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Boudewijn Vermeulen (* 20. April 1939, Nijkerk, Niederlande; † 6. September 2014 in München, Deutschland)[1] war einer der Coachingpioniere Deutschlands. Er gilt als Wegbereiter einer körperorientierten Coaching-Methode unter Einbeziehung von Körper, Geist und Seele.[2][3] Boudewijn Vermeulen hatte die Erfahrung gemacht, dass das traditionell gesprächsorientierte Coaching bei den heute oft "kopflastigen" Menschen rasch an Grenzen stößt.[4]

Inhaltsverzeichnis

WerdegangBearbeiten

Boudewijn Vermeulen studierte Betriebs- und Volkswirtschaft mit Lehrerlaubnis an der Universität von Amsterdam.[5] Er startete seine Karriere als Unternehmensberater und Wirtschaftsprüfer bei Cleanfeld, Kraienhof & Co. (jetzt KPMG) in den Niederlanden.[5][6] 1973 kam er als Generalsekretär des Europäischen Dachverbands für Wirtschaftsprüfer Institute (UEC) nach München, wo er – mit Unterbrechungen – von 1973 bis zu seinem Tode im Jahr 2014 wohnte und arbeitete.[6]

1978 verabschiedete er sich aus der Branche der Wirtschaftsprüfer und zog nach London, um sich dem Thema Hirnforschung und seiner Bedeutung für die persönliche Weiterentwicklung von Menschen zu widmen.[5][6] In London teilte er eine Wohnung mit Franz Wurm, dem Freund und Übersetzer von Moshé Feldenkrais und kam das erste Mal mit der Methode von Moshé Feldenkrais "Bewusstheit durch Bewegung" in Berührung.[7] Zusätzlich absolvierte er auf vielen Reisen zahlreiche körpertherapeutische Aus- und Weiterbildungen, u. a. bei Anna Halprin in Kalifornien auf dem Tanzdeck oberhalb des Pazifiks. Zwischen 1978 und 1989 erhielt Boudewijn Vermeulen eine intensive Ausbildung in verschiedenen Kommunikations- und Körpertechniken sowie der Humanistischen Psychologie. „Damals“, sagte er in einem Interview, „habe ich, ohne es zu ahnen, den Grundstein für mein ganzheitliches Coaching gelegt.“

In den 80er Jahren folgten Stationen als Geschäftsführer des Seminarzentrums ZIST in Penzberg unter Dr. med. Wolf Büntig. 1984/85 folgte ein Rückzug nach Portugal, um an der Algarve einen landwirtschaftlichen Betrieb mit einem Freund aufzuziehen und Ziegen zu hüten. In Portugal systematisierte er seine Coaching-Methode und baute sie weiter aus.

1993 startete Boudewijn Vermeulen mit "Train the Coach" einen 20-tägigen Ausbildungszyklus.[6] Er war der Überzeugung, dass der Erfolg eines Coachings mit der Selbstreflektiertheit des Coachs steht und fällt. Es folgten die sogenannten Christi-Himmelfahrts-Seminare unter dem Titel "Geld, Erfolg, Beruf, Berufung, Erfüllung". In den letzten 20 Jahren bis zu seinem Tod hat Boudewijn Vermeulen über 280 Coaches aus- und fortgebildet, seit 2006 in Zusammenarbeit mit Dr. Eva Kinast Fach- und Führungskräfte im "International Leadership & Intercultural Coaching Program" bzw. ab 2011 im „International Leadership Programm“.[4][5][6]

WerkBearbeiten

Boudewijn Vermeulen MethodeBearbeiten

Boudewijn Vermeulen entwickelte eine ganzheitliche Coaching-Methode, die neben bekannten Kommunikationstechniken körperbezogene Ansätze integriert.[4] Dieses körperbezogene Coaching hat Quantensprünge in der Effektivität, Effizienz und Schnelligkeit des Coachings ermöglicht.[4]

Die Kernbereiche der Boudewijn Vermeulen Methode sind:[4]

  • die Einbeziehung des Körpers in den Coachingprozess durch Bewegung, Entspannung und Spürbewusstsein,
  • die Klärung von Beziehungen, basierend auf der Erkenntnis, dass (fast) jedes Problem ein Beziehungsproblem ist,
  • die Renaissance des Wünschens, basierend auf seiner Erfahrung, dass nur eine auf Emotionen gründende Zielorientierung wirksam ist,
  • ein Zwei-Kräfte-Prozess, bei dem es um die Erforschung von zwei Kräften geht, die in einer Situation oder bei einem spezifischen Problem motivieren bzw. blockieren.

Integration der KörperarbeitBearbeiten

Die Bewusstwerdung durch den Körper hilft, lange Umwege zu vermeiden. Die von Boudewijn Vermeulen in den Coachingprozess integrierte Körperarbeit umfasst alle Formen von Entspannungsübungen wie z. B. Progressive Muskelentspannung, Sitz- oder Singmeditation. Durch angeleitetes Zeichnen ermöglichte er den Coachees, in Kontakt mit ihren Emotionen zu kommen. Einen besonderen Schwerpunkt legte Boudewijn Vermeulen auf die Bewegungsmeditation und die Tanzmeditation. Auch baute er gezielt Spaziergänge und das Rückwärtsgehen in den Coachingprozess ein.

Eines seiner Prinzipien war es, die Körperarbeit stets mit den Füßen zu beginnen. Er stellte „den Menschen vom Kopf auf die Füße“, indem der seine Klienten anregte, in die Füße zu spüren. „Der Stand der Füße hat stets auch etwas mit dem Stand im Leben zu tun.“

Ein weiteres Prinzip von Boudewijn Vermeulen ist das Experiment. Boudewijn Vermeulen arbeitete stets so, dass der Klient etwas ausprobierte, anschließend seine Erfahrungen reflektierte und erst im weiteren mit einem Modell bzw. einer Theorie konfrontiert wurde. Der Coach ist mehr Begleiter als Wissensvermittler.

Vermeulen Analyse Modell zur Bearbeitung von BeziehungenBearbeiten

Wesentlicher Teil des Vermeulen Analyse Modells (VAM) sind die sogenannten Sieben Briefe, in denen der Coachee niederschreibt, was er/sie in Bezug auf eine bestimmte Person dieser übel nimmt, bedauert, worum er/sie bittet, wofür er/sie dankbar ist, was er/sie sich in Bezug auf diese Person wünscht und was er/sie verzeihen kann.[8] Werden dann noch unter Anleitung eines Coachs die enttäuschten und erfüllten Erwartungen reflektiert und das, was man an jemanden mag und worin man vielleicht übereinstimmt, wird die Beziehung so geklärt bzw. gepflegt, dass der Coachee mit dieser Person wieder in positiver Weise umgehen kann.[8] Das von Boudewijn Vermeulen entwickelte VAM ist eine Coaching-Methode die die Vielschichtigkeit einer Beziehung erkennen lässt und die eigene Persönlichkeit darin spiegelt.[8]

Renaissance des WünschensBearbeiten

Boudewijn Vermeulen ist in seiner Coach-Tätigkeit im Zusammenhang mit Zielen, auch angeregt durch Wolfgang Loohs zu der Erkenntnis gekommen, dass eine Zielorientierung im Coaching-Prozess eher hinderlich sein kann.

Einige seiner Klienten, die alle ihre gesteckten Ziele erreicht hatten, waren trotzdem unglücklich. Andere Klienten hatten ihre Ziele zu hoch gesetzt und waren jahrelang wegen der Nichterreichung dieser Ziele frustriert. Die Idee des nicht auf Ziele orientierten Coachings hat ihn veranlasst, ein Wünsche-Programm zu entwickeln, mit dem der Klient nicht seine Ziele, sondern das, was er wirklich gerne mag, als Wunsch artikuliert und in einzelnen Schritten an der Verwirklichung dieses Wunsches arbeitet. Das "konkrete" Wünschen hat er von Pierre Franckh übernommen.

Zwei-Kräfte-ProzessBearbeiten

Boudewijn Vermeulen hat, inspiriert durch Hal und Sidra Stone, in seinen Coachingprozess auch die Arbeit mit Kräften eingebaut. Dabei stellte er eine Kraft aus dem freien Kind (Transaktionsanalyse) eine oft hemmende Kraft aus dem angepassten Kind (Transaktionsanalyse) gegenüber. Durch die Beschäftigung mit den eigenen Kräften lernt der Klient nicht nur sich kennen, sondern versteht sich und seine Mitmenschen besser.

Weiterführende LiteraturBearbeiten

  • Kirsten Nazarkiewicz (2012), Handbuch Interkulturelles Coaching, Seiten 62, 253 f. Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-525-40340-2
  • Eva-Ulrike Kinast (2010), Intercultural Coaching. In: Alexander Thomas, Eva-Ulrike Kinast & Sylvia Schroll-Machl (Eds.), Handbook of Intercultural Communication and Cooperation. Basics and Areas of Application, Seiten 191–199. Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-525-40327-3
  • Eva-Ulrike Kinast (2005, 2. Auflage), Interkulturelles Coaching. In: Alexander Thomas, Eva-Ulrike Kinast & Sylvia Schroll-Machl (Hg.), Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation. Band 1: Grundlagen und Praxisfelder, Seiten 217–226. Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 978-3-525-46186-0
  • Eva-Ulrike Kinast (2003). Interkulturelles Coaching von Fach- und Führungskräften – ein körperorientierter Ansatz. SIETAR-Journal, 9. Jahrgang, Heft 1, Seite 3–7.
  • Jutta Keller (09/1999). Körperorientiertes Coaching. Mut zur Veränderung. Apotheke-aktiv – Das Fachmagazin für Apotheker.
  • Volker Framenau (1994), In Notwehr. Personal Potential, 5/94, Dr. Josef Raabe Verlags-GmbH Stuttgart.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Traueranzeigen. Süddeutsche Zeitung, 27. September 2014, abgerufen am 4. Juni 2019.
  2. Körperorientiertes Coaching. (PDF) Trainertreffen Deutschland, Mai 1996, abgerufen am 4. Juni 2019.
  3. Die Kunst, auf seinen Körper zu hören. Pressebox, 18. Juni 2007, abgerufen am 4. Juni 2019.
  4. a b c d e Coaching-Methoden. Dr. Eva Kinast, abgerufen am 4. Juni 2019.
  5. a b c d Vermeulen, Boudewijn. Room to Move, 8. Dezember 2013, abgerufen am 4. Juni 2019.
  6. a b c d e Drs. Boudewijn Vermeulen. Competence Site, abgerufen am 4. Juni 2019.
  7. Bewusstheit durch Bewegung. Feldenkrais, abgerufen am 4. Juni 2019.
  8. a b c Beziehungspflege mit den 7 Briefen als Schlüssel zu mehr Glück und Erfolg. Michael Sandvoss, 10. Dezember 2018, abgerufen am 4. Juni 2019.