Britische Jungferninseln

britisches Überseegebiet

Die Britischen Jungferninseln (englisch British Virgin Islands, offiziell nur Virgin Islands) sind ein britisches Überseegebiet in der Karibik. Sie umfassen mehr als 60 Inseln und Riffs im nordöstlichen Teil der Inselgruppe der Jungferninseln am nördlichen Ende der Inselkette der Kleinen Antillen. Die insbesondere durch Zuwanderung schnell wachsende Bevölkerung (Wanderungssaldoziffer 2012: 18,56 pro 1000 Einwohner, weltweit dritthöchster Wert) bewohnt 16 der etwa 100 km östlich von Puerto Rico gelegenen Inseln.

British Virgin Islands
Britische Jungferninseln
Flagge der Britischen Jungferninseln
Wappen der Britischen Jungferninseln
Flagge Wappen
Wahlspruch: Vigilate
(lateinisch für „Seid wachsam!“)
Amtssprache Englisch
Hauptstadt Road Town
Staatsoberhaupt Königin Elisabeth II.

vertreten durch
Gouverneur John Rankin
Regierungschef Premierminister Andrew Fahie
Fläche 150 km²
Einwohnerzahl 28.054 (2010)[1]
Bevölkerungsdichte 187 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt
  • Total (nominal)
2016[2]
  • 1286,3 Mio. USD
Währung US-Dollar (USD)
National­hymne God Save the Queen
Zeitzone UTC−4
Kfz-Kennzeichen VG
ISO 3166 VG, VGB, 092
Internet-TLD .vg
Telefonvorwahl +1 (284) siehe NANP
BahamasKubaHaitiNavassaJamaikaTurks- und CaicosinselnDominikanische RepublikKolumbienABC-InselnVenezuelaTrinidad und TobagoPuerto RicoAmerikanische JungferninselnBritische JungferninselnGrenadaSaint Vincent und die GrenadinenSaint LuciaBarbadosMartiniqueDominicaGuadeloupeMontserratAntigua und BarbudaAnguillaSint Maarten/ Saint MartinSaint Kitts and NevisSint EustatiusSabaGuyanaPanamaNicaraguaHondurasEl SalvadorGuatemalaMexikoBelizeBritish Virgin Islands in its region.svg
Über dieses Bild
Karte Britische Jungferninseln.png

Der Name der Inselgruppe geht auf Christoph Kolumbus zurück, der sie im November 1493 auf seiner zweiten Reise nach Amerika sichtete und Santa Úrsula y las Once Mil Vírgenes (St. Ursula und die elftausend Jungfrauen) nannte.[3]

Wirtschaftlich ist das Gebiet eng verknüpft mit den bevölkerungsstärkeren Amerikanischen Jungferninseln, die offizielle Währung ist daher der US-Dollar. Dominierend ist der Dienstleistungssektor, darin insbesondere die Tourismus- und die Offshore-Finanzbranche.

GeographieBearbeiten

 
Politische Zugehörigkeit:
  • Spanische Jungferninseln
    (zu Puerto Rico  Puerto Rico)
  • Jungferninseln Amerikanische  Amerikanische Jungferninseln
  • Jungferninseln Britische  Britische Jungferninseln
  • Puerto Rico  Puerto Rico
    (zu Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten)
  • Das Gebiet hat eine Größe von 150 km²[4] und besteht aus 16 bewohnten und zahlreichen unbewohnten Inseln. Die vier Hauptinseln sind Anegada, Jost Van Dyke, Tortola und Virgin Gorda. Anegada ist relativ flach, die anderen Inseln sind bergig bzw. hügelig. Der höchste Punkt des Gebiets ist der Mount Sage mit 523 m auf Tortola.[5]

    Während die Britischen Jungferninseln geographisch zu den Kleinen Antillen gezählt werden, bilden sie geologisch den östlichsten Abschnitt des Inselbogens der Großen Antillen (Greater Antilles Island Arc), der sich von Kuba bis zu den Jungferninseln erstreckt.[6] Die meisten der Inseln sind aus kretazischen bis eozänen Vulkaniten und den daraus entstandenen Sedimentgesteinen aufgebaut. Die ältesten Gesteine finden sich im Südwesten der Inselgruppe, nach Nordosten hin nimmt das Alter der zutage tretenden Gesteine ab.[7] Das östliche Ende von Tortola mit Beef Island, Virgin Gorda sowie die dazwischen liegenden kleineren Inseln bestehen hauptsächlich aus Gesteinen des Virgin-Islands-Batholithen (auch als Virgin-Gorda-Batholith bezeichnet), eines vor 35 bis 39 Millionen Jahren im Zusammenhang mit Subduktionsprozessen entstandenen, durch tektonische Vorgänge gehobenen und durch Erosion freigelegten Tiefengesteinskörpers.[8][9][10] Gänzlich verschieden von allen anderen Inseln des Archipels ist Anegada, die nordöstlichste und bei weitem jüngste der Jungferninseln. Sie entstand vor etwa 130.000 Jahren als Teil eines großen Riffsystems und ist aus Riffkalken und jungen Sedimenten aufgebaut.[11]

    Das Klima ist tropisch und feucht, die Temperaturen sind durch Winde gemäßigt. Hurrikane und tropische Stürme gibt es von Juli bis Oktober. Die natürlichen Süßwasservorkommen sind begrenzt. Abgesehen von einigen Quellen und periodischen Wasserläufen auf Tortola, die im Sommer austrocknen, beruht die Wasserversorgung der Inseln auf Brunnen und Regenwasserzisternen.[12]

    InsellisteBearbeiten

    f1  Karte mit allen Koordinaten: OSM | WikiMap

    Alphabetisch vorsortierte Liste der zu den Britischen Jungferninseln gehörenden Inseln

    Die Sortierung nach Koordinaten erfolgt in Ost-West-Richtung

    Inselname Koordinaten Fläche
    km²[4]
    Einwohner
    2010[13]
    Anmerkung
    Anegada !435.6666675518.733333518° 44′ 00,0″ N, 064° 20′ 00,0″ W 39,32 285
    Beef Island !435.4694445518.441944518° 26′ 31,0″ N, 064° 31′ 50,0″ W k. A. k. A.*)
    Bellamy Cay !435.4672225518.448333518° 26′ 54,0″ N, 064° 31′ 58,0″ W k. A. k. A.*)
    Broken Jerusalem !435.5450005518.408333518° 24′ 30,0″ N, 064° 27′ 18,0″ W k. A. unbewohnt besteht aus drei Gruppen von Felseilanden
    Buck Island !435.4419445518.423889518° 25′ 26,0″ N, 064° 33′ 29,0″ W 0,18 k. A.*) Privatbesitz
    Carrot Rock !435.4294445518.326389518° 19′ 35,0″ N, 064° 34′ 14,0″ W 0,01 unbewohnt
    Carval Rock !435.5116675518.372778518° 22′ 22,0″ N, 064° 29′ 18,0″ W k. A. unbewohnt
    Cockroach Island !435.5363895518.494722518° 29′ 41,0″ N, 064° 27′ 49,0″ W 0,02 unbewohnt gehört zur Inselgruppe Dog Islands
    Cooper Island !435.4902785518.377778518° 22′ 40,0″ N, 064° 30′ 35,0″ W 1,37 26
    Dead Chest Island !435.4366675518.365833518° 21′ 57,0″ N, 064° 33′ 48,0″ W 0,14 unbewohnt Nationalpark
    Diamond Cay !435.2755565518.448611518° 26′ 55,0″ N, 064° 43′ 28,0″ W 0,01 unbewohnt bei Niedrigwasser mit Jost Van Dyke verbunden; Nationalpark
    East Seal Dog Island !435.5675005518.506944518° 30′ 25,0″ N, 064° 25′ 57,0″ W 0,01 unbewohnt gehört zur Inselgruppe Seal Dog Islands
    Eustatia Island !435.6416675518.510000518° 30′ 36,0″ N, 064° 21′ 30,0″ W 0,11 k. A.*) Privatbesitz
    Fallen Jerusalem !435.5486115518.416667518° 25′ 00,0″ N, 064° 27′ 05,0″ W 0,20 unbewohnt Nationalpark
    Frenchman’s Cay !435.3000005518.383056518° 22′ 59,0″ N, 064° 42′ 00,0″ W 0,59 k. A.*)
    George Dog Island !435.5427785518.492778518° 29′ 34,0″ N, 064° 27′ 26,0″ W 0,18 unbewohnt gehört zur Inselgruppe Dog Islands
    Ginger Island !435.5222225518.388889518° 23′ 20,0″ N, 064° 28′ 40,0″ W 1,05 unbewohnt Privatbesitz
    Great Camanoe !435.4680565518.475000518° 28′ 30,0″ N, 064° 31′ 55,0″ W 3,42 6
    Great Dog Island !435.5419445518.482778518° 28′ 58,0″ N, 064° 27′ 29,0″ W 0,40 unbewohnt gehört zur Inselgruppe Dog Islands
    Great Thatch Island !435.2611115518.386111518° 23′ 10,0″ N, 064° 44′ 20,0″ W 1,14 unbewohnt ehemals besiedelt; jetzt Nationalpark
    Great Tobago !435.1750005518.445833518° 26′ 45,0″ N, 064° 49′ 30,0″ W 0,86 unbewohnt Nationalpark
    Green Cay !435.2913895518.453611518° 27′ 13,0″ N, 064° 42′ 31,0″ W 0,06 unbewohnt
    Guana Island !435.4291675518.475000518° 28′ 30,0″ N, 064° 34′ 15,0″ W 2,97 k. A.*) Privatbesitz
    The Indians !435.3711115518.331944518° 19′ 55,0″ N, 064° 37′ 44,0″ W k. A. unbewohnt Gruppe von Felseilanden
    Jost Van Dyke !435.2583335518.450000518° 27′ 00,0″ N, 064° 44′ 30,0″ W 8,34 298
    Key Cay !435.4041675518.344722518° 20′ 41,0″ N, 064° 35′ 45,0″ W k. A. unbewohnt
    Little Camanoe !435.4572225518.458611518° 27′ 31,0″ N, 064° 32′ 34,0″ W 0,17 unbewohnt
    Little Carvel Rock !435.4833335518.380000518° 22′ 48,0″ N, 064° 31′ 00,0″ W k. A. unbewohnt
    Little Cay !435.4613895518.439722518° 26′ 23,0″ N, 064° 32′ 19,0″ W k. A. unbewohnt
    Little Jost Van Dyke !435.2791675518.453611518° 27′ 13,0″ N, 064° 43′ 15,0″ W 0,63 k. A.*)
    Little Thatch !435.2838895518.381389518° 22′ 53,0″ N, 064° 42′ 58,0″ W 0,22 k. A.*) Privatbesitz
    Little Tobago !435.1527785518.429167518° 25′ 45,0″ N, 064° 50′ 50,0″ W 0,21 unbewohnt Nationalpark
    Little Wickhams Cay !435.3822225518.425833518° 25′ 33,0″ N, 064° 37′ 04,0″ W k. A. unbewohnt
    Marina Cay !435.4747225518.461111518° 27′ 40,0″ N, 064° 31′ 31,0″ W 0,02 k. A.*)
    Mosquito Island !435.6061115518.510556518° 30′ 38,0″ N, 064° 23′ 38,0″ W 0,51 k. A.*) Privatbesitz
    Nanny Cay !435.3666675518.400000518° 24′ 00,0″ N, 064° 38′ 00,0″ W k. A. k. A.*)
    Necker Island !435.6419445518.527222518° 31′ 38,0″ N, 064° 21′ 29,0″ W 0,29 k. A.*) Privatbesitz
    Norman Island !435.3888895518.316667518° 19′ 00,0″ N, 064° 36′ 40,0″ W 2,52 k. A.*) Privatbesitz
    Pelican Cay !435.2794445518.458889518° 27′ 32,0″ N, 064° 43′ 14,0″ W 0,03 unbewohnt mit Little Jost Van Dyke verbunden
    Pelican Island !435.3744445518.332500518° 19′ 57,0″ N, 064° 37′ 32,0″ W 0,04 unbewohnt
    Peter Island !435.4250005518.353333518° 21′ 12,0″ N, 064° 34′ 30,0″ W 4,30 k. A.*) Privatbesitz
    Prickly Pear Island !435.6333335518.505556518° 30′ 20,0″ N, 064° 22′ 00,0″ W 0,69 k. A.*) Nationalpark
    Round Rock !435.5425005518.398611518° 23′ 55,0″ N, 064° 27′ 27,0″ W 0,66 unbewohnt
    Saba Rock !435.6422225518.503056518° 30′ 11,0″ N, 064° 21′ 28,0″ W 0,01 k. A.*)
    Salt Island !435.4733335518.370000518° 22′ 12,0″ N, 064° 31′ 36,0″ W 0,77 unbewohnt bis 2004 bewohnt[14]
    Sandy Cay !435.2902785518.436111518° 26′ 10,0″ N, 064° 42′ 35,0″ W 0,05 unbewohnt Nationalpark
    Sandy Spit !435.2913895518.450000518° 27′ 00,0″ N, 064° 42′ 31,0″ W k. A. unbewohnt Nationalpark
    Scrub Island !435.4875005518.467778518° 28′ 04,0″ N, 064° 30′ 45,0″ W 0,96 k. A.*)
    Tortola !435.3666675518.433333518° 26′ 00,0″ N, 064° 38′ 00,0″ W 55,72 23.419
    Virgin Gorda !435.5944445518.477778518° 28′ 40,0″ N, 064° 24′ 20,0″ W 21,90 3.930
    Watson Rock !435.1663895518.439167518° 26′ 21,0″ N, 064° 50′ 01,0″ W 0,01 unbewohnt auch Cable Rock genannt; Nationalpark
    West Dog Island !435.5275005518.483056518° 28′ 59,0″ N, 064° 28′ 21,0″ W 0,11 unbewohnt gehört zur Inselgruppe Dog Islands; Nationalpark
    West Seal Dog Island !435.5652785518.506944518° 30′ 25,0″ N, 064° 26′ 05,0″ W 0,02 unbewohnt gehört zur Inselgruppe Seal Dog Islands
    *) Insel mit Wohngebäuden und/oder touristischen Einrichtungen; zur Einwohnerzahl liegen keine Angaben vor.

    BevölkerungBearbeiten

    Die Britischen Jungferninseln haben 28.054 Einwohner (Stand 2010).[1] Die Mehrheit der Bevölkerung ist ganz oder zum Teil afrikanischer Abstammung.[15] 17,6 % sind Methodisten, 10,4 % Mitglieder der Gemeinde Gottes, 9,5 % Anglikaner, 9 % Adventisten des siebenten Tages, 8,9 % Katholiken, 8,2 % Pfingstler, 7,4 % Baptisten, 6,9 % gehören der New Testament Church of God an, 2,5 % sind Zeugen Jehovas, 1,9 % Hindus, 17,7 % bekennen sich zu einer anderen oder keiner Religion (alle Zahlen von 2010).[16]

    GeschichteBearbeiten

    Im 1. Jahrhundert v. Chr. besiedelten Arawak die Inseln, wurden aber im 15. Jahrhundert von Kariben unterworfen. 1493 entdeckte Christoph Kolumbus die Jungferninseln für die Europäer. 1555 besiegten spanische Truppen die indigene Bevölkerung und rotteten sie in den kommenden Jahrzehnten aus.

    Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts wurden die Inseln zwar mehrfach von spanischen und englischen Schiffen auf deren Expeditionen nach Süd- und Mittelamerika besucht, eine Kolonisierung unterblieb aber zunächst. Erst 1615 erscheint in spanischen Aufzeichnungen eine dauerhafte Siedlung des holländischen Freibeuters Joost van Dyk auf Tortola. Bald darauf erkannte die Niederländische Westindien-Kompanie die strategische Bedeutung der Jungferninseln. Durch holländische Siedler wurden in der Folgezeit mehrere Schanzen und kleine Forts errichtet; es kam zu zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen mit spanischen Truppen.

    Nach dem Ausbruch des Dritten Englisch-Niederländischen Krieges wurde das Gebiet 1672 von England annektiert und in die Kolonie der British Leeward Islands eingegliedert. Die Briten legten Plantagen zum Anbau von Zuckerrohr an, wofür sie eine wachsende Anzahl aus Afrika deportierter Sklaven benötigten. In der Mitte des 18. Jahrhunderts gab es hier bereits über 6000 Sklaven. Heute sind daher rund 75 % der Bevölkerung schwarzafrikanischer Abstammung.[15] Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zu mehreren Sklavenaufständen; 1834 wurde die Sklaverei offiziell abgeschafft.

    Die 1871 gegründete Leeward Islands Federation wurde 1956 aufgelöst. Die Britischen Jungferninseln bildeten ab 1960 eine eigene Kronkolonie und erlangten mit der Verfassung von 1967 eine stärkere innere Autonomie.[17] Seit 1946 steht das Territorium auf der UN-Liste der Hoheitsgebiete ohne Selbstregierung.

    PolitikBearbeiten

    Die Britischen Jungferninseln sind assoziiertes Mitglied der Karibischen Gemeinschaft und der Organisation Ostkaribischer Staaten. Sie gehören zu den Trägern der University of the West Indies.

    Die oberste exekutive Autorität der Britischen Jungferninseln hat Königin Elisabeth II. inne. In dieser Funktion wird sie vom Gouverneur vertreten, der von ihr auf Vorschlag der britischen Regierung ernannt wird. Für die Außen- und Verteidigungspolitik ist das Vereinigte Königreich zuständig.

    Die Verfassung der Inselgruppe wurde zuletzt 2007 neu erlassen.[18] Regierungschef ist der Premier, bis 2007 Chief Minister, der zusammen mit den vier anderen Regierungsmitgliedern aus den Mitgliedern des Legislativrates vom Gouverneur ernannt wird. Der Legislativrat (House of Assembly) besteht aus 13 vom Volk gewählten Abgeordneten, dem Speaker sowie dem nicht stimmberechtigten Attorney General.

    Seit 29. Januar 2021 hat John Rankin das Amt des Gouverneurs inne.[19] Amtierender Premier ist seit 2019 Andrew Fahie von der Virgin Islands Party (VIP). Er löste Orlando Smith von der National Democratic Party (NDP) ab.

    WirtschaftBearbeiten

     
    White Bay der Insel Jost Van Dyke

    Die Wirtschaft, eine der stabilsten und florierendsten in der Karibik, ist überwiegend vom Tourismus abhängig. Der direkte Beitrag des Tourismus zum Bruttoinlandsprodukt lag 2016 bei etwa 34 %; der Gesamtbeitrag zur Wirtschaftskraft des Landes, der auch die indirekten Auswirkungen auf andere Wirtschaftszweige berücksichtigt, übersteigt 95 %.[20] Circa 825.000 Touristen, darunter mehr als 440.000 Kreuzfahrtpassagiere hauptsächlich aus den USA, besuchten 2006 die Inseln. Haupteinnahmequelle der örtlichen Tourismusindustrie ist das Verchartern von Yachten.[21]

    Von vergleichsweise untergeordneter Bedeutung ist die Landwirtschaft, deren Hauptaktivität in der Viehzucht liegt. Die schlechte Bodenqualität ermöglicht nur eine begrenzte Versorgung der heimischen Bevölkerung.

    Das Bruttoinlandsprodukt lag 2016 nominal bei etwa 1286 Mio. US-Dollar.[2]

    Die Wirtschaft ist eng an die der Amerikanischen Jungferninseln gebunden. Seit 1959 ist der US-Dollar die offizielle Währung.

    SteueroaseBearbeiten

    Seit Mitte der 1980er Jahre bietet die Regierung Unternehmen die Möglichkeit, auf den Inseln mit einer Briefkastenfirma ansässig zu sein. Die Gebühren für die Gründung solcher Gesellschaften machen inzwischen mehr als 50 % der Staatseinnahmen aus. Etwa 450.000 Briefkastenfirmen waren 2012 auf den Inseln registriert.[21] Bis 2015 waren es bereits 800.000 Unternehmen.[22]

    In einer Rangliste der wichtigsten Finanzzentren weltweit belegten die Britischen Jungferninseln Platz 60 (Stand: März 2018).[23]

    InfrastrukturBearbeiten

    Das Straßennetz umfasst 200 km befestigte Straßen (Stand 2007),[24] es herrscht Linksverkehr. In Road Town gibt es einen Hafen.

    Zwischen den größeren Inseln verkehren zahlreiche Personenfähren und Wassertaxis.[25] Von Tortola, Virgin Gorda und Jost van Dyke aus gibt es regelmäßige Fährverbindungen zu Zielen auf den zu den Amerikanischen Jungferninseln gehörenden Inseln Saint Thomas und Saint John.

    Auf dem Gebiet der Britischen Jungferninseln gibt es fünf Flughäfen: Auguste George Airport auf der Insel Anegada (IATA-Flughafencode: NGD), Terrance B. Lettsome International Airport auf der Insel Beef Island (EIS), Virgin Gorda Airport auf der Insel Virgin Gorda (VIJ) sowie die beiden Wasserflugplätze North Sound Water Aerodrome nördlich der Insel Virgin Gorda (NSX) und West End Seaplane Base nördlich der Insel Tortola (TOV).

    KulturBearbeiten

    SportBearbeiten

    Cricket war einst die beliebteste Sportart auf den Britischen Jungferninseln, wurde aber inzwischen von den US-amerikanischen Sportarten American Football, Basketball und Baseball überflügelt. Die Britischen Jungferninseln sind eines der Gebiete, die mit anderen Karibikstaaten das West Indies Cricket Team bilden, eine der „Nationalmannschaften“ im internationalen Cricket mit Teststatus, der angesehensten Form dieses Sports. Das West Indies Cricket Team nahm an jedem Cricket World Cup teil und gewann die ersten beiden Austragungen 1975 und 1979.

    FeiertageBearbeiten

    Datum Name Deutscher Name Anmerkungen
    1. Januar New Years Day Neujahr
    7. März H. Lavity Stoutt’s Birthday Geburtstag von Hamilton Lavity Stoutt Minister von 1957 bis 1995
    März Commonwealth Day Commonwealth-Tag Zweiter Montag im März
    März/April Good Friday und Easter Monday Karfreitag und Ostermontag Ostern
    Mai/Juni Whit Monday Pfingstmontag
    Juni Sovereign’s Day Feier zum Geburtstag von Elisabeth II.
    1. Juli Territory Day Fest des Territoriums
    August Festival Holidays Festival (drei Tage) der erste Montag – Mittwoch im August
    zur Befreiung von der Sklaverei 1834
    21. Oktober St. Ursula’s Day Fest der Heiligen Ursula
    25. und 26. Dezember Christmas Day und Boxing Day Weihnachten

    LiteraturBearbeiten

    • Isaac Dookhan: A History of the British Virgin Islands, 1672 to 1970. Caribbean Universities Press in association with Bowker Pub. Co., Epping, Essex 1975, ISBN 0-85935-026-6 (englisch).
    • Norwell Harrigan, Pearl I. Varlack: The British Virgin Islands (a Chronology). Research and Consulting Services, Tortola 1970 (englisch).

    WeblinksBearbeiten

    Commons: British Virgin Islands – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. a b Virgin Islands 2010 Population and Housing Census Report. Government of the Virgin Islands – Central Statistics Office, 1. Dezember 2016, Executive Summary, S. 1 (englisch, bvi.gov.vg [PDF; 2,6 MB; abgerufen am 13. Mai 2021]).
    2. a b Gross Value Added by Economic Activity in Current Prices. (PDF; 207 kB) In: bvi.gov.vg. Government of the Virgin Islands – Central Statistics Office, Oktober 2019, abgerufen am 17. April 2020 (englisch).
    3. Bartolomé de Las Casas: Historia de las Indias. Tomo II. Miguel Ginesta, Madrid 1875, Capítulo LXXXV, S. 9–11, hier S. 10 oben (spanisch, Volltext).
    4. a b BVI Area by Island. (PDF; 50 kB) Landflächen der Britischen Jungferninseln. In: dpu.gov.vg. Government of the Virgin Islands – Development Planning Unit, 8. September 2005, archiviert vom Original am 4. April 2007; abgerufen am 14. Mai 2021 (englisch).
    5. Sage Mountain National Park on Tortola BVI. Kurzbeschreibung mit Wegeskizze. In: Directory of th British Virgin Islands at ReservationsBVI.Com. Abgerufen am 9. Januar 2018 (englisch).
    6. Wayne T. Jolly et al.: Bimodal volcanism in northeast Puerto Rico and the Virgin Islands (Greater Antilles Island Arc): Genetic links with Cretaceous subduction of the mid-Atlantic ridge Caribbean spur. In: Lithos. Band 103, Nr. 3–4, Juli 2008, ISSN 0024-4937, S. 393–414, hier S. 394, doi:10.1016/j.lithos.2007.10.008 (englisch, online frei verfügbar durch redciencia.cu [PDF; 3,8 MB; abgerufen am 14. Mai 2021]).
    7. Shannon Gore: Introduction to Reefs and Shorelines of the British Virgin Islands. In: Charles Sheppard (Hrsg.): Coral Reefs of the United Kingdom Overseas Territories (= Bernhard Riegl, Richard Dodge [Hrsg.]: Coral Reefs of the World. Band 4). Springer, 2013, ISBN 978-94-007-5964-0, ISSN 2213-719X, Oceanographic and Geologic Setting, S. 23–26, doi:10.1007/978-94-007-5965-7_3 (englisch, Download auf ndl.ethernet.edu.et [PDF; 32,1 MB; abgerufen am 14. Mai 2021]).
    8. Wayne T. Jolly et al.: Bimodal volcanism in northeast Puerto Rico and the Virgin Islands (Greater Antilles Island Arc): Genetic links with Cretaceous subduction of the mid-Atlantic ridge Caribbean spur. In: Lithos. Band 103, Nr. 3–4, Juli 2008, ISSN 0024-4937, S. 393–414, hier S. 396, doi:10.1016/j.lithos.2007.10.008 (englisch, online frei verfügbar durch redciencia.cu [PDF; 3,8 MB; abgerufen am 14. Mai 2021]).
    9. Kevin Lee Schrecengost: Geochemistry and U/Pb zircon geochronology of the Virgin Islands batholith, British Virgin Islands. Masterarbeit. University of North Carolina at Chapel Hill, Chapel Hill, NC Dezember 2010, Chapter II: Background, S. 4–10, doi:10.17615/b0qw-pr21 (englisch).
    10. Frederic H. Wilson et al.: Preliminary Geologic Map of the Greater Antilles and the Virgin Islands – Pamphlet to accompany (= Open-File Report. Nr. 2019–1036). United States Geological Survey, 2019, ISSN 2331-1258, Igneous Rocks: Tertiary Intrusive Rocks – Ted, S. 35, doi:10.3133/ofr20191036 (englisch, die flächenmäßige Ausdehnung der beschriebenen Gesteinsformationen ist in Sheet 2 dargestellt).
    11. Shannon Gore: Anegada: An Emergent Pleistocene Reef Island. In: Charles Sheppard (Hrsg.): Coral Reefs of the United Kingdom Overseas Territories (= Bernhard Riegl, Richard Dodge [Hrsg.]: Coral Reefs of the World. Band 4). Springer, 2013, ISBN 978-94-007-5964-0, ISSN 2213-719X, Geologic Genesis, S. 47–52, doi:10.1007/978-94-007-5965-7_5 (englisch, Download auf ndl.ethernet.edu.et [PDF; 32,1 MB; abgerufen am 14. Mai 2021]).
    12. Geography. Government of the Virgin Islands, abgerufen am 9. Januar 2018 (englisch).
    13. Virgin Islands 2010 Population and Housing Census Report. Government of the Virgin Islands – Central Statistics Office, 1. Dezember 2016, Table 2: Households, Persons and Average Size of Household by Island, S. 6 (englisch, bvi.gov.vg [PDF; 2,6 MB; abgerufen am 14. Mai 2021] mit einem Zahlendreher bei der Einwohnerzahl von Tortola, vgl. Executive Summary, S. 1 des Reports).
    14. Salt Island in the British Virgin Islands. In: bareboatsbvi.com. Bareboats BVI, 5. Januar 2015, abgerufen am 14. Mai 2021 (englisch).
    15. a b Virgin Islands 2010 Population and Housing Census Report. (PDF; 2,52 MB) Table 74: To which ethnic group do you belong? Government of the Virgin Islands – Central Statistics Office, 1. Dezember 2016, S. 57, abgerufen am 9. Januar 2018 (englisch).
    16. Virgin Islands 2010 Population and Housing Census Report. (PDF; 2,52 MB) Table 76: What is your affiliation with a religion or faith. Government of the Virgin Islands – Central Statistics Office, 1. Dezember 2016, S. 59, abgerufen am 9. Januar 2018 (englisch).
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    18. The Virgin Islands Constitution Order 2007. Statutory Instruments 2007 No. 1678. Buckingham Palace 13. Juni 2007 (englisch, Volltext, Memento vom 21. April 2012 im Internet Archive [PDF; abgerufen am 14. Mai 2021]).
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    20. David Scowsill (Hrsg.): Travel & Tourism: Economic Impact 2017 – British Virgin Islands. World Travel & Tourism Council (WTTC), London März 2017, 2017 Annual Research: Key Facts, S. 1, GDP: Direct Contribution sowie GDP: Total Contribution (englisch, online [PDF; 1,7 MB; abgerufen am 11. Januar 2018]).
    21. a b Our Economy. Government of the Virgin Islands, abgerufen am 11. Januar 2018 (englisch).
    22. Luxus in Steueroasen: Ducati streicheln unter Palmen. – Artikel und Fotoserie über Steueroasen, Spiegel Online.
    23. The Global Financial Centres Index 23. (PDF) In: longfinance.net. Z/Yen Group, März 2018, abgerufen am 13. Januar 2019 (englisch).
    24. CIA World Factbook: Roadways: British Virgin Islands. Abgerufen am 11. Januar 2018 (englisch).
    25. Ferry Schedules & FAQs. In: bestofbvi.com. Best of BVI Ltd., abgerufen am 13. Mai 2021 (englisch).

    Koordinaten: 18° 30′ N, 64° 30′ W