec (Braknitz)[9]
  • Budzyń (Budsin)[6]
  • Bukowiec (Gramsdorf)[9]
  • Dziewoklucz (Zbyszewice, 1943–1945 Siebenschlößchen)[8]
  • Grabówka (Segenfelde)[7]
  • Kąkolewice (Kunkolewo, 1943–1945 Eichhöfen)[7]
  • Nowe Brzeźno (Neu Briesen)[9]
  • Ostrówki (Bismarcksruhm)[7]
  • Podstolice (Podstolitz, 1943–1945 Unterwalden)[8]
  • Prosna (Prosnau, 1943–1945 Prossen)[6]
  • Sokołowo Budzyńskie (Jankendorf)[6]
  • Wyszynki
  • Wyszyny (Wischin)

Weitere Ortschaften der Gemeinde sind Niewiemko, Nowawieś Wyszyńska (Neubuden)[6] und Popielno.

PersönlichkeitBearbeiten

Wanda Kallenbach (1902–1944), deutsches Opfer der NS-Justiz, wurde in Jankendorf geboren.

LiteraturBearbeiten

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 286–287.
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil, welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Kantersche Hofdruckerei, Marienwerder 1789, S. 111–112, Nr. 5).

WeblinksBearbeiten

FußnotenBearbeiten

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. a b c d e f Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 286–287.
  3. a b c Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil, welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Kantersche Hofdruckerei, Marienwerder 1789, S. 111–112, Ziffer 5.
  4. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. pos_kolmar.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Das Genealogische Orts-Verzeichnis
  6. a b c d e Vgl. Deutsche Topograph. Karte, 3167 Budsin
  7. a b c d Vgl. Deutsche Topograph. Karte, 3067 Kolmar
  8. a b c Vgl. Deutsche Topograph. Karte, 3068 Margonin
  9. a b c d Vgl. Deutsche Topograph. Karte, 3168 Zelice