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Bogatynia [bɔgaˈtɨɲa] (deutsch ehemals Reichenau in Sachsen) ist eine Stadt im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien, im äußersten Südwesten Polens. Die Stadt liegt am Erlichtbach im Powiat Zgorzelecki, der zur Woiwodschaft Niederschlesien gehört. Wichtigste Erwerbszweige sind der Braunkohletagebau und die Kohleverstromung im Kraftwerk Turów. Zwischen Zittau und dem Stadtteil Sieniawka (deutsch Kleinschönau) besteht ein Grenzübergang. Die Stadt gehört der Euroregion Neiße an.

Bogatynia
Wappen von Bogatynia
Bogatynia (Polen)
Bogatynia
Bogatynia
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Niederschlesien
Powiat: Zgorzelec
Fläche: 59,92 km²
Geographische Lage: 50° 54′ N, 14° 57′ OKoordinaten: 50° 54′ 0″ N, 14° 57′ 0″ O
Höhe: 250 m n.p.m.
Einwohner: 17.984
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 59-916 bis 59-920
Telefonvorwahl: (+48) 75
Kfz-Kennzeichen: DZG
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Mikułowa–Bogatynia, Ende des PV 04/2000
Nächster int. Flughafen: Dresden
Breslau
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 136,00 km²
Einwohner: 23.706
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 174 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0225033
Verwaltung (Stand: 2018)
Bürgermeister: Wojciech Blasiak
Adresse: ul. Daszyńskiego 1
59-920 Bogatynia
Webpräsenz: www.bogatynia.pl



Marienkirche (bis 1945 evangelisch)

Geographische LageBearbeiten

 
Reichenau südlich von Görlitz auf einer Landkarte von 1905
 
Braunkohletagebau Turów westlich von Bogatynia

Die Ortschaft liegt in der Oberlausitz an der Lausitzer Neiße, etwa 27 Kilometer südlich von Görlitz. Im Westen grenzt das Stadtgebiet an Deutschland (Freistaat Sachsen), im Süden und Osten an die Tschechische Republik (Liberecký kraj).

GeschichteBearbeiten

Im Jahre 1262 wurde der Ort erstmals als Richinowe in einer Urkunde des Zisterzienserklosters St. Marienthal bei Ostritz erwähnt.

1635 kam er wie die gesamte Oberlausitz unter die Herrschaft des sächsischen Kurfürsten. Ortsherrschaften waren zu dieser Zeit das Kloster Marienthal und die Stadt Zittau.

Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1939 gehörte Reichenau zur sächsischen Amtshauptmannschaft Zittau. Reichenau war Verwaltungssitz für die umliegenden Gemeinden, entwickelte sich zu einem Industrieort und Zentrum des Oberlausitzer Braunkohlenbergbaus, besaß aber nur den Status eines Marktfleckens.

1856 erhielt Reichenau ein königlich sächsisches Gerichtsamt. Von 1863 bis 1868 wurde die heutige katholische Pfarrkirche der Unbefleckten Empfängnis der Seligen Jungfrau Maria im neugotischen Stil errichtet.

1884 wurde die Schmalspurbahn von Zittau über Reichenau nach Markersdorf (Markocice) eingeweiht, die 1900 bis nach Hermsdorf (Heřmanice u Frýdlantu) in Böhmen verlängert wurde, wodurch ein Anschluss an die Bahn nach Friedland (Frýdlant v Čechach) hergestellt wurde. Diese Bahnverbindung wurde 1945 an den Staatsgrenzen unterbrochen und 1961 gänzlich eingestellt.

1904 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden „Reichenau-Klösterlicher Anteil“ und „Reichenau-Zittauer Anteil“ zur Gemeinde Reichenau in Sachsen vereinigt.

Bis 1945 gehörte Reichenau zum Landkreis Zittau im Regierungsbezirk Dresden-Bautzen des Landes Sachsen des Deutschen Reiches.

In den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkriegs griffen sowjetische Flugzeuge am 22. April 1945 Reichenau an. Das Bombardement forderte mehrere Tote und Verletzte, dabei wurden auch der Bahnhof und Schmalspurbahn getroffen. Im Mai 1945 wurde die Stadt von der Roten Armee besetzt und zunächst in die sowjetischen Besatzungszone eingegliedert, um dann im Sommer 1945 unter polnische Verwaltung gestellt zu werden. Anschließend wurden die deutschen Bewohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Reichenau vertrieben. Die neu angesiedelten Bewohner kamen zum Teil aus den an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie. Die Ortschaft, die nun Rychwald genannt wurde, erhielt Stadtrecht. 1947 führten die Polen für Reichenau die Ortsbezeichnung Bogatynia ein (poln. bogaty = „reich“)

Am 8. Mai 1960 erhielt die Stadt einen Bahnhof an der neu eröffneten normalspurigen Bahnstrecke Mikułowa–Bogatynia (NikolausdorfReichenau).

 
Stillgelegter Bahnhof

Der Braunkohlentagebau Herkules bei Turoszów (Türchau), der das Kraftwerk in Hirschfelde versorgte, wurde zum Großtagebau erweitert und bei Seitendorf (Zatonie) das polnische Kraftwerk Turów errichtet. Der Tagebau hat inzwischen die Neiße erreicht und sämtliche Orte nordwestlich, westlich und südwestlich von Reichenau verschlungen. Die verbliebenen Orte in der Umgebung sind nach Bogatynia eingemeindet, sowohl Kraftwerk als auch Tagebau befinden sich nun auf der Stadtflur von Bogatynia.

 
Kraftwerk Turów

Der Ort umfasst das einzige Gebiet östlich der Oder-Neiße-Linie, das vorher sächsisch und somit nicht ein Teil Preußens (wie Schlesien, Pommern, Ostbrandenburg, Ostpreußen) war. Es umfasst flächenmäßig ca. 40 % des alten Landkreises Zittau.

Beim Hochwasser des Erlichtbach, durch Starkregen an den Westausläufern des Isergebirges ausgelöst, wurde am 7. August 2010 die gesamte Innenstadt überflutet und stark beschädigt.[2]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr Einwohner Anmerkungen
1933 7.130 [3]
1939 6.782 [3]

Städtepartnerschaften im DreiländereckBearbeiten

GemeindeBearbeiten

Die Stadt- und Landgemeinde Bogatynia umfasst ein Territorium von 136 km² und hat ca. 25.000 Einwohner. Zu ihr gehören folgende Orte:

 
Umgebindehaus „Dom Zegarmistrza“
 
Ehemalige Wohnhäuser für Lehrkräfte der Zentralschule Hirschfelde, im Hintergrund Gebäude des Elektrizitätswerks Turow

Die Dörfer Gościszów, Pasternik, Biedrzychowice Górne, Strzegomice und Wigancice Żytawskie fielen dem Braunkohlenabbau zum Opfer. Teilweise sind davon auch die Orte Turoszów, Zatonie, Opolno Zdrój und Bogatynia betroffen.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Tilo Böhmer, Marita Böhmer: Im Zittauer Zipfel. Historischer Streifzug durch Reichenau und seine Umgebung. 2. Auflage. Lusatia-Verlag, Bautzen 2006, ISBN 3-936758-34-4.
  • Friedrich Ludwig Engelmann: Geschichte von Reichenau. 2. Auflage. Marx, Reichenau 1930.
  • Ulrich Gäbler: * „Ein Missionarsleben“. Hermann Gäbler und die Leipziger Mission in Südindien (1891-1916). Evangelische Verlagsanstalt GmbH, Leipzig 2018. Hermann Gäbler ist in Strzegomice geboren und aufgewachsen. Das Buch enthält wesentliche Informationen über Strzegomice und seine Nachbarorte. Hermann Gäbler wurde später Missionar der Leipziger Mission.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Jetzt schwillt die Elbe an. In: handelsblatt.com. 8. August 2010, abgerufen am 14. Februar 2015.
  3. a b Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. zittau.html#ew39grei. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).