Bilma

Stadtgemeinde in Niger

Bilma [bilˈma] (auf tuareg-berberisch Bălma)[1] ist eine Stadtgemeinde und der Hauptort des gleichnamigen Departements Bilma in Niger.

Stadtgemeinde Bilma
Stadtgemeinde Bilma (Niger)
Stadtgemeinde Bilma
Stadtgemeinde Bilma
Koordinaten 18° 41′ N, 12° 55′ OKoordinaten: 18° 41′ N, 12° 55′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Agadez
Departement Bilma
Höhe 358 m
Einwohner 4409 (2012)

GeographieBearbeiten

Lage und GliederungBearbeiten

Die Gemeinde Bilma liegt im Osten des Landes und grenzt an den Nachbarstaat Tschad. Die Nachbargemeinden sind Dirkou im Norden, N’Gourti im Süden und Fachi im Westen.[2] Durch Bilma verläuft das Kaouar-Tal in der Wüste Ténéré.

Es gibt drei Siedlungen in der Gemeinde:[3] den Hauptort Bilma[4] sowie die Dörfer Aguer und Zobaba.[3]

KlimaBearbeiten

Bilma
Klimadiagramm
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Bilma
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 26,7 29,5 34,2 39,1 42,2 43,5 42,4 41,0 40,8 37,9 33,0 28,3 Ø 36,6
Min. Temperatur (°C) 7,0 8,7 12,4 17,3 21,2 22,8 23,3 23,4 21,0 16,2 11,1 7,7 Ø 16
Niederschlag (mm) 0 0 0 0 0 2 3 9 1 0 0 0 Σ 15
Sonnenstunden (h/d) 9,5 9,9 9,5 10,4 10,6 10,6 9,8 9,9 10,1 10,2 9,9 9,5 Ø 10
Regentage (d) 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 Σ 1
Luftfeuchtigkeit (%) 31 23 18 15 18 19 26 39 26 22 27 29 Ø 24,5
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GeschichteBearbeiten

 
Oase Bilma
 
Sole-Verdunstungsbecken und Viehsalz-Kantus (hinten) in der Saline Kalala bei Bilma

Der Berg Silemi östlich des Hauptorts ist ein archäologischer Fundort der altsteinzeitlichen Acheuléen-Kultur.[5]

Der deutsche Afrikaforscher Gerhard Rohlfs besuchte Bilma im Jahr 1866 und beschrieb die Bedeutung der Salzwirtschaft für den Ort.[6][7]

Im Jahr 1907 wurde im französischen Militärterritorium Niger ein Kreis Bilma geschaffen. Dessen Hauptort war jedoch nicht die Oase Bilma, sondern N’Guigmi am Tschadsee. Erst 1911 wurden im Zuge einer Verwaltungsreform, bei der das Militärterritorium in sechs Kreise eingeteilt wurde, sowohl N’Guigmi als auch Bilma zu Hauptorten von jeweils nach ihnen benannten Kreisen.[8]

Im August 2006 war Bilma von einer Flutkatastrophe betroffen, die von den stärksten Regenfällen in der Stadt seit Beginn der Aufzeichnungen 1923 verursacht wurde. Mehr als 1194 Wohnungen wurden zerstört und 4369 Menschen obdachlos. Für die in behelfsmäßigen Unterkünften untergebrachten Menschen erschwerte sich die Lage in den darauffolgenden Monaten durch extreme Temperaturunterschiede.[9]

BevölkerungBearbeiten

Bei der Volkszählung 2012 hatte die Stadtgemeinde 4.409 Einwohner, die in 801 Haushalten lebten.[3] Bei der Volkszählung 2001 betrug die Einwohnerzahl 4.078 in 815 Haushalten.[10]

Im Hauptort lebten bei der Volkszählung 2012 4.016 Einwohner in 713 Haushalten,[3] bei der Volkszählung 2001 3.793 in 752 Haushalten[10] und bei der Volkszählung 1988 2.421 in 655 Haushalten.[11] Bei der Volkszählung 1977 waren es 1.720 Einwohner.[12]

Die Bevölkerung gehört überwiegend den Volksgruppen Kanuri und Tubu an. Die in der Gemeinde verbreiteten Sprachen sind die Kanuri-Varietät Bilma-Kanuri, die Tubu-Sprache Tedaga sowie Libysch-Arabisch.[13]

PolitikBearbeiten

Der Gemeinderat (conseil municipal) hat 11 Mitglieder. Mit den Kommunalwahlen 2020 sind die Sitze im Gemeinderat wie folgt verteilt: 4 PNDS-Tarayya, 4 PSD-Bassira, 1 MNSD-Nassara, 1 MPR-Jamhuriya und 1 RDP-Jama’a.[14]

Jeweils ein traditioneller Ortsvorsteher (chef traditionnel) steht an der Spitze der drei Dörfer in der Gemeinde.[3]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

 
Salzkarawane auf dem Weg von Agadez nach Bilma

Die kleine Stadt lebt von Oasenwirtschaft, vorwiegend von Dattelpalmen, und der Salzherstellung, die seit dem 15. Jahrhundert hier betrieben wird. Die Salinen von Kalala befinden sich etwa drei Kilometer nordwestlich des Ortszentrums. Zwischen der Oase und den Salinen lagern oft zu Tausenden die Dromedare der Sahara-Salzkarawanen, die im Transsaharahandel von Bilma aus entlang der Bornustraße nach Süden verkehren. Die Bornustraße ist die Verbindung von Tripolis durch den Fessan und die Große Sandwüste von Bilma bis zum Tschad-See. Die heutige Hauptroute des Karawanenhandels verläuft allerdings schon seit langem in Ost-West-Richtung und führt nach Agadez und in das Aïr-Gebirge. Das staatliche Versorgungszentrum für landwirtschaftliche Betriebsmittel und Materialien (CAIMA) unterhält eine Verkaufsstelle in der Stadt.[15]

Bilma ist Sitz eines Militärpostens und eines Tribunal d’Instance, eines der landesweit 30 Zivilgerichte, die unterhalb der zehn Zivilgerichte der ersten Instanz (Tribunal de Grande Instance) stehen.[16] Auch Zoll- und Polizeidienststellen sowie eine Post sind vorhanden. Eine Infrastruktur für den Tourismus, zum Beispiel Hotels, existiert noch nicht. Nach dem Stand von 2003 stehen lediglich ein paar bescheidene Lebensmittelläden, eine Bar und ein Restaurant zur Verfügung.

Im Hauptort sind ein Distriktkrankenhaus und ein Gesundheitszentrum des Typs Centre de Santé Intégré (CSI) vorhanden.[17] Allgemein bildende Schulen der Sekundarstufe sind der CEG FA Bilma als Collège d’Enseignement Général Franco-Arabe (CEG FA) mit Fokus auf die arabische zusätzlich zur französischen Sprache und der CES Kantana als Collège d’Enseignement Secondaire (CES).[18] Der Collège d’Enseignement Technique de Bilma (CET Bilma) ist eine technische Fachschule.[19] Das Berufsausbildungszentrum Centre de Formation aux Métiers de Bilma (CFM Bilma) bietet Lehrgänge in Land-, Forst- und Weidewirtschaft, Elektrik und Schneiderei an.[20]

Der Hauptort ist eine Oase mit zahlreichen flachen kleineren Seen und dorthin führenden Bachläufen. Zahlreiche Fische tummeln sich in den Gewässern. Das war nicht immer so. Erst moderne Technik machte es möglich, denn man hat inzwischen mehrere Brunnen gebohrt, aus denen durch artesischen Druck Wasser sprudelt. Im Ort befinden sich einige Wasserzapfstellen, der überschüssige Rest fließt in die erwähnten Bäche und Teiche. Dies ist ein Phänomen im gesamten Kaouar-Tal: Salzwasser und Süßwasser drängen in geringen Abständen nach oben. Durch eine komplexe Bruchtektonik in diesem Teil der Ténéré-Wüste dringt Wasser aus großen Tiefen durch artesischen Druck in schrägliegende Gesteinsschichten. Dort, wo es salzhaltige Schichten aus der Kreidezeit durchströmt, gelangt es als Kochsalzlösung an die Oberfläche und dient nach starker Reduzierung durch Verdunstung der Salzherstellung. Ansonsten nutzen die Dattelpalmen das Grundwasser und benötigen deshalb keine zusätzliche Bewässerung.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • René Chudeau: Le cercle de Bilma. In: Géographie. Band 21, Nr. 4, April 1910, S. 264–266 (französisch).
  • Alissa Descotes-Toyosaki: Une femme au Ténéré avec la « caravane du sel » de Fachi-Bilma. In: Le Saharien. Nr. 194, 2010, S. 14–47 (französisch).
  • Louis Desplagnes: Les oasis de la région de Bilma. In: Bulletin de la Société de Géographie de l’AOF. Band 2, Nr. 30, 1903, S. 608–656; 740–794 (französisch).
  • Louis Desplagnes: Notes sur Bilma et les oasis environnants. In: Revue Coloniale. Band 7, Nr. 51, 1907, S. 361–386 (französisch).
  • Boubakar Sadik Kiari: Analyse des systèmes d’irrigation traditionnelle dans les oasis du Kawar: cas de la commune urbaine de Bilma. Mémoire de DEA-Géographie. Université Abdou Moumouni de Niamey, Niamey 2009 (französisch).
  • Knut S. Vikør: The oasis of salt. The history of Kawar, a Saharan centre of salt production. Centre for Middle Eastern and Islamic Studies, Bergen 1999 (englisch).

WeblinksBearbeiten

Commons: Bilma – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Karl-G. Prasse, Ghoubeïd Alojaly, Ghabdouane Mohamed: Dictionnaire Touareg. Français (Niger): M–Ž. Museum Tasculanum Press, Kopenhagen 2003, ISBN 87-7289-844-5, S. 705 (französisch).
  2. Carte de référence: Niger – Région de Agadez. (PDF) REACH, 21. März 2018, abgerufen am 28. März 2021 (französisch).
  3. a b c d e Répertoire National des Localités (ReNaLoc). (RAR) Institut National de la Statistique de la République du Niger, Juli 2014, S. 7, abgerufen am 7. August 2015 (französisch).
  4. Loi n° 2002-014 du 11 Juin 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux. République du Niger, 11. Juni 2002.
  5. Boubé Gado, Abdoulaye Maga, Oumarou Amadou Idé: Rappel sur les faits préhistoriques et historiques de la zone Nord du Niger. In: Mamadou Moustapha Niang, Boubé Nagando, Seyni Seidou, Elizabeth Wangari (Hrsg.): Les pillages des sites culturels et naturels au Niger. UNESCO, Paris 2001, S. 105.
  6. Gerhard Rohlfs: Quer durch Afrika: Kauar und die Tebu im Projekt Gutenberg-DE
  7. Gerhard Rohlfs: Quer durch Afrika. K. Thienemanns Verlag, Stuttgart/Wien 1984, ISBN 3-522-60580-2, Kap. 9 (Erstausgabe: 1874).
  8. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 236.
  9. Niger: Harsh Weather in Bilma DREF Operation No. MDRNE001 Final Report. IFRC, 13. Juni 2008, abgerufen am 5. Februar 2021 (englisch).
  10. a b Répertoire National des Communes (RENACOM). (RAR-Datei) Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010 (französisch).
  11. Recensement Général de la Population 1988: Répertoire National des Villages du Niger. Bureau Central de Recensement, Ministère du Plan, République du Niger, Niamey März 1991, S. 38 (web.archive.org [PDF; abgerufen am 4. Mai 2019]).
  12. Recensement général de la population 1977. Résultats définitifs. Rapport d’Analyse. Direction de la Statistique et de l’Informatique, Ministère du Plan, République du Niger, Niamey Dezember 1985, S. 30 (odsef.fss.ulaval.ca [PDF; abgerufen am 28. März 2021]).
  13. Niger map. In: Ethnologue: Languages of the World. Seventeenth edition. 2013, abgerufen am 18. Juli 2013 (englisch).
  14. Résultats élections – Communales. Commission Électorale Nationale Indépendante, abgerufen am 2. Januar 2021 (französisch).
  15. CAIMA. In: Béret Vert. Bulletin de Liaison et d’Information des Forces Armées Nigériennes. Nr. 17, Mai 2013, S. 28.
  16. Bachir Talfi: Note sur l’organisation judiciaire. Website des nigrischen Justizministeriums, abgerufen am 24. September 2012.
  17. Niger DSS. In: Systeme Nationale d’Information Sanitaire (SNIS). Ministère de la Santé Publique, République du Niger, abgerufen am 10. November 2020 (französisch).
  18. Niger – Recensement Scolaire 2008–2009, Enquête statistique. Dictionnaire des donnèes. Institut National de la Statistique de la République du Niger, 28. November 2013, abgerufen am 10. November 2020 (französisch).
  19. CET Agadez. Ministère des Enseignements Professionnels et Techniques, République du Niger, abgerufen am 18. November 2020 (französisch).
  20. CFM (Centre de Formation aux Métiers) Bilma. Ministère des Enseignements Professionnels et Techniques, République du Niger, abgerufen am 18. November 2020 (französisch).