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Boswau & Knauer

ehemaliger deutscher Baukonzern
BW

Boswau & Knauer war ein Ende des 19. Jahrhunderts in Berlin gegründetes, später von Düsseldorf aus agierendes Bauunternehmen. Als Aktiengesellschaft ging es in den 1980er Jahren in die Walter Thosti Boswau (WTB) mit Sitz in Augsburg über.[1] Das Unternehmen arbeitete mit Architekten wie Albert Froelich zusammen,[2] beschäftigte zeitweilig auch eigene Architekten wie etwa Otto Rehnig oder realisierte nach Plänen aushäusiger Architekten wie Johann Emil Schaudt insbesondere Großbauten. Das Unternehmen war vor allem in den 1920er Jahren der bekannteste Marktführer in der deutschen Bauwirtschaft.[3]

GeschichteBearbeiten

 
Aktie über 1000 RM der Boswau & Knauer AG vom November 1940
 
Kaufhaus des Westens (KaDeWe) nach Plänen von Johann Emil Schaudt kurz nach der Fertigstellung
 
Das 1905–1906 in Hannover erbaute Hansa-Haus
 
Das Grand Hôtel Esplanade nach Plänen von Otto Rehnig, hier in den 1920er Jahren

Die Firma wurde 1892 ursprünglich als Stuckateurbetrieb von dem Architekten Paul Boswau und dem Kaufmann Hermann Knauer gegründet, zunächst in der Form einer Offenen Handelsgesellschaft. Paul Boswau schied schon 1893 wieder aus der Firma aus, Hermann Knauer leitete sie bis zu seinem Tode 1909. Das Unternehmen wurde, nachdem es zwischenzeitlich als GmbH firmierte, zu Beginn der Weimarer Republik 1922 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.[1] Spätestens ab 1924 leitete Max Knüttel, zugleich Mitglied im Vorstand der AG, das Unternehmen als Direktor.[4]

Eines der Arbeitsgebiete der Firma waren ursprünglich ephemere Ausstellungslandschaften wie etwa Alpenpanoramen in Rabitzbauweise.[5] Für die Firma arbeiteten angestellte Architekten wie Otto Rehnig oder Johann Emil Schaudt, für einzelne Projekte aber auch Albert Frölich oder Bernhard Sehring.

Das Unternehmen hatte in den 1920er Jahren seinen Sitz in der Berliner Mohrenstraße 9. Spezialisiert auf Hoch-, Tief- und Eisenbetonbau betrieb es seinerzeit Zweigstellen in Brandenburg an der Havel, Düsseldorf, Gleiwitz, Hamburg, Hannover und Köln. Daneben betrieb es Säge-, Hobel- und Holzimprägnierwerke in Hüfingen und Unterlüß.[6]

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem Boswau & Knauer „erhebliche Kriegsverluste“ verzeichnen musste,[7] wurde das Bauunternehmen 1949 nach Düsseldorf verlegt.[1] Das Unternehmen, das Anfang der 1960er Jahre bei einem Kapitalstock von knapp 10 Millionen DM rund 160 Millionen Mark Gesamtumsatz machte und rund 3000 Mitarbeiter beschäftigte, geriet unter dem Vorstandsvorsitzenden Hans-Joachim Hänchen insbesondere bezüglich der Bilanzierung der Kölner Tochtergesellschaft Artur Simon Baugesellschaft mbH in die Schlagzeilen.[7] 1967, das Kapital war nun auf rund 40 Millionen DM angestiegen bei einem Umsatz von mehr als 200 Millionen DM, schrieb Boswau & Knauer dennoch rote Zahlen, machte, seinerzeit weitgehend in der Hand der gewerkschaftseigenen Deutsche Bauhütten GmbH, trotz Entlassung von 1000 Arbeitnehmern durch langjährige Nichtzahlung von Dividenden von sich reden.[8]

1982 wurde Boswau & Knauer durch die Thosti AG übernommen, die im Folgejahr 1983 in die Augsburger Walter Thosti Boswau (WTB) fusionierte.[1]

Bekannte BautenBearbeiten

SchriftenBearbeiten

  • Boswau & Knauer G.m.b.H. (Hrsg.): Bauausführungen 1‑2, Berlin u. a. o. J. [um 1905]
  • Geschäftshaus der Firma Boswau & Knauer. Inhaber Hermann Knauer. Berlin W. 30. Victoria Luise-Platz 9, (Berlin: Lezius), [1921]; unkommentierte „Visitenkarte“ als fotografische Präsentation auf 39 Bildtafeln des Firmensitzes[3]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Vergleiche die Angaben der Deutschen Nationalbibliothek
  2. a b Friedpark: Alter Zwölf-Apostel-Friedhof / Gedächtnisstätte / Hermann Knauer auf der Seite Historische Persönlichkeiten auf Berliner Friedhöfen (berlin.friedparks.de) in Kooperation mit dem Verein Grabstättenerhaltung Berlin e. V.
  3. a b c d e f Patenschaft W 56 Bibliothekssignatur 4° Ny 1234 5 / Geschäftshaus der Firma Boswau & Knauer. Inhaber Hermann Knauer. Berlin W. 30. Victoria Luise-Platz 9. – (Berlin: Lezius), [1921] auf der Seite des Vereins Freunde der Staatsbibliothek zu Berlin e. V. (freunde-sbb.de).
  4. Knüttel, Max in der Datenbank des deutschen Bundesarchivs mit Daten aus den Akten der Reichskanzlei für die Zeit der Weimarer Republik (1919–1933)
  5. Silke Haps: Vom Faux Terrain zum begehbaren Alpenpanorama. Vergnügungsarchitektur an der Wende zum 20. Jahrhundert. In: Archimaera, 3, 2010, ISSN 1865-7001, S. 97–107 (PDF).
  6. Vergleiche die Abbildung (Memento vom 25. Mai 2013 im Internet Archive) des Werbeblattes mit einer Fotoreproduktion des Firmengebäudes auf der auf Bunker in Bochum spezialisierten Seitebochumer-bunker.de vom Verein Bochumer Studienkreis für Bunker, Stollen, Deckungsgräben und unterirdische Fabrikationsanlagen e. V.
  7. a b Boswau & Knauer / Schwer geprüft / Bilanzen. In: Der Spiegel. Nr. 46, 1963 (online).
  8. kw: Boswau & Knauer / Ein Ärgernis. In: Die Zeit, Nr. 42/1967.
  9. Landesdenkmalamt Berlin: Berlin, Viktoria-Luise-Platz 9, Motzstraße 55 in der Deutschen Digitalen Bibliothek
  10. in Bildbeschreibung zu Schauspielhaus Düsseldorf: Errichtung durch Baufirma Boswau & Knauer, die ihrerseits den Architekten Bernhard Sehring betraute., in Rhein und Düssel (Nr. 43), vom 22. Oktober 1905, S. 8
  11. Fotos (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.panoramio.com auf Panoramio
  12. Helmut Knocke, Hugo Thielen: Aegidientorplatz 4. In: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon, S. 75.
  13. Unternehmenschronik der "Werner Scholz GmbH" Vom Lehrling zum Geschäftsführer. Ahlberg Metalltechnik GmbH, mit einer Fotodokumentation