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Bode-Museum

Teil der Museumsinsel in Berlin
Bode-Museum an der Spitze der Museumsinsel, links der Fernsehturm, rechts anschließend das Pergamonmuseum

Das Bode-Museum im Berliner Ortsteil Mitte gehört zum Bauensemble der Museumsinsel und damit zum Weltkulturerbe der UNESCO. Im Auftrag Kaiser Wilhelms II. 1898–1904 von Ernst von Ihne im Stil des Neobarock als Kaiser-Friedrich-Museum erbaut, beheimatet es aktuell die Skulpturensammlung und das Museum für Byzantinische Kunst sowie das Münzkabinett.[1] Auf dem Vorplatz befand sich ein von Rudolf Maison geschaffenes Reiterstandbild Friedrichs III., das in der DDR-Zeit zerstört wurde.

GeschichteBearbeiten

 
Kaiser-Friedrich-Museum mit Reiterstandbild Friedrichs III., 1905
 
Bode-Museum nach dem Zweiten Weltkrieg, 1951
 
Teilansicht des bis 2006 wiederhergestellten Tiepolo-Kabinetts
 
Odysseus-Skulptur von Markus Lüpertz vor dem Bode-Museum

EntstehungBearbeiten

Bereits in den 1840er Jahren entstand in Berlin der Gedanke, ein Kunstmuseum an dieser Stelle zu bauen.[2] Der Kunsthistoriker Wilhelm von Bode lieferte dazu die später umgesetzten Vorschläge; Bode wurde im Jahr 1914 dafür geadelt. Hofarchitekt Ernst von Ihne und der Bauleiter Max Hasak errichteten den Museumsbau zwischen 1897 und 1904[3] für die von Bode aufgebaute Skulpturen- und Gemäldesammlung, deren Anfangsbestände auf die Kunstkammern der Kurfürsten von Brandenburg zurückgehen. Am 18. Oktober 1904, dem Geburtstag Friedrichs III., der 1888 gestorben war, wurde das Museum eröffnet. Zur Erinnerung an den „99-Tage-Kaiser“ Friedrich III. erhielt das Haus den Namen Kaiser-Friedrich-Museum.

Zerstörung und WiederaufbauBearbeiten

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gebäude die auf der Museumsinsel vergleichsweise geringsten Schäden, doch erst 1951 erhielt es ein Notdach.[4] Nach Kriegsende 1945 ließ die neue Berliner Stadtverwaltung alle Bezüge zu früheren Herrschern tilgen; das Sammlungsgebäude hieß nun inoffiziell Museum am Kupfergraben.[5] Am 1. März 1956 gab Johannes R. Becher, der damalige Kulturminister der DDR, dem Kaiser-Friedrich-Museum feierlich den Namen Bode-Museum zur Erinnerung an seinen Erbauer.[6] Hier waren zeitweilig das Ägyptische Museum mit seiner Papyrussammlung, das Museum für Vor- und Frühgeschichte, eine Gemäldegalerie, eine Skulpturensammlung und das Münzkabinett untergebracht. Erste Teile der Sammlungen konnten ab 1954 wieder gezeigt werden. Die schrittweise Instandsetzung des Gebäudes einschließlich der Restaurierung der Innenräume zog sich bei laufendem Museumsbetrieb bis zum Jahr des 750. Stadtjubiläums 1987 hin.

SanierungBearbeiten

Anfang der 1990er Jahre wurden zahlreiche gravierende Mängel festgestellt, sodass 1997/1998 eine Generalinstandsetzung („Kanzlerinstandsetzung“) beschlossen wurde. Sie umfasste die denkmalgerechte Restaurierung des ganzen 100 Jahre alten Museumsbaus, wobei auch zahlreiche seit Kriegsende schon wiederhergestellte Bau- und Dekorelemente fachgerecht erneuert werden mussten.

Eine besondere Attraktion war schon 1904 das Tiepolo-Kabinett, ein relativ kleiner Raum in Altrosa und Weiß mit reichen Stuckverzierungen in Formen des spätbarocken Bandelwerks. Hier sind 22 Fresken in Grisaille-Technik zu sehen, die der Barockmaler Giovanni Battista Tiepolo 1759 für den Palazzo Volpato Panigai im norditalienischen Nervesa geschaffen hatte. Wilhelm von Bode kaufte sie, holte sie 1899 nach Berlin und ließ sie in seinem Museum anbringen. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Raum völlig zerstört; die Bilder waren zuvor ausgelagert worden und galten lange als verschollen. Während der letzten Generalinstandsetzung des Gebäudes konnte das Kabinett mit großem Aufwand wiederhergestellt werden – anhand eines einzigen Schwarz-Weiß-Fotos aus einem Museumskatalog von 1904.

Vier der fünf Höfe sind für einen Besucherrundgang mit Skulpturenausstellungen im Freien erschlossen. Entsprechend dem Masterplan Museumsinsel wurde eine Verbindung zum Pergamonmuseum hergerichtet. Teil der Instandsetzung war auch die Modernisierung des ganzen Hauses in Bezug auf Technik und Sicherheit. Fotoatelier und Restaurierungs­werkstätten wurden zeitgemäß ausgestattet, korrodierte Teile der Stahlträgerkonstruktion ausgetauscht, behindertengerechte Zugänge angelegt, Hausschwamm wurde beseitigt, der Brandschutz modernisiert und eine Klimaanlage eingebaut. Die Originalsubstanz sollte möglichst erhalten werden, also wurden nachträgliche Einbauten beseitigt und ursprüngliche Farbfassungen wiederhergestellt.

Die Generalinstandsetzung des Bode-Museums kostete 152 Millionen Euro und wurde aus Mitteln des Bundeshaushalts finanziert. Das Museum hat Geschossflächen von insgesamt 25.000 m²; die Hauptnutzfläche beträgt 11.000 m² für die 66 Ausstellungsräume. Eine Studiensammlung mit italienischen Bildwerken verschiedener Schulen, eine Kindergalerie, ein Museumsshop und eine Cafeteria in der Eingangshalle ergänzen die Angebote an die Besucher.

Mit der symbolischen Schlüsselübergabe im November 2005 endete die Komplettrenovierung des Bode-Museums nach fünfeinhalb Jahren. Im Oktober 2006 öffnete das fertig eingerichtete Museum wieder für Besucher. In der Zwischenzeit wurde die aktuelle Präsentation der Kunstwerke und der Raumgestaltungen vorbereitet, die teilweise kontrovers diskutiert worden war. Das Ergebnis trägt zeitgemäßen Sehgewohnheiten der Museumsbesucher Rechnung: Wände und Sockel sind meist weiß oder hellgrau gestrichen, die Kunstobjekte locker, mit teilweise besonderen Sichtbezügen angeordnet, Skulpturen stehen nicht selten frei im Raum, die Anmutung ist offen und lebendig. Dabei wird aber Bodes ursprüngliches Konzept der komplexen Stilräume erkennbar zitiert: Historische Ausstattungsdetails – Böden, Decken, einzelne Möbelstücke – bereichern viele der Ausstellungsräume; hinzu kommen 150 ausgesuchte Tafelbilder aus der Gemäldegalerie, die in Motiv oder Darstellungsweise (oder beidem) anregende Ergänzungen zu den Exponaten liefern.

Bereits bei der Wiedereröffnung wurde klar, dass die Ausstellungsräume des Bode-Museums langfristig nicht für alle Sammlungsteile ausreichen. Insbesondere planen die Staatlichen Museen zu Berlin unter ihrem Generaldirektor Michael Eissenhauer und dem Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, die bisher im Kulturforum vorhandene Gemäldegalerie komplett hierher zu verlagern und mit den Beständen der Skulpturensammlung wieder in einem Gebäude zu vereinen. Dazu ist ein Erweiterungsbau notwendig, der mit dem Bode-Museum funktional und inhaltlich verbunden ist und dieses komplementär ergänzt. Für diesen Neubau ist die Fläche westlich des Kupfergrabens vorgesehen.[7] 2009 erarbeiteten zehn Studenten der Fachhochschule Potsdam, Fachbereich Architektur, unter den Professoren Theo Brenner und Dominik Krohm Entwürfe für einen Neubau. Für deren Realisierung müssten die Kasernengebäude aus den 1960er Jahren abgerissen werden, in denen das Wachregiment Friedrich Engels stationiert war. Die visionären Entwürfe waren zwischen April und September 2010 direkt im Foyer des Museums ausgestellt.[8] Obwohl also weder Termine noch Finanzierungsmöglichkeiten feststehen, verkündete der Stiftungspräsident optimistisch:[9] „Ich bin sicher, dass es gelingen wird, die Politik und die Öffentlichkeit zu überzeugen.“

In den Sommermonaten der Jahre 2007–2015 fanden vor dem Eingangsportal des Bode-Museums regelmäßig Open-Air-Sonntagskonzerte statt.[10]

ArchitekturBearbeiten

ÄußeresBearbeiten

 
Bode-Museum bei Nacht

Das Bauwerk im Stil des Neobarock steht auf der nordwestlichen Spitze der Museumsinsel, auf einem unregelmäßig dreieckigen Grundstück mit einer Fläche von 6000 m². Hier befanden sich von 1824 bis 1897 das Berliner Mehlhaus sowie seit 1876 die Kunstbaracke, in der Ausstellungen zeitgenössischer Berliner Künstler stattgefunden hatten. Über dem Hauptbau des Gebäudes erhebt sich eine 39,50 m hohe Kuppel aus Holz und Stahl. Baufachleute nennen sie Schwedler-Kuppel nach ihrem Erfinder Johann Wilhelm Schwedler. Nach dem Wiederaufbau des Museums in den 1950er Jahren war sie mit Schiefer gedeckt. Im Rahmen der Komplettsanierung um das Jahr 2002 erhielt das Kuppeldach seine ursprüngliche Kupfer-Stehfalz-Eindeckung zurück.[11]

Der Architekt des Museumsgebäudes hat es trotz der unregelmäßigen Form des Grundstücks verstanden, den Eindruck eines völlig symmetrischen und gleichschenkligen Gebäudes zu vermitteln, ausgerichtet auf den halbrunden, von einer Kuppel überwölbten Eingangstrakt, zu dem Brücken über die beiden Spreearme führen. Der Bau ist mit Rackwitzer, Alt-Warthauer, Wünschelburger und Friedersdorfer Sandstein (alle entstanden in der Kreidezeit) aus Schlesien verkleidet. Ein mit Fenstern versehener Quadersockel und zwei weitere, durch korinthische Halbsäulen und übergiebelte Risalite gegliederte Etagen scheinen direkt aus der Spree empor zu steigen. Allegorien der Künste und berühmter Kunststädte bekrönen die Attika, geschaffen von den Bildhauern August Vogel und Wilhelm Widemann.

ReiterstandbildBearbeiten

Im Jahr 1904 wurde auf dem über die Monbijoubrücke zugänglichen Vorplatz das rund 6,80 Meter hohe Reiterstandbild Friedrichs III. aufgestellt. Die Bronzeplastik stammte vom Bildhauer Rudolf Maison; der Granitsockel mit der Widmung „König Friedrich III. von Preußen Deutschem Kaiser das Deutsche Reich“ vom Architekten Ernst von Ihne. Bei der Vorstellung des Modells soll Wilhelm II. gesagt haben, so eine Figur sei „seit dem Colleoni nicht mehr modelliert worden“. Im Jahr 1951 wurde die Plastik aus ideologischen Gründen eingeschmolzen und der Sockel später entfernt.[12] Im Depot des Historischen Museums Regensburg befindet sich ein Modell des Reiterstandbilds.

InneresBearbeiten

 
Große Kuppelhalle mit der Kopie des Reiterstandbildes des Großen Kurfürsten auf originalem Sockel
 
Kleiner Kuppelsaal mit den originalen Standbildern der preußischen Generäle vom Wilhelmplatz

Die Ausrichtung mehrerer Quergebäude ließ fünf Innenhöfe entstehen. Hinter dem Foyer beginnt mit der Mittelachse des Hauses eine eindrucksvolle Raumfolge: zunächst die Große Kuppelhalle mit weit geschwungenem Treppenaufgang und der galvanoplastischen Kopie von Andreas Schlüters Reiterstandbild des Großen Kurfürsten (angefertigt 1904 von der WMF) im Zentrum. Darauf folgt die Kamecke-Halle mit den Figuren, die einst auf dem Dach der von Schlüter erbauten, später zerstörten Villa Kamecke in der Dorotheenstraße standen. Das Nächste ist die Basilika im Stil der italienischen Renaissance, in den Seitenkapellen religiöse Bildwerke wie die farbigen, glasierten Terrakotten von Luca della Robbia und der Auferstehungsaltar aus Florenz. Den Abschluss bildet die Kleine Kuppelhalle im Rokokostil mit einer Treppenanlage. An deren Fuß sind die beiden Statuen der Venus und des Merkur von Jean-Baptiste Pigalle aufgestellt, die ursprünglich den Auftakt der Weinbergtreppe von Sanssouci bildeten. Im Obergeschoss der Rotunde befinden sich die Marmorstatuen der sechs Generäle Friedrichs des Großen vom Berliner Wilhelmplatz, die im 19. Jahrhundert am ursprünglichen Standort durch Bronzekopien ersetzt worden waren. In dieser Flucht repräsentativer Räume fanden einst auch Feierlichkeiten statt, zu denen die Hofgesellschaft und wohlhabende bürgerliche Mäzene geladen waren.

In den eigentlichen Ausstellungsräumen hatte Bode dichte, geschlossene Ensembles aus Skulpturen, Gemälden, Möbeln und kunstgewerblichen Objekten zusammengestellt, wie sie früher in großbürgerlichen Privatsammlungen üblich waren. Dabei trug er den wichtigsten Sammlern des ersten Bestandes, dem Bankier Adolph Thiem und James Simon, Rechnung, die ihre Exponate zu symbolischen Preisen verkauften, aber darauf bestanden, dass nicht thematisch, sondern nach ihren ehemaligen Besitzern gruppiert wurde.[13]

Dazu kamen innenarchitektonische Details wie Portale, Marmorböden, Kassettendecken, Kamine und Altäre, die Bode vorwiegend in Italien für seinen Museumsneubau zusammengekauft hatte. Mit diesen Räumen wollte er den Besuchern die Stimmungen vergangener Epochen nahebringen. Er verfolgte mit den Stilräumen (Period Rooms) ein museumspädagogisches Konzept, das auch Ludwig Hoffmann dem Neubau des Märkischen Museums zugrunde legte – nicht weit entfernt spreeaufwärts, nahezu zur gleichen Zeit und mit noch größerer Konsequenz, nämlich auch im äußeren Erscheinungsbild seines Bauwerks.

SammlungBearbeiten

ÜberblickBearbeiten

 
Ausstellungsräume
 
Ausstellungsräume

In den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs, als über Berlin Bomben abgeworfen wurden, lagerten Museumsmitarbeiter und viele Helfer größere Teile der Sammlungen aus, unter anderem in den Flakbunker Friedrichshain, der als Sicherheitsdepot eingestuft worden war. Doch im Mai 1945, als der Krieg schon offiziell beendet war, brach in den Bunkerräumen ein Feuer aus, das drei Tage lang anhielt und große Hitze entwickelte. Im Ergebnis waren viele Exponate vernichtet, andere bis zur Unkenntlichkeit zugerichtet (Kunstleichen). Was noch nach wertvollem Exponat aussah, ließ die Sowjetische Besatzungsmacht als Wiedergutmachung direkt nach Russland bringen und in der Ermitage in Leningrad sowie im Puschkin-Museum in Moskau verwahren. 2016 wurden im Puschkin-Museum 59 Statuen aus dem Bode-Museum wiedergefunden.[14][15] Im Jahr 1958 wurden zahlreiche der geraubten Kunstgüter in einem symbolischen Freundschaftsakt an die DDR zurückgegeben und in Museumsdepots eingelagert. Dort blieben sie lange Jahre unbeachtet.

Erst in den 2010er Jahren, als die bauliche Renovierung des Bode-Museums und die Umgestaltung der Ausstellungen abgeschlossen waren, fanden sich auch Geldgeber für die Wiederherstellung wertvoller Sammlungsstücke; ein bedeutender Mäzen ist die Siemens-Stiftung. Die Restaurierungswerkstatt des Museums befasst sich nun wissenschaftlich mit der Rekonstruktion von 59 ausgewählten Werken. Ein eindrucksvolles Beispiel ist die Skulptur Marmorner Schildträger von Tullio Lombardo (um 1495 geschaffen). Im April 2018 fand eine kleine Ausstellung zu der Initiative Kunst auf Lager statt.[16]

SkulpturensammlungBearbeiten

 
Andrea della Robbia: Auferstehung
 
Ignaz Günther: Maria Immaculata, 1750/1760

Die Skulpturensammlung präsentiert eine der umfangreichsten Sammlungen älterer Plastik in Deutschland. Ebenso wie die Bestände des Museums für Byzantinische Kunst war sie seit dem Zweiten Weltkrieg getrennt in verschiedenen Häusern in Ost und West untergebracht und wird seit 2006 erstmals wieder an ihrem ursprünglichen Standort im Bode-Museum ausgestellt. Ein besonders sinnfälliges Beispiel für diese Zusammenführung ist die Triumphkreuzgruppe aus der Moritzkirche in Naumburg, im Untergeschoss des Museums zu sehen. Die beiden Eichenholzfiguren von etwa 1220 hatten die letzten Jahrzehnte an verschiedenen Orten verbracht, die Maria in Berlin-Dahlem, der Christus auf der Museumsinsel.

In der Sammlung finden sich Arbeiten vom Mittelalter bis zum späten 18. Jahrhundert aus den deutschsprachigen Ländern sowie aus Frankreich, Holland, Italien und Spanien. Schwerpunkt der Sammlung ist Italien, vor allem die italienische Frührenaissance: Terrakotten von Luca della Robbia, Skulpturen von Donatello, Desiderio da Settignano, Francesco Laurana und Mino da Fiesole gehören zu den Höhepunkten der Sammlung. Stark vertreten sind auch die deutschen Bildhauer der Spätgotik, unter anderen mit Tilman Riemenschneider, Hans Brüggemann, Niclaus Gerhaert von Leyden und Hans Leinberger. Besonders bemerkenswert sind die großformatigen Ritterheiligen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges sowie die Alabaster- und Elfenbeinstatuetten aus Renaissance und Barock. Ignaz Günther, Joseph Anton Feuchtmayer, Edmé Bouchardon, Pierre Puget, Jean-Antoine Houdon und andere repräsentieren die Bildhauerkunst des Rokoko und des Frühklassizismus.

Siehe auch: Figurengruppe aus Terrakotta (um 1410) vom Meister der Lorcher Kreuztragung

Museum für Byzantinische KunstBearbeiten

 
Apsismosaik aus Ravenna, 6. Jahrhundert

Diese Sammlung enthält Kunstwerke und Alltagsgegenstände aus Westrom und dem Byzantinischen Reich vom 3. bis zum 15. Jahrhundert. Entsprechend dem Ausbreitungsgebiet dieser Reiche finden sich Objekte aus nahezu dem ganzen antiken Mittelmeerraum: aus Italien und der Türkei, aus den Balkanländern und Griechenland, aus Nordafrika, dem Nahen Osten und Russland. Vier Schwerpunkte bestimmen das besondere Profil des Museums: spätantike Sarkophage aus Rom, der Hauptstadt des Weströmischen Imperiums, figürliche und ornamentale Plastiken aus dem Oströmischen Reich, Elfenbeinschnitzereien und Ikonen in Mosaiktechnik als Beispiele byzantinischer Hofkunst, schließlich Gegenstände für den Alltagsgebrauch und zur Ausübung der christlichen Religion aus Ägypten.[15]

MünzkabinettBearbeiten

Dies ist eine der ältesten Spezialsammlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Ihre Anfänge gehen zurück auf die Kunstkammer brandenburgischer Kurfürsten im späten 16. Jahrhundert. Das Kabinett bekam 1868 den Status eines eigenen Museums und erhielt 1904 im Untergeschoss des Museums speziell eingerichtete Räume.

Das Münzkabinett ist eine der weltweit größten numismatischen Sammlungen. Ihre Geltung beruht ganz wesentlich auf geschlossenen Münzserien vom Beginn der Münzprägung im siebten vorchristlichen Jahrhundert in Kleinasien bis zur Gegenwart. Von den mehr als 500.000 Objekten kann in den ständigen Ausstellungen nur ein kleiner Teil gezeigt werden. Im Pergamonmuseum werden 1500 Spitzenexemplare antiker Münzen vorgestellt. Im Bode-Museum sind in vier Ausstellungsräumen im zweiten Obergeschoss 4000 Münzen und Medaillen zu sehen.[17] Die ausgestellten Stücke sind in einem interaktiven Münzkatalog beschrieben.[18] Alle übrigen Objekte sind nach Voranmeldung im Untergeschoss zu besichtigen. Dort kann auch die numismatische Spezialbibliothek benutzt werden.

Maple-Leaf-DiebstahlBearbeiten

In der Nacht auf den 27. März 2017 wurde eine rund 100 kg schwere Big-Maple-Leaf-Goldmünze aus der Ausstellung gestohlen; es handelte sich um die Leihgabe eines privaten Eigentümers. Ihr Nennwert betrug eine Million kanadische Dollar, der Materialwert zum Tatzeitpunkt rund 3,8 Millionen Euro.[19] Im Juli 2017 wurden vier Tatverdächtige verhaftet, von denen im November 2017 noch zwei in Haft waren. Goldanhaftungen der Münze wurden in einem aus anderen Gründen beschlagnahmten Fahrzeug sichergestellt, die Münze selbst wurde nicht gefunden.[20] Im Jahr 2018 wurde der Öffentlichkeit mitgeteilt, dass die Diebe nicht gefasst werden konnten und dass die Münze aller Wahrscheinlichkeit nach eingeschmolzen worden sei. Mitte Juli 2018 wurden von der Berliner Staatsanwaltschaft und dem Berliner Landeskriminalamt 77 Immobilien im Gesamtwert von zehn Millionen Euro der Mitglieder der Großfamilie Remmo, der die Tatverdächtigen zugerechnet werden, beschlagnahmt. Im Falle von Widersprüchen hat das Landgericht Berlin über den endgültigen Verbleib der betreffenden Immobilien zu entscheiden.[21][22]

AusstellungenBearbeiten

  • 2015: Das verschwundene Museum. Die Berliner Skulpturen- und Gemäldesammlungen 70 Jahre nach Kriegsende.
  • 2017: Syria antiqua – Münzen und Monumente auf der Museumsinsel
  • 2017/2018: Wissenschaft und Turbulenz. Wolfgang Fritz Volbach, ein Wissenschaftler zwischen den beiden Weltkriegen

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Elke Bannike (Red.): 100 Jahre Bodemuseum Berlin. 100 Jahre Münzkabinett im Bodemuseum. Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 2004 (= Beiträge zur brandenburgisch-preußischen Numismatik. Nr. 12).
  • Janet Kempf u. a. (Red.): Skulpturensammlung im Bode-Museum. Prestel, München u. a. 2006, ISBN 3-7913-3744-0 (= Prestel-Museumführer).
  • Bernd Kluge (Red.): Münzen und Medaillen. 100 Themen. Die Ausstellung des Münz-Kabinetts im Bode-Museum. Prestel, München u. a. 2006 (= Prestel-Museumsführer), ISBN 3-7913-3746-7.
  • Antje-Fee Köllermann, Iris Wenderholm (Hrsg.): Das Bode-Museum. 100 Meisterwerke. Museum für Byzantinische Kunst, Skulpturensammlung, Münzkabinett. 2. verb. Aufl. Staatliche Museen zu Berlin, Berlin 2006, ISBN 3-88609-546-0.
  • Gabriele Mietke (Red.): Das Museum für Byzantinische Kunst im Bode-Museum. Prestel, München u. a. 2006, ISBN 3-7913-3745-9 (= Prestel-Museumsführer).
  • Renate Petras: Die Bauten der Berliner Museumsinsel. Verlag für Bauwesen, Berlin 1987, ISBN 3-345-00052-0.
  • Carola Wedel (Hrsg.): Das Bode-Museum. Schatzkammer der Könige. Jaron, Berlin 2006, ISBN 3-89773-549-0.
  • Alexander Markschies: Gut geklaut ist halb gebaut – Die Vorgeschichte des Bode-Museums. In: INSITU – Zeitschrift für Architekturgeschichte, 2 (1/2010), S. 45–64.
  • Bénédicte Savoy, Philippa Sissis (Hrsg.): Die Berliner Museumsinsel: Impressionen internationaler Besucher (1830–1990). Eine Anthologie. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2012, ISBN 978-3-412-20991-9.
  • Hubert H. Wartner: Rudolf Maison (1854–1904) – ein vergessener Bildhauer des Historismus. PDF

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/bode-museum/ueber-uns/profil.html
  2. Markschies, S. 45.
  3. 10 Blätter Ihnes zum Kaiser-Friedrich-Museum im Architekturmuseum der TU Berlin, abgerufen am 17. Januar 2019.
  4. Renate Petras (Lit.), S. 180 (Zerstörungsgrad), S. 185 (Notdach).
  5. Pharus-Stadtplan Berlin 1954 Ausschnitt@1@2Vorlage:Toter Link/www.alt-berlin.info (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis..
  6. Hans J. Reichardt u. a.; Landesarchiv Berlin (Bearb.): Berlin. Chronik der Jahre 1955–1956. Spitzing, Berlin 1971, S. 438, auch Petras (Lit.), S. 187.
  7. Michael Eissenhauer: Vorwort. In: Bernd W. Lindemann (Hrsg.): Bode-Museum – Architektur, Sammlung, Geschichte. München 2010, ISBN 978-3-938832-60-8, S. 5–6.
  8. Typologie der Museumsarchitektur: Ideen für eine Erweiterung des Bode-Museums
  9. Sebastian Preuss: Endlich ist was zu sehen. Die Vision wird konkret: erste Pläne für die Erweiterung des Bode-Museums. In: Berliner Zeitung. 23. April 2010; S. 24.
  10. Internetseite Sonntagskonzerte
  11. Marcus Böttcher, Volkmar Otto (Fotos): Gut verkuppelt. In: Berliner Zeitung. 10. Mai 2017, S. 14.
  12. Karin Geiger, Sabine Tausch: Rudolf Maison (1854–1904). Regensburg – München – Berlin. Hrsg.: Historisches Museum. 1. Auflage. Begleitband zur Ausstellung: Rudolf Maison (1854–1904) – Bildhauer für König, Kaiser und andere „kunstliebende Laien“ im Historischen Museum der Stadt Regensburg, vom 18. September 2016 bis zum 2. April 2017. Regensburg 2016, ISBN 978-3-86845-138-2.
  13. Sven Kuhrau: Der Kunstsammler im Kaiserreich. Kunst und Repräsentation in der Berliner Privatsammlerkultur. Ludwig, Kiel 2005, ISBN 3-937719-20-2.
  14. Welt.de: Skulpturen aus Berlin in Moskau aufgetaucht.
  15. a b Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst (Staatliche Museen zu Berlin).
  16. Nicola Kuhn: Wiedergeburt auf der Werkbank; Der Tagesspiegel, 12. April 2018, S. 21.
  17. Münzkabinett (Staatliche Museen zu Berlin),
  18. Virtueller Rundgang Münzkabinett (mit Übergang zum Onlinekatalog),
  19. 100-Kilo-Goldmünze aus Berliner Museum gestohlen. In: orf.at, 27. März 2017, abgerufen am 27. März 2017.
  20. Beweise in Goldmünzen-Fall sollten wohl vernichtet werden.@1@2Vorlage:Toter Link/www.rbb24.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Bei: RBB24.de, 14. November 2017
  21. Erfolg im Kampf gegen kriminelle Clans: Polizei beschlagnahmt 77 Immobilien. In: Focus, 19. Juli 2018.
  22. Organisierte Kriminalität Polizei beschlagnahmt Immobilien von arabischer Großfamilie. In: Berliner Zeitung, 19. Juli 2018.

Koordinaten: 52° 31′ 18″ N, 13° 23′ 42″ O