Hauptmenü öffnen

Birkigt (Freital)

Stadtteil von Freital, Sachsen, Deutschland

Birkigt ist ein Stadtteil der sächsischen Großen Kreisstadt Freital im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Birkigt
Große Kreisstadt Freital
Koordinaten: 51° 0′ 40″ N, 13° 40′ 50″ O
Höhe: 200 m ü. NHN
Fläche: 85 ha
Einwohner: 886 (9. Mai 2011)[1]
Bevölkerungsdichte: 1.042 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1923
Postleitzahl: 01705
Vorwahl: 0351
WurgwitzKohlsdorfNiederhermsdorfPesterwitzSaalhausenZauckerodeNiederpesterwitzPotschappelDöhlenBirkigtUnterweißigWeißigGroßburgkKleinburgkZschiedgeKleinnaundorfNiederhäslichDeubenHainsbergSchweinsdorfCoßmannsdorfSomsdorfKleinburgkWilsdruffDresdenTharandtKlingenbergRabenauBannewitzKarte
Über dieses Bild
Lage von Birkigt in Freital

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

 
Bahnhof Freital-Birkigt an der Windbergbahn

Birkigt befindet sich im Nordosten Freitals an einem Hang, der nach Westen zum Döhlener Becken hin abfällt. Benachbart liegen die anderen Freitaler Stadtteile Potschappel mit Neucoschütz im Westen und Norden sowie Burgk mit Zschiedge im Süden. Im Nordosten und Osten grenzt Birkigt an die Stadtteile Coschütz und Gittersee der Landeshauptstadt Dresden an.

Im Stadtteil liegt ein Bahnhof an der Windbergbahn. In Birkigt hält der Regionalverkehr Dresden mit der Stadtbuslinie C, die Pesterwitz mit Bannewitz verbindet.

GeschichteBearbeiten

Der Ortsname Birkigt ist deutschen Ursprungs und bedeutet Birkenwald (analog zu Tännicht, Eichigt, Erlicht). Erstmals erwähnt wurde das Dorf 1378 als Birkech, Berkech.[2] Im Jahr 1429 heißt der Ort „zcum Birckechte“, 1445/1447 dann „Burkecht“. Als „Birkicht“ taucht das Dorf 1457 auf, um 1547 „Pirgk“ genannt zu werden. Vier Jahre später wird es als „Birckichtt“ erwähnt. Noch 1791 als „Bürckigt“ bezeichnet, heißt der Ort 1875 „Birkigt b. Döhlen“.[3]

Nach Döhlen ist Birkigt seit 1555 eingepfarrt. Die Grundherrschaft übten über die gesamte frühe Neuzeit die Besitzer des Ritterguts Potschappel aus. So hatte Birkigt im 16. Jahrhundert an den Gutsherrn Hermann von Tauschwitz verschiedene Abgaben zu erbringen.[4] Nach Potschappel gingen die Birkigter Kinder bis 1875 auch zur Schule, ein Jahr später erfolgte die Fertigstellung eines ersten Birkigter Schulhauses. Nachdem dieses gegen Ende des 19. Jahrhunderts an seine räumlichen Grenzen stieß, wurde 1898 ein Neubau fertiggestellt, der heute unter dem Namen „Ludwig-Richter-Schule“ genutzt wird. Das alte Schulhaus diente nach dem Umzug des Schulbetriebs als Amtsgebäude der Gemeindeverwaltung, beherbergte lange Zeit das Schulhistorische Museum Freitals und wurde 2018 abgerissen. Im alten Dorfkern, der an der Gitterseer Straße nahe der Stadtgrenze zu Dresden liegt, blieben einige Bauernhöfe aus dem 19. Jahrhundert bis heute erhalten.[5]

 
Birkigt auf einer Karte aus dem 19. Jahrhundert

Der Gustavschacht begann im 19. Jahrhundert seinen Betrieb. Ab etwa 1900 – die Gewannflur der Gemeinde erstreckte sich damals auf 86 Hektar[3] – entwickelte sich Birkigt zu einer Arbeiterwohngemeinde. Bereits 1897 kam es mit dem Bau der „Faßfabrik Gliemann“ zu einer ersten Industrieansiedlung in dem Dorf, nachdem zuvor lediglich einige Bergbauanlagen des „Potschappler Aktienvereins“ auf Birkigter Flur lagen. Nach dem Ersten Weltkrieg siedelten sich weitere Betriebe an, darunter die Verpackungsmaschinenfabrik Otto Hänsel (später zu Nagema gehörend) und ein Voltolwerk der Ossag.

Zwei Jahre nach der Gründung von Freital kam Birkigt am 1. Januar 1923 als fünfter Stadtteil zum Stadtgebiet; neben den drei Gründungsgemeinden gehörte Zauckerode bereits vorher dazu. Im Zweiten Weltkrieg, am 24. August 1944, brachte ein Luftangriff auf Freital und Gittersee starke Zerstörungen im Stadtteilgebiet. Ein Hauptziel war das Mineralölwerk der aus der Ossag hervorgegangenen Rhenania-Ossag. Die 486. und die 487. Bomber-Gruppe (65 B17-Bomber) des 92. US-Kampfgeschwaders (8. US-Luftflotte) griffen die als Objekt „GQ 1612“ markierten Anlagen an, die kältebeständige Spezialschmierstoffe (etwa 6.000 Tonnen pro Jahr) für die Luftwaffe lieferten und als Hauptproduzent von Voltol-Ölen galten.[6][7] An die 241 Todesopfer des Angriffs erinnert heute ein Gedenkstein in der Grünanlage „Am Brunnen“.

Entwicklung der EinwohnerzahlBearbeiten

Jahr Einwohner[3][8]
1551 9 besessene Mann, 7 Inwohner
1764 9 besessene Mann, 2 Gärtner
1834 71
1871 360
1890 744
1910 1871
1923 2338
2011 886

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Gedenkstein für die Opfer des US-amerikanischen Luftangriffs

In Birkigt befindet sich die Ludwig-Richter-Grundschule, die bis zum August 2009 grundlegend saniert wurde.

Bei einem Luftangriff im Zweiten Weltkrieg am 24. August 1944, der dem Voltolwerk galt, wurde der Stadtteil Birkigt stark zerstört. Ein Gedenkstein erinnert an die 241 Menschen, die damals ihr Leben ließen.

LiteraturBearbeiten

  • Katrin Schulze: GQ 1612 – Was die Alliierten am 24.8.1944 nach Freital-Birkigt führte, Freital 2011.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Birkigt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bevölkerung, Haushalte, Familien sowie Gebäude und Wohnungen am 9. Mai 2011 nach Gemeindeteilen. (PDF; 750 KB) In: Kleinräumiges Gemeindeblatt Zensus 2011. Statistisches Landesamt Sachsen, abgerufen am 15. November 2015.
  2. Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen. Band I. Berlin 2001, ISBN 3-05-003728-8, S. 73.
  3. a b c Birkigt im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  4. Birkigt bei Freital. In: Repertorium Saxonicum. Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde, abgerufen am 15. November 2015.
  5. Juliane Puls, Wolfgang Vogel: Birkigt (eingemeindet 1923). In: freital.de. Stadt Freital, abgerufen am 9. November 2018.
  6. Juliane Puls: Bomben auf Freital: Am 24. August 1944 wurde der Freitaler Stadtteil Birkigt bombardiert. In: freital.de. Stadt Freital, archiviert vom Original am 21. Dezember 2016; abgerufen am 15. November 2015.
  7. Heinz Schulz: Heute vor 60 Jahren starben in Freital 241 Personen durch amerikanische Bomben. In: Leipziger Volkszeitung. 24. August 2004.
  8. Siegfried Huth: Freital in alten Ansichten. Band 1. Freital, ISBN 978-90-288-5521-2.