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Bonner Burschenschaft Frankonia

Die Bonner Burschenschaft Frankonia ist eine schlagende Studentenverbindung in Bonn.

Bonner Burschenschaft Frankonia

Wappen Zirkel
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Basisdaten
Hochschulort: Bonn
Hochschule/n: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Gründung: 11. Dezember 1845[1] in Bonn
Korporationsverband: verbandsfrei
Farbenstatus: farbentragend
Farben:
Mütze: weiß – mit weinrot-goldenem Steg („Bonner Teller“)
Art des Bundes: Männerbund
Stellung zur Mensur: schlagend
Wahlspruch: Freiheit, Ehre, Vaterland
Website: www.frankonia-bonn.de

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die Bonner Burschenschaft Frankonia wurde am 11. Dezember 1845 von zwölf Studenten gegründet, ihr erster Sprecher war Bernhard von Gudden. Sie war eine Abspaltung der allgemeinen Burschenschaft Fridericia; die Gründer der Frankonia fürchteten, dass die persönlichen Eigenschaften der Studenten in einer zu großen Allgemeinheit verloren gehen könnten. Daher wurde von Beginn an Wert auf Kameradschaft und „innere Vornehmheit“ bei individueller Verschiedenheit gelegt.

Das zeigte sich schon 1848/49, als sich der Bonner Frankone Carl Schurz und einige seiner ebenfalls revolutionär gesinnten Bundesbrüder (etwa Adolf Strodtmann) mit konservativ gesinnten Frankonen in der Verbindung friedlich und fröhlich auseinandersetzen konnten.

In den kommenden Jahrzehnten passte sich die Bonner Frankonia ebenso den Tendenzen des Wilhelminismus an wie die anderen Verbindungen. Innere Werte wichen vielfach zugunsten der äußerlichen. Allerdings bestand sie stets auf ihre Eigenständigkeit, die individuelle Verschiedenheit und die starke Verbundenheit ihrer Angehörigen. Daher ist ihre Mitgliederzahl immer eher gering gewesen.

Während des Nationalsozialismus verweigerte sich die Frankonia der Forderung seitens der Verbandsführung der Deutschen Burschenschaft, „jüdisch versippte“ Mitglieder auszuschließen, weil sie am Grundsatz des Lebensbunds festhalten wollte. Selbst die Anhänger der NSDAP in der Frankonia waren nicht bereit, ihre bedrohten Frankenbrüder im Stich zu lassen, weil ihnen das Prinzip der lebenslangen Kameradschaft wichtiger erschien. Mit anderen gleichgesinnten Burschenschaften schloss sich die Frankonia daher im Dezember 1934 zur Alten Burschenschaft zusammen – diese konnte ihre Forderungen (u. a. die Ablehnung des Führerprinzips) aber nicht durchsetzen.

Nach längeren Verhandlungen mit der NS-Studentenführung, die alle Verbindungen gleichschalten wollte, löste sich die Frankonia am 20. Oktober 1935 auf und verkaufte ihr Haus in der Baumschulallee 14[2], das seitdem als Privatklinik genutzt wurde. Als „Kameradschaft Heinrich von Treitschke“ konnte ab 1940 ein Bundesleben notdürftig aufrechterhalten werden.

Nach 1945 gründete sich die Frankonia als „Akademischer Carl-Schurz-Bund“ an der Universität Bonn neu, 1950 durfte sie wieder den Namen „Bonner Burschenschaft Frankonia“ führen. Seit 1956 hat die Frankonia ihr Domizil in der Lennéstraße 10, unweit vom Universitätshauptgebäude und dem Juridicum.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg haben sich die Bonner Franken unbeirrt für die deutsche Einheit eingesetzt, auch, als dies nicht mehr zeitgemäß erschien. So demonstrierten Bonner Franken 1987 beim Staatsbesuch Erich Honeckers gegen die Menschenrechtsverletzungen der DDR und steckten 1989 am Tag des Falls der Mauer eine schwarz-rot-goldene Fahne an das Beethoven-Denkmal am Bonner Münsterplatz.

Die Mitgliederversammlung des Altherrenverbandes, der Verein alter Bonner Franken e. V., beschloss am 29. Juni 2013 den Austritt aus der Deutschen Burschenschaft. Dem Rechtsgutachten DB 20/80 Abs. 2 vom 3. Januar 1981 zufolge setzt die ordentliche Mitgliedschaft einer Studentenverbindung (Aktivitas) die gleichzeitige Mitgliedschaft ihres Altherrenverbandes voraus. Somit gilt der Austritt aus der DB auch für die Bonner Burschenschaft Frankonia.

BesonderheitenBearbeiten

Anders als viele andere Verbindungen kennt die Bonner Burschenschaft Frankonia kein Fuchsenband. Der Fuchsmajor heißt „Fuchskränzchenführer“.

Typisch für die Bonner Franken sind außerdem:

  • die Bezeichnung „Franke“ statt „Frankone“ seit den 1880er Jahren
  • die Anrede „Frankenbruder“ statt „Bundesbruder“
  • die Bezeichnung „Frankenschwester“ für die Witwen ihrer Mitglieder
  • der Verzicht auf Bierzipfel
  • der achtzeilige Leibvers, der vom Leibburschen auf die Eigenheiten seines Leibfuchsen gedichtet und zum (frankenintern gefeierten) alljährlichen Stiftungstag gesungen wird.

Burschenschaftliche AusrichtungBearbeiten

Die Burschenschaft Frankonia Bonn ist pflichtschlagend (zwei Pflichtmensuren). Als „weiße“ Burschenschaft legt sie besonderes Augenmerk auf ihr korporatives Zusammenleben und gesellschaftliche Umgangsformen. Seit ihrem Bestehen setzte sie sich für die Eigenständigkeit der Einzelbünder im Verband Deutsche Burschenschaft ein.

Frankonia ist Mitglied im Ring Weißer Burschenschaften, dem daneben noch die Burschenschaften Germania Königsberg zu Hamburg, Obotritia Rostock, Normannia Leipzig und Normannia Leipzig zu Marburg angehören. Seit 2006 besteht zwischen den Aktivitates der Burschenschaften Germania Königsberg zu Hamburg und Frankonia Bonn ein offizielles Freundschaftsverhältnis.

Bekannte MitgliederBearbeiten

 
Bonner Franken 1865
  • Carl von Arnim (1831–1905), Regierungspräsident des Regierungsbezirks Stralsund
  • Hans-Georg Balder (* 1953), Jurist und Studentenhistoriker
  • Ludwig Beer (1868–1935), Hochschullehrer an der Universität Leipzig
  • Friedrich Boehm (1834–1906), Landrat in Schrimm und Altenkirchen
  • Otto Bovensiepen (1905–1979), SS-Standartenführer und Gestapo-Offizier (1934 ausgetreten)
  • Hermann Bresgen (1883−1955), preußischer Landrat und Regierungspräsident
  • Dietrich Bürkel (1905–1986), Jurist und Politiker (CDU), MdB
  • Hermann Deiters (1833–1907), Musikwissenschaftler und Gymnasiallehrer
  • Paul Deussen (1845–1919), Philologe und Sanskritforscher, Schulfreund Nietzsches aus Pforta (später ausgetreten)
  • Heinrich Dohrn (1838–1913), Mitglied des deutschen Reichstags
  • Richard Eickhoff (1854–1931), Mitglied des Deutschen Reichstags
  • Wilhelm Ewald (1825–1887), Gründungsbursche, Hofkammerpräsident und Landrat in Coburg und Gotha
  • Julius Ficker Ritter von Feldhaus (1826–1902), bedeutender Historiker im 19. Jahrhundert an der Universität Innsbruck
  • Eduard von Frowein (1841–1924), Jurist und Politiker, Landrat im Kreis Rees
  • Hans Gaede (1852–1916), General der Infanterie im Ersten Weltkrieg
  • Friedrich Heinrich Geffcken (1830–1896), Jurist, Politiker, Diplomat und Publizist
  • Walter Gentz (1907–1967), Jurist und Kreishauptmann in Jaslo
  • Hugo Gering (1847–1925), Mediävist
  • Felix Leonhard Giesebrecht (1828–1901), Bürgermeister von Stettin
  • Karl Glässing (1866–1952), Oberbürgermeister von Wiesbaden
  • Alexander von der Goltz (1832–1912), Landrat von Mettmann und Abgeordneter im Preußischen Abgeordnetenhaus
  • Julius Grimm (1821–1911), Abgeordneter im Preußischen Abgeordnetenhaus
  • Karl Grimm (1826–1893), Reichstagsabgeordneter
  • Bernhard von Gudden (1824–1886), erster Sprecher der Frankonia – Professor für Psychiatrie und Leibarzt König Ludwigs II. von Bayern
  • Hans Georg Gundel (1912–1999), Althistoriker
  • Alexander Halm (1840–1913), Bezirkspräsident im Reichsland Elsaß-Lothringen, Bezirk Unterelsaß, Bürgermeister von Metz
  • Gustav Hansen (1831–1904), Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses und Landrat im Kreis Tondern
  • Alfred Hasselberg (1908–1950), Jurist und SS-Führer
  • August Heinrichsbauer (1890–1977), Wirtschaftsjournalist und Lobbyist
  • Otto Hellwig (1838–1915), Wirklicher Geheimer Legationsrat und Stellvertretender Bevollmächtigter zum Bundesrat
  • Heinrich Heydemann (1842–1889), klassischer Archäologe
  • Robert Hildebrand (1830–1896), Jurist und Mitglied des Deutschen Reichstags
  • Georg Humbert (1839–1898), Wirklicher Geheimer Rat, Unterstaatssekretär unter Chlodwig zu Hohenlohe-Schillingsfürst
  • Arthur Janke (1843–1928), Generalmajor
  • Max Theodor von Karajan (1833–1914), Hochschullehrer an der Universität Graz
  • Leo Killy (1885–1954), Ministerialbeamter
  • Carl William Klawitter (1856–1929), Schiffswerftbesitzer, Präsident der Handelskammer in Danzig und Vertreter Danzigs beim Völkerbund
  • Ernst Küster (1839–1930), Chirurg und Rektor der Marburger Universität
  • Konrad Küster (1842–1931), Arzt und Publizist
  • Hugo Lemcke (1835–1925), Geheimer Regierungsrat, Gymnasialprofessor und Schuldirektor sowie Altertumsforscher in Stettin, Vorsitzender der Gesellschaft für Pommersche Geschichte und Altertumskunde
  • Ernst Heinrich Lindemann (1833–1900), Oberbürgermeister von Düsseldorf, Dortmund und Essen
  • Karl Lohmann (1866–1946), Politiker (Alldeutscher Verband, DNVP), MdR
  • Jürgen Bona Meyer (1829–1897), Philosoph
  • Klaus Peter Möller (* 1937), Präsident des Hessischen Landtags 1988–1991 und 1995–2003 (ausgetreten 2004)
  • Friedrich Nietzsche (1844–1900), Mitglied vom Wintersemester 1864/65–1865/66, Philosoph[3], nach einem Jahr Mitgliedschaft ausgetreten[4]; focht die erste Bonner Verabredungsmensur
  • Rudolf Nokk (1830–?), Reichsgerichtsrat
  • Wilhelm Nokk (1832–1903), badischer Jurist und Politiker
  • Johannes Overbeck (1826–1895), Archäologe
  • Johann Eberhard Ludewig Pavenstedt (1827–1889), Jurist und Mitglied der Bremischen Bürgerschaft
  • Hermann Peter (1837–1914), Klassischer Philologe
  • Horst Peters (1910–2000), als Jurist maßgebend für Sozialgerichtsbarkeit und Krankenkassenwesen in der Bundesrepublik Deutschland
  • Wilhelm Polligkeit (1876–1960), Nestor der deutschen Fürsorge und Wohlfahrtspflege
  • Karl Porzelt (1871–1943), Jurist und Kommunalpolitiker
  • Ernst von Richthofen (1825–1892), Jurist und Politiker, Abgeordneter im Preußischen Abgeordnetenhaus
  • Max Rötger (1830–1886), preußischer Jurist, Beamter, Präsident der preußischen Seehandlung
  • Friedrich Wilhelm Schirrmacher (1824–1904), Historiker
  • Johann Friedrich Julius Schmidt (1825–1884), Astronom und Geologe
  • Johannes Schmidt (1843–1901), Sprachwissenschaftler und führender Vertreter der Berliner Schule der Indogermanistik, gilt als Begründer der „Wellentheorie“ in der vergleichenden Sprachforschung
  • Carl Schurz (1829–1906), eine der führenden Kräfte der Revolution im Jahre 1848 und amerikanischer Innenminister
  • Anton Schütz (1861–1919), Bürgermeister und Landtagsabgeordneter
  • Heinrich Siegel (1830–1899), Rechtshistoriker
  • Friedrich Spielhagen (1829–1911), Schriftsteller, bedeutender Romancier des 19. Jahrhunderts
  • Johannes August Speltz (1823–1893), Jurist und Politiker der Freien Stadt Frankfurt
  • Eduard Stieger (1843–1930), Mitglied des Preußischen Herrenhauses und Unterstaatssekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten
  • Adolf Strodtmann (1829–1879), Publizist und Dichter zur Zeit der Deutschen Revolution 1848/1849 in Bonn, Herausgeber der Werke Heines
  • Karl von Thielen (1832–1906), Minister der öffentlichen Arbeiten und Chef des Reichs-Eisenbahnamtes 1891–1902, bekannt als „Eisenbahnminister“
  • Heinrich von Treitschke (1834–1896), Preußischer Reichstagsabgeordneter und Historiker
  • Ludwig Treplin (1834–1924), Senatspräsident am Reichsgericht
  • Gustav Uhlig (1838–1914), Klassischer Philologe und Gymnasialdirektor
  • Winand Virnich (1836–1890), Politiker, Redakteur und Mitglied des Deutschen Reichstags
  • Hermann Weigel (1828–1887), Jurist und Reichstagsabgeordneter
  • Ludwig von Weise (1828–1915), Beigeordneter in Köln und Oberbürgermeister von Aachen
  • Carl Hermann Wichelhaus (1842–1927), Chemiker und Professor in Berlin, Mitgründer der Deutschen Chemischen Gesellschaft
  • Ernst Witte (1829–1910), Jurist und Mitglied des Deutschen Reichstags
  • Adolf Wüllner (1835–1908), Physiker

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 71–72.
  • Hans-Georg Balder: Frankonia-Bonn 1845–1995. Die Geschichte einer deutschen Burschenschaft. WJK, Hilden 2006, ISBN 3-933892-26-0.
  • Michael Doeberl, Alfred Bienengräber (Hrsg.): Das akademische Deutschland. Band 2: Die deutschen Hochschulen und ihre akademischen Bürger. C. A. Weller, Berlin 1931. S. 667.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Meyers Konversationslexikon. 5. Auflage, Leipzig 1896, Beilage zum Artikel Studentenverbindungen.
  2. E. H. Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 24.
  3. Brief Nietzsches mit der Mitteilung des Beitritts an seine Mutter und Schwester vom 24./25. Oktober 1864
  4. Austrittserklärung Nietzsches vom 20. Oktober 1865

WeblinksBearbeiten