Bouyei (Sprache)

Sprache

Bouyei (auch Buyei oder Buyi geschrieben) ist die Muttersprache des in China ansässigen gleichnamigen Bouyei-Volkes. Es gehört zur Gruppe der nördlichen Tai-Sprachen innerhalb Tai-Kadai-Sprachfamilie und ist eine tonale Sprache.

Bouyei (布依語)

Gesprochen in

Volksrepublik China
Sprecher 2,6 Mio.
Linguistische
Klassifikation
Offizieller Status
Anerkannte Minderheiten-/
Regionalsprache in
Volksrepublik China, Vietnam
Sprachcodes
ISO 639-1

ISO 639-2

tai

ISO 639-3

pcc

Bouyei und die nördlichen Zhuang-Dialekte bilden ein Dialektkontinuum.[1][2] Die Unterscheidung zwischen Zhuang und Bouyei ist eher administrativer als linguistischer Art.[3] Der Glottolog geht zudem davon aus, dass es sich bei Bouyei und dem im Norden Vietnams verbreiteten Yay (auch Giáy oder Nhang) um Varianten bzw. verschiedene Bezeichnungen derselben Sprache handelt.[4]

VerbreitungBearbeiten

 
Geographische Verbreitung von Bouyei und Giay in der Provinz Guizhou (China) und Nordwest-Vietnam

Bouyei wird heute noch von etwa 78,6 % der Angehörigen des gleichnamigen Volkes gesprochen.

Die Bouyei verteilen sich vornehmlich auf die Provinz Guizhou. Zwei kleinere Bouyei-Gruppen im Autonomen Bezirk Qiannan sprechen eigene, besondere Sprachen, die beide zwar ebenfalls zu den Tai-Kadai-Sprachen gehören, aber dem Kam-Sui-Zweig zugeordnet werden:

  • Mak (莫家話) über 10.000 Sprecher;
  • Ai-Cham (戛木話 auch 唉查么語) weniger als 3.000 Sprecher.

Alle anderen Bouyei haben sich vollständig an das Chinesische assimiliert.

In Vietnam gab es bei der Volkszählung 2009 über 58.000 Giáy. Diese stammen mutmaßlich von Bouyei ab, die Mitte des 19. Jahrhunderts aus Guizhou ausgewandert sind. Die „Yay“-Sprache wurde 1965 vom amerikanischen Linguisten William J. Gedney beschrieben.[5]

Phonologie und RechtschreibungBearbeiten

In den 1950er Jahren wurde von Sprachwissenschaftlern eine Bouyei-Schriftsprache auf Grundlage des lateinischen Alphabets und angelehnt an die offizielle Transkription für das Chinesische, Pinyin, geschaffen. Die Töne werden durch zusätzliche Konsonantbuchstaben (c, f, h, j, l, q, s, t, x, y, z) am Silbenende ausgedrückt.

BeispieleBearbeiten

Zahlwörter:

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 100 1000 10 000
idt soongl / ngih saaml sis hac rogt xadt beedt guz xib bas xianl faanh

LiteraturBearbeiten

  • Wil C. Snyder: Bouyei Phonology. In: The Tai-Kadai Languages. Routledge, Oxford/New York 2008, S. 378–388.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Yongxian Luo: The Subgroup Structure of the Tai Languages. A Historical-comparative Study. University of California, Berkeley 1997, S. 40.
  2. David Bradley: Languages of Mainland South-East Asia. In: The Vanishing Languages of the Pacific Rim. Oxford University Press, Oxford/New York 2007, S. 301–336, auf S. 310.
  3. Yongxian Luo: Zhuang. In: The Tai-Kadai Languages. Routledge, London/New York 2008, S. 317–377, auf S. 318–319.
  4. Harald Hammarström u. a. (Hrsg.): Glottolog. Version 4.1. Eintrag Bouyei. Abgerufen am 7. Februar 2020.
  5. Jerold A. Edmondson, Kenneth J. Gregerson: Four Languages of the Vietnam-China Borderlands. In: K.L. Adams and T.J. Hudak: Papers from the Sixth Annual Meeting of the Southeast Asian Linguistics Society. Arizona State University, Program for Southeast Asian Studies, Tempe (AZ) 2001, S. 101–133, auf S. 123.