Brüel

Stadt in Deutschland

Brüel [bryːl] ist eine Kleinstadt im Norden des Landkreises Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern (Deutschland). Sie wird vom Amt Sternberger Seenlandschaft mit Sitz in der Stadt Sternberg verwaltet. Der Ort ist ein Grundzentrum.[2]

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Brüel
Brüel
Deutschlandkarte, Position der Stadt Brüel hervorgehoben

Koordinaten: 53° 44′ N, 11° 43′ O

Basisdaten
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis: Ludwigslust-Parchim
Amt: Sternberger Seenlandschaft
Höhe: 20 m ü. NHN
Fläche: 27,3 km2
Einwohner: 2566 (31. Dez. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 94 Einwohner je km2
Postleitzahl: 19412
Vorwahl: 038483
Kfz-Kennzeichen: LUP, HGN, LBZ, LWL, PCH, STB
Gemeindeschlüssel: 13 0 76 020
Stadtgliederung: 6 Ortsteile
Adresse der Amtsverwaltung: Am Markt 1
19406 Sternberg
Website: www.stadt-brueel.de
Bürgermeister: Burkhard Liese (CDU)
Lage der Stadt Brüel im Landkreis Ludwigslust-Parchim
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Über dieses Bild

GeografieBearbeiten

 
Roter See

LageBearbeiten

Brüel liegt nahe der mittleren Warnow im nördlichen Bereich der Sternberger Seenlandschaft. Die Stadt wird flankiert durch den Roten See im Süden, den Keezer See im Westen sowie den Tempziner See und den Groß Labenzer See im Norden und Nordosten. Der höchste Punkt im Stadtgebiet ist eine unbenannte Höhe südwestlich der Stadt mit 70,2 m ü. NHN. Die Entfernung zur Hansestadt Wismar beträgt etwa 30 Kilometer, zur Landeshauptstadt Schwerin etwa 27 Kilometer.

Umgeben wird Brüel von den Nachbargemeinden Kloster Tempzin im Norden, Blankenberg im Nordosten, Weitendorf im Südosten sowie Kuhlen-Wendorf m Südwesten.

StadtgliederungBearbeiten

Zu Brüel gehören die Ortsteile Golchen, Keez, Necheln und Thurow sowie die Siedlung Kronskamp.[3]

GeschichteBearbeiten

NameBearbeiten

Der Name Brüels stammt eventuell vom altpolabischen oder slawischen bryla ab, was so viel wie (Erd)-Schollen-Platz bedeutet. Eine andere Namensdeutung leitet den Namen vom häufig gebrauchten althochdeutschen Bruil oder Broil ab und das bedeutet dann feuchter Wiesengrund. Später wurde der Ort Bruyle (1266), Brule (1271) oder Broile (1456) und dann Brüle (1502) genannt.[4]

FrühgeschichteBearbeiten

Die frühesten Funde eines Lagerplatzes sowie steinerner Werkzeuge steinzeitlicher Nomaden im Innenstadtbereich von Brüel stammen aus dem Mesolithikum (mittlere Steinzeit), also etwa einer Zeit von 8000 bis 4000 v. Chr. Eine erste sesshafte Besiedelung erfolgte nachweislich im Neolithikum (Jungsteinzeit). Archäologen fanden sowohl Spuren steinzeitlicher Häuser als auch Keramik und Steingeräte aus dieser Zeit. Ob auch in der Bronze- oder Eisenzeit Menschen hier lebten, ist anhand der Funde nicht erkennbar.

MittelalterBearbeiten

 
Stadtkirche Brüel, Westgiebel aus dem 15. Jahrhundert

Erste Spuren einer Besiedelung finden sich erst wieder in der älteren Slawenzeit ab dem 6. Jahrhundert. Aus dieser Zeit wurden beispielsweise Reste einer Herdstelle sowie Teile einer Küche entdeckt. Seither sind aus allen folgenden Jahrhunderten Funde belegt, was eine durchgehende Besiedelung bis zur urkundlichen Ersterwähnung wahrscheinlich macht. Während der Ost-Kolonisation unter Heinrich dem Löwen wurde die vorhandene Slawenburg im 12. Jahrhundert zerstört und am selben Ort eine neue größere, nun steinerne, Burganlage errichtet. Quellen lassen darauf schließen, dass diese bis ins 16. Jahrhundert bestand. Die Umstände ihrer Zerstörung sind unbekannt, heute ist lediglich der alte Burgwall zu erkennen.

In einer Urkunde zur Gründung des nahegelegenen Antoniter-Klosters Tempzin vom 7. Juni 1222 wurde Bruile erstmals erwähnt. Die ältesten Teile der Kirche aus dem 13. Jahrhundert standen zu dieser Zeit bereits. Reimar von Plessen erhob Brüel laut einer Urkunde von 1340 zum Stedeken, also zur Stadt, wahrscheinlich mit Parchimer Stadtrecht. Diese Jahresangabe ist aber umstritten. Andere Quellen besagen, dass Brüel erst um 1377 Stadtrecht erlangte. Als Brüel bei einem Stadtbrand 1485 seine Privilegien verlor, erneuerte Heinrich von Plessen diese zwei Jahre später. 1502 stiftete er vier Vikareien. Sein Bild und das seiner Frau Abel, geb. von Lützow, zieren noch heute eine Kirchenwand.

Brüel war eine Landstadt in Mecklenburg und als Teil der Städte des Mecklenburgischen Kreises auf Landtagen vertreten.

NeuzeitBearbeiten

Brüel blieb bis 1611 bei den von Plessens. In dieser Zeit wurde es auch immer wieder mit Schenkungen bedacht, wie z. B. mit einer noch heute existierenden Kirchenglocke von 1588.

In der Folgezeit wechselte Brüel häufiger die Besitzer. Auch diese machten der Stadt immer wieder Schenkungen, wie Wilhelm Ludwig von Kohlhans, der ihr 1698 ein größeres Armenhaus stiftete. 1702 erwarb Christian von Freyburg von Kohlhans Hof Bruel, die alte Plessensche Burg mit Grundbesitz.[5]

Die Stadt war im Mittelalter durch einen Wall mit einem darauf befindlichen Plankenzaun und zwei Stadttoren, die im Dreißigjährigen Krieg zerstört wurden, befestigt. 1708 wurde Brüel auf Befehl von Herzog Friedrich Wilhelm zu Mecklenburg-Schwerin zusätzlich noch mit einem Graben umgeben. Auf dem alten Burgberg wurde 1878 ein neues Schulhaus errichtet, dessen Kellergewölbe noch von der Burg stammt.

 
Wasser-Kornmühle aus dem 19. Jahrhundert (Brüeler Mühle)
 
Rathaus

Brüel hatte eine jüdische Gemeinde. Spätestens ab 1750 waren in Brüel jüdische Einwohner nachweisbar. Mit ca. 5 % an Einwohnern jüdischen Glaubens zählte Brüel zu den Mecklenburger Städten mit einem vergleichsweise hohen Anteil. 1919 zog der letzte jüdischen Bürgers weg. Der erhaltene jüdische Friedhof liegt in Richtung Weitendorf in einem Kiefernforst.[6]

Dem Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben wurde 1845 durch den Rat der Stadt und Bürgermeister Heinrich Friedrich Born das Bürgerrecht verweigert. Ab 1845 lebte und arbeitete er immer wieder einige Zeit auf dem Rittergut von Rudolf Müller im nahegelegenen Holdorf, nachdem er ein Jahr zuvor aus Preußen ausgewiesen wurde.

Brüel entwickelte sich zu einer Landstadt, deren typische Häuser man heute noch in der Stadt sieht. Innenstadt und Rathaus wurden im Rahmen der Städtebauförderung seit 1991 grundlegend saniert.

Von 1952 bis 1994 gehörte Brüel zum Kreis Sternberg (bis 1990 im DDR-Bezirk Schwerin, ab 1990 im Land Mecklenburg-Vorpommern). 1994 wurde die Stadt in den Landkreis Parchim eingegliedert, der 2011 mit dem Landkreis Ludwigslust zum Landkreis Ludwigslust-Parchim zusammengelegt wurde.

Bis zum 1. Juli 2004 war Brüel Sitz des aufgelösten Amtes Brüel.

Geschichte der OrtsteileBearbeiten

Thurow:

1444 verlieh Herzog Heinrich IV. von Mecklenburg die Güter Bresen, Ventschow, Turow, Jesendorf und Bibow an Johann Bassewitz. Gutsbesitzer waren danach u. a. die Familien von Sperling (Mitte 16. Jh.), von Wopersnow und Lübbe (ab 1822). Das Gutshaus stammt aus dem 19. Jahrhundert.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 
Einwohnerentwicklung von Brüel von 1879 bis 2017
Jahr Einwohner
1819 1074
1827 1252
1831 1436
1846 1489
1861 1985
1880 2277
1919 1850
Jahr Einwohner
1990 3399
1995 3301
2000 3278
2005 3094
2010 2763
2015 2605
2018 2554

ReligionBearbeiten

PolitikBearbeiten

StadtvertretungBearbeiten

Die Stadtvertretung von Brüel besteht seit der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 aus 11 Mitgliedern.[8]

Partei / Liste Sitze
CDU 5
Die Linke 2
Einzelbewerber Torsten Lange 1
SPD 1
Bürgerschaft der Gemeinde Brüel 1
Einzelbewerber Hans-Werner Lübcke 1

BürgermeisterBearbeiten

  • 2004–2019: Hans-Jürgen Goldberg (Die Linke)
  • seit 2019: Burkhard Liese (CDU)

Liese wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 16. Juni 2019 mit 50,3 % der gültigen Stimmen gewählt.[9]

WappenBearbeiten

Blasonierung: „Gespalten; vorn in Gold ein halber hersehender schwarzer Stierkopf am Spalt; hinten in Rot ein halber goldener Stern am Spalt, darunter ein aus dem Spalt hervorkommendes gestieltes goldenes Dreiblatt.“[10]

Das Wappen wurde am 10. April 1858 von Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin festgelegt, 1991 neu gezeichnet und unter der Nr. 3 der Wappenrolle des Landes Mecklenburg-Vorpommern registriert.

Wappenbegründung: Das Wappen ist nach dem Siegelbild des S(IGILLVM) OPIDI BRVLE – zuerst 1384 als Abdruck überliefert – gestaltet und im April 1858 in der jetzigen Form festgelegt worden. Im Wappen verweist der aus dem Wappen der Adelsfamilie von Plessen nach dem Gestaltungsgrundsatz des pars pro toto entlehnte schwarze Stierkopf auf den einstigen Stadtherrn. Bildlich könnte der halbe Stern daran erinnern, dass Brüel von Sternberg wahrscheinlich das Parchimer Stadtrecht übernommen hat. Das Dreiblatt deutet möglicherweise auf den aus dem Altslawischen stammenden Ortsnamen (bryla = Klumpen, Erdscholle) hin.
Historisches Wappen
Blasonierung: „In Blau eine goldene Fibel (Fibel von Häven).“[10]

Das Wappen wurde von dem Berliner Prof. Hans Herbert Schweitzer gestaltet. Es wurde am 2. September 1940 durch den Reichsstatthalter in Mecklenburg verliehen.

Wappenbegründung: Das Wappen verlor schon bald nach dem Ende des II. Weltkrieges seine Gültigkeit.

FlaggeBearbeiten

 
  Flagge der Stadt Brüel

Die Flagge wurde von dem Brüeler Herbert Fürtig gestaltet und am 9. Dezember 1996 durch das Ministerium des Innern genehmigt.

Die Flagge ist gleichmäßig quer zur Längsachse des Flaggentuchs von Rot und Gelb gestreift. In der Mitte des Flaggentuchs liegt, auf jeweils zwei Siebtel der Länge des roten und des gelben Streifens übergreifend, das Stadtwappen. Die Länge des Flaggentuchs verhält sich zur Höhe wie 5:3.[11]

DienstsiegelBearbeiten

Das Dienstsiegel zeigt das Stadtwappen mit der Umschrift „STADT BRÜEL“.[11]

StädtepartnerschaftBearbeiten

Seit 1990 besteht eine Städtepartnerschaft mit der Gemeinde Schönkirchen in Schleswig-Holstein.

Sehenswürdigkeiten und KulturBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

  • Gutshaus Golchen, vielgliedriger romantischer zweigeschossiger Putzbau von 1857 mit Sockel- und Mezzaningeschoss, mehreren Türmen, Erkern, Staffelgiebel und Risaliten, in den 1990er Jahren saniert; Gutsbesitz von Kloster Sonnenkamp (ab 1219), dann der Familien von Kohlhans (ab 1783) und von Stralendorff (ab 1913)
  • Gutshaus Alt Necheln, zweigeschossiger Putzbau von um 1912 mit zweiteilig gegliedertem Walmdach nach Plänen der ersten Architektin Deutschlands Emilie Winkelmann für die Familie Booth; Zwerchgiebel mit Fachwerk-Obergeschossen und einem Türmchen, heute Ferienwohnhaus
  • Gutshaus Neu Necheln
  • Gutshaus Thurow, zweigeschossiger, zehnachsiger Putzbau aus dem 19. Jahrhundert mit Mezzaningeschoss und Walmdach

DenkmälerBearbeiten

  • Heuchert-Knoten und Meilenstein an der B 104
  • Kriegsdenkmäler von 1870/71 und 1914
  • Ehrengrab für den sozialdemokratischen Widerstandskämpfer Gustav Arndt, der 1934 im Zuchthaus Dreibergen-Bützow an den Folgen der erlittenen Folter starb. Seit 1948 trägt eine Straße im Ort seinen Namen, und seit 1984 erinnert dort an ihn eine Gedenktafel.

KulturBearbeiten

  • Heimatstube und Stadtbibliothek im Bürgerhaus
  • Kulturknastfenster, dort finden seit 2010 (Stand 2019) regelmäßig Konzerte mit experimenteller Jazzmusik statt. Es befindet sich im ehemaligen Gefängnis des Amtsgerichts, das in den 1950er Jahren zur Bauernbank umgebaut wurde und nach 1990 die Stadtbibliothek beherbergte.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Lager der Getreide AG in Brüel

Verkehr

Innerhalb der Stadtgrenzen trifft die Bundesstraße 192 aus Richtung Wismar auf die B 104 (SchwerinGüstrow). Die B 104 wurde nach der Wende als Umgehungsstraße ausgebaut und verläuft seitdem südlich des bebauten Stadtgebietes. Über die Anschlussstelle Schwerin-Nord (14 km) ist Brüel an die Bundesautobahn 14 (Wismar–Schwerin) und über die Anschlussstelle Zurow (20 km) an die A 20 (LübeckRostock) angebunden.

Der nächstgelegene Bahnhof ist Blankenberg (Meckl). Er wird von den Regionalexpresslinien RE 1 (HamburgRostock) und RE 4 (LübeckSzczecin) bedient. Der Bahnhof Brüel lag an der Bahnstrecke Wismar–Karow. 1998 wurde hier der Personenverkehr eingestellt.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Mit Brüel verbundene PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. Die Amtsgerichtsbezirke Hagenow, Wittenburg, Boizenburg, Lübtheen, Dömitz, Grabow, Ludwigslust, Neustadt, Crivitz, Brüel, Warin, Neubukow, Kröpelin und Doberan. III. Band. Schwerin 1899, S. 386 ff. (Digitalisat im Internet Archive [abgerufen am 19. August 2015]).

WeblinksBearbeiten

Commons: Brüel – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistisches Amt M-V – Bevölkerungsstand der Kreise, Ämter und Gemeinden 2019 (XLS-Datei) (Amtliche Einwohnerzahlen in Fortschreibung des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Regionales Raumentwicklungsprogramm Westmecklenburg (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015.
  3. Hauptsatzung der Stadt Brüel. Abgerufen am 21. Dezember 2019.
  4. Ernst Eichler und Werner Mühlmer: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1.
  5. Wolf Lüdeke von Weltzien: Die Schlottman von Freyburg. Band 1. In: Familien aus Mecklenburg und Vorpommern. 1989, S. 97.
  6. Jürgen Gramenz, Sylvia Ulmer: Die Juden von Brüel (Mecklenburg). Rekonstruktion einer Gemeinde. Cardamina Verlag Susanne Breuel, Plaidt 2013. ISBN 978-3-86424-141-3.
  7. St. Bonifatius - eine der kleinsten Kirchen in der mecklenburgischen Diaspora, myheimat.de, abgerufen am 25. Juli 2015.
  8. Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
  9. Griese und Liese siegen. In: Schweriner Volkszeitung, 17. Juni 2019.
  10. a b Hans-Heinz Schütt: Auf Schild und Flagge - Die Wappen und Flaggen des Landes Mecklenburg-Vorpommern und seiner Kommunen. Hrsg.: produktionsbüro TINUS; Schwerin. 2011, ISBN 978-3-9814380-0-0, S. 188/189.
  11. a b Hauptsatzung § 1 (PDF).