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Bismarckschule (Nürnberg)

Bauwerk in Deutschland

Die Bismarckschule ist eine Grund- und Mittelschule in Nürnberg, Stadtteil Schoppershof. Das Schulgebäude wurde 1902/04 mit reicher Ausstattung im Jugendstil errichtet und steht unter Denkmalschutz. Die Schule wurde nach Reichskanzler Otto von Bismarck benannt.

Bismarckschule
Bismarckschule Nürnberg.jpg
Schulform Grund- und Mittelschule
Schulnummer 6586
Gründung 1879 / 1904
Adresse

Bismarckschule 20
90491 Nürnberg

Ort Nürnberg
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 49° 27′ 49″ N, 11° 6′ 10″ OKoordinaten: 49° 27′ 49″ N, 11° 6′ 10″ O
Träger Stadt Nürnberg
Schüler 350 (GS) + 320 (MS) (Stand: 2015)
Lehrkräfte 25 (GS) + 37 MS (Stand: 2015)
Leitung Susanne Kaufmann (GS), Peter Weidner (MS)
Website www.bismarck-schule.de

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Das Schulgelände wird von Bismarckstr., Welserstr., Fröbelstr. und Schoppershofstr. begrenzt.

GeschichteBearbeiten

Im Jahr 1879 erhielt das Dorf Schoppershof eine eigene neu erbaute Schule auf dem Gelände der heutigen Bismarckschule. 1881 wurden 244 Jungen und Mädchen in drei Klassen unterrichtet. Mit der Eingemeindung 1899 von Schoppershof[1] in die rasant wachsende Stadt Nürnberg erwies sich die Schule in dem neuen Stadtteil als zu klein. Im Rahmen des Nürnberger Schulbauprogramms unter Oberbürgermeister Johann Georg von Schuh[2] entstand in den Jahren 1902/04 nach Plänen des städtischen Oberrats Georg Kuch[3] und des Leiters des städtischen Bauamts Carl Weber neben dem alten Schulhaus an der Bismarckstraße ein modernes Gebäude im Jugendstil.[4] Das Schulgebäude wurde aus zwei viergeschossigen, rechtwinklig stehenden Flügeln errichtet, die an der heutigen Welserstraße die Knabenschule, an der Fröbelstraße die Mädchenschule aufnahmen. Die Flügel wurden durch einen Gebäudeteil mit Aula und Turnhalle verbunden, die von beiden Flügeln zugänglich waren. Ein achteckiger Uhrturm überragte die Gebäude als Orientierung für den Stadtteil. Das Schulhaus erhielt 32 Klassenzimmer, Zeichensaal und Fachräume. Die Ausstattung entsprach moderner Technik mit Gasbeleuchtung, einer Zentralheizung, die auch das Brausebad im Keller versorgte, in das die Schüler wöchentlich zum Duschen geführt wurden. Die Toiletten waren mit Spülvorrichtungen und Lüftungen ausgestattet, Einrichtungen, die in den meisten Wohnungen der Zeit fehlten. Ein Schulgarten wurde vor den Flügeln angelegt. Während des Ersten Weltkriegs dienten teile der Schule als Lazarett. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Unterricht wegen der Bombardierungen Nürnbergs und der Evakuierung von Schulkindern zeitweilig eingestellt. Bei der Beschießung der Stadt 1945 beschädigten Bomben einen Teil des Gebäudes und zerstörten das ehemalige Schulhaus Schoppershof. Nach der Eroberung der Stadt besetzten die Amerikaner das Schulhaus. Der Unterricht wurde im Oktober 1945 im Schichtbetrieb wieder aufgenommen.

Bekanntester Schüler der Bismarckschule war der Schriftsteller Hermann Kesten, der 1906 eingeschult wurde und die Schule bis 1910 besuchte.[5]

GebäudeBearbeiten

Das 1904 fertiggestellte Gebäude der Bismarckschule wurde innen und außen reichlich mit Jugendstilelementen verziert. Das Gebäude ist ein Baudenkmal, eingetragen in der Liste der Bayrischen Baudenkmäler Akten-Nr. D-5-64-000-224[6]. Der Bau aus rotem Burgsandstein weist mit Stuck und Sgraffiti um die Fensterachsen gegliederte Außenfassaden auf. Pflanzenornamente, Tiere und Fabelwesen schmücken das Gebäude. Engel grüßen mit Bibelzitaten über den Eingängen der damaligen Knaben- und Mädchenschule. Der die beiden Schulflügel verbindende Rechteckbau trägt an zwei Seiten jeweils drei Sandsteinreliefs, die die Schulfächer repräsentieren: Erdkugel, Turnerringe vor dem Turnerkreuz mit den vier gespiegelten „F“ und eine Eule stehen an der Ostseite für Erdkunde, Leibeserziehung im Sinne von Turnvater Jahn („frisch, fromm, fröhlich, frei“) und für die in der Schule zu vermittelnde Weisheit. An der Südseite symbolisieren Pflanzengebinde, Lyra, Zirkel und Dreieck die Fächer Biologie, die musischen Fächer Musik und Kunst sowie die geometrisch-handwerklichen Fertigkeiten. Das von Rundgauben durchbrochene Dach wird von geschwungenen Giebeln mit Türmchen und Stadtwappen und Dachreitern eingerahmt. Schule und Stadtteil werden von einem 47 m hohen achteckigen Uhrturm überragt. Die Außenwand an der Bismarckstraße ziert ein großes Relief mit dem Jungfrauenadler des Stadtwappens. Über den Gebäudeeingängen vom Schulhof wurden Märchenreliefs angebracht. Über dem Knabeneingang mahnt die Geschichte von den bösen Buben aus dem Struwwelpeter vor den Folgen von Mobbing. Über dem Mädcheneingang warnt der getreue Eckart die Mädchen vor den „unholden Schwestern“. Geflügelte Kröten sitzen an Dachecken, ein Fisch füllte einen Brunnen an der Hauswand. Innen wurde die Bismarckschule hochwertig ausgestattet mit Granitstufen in den Treppenhäusern, Geländern aus Jurakalkstein und Muschelkalksäulen. In den Korridoren wurden zweifarbigen Fliesen in Rautenmuster verlegt. Sandsteinfriese mit jeweils unterschiedlichen Tier- und Pflanzenmotiven schmücken die Türen zu den Klassenzimmern. Ein Wappen des Oberbürgermeisters Georg Ritter von Schuh in der Aula erinnert an den Förderer des Schulbaus.

LiteraturBearbeiten

  • Blätter für Architektur und Kunsthandwerk Band 20, Nr. 2, 1907, S. 5f und Tafeln 14–16. Berlin
  • Franz Bauer: Die Schulhäuser in der Bismarckstraße: Entwurf einer Geschichte ihres Werdens und Wachsens von 1879 bis 1959. Manuskript In: Stadtbibliothek Nürnberg: Signatur: Nor. 4. 5126 Nürnberg 1960.
  • Michael Diefenbacher, Endres Rudolf (Hrsg.): Stadtlexikon Nürnberg (= Reihe. Band). 2. Auflage. Tümmels-Verlag, Nürnberg 2000, ISBN 3-921590-69-8.
  • Sebastian Gulden: Die Bismarckschule – eine Perle des Jugendstil in: Dieter Zylla, Brigitte Egerer: Das Historische Lesebuch der Bismarckschule Nürnberg. Eigenverlag Bismarckschule, Nürnberg Jahr 2015, ISBN 978-3-00-049994-4.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bismarckschule (Nürnberg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Stadtlexikon Nürnberg, Stichwort Schoppershof, S. 949
  2. Stadtlexikon Nürnberg, Stichwort Schuh, Johann Georg Ritter von, S. 954
  3. Stadtlexikon Nürnberg, Stichwort Kuch, Georg, S. 592
  4. Stadtlexikon Nürnberg, Stichwort Schulhausbauten, S. 956
  5. Hermann-Kesten-Gesellschaft: http://www.kesten.de/index.php/station=nbg&kat=ORT&subkat=Topographie
  6. Liste der Baudenkmäler in den Nürnberger Stadtteilen Wöhrd und Rennweg