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Das Bockmerholz ist ein rund 2 km² großes, geschlossenes Laubwaldgebiet in Hannover, das etwa zur Hälfte unter Naturschutz steht. Der Wald liegt südlich des hannoverschen Stadtteils Wülferode und gilt als Relikt von ausgedehnten Laubwaldbeständen des Nordwaldes, der hier bis ins Frühmittelalter bestand. Durch das Bockmerholz führen nur Waldwege und enge Pfade.

Bockmerholz

IUCN-Kategorie IV – Habitat/Species Management Area

Pfad auf einem kleinen Wall mit Graben, vermutlich Rest einer alten Grenzmarkierung

Pfad auf einem kleinen Wall mit Graben, vermutlich Rest einer alten Grenzmarkierung

Lage südlich von Wülferode
Fläche 121 ha
Kennung NSG HA 173
WDPA-ID 318210
Geographische Lage 52° 19′ N, 9° 51′ OKoordinaten: 52° 18′ 48″ N, 9° 51′ 8″ O
Bockmerholz (Niedersachsen)
Bockmerholz
Meereshöhe von 76,5 bis 101,7
Einrichtungsdatum 01.03.1995
Verwaltung NLWKN

LageBearbeiten

 
Bockmerholz von Norden gesehen, im Vordergrund Wülferode

Der Wald liegt etwa einen halben Kilometer südlich von Wülferode und im Osten des Kronsberges. Das ähnlich strukturierte Waldgebiet Gaim befindet sich etwa 2 km nordöstlich. Im Osten wird das Bockmerholz von der Landesstraße L 388 nach Wülferode begrenzt, im Süden von der B 443. Die A 37 durchschneidet den äußersten südwestlichen Zipfel des Waldes.

Bodenbeschaffenheit und VegetationBearbeiten

Das Waldgebiet steht auf unterschiedlichen Untergründen, darunter für Lössbörden typischer Boden, Geschiebedecksand und Geschiebelehm. Dadurch ergeben sich im Boden kleinflächig wechselnde Wasserverhältnisse, zum Teil mit Staunässe.

Das Bockmerholz besteht aus einem artenreichen Eichen-, Eschen-, Hainbuchenwald, der sich als natürliche Waldgesellschaft im naturnahen Bestand präsentiert. Im Wald finden sich zahlreiche gefährdete Pflanzen- und Tierarten. Der Wald zeichnet sich durch seine hohe Zahl an Frühjahrsblühern aus. Im April verwandelt sich der Waldboden in einen weißgelben Blütenteppich mit Buschwindröschen, Märzenbecher und Gelbem Windröschen.

NaturschutzgebietBearbeiten

Das Naturschutzgebiet umfasst den nördlichen Bereich des Waldes und ist etwa 121 ha groß. Es gehört zusammen mit der nördlich von Wülferode gelegenen Gaim zum FFH-Naturschutzgebiet Bockmerholz, Gaim. Das Naturschutzgebiet im Bockmerholz ist ein Naturwald-Bereich, der nicht mehr bewirtschaftet sich selbst überlassen bleibt. In ihm soll sich ein Waldökosystem einstellen, in dem seltene Tier- und Pflanzenarten geschützt leben können. Die Unterschutzstellung dient auch der Naturwaldforschung, um die unbeeinflusste Entwicklung von Waldgesellschaften sowie Ökosystemen zu untersuchen. Der südliche Waldbereich ist ein naturnaher Wald, der als Pufferzone für den Naturschutzbereich dient. In ihm soll sich die natürliche Vegetation von Waldgesellschaften erhalten können.

GeschichteBearbeiten

 
Denkmal Försterstein, der im 19. Jahrhundert vom Förster Sabiel aufgestellt wurde[1]

Das Bockmerholz wird, ebenso wie der Hämeler Wald, als ein Rest des uralten Nordwaldes im Städtedreieck zwischen Hannover, Hildesheim und Braunschweig angesehen. Der Wald blieb nur in Teilen von einer Umwandlung in Ackerland während der frühmittelalterlichen Rodungsperiode verschont. In der Neuzeit gehörte das Bockmerholz größtenteils dem hannoverschen Adel, der das Waldgebiet zum Holzeinschlag und zur Jagd nutzte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde von den Bewohnern der umliegenden Dörfer im Wald massiv Holz zum Wiederaufbau eingeschlagen. Der Landesherr ließ daraufhin vom Amt Koldingen Holzvögte einsetzen, die seine Waldbereiche kontrollierten und den Raubbau im fürstlichen Wald unterbanden. Allmählich regenerierte sich der Wald, obwohl er auch als Hutewald diente. Zum Schutz einzelner Waldbereiche gegen den Verbiss von Vieh und Wild wurden Wallhecken angelegt.

Aufgrund der anhaltenden Streitereien zwischen dem adligen Waldbesitzer und seinen Untertanen, wurde das Bockmerholz 1832–1834 aufgeteilt. Der Fürst behielt den größeren Teil und gab den kleineren Teil den Bauern der Dörfer Wülferode und Rethen. Sie teilten sich den Wald in einzelne Parzellen auf, die sie mit Gräben oder Hecken abgrenzten. Reste der Grenzmarkierungen finden sich noch heute im Wald.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wolfgang Neß: Wülferode. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 2, Bd. 10.2, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1985, ISBN 3-528-06208-8, hier: S. 176ff.; sowie Wülferode im Addendum: Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand 1. Juli 1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege, S. 27