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Ausschnitt einer Europakarte Abraham Ortelius’ mit Irland. Westlich ist die Brasilinsel eingezeichnet (1571)

Die Brasilinsel (Hy Brasil) gehört zu den sogenannten Phantominseln, die zwar auf Karten aus der Renaissance und der Frühen Neuzeit eingezeichnet sind, aber nie existierten.

MythosBearbeiten

Die Lage der Brasilinsel wurde auf verschiedenen Karten unterschiedlich dargestellt. Einmal sollte sie westlich von Irland liegen, dann viel weiter im Süden, ein weiteres Mal vor Neufundland. Der Name stammt aus dem Irischen von Uí Breasail („Nachfahren des Breasal“, die Bezeichnung eines Clans im Nordosten Irlands). Mit Brasilien hat die Brasilinsel nichts zu tun.

Die Insel wurde angeblich von keltischen Mönchen im sechsten Jahrhundert entdeckt und wurde zu einem Sehnsuchtsort der Europäer, da nach den Beschreibungen der Mönche alle Pflanzen Blüten trugen und alle Bäume, Früchte und Steine Edelsteine waren. Die Sage von der Insel betonte, dass die Insel völlig von Nebel umschlossen sei und nur an einem Tag alle sieben Jahre sichtbar wäre.

1498 schrieb ein britischer Agent in einem Brief an Christoph Kolumbus, bei dem Land, das der venezianische Seefahrer Giovanni Caboto im Auftrag Heinrichs VII. von England entdeckt habe (Neufundland), handele es sich um die Brasilinsel. Sie sei, wie Columbus bereits wisse, bereits zuvor von Seeleuten aus Bristol entdeckt worden.[1]

Erst 1865 wurde die Insel endgültig aus den Atlanten entfernt.

Moderne RezeptionBearbeiten

Margaret Elphinstone verlegte die Handlung ihres Romans Inselnotizen nach Hy Brasil. „Hy-Brazil“ war auch der Name einer Insel im Abenteuerfilm Erik der Wikinger, welche aber im Laufe der Handlung versank (allerdings nur im englischen Original, in der deutschen Synchronisation hieß die Insel „Atlantis-West“, da der Mythos der Brasilinsel in Deutschland nicht so weit verbreitet war). Der Autor Alan Moore und der Zeichner J. H. Williams III verwendeten in ihrer Comicserie Promethea eine Fantasiewelt namens, „Hy Brasil“, die jedoch frei erfunden ist und in keinem Zusammenhang zur Phantominsel steht.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. David B. Quinn: The Argument for the English Discovery of America between 1480 and 1494. In: The Geographical Journal 127, No. 3 (1961), S. 277–285; vgl. The John Day Letter auf der Newfoundland and Labrador Heritage Website, Zugriff am 31. Januar 2019.

LiteraturBearbeiten

  • Urs Bitterli: Die Entdeckung Amerikas. Von Kolumbus bis Alexander von Humboldt. Beck, München 1991, ISBN 3-406-42122-9, S. 32 f.
  • Barbara Freitag: Hy Brasil: the metamorphosis of an island: from cartographic error to Celtic elysium. Rodopi, Amsterdam [u. a.] 2013 (Textxet: studies in comparative literature 69), ISBN 978-90-420-3641-3.