Billertshausen

Stadtteil von Alsfeld

Billertshausen ist ein Stadtteil von Alsfeld im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Billertshausen
Stadt Alsfeld
Koordinaten: 50° 44′ 51″ N, 9° 11′ 59″ O
Höhe: 295 m ü. NHN
Fläche: 5,37 km²[1]
Einwohner: 184 (31. Dez. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 34 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 36304
Vorwahl: 06631
Evangelische Kirche

Billertshausen liegt westlich vom Hauptort an der Antrift, am Rande des Vogelsbergs. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3070. Der Ort hatte am 1. Oktober 1910 zufälligerweise die gleiche Einwohnerzahl wie am 26. März 2006, nämlich 228.

GeschichteBearbeiten

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Billertshausen unter dem Namen Bylhartshusin im Jahr 1365.[1]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Billertshausen:

„Billertshausen (L. Bez. Kirtorf) evangel. Pfarrdorf; liegt an der Andreft, 134 St. von Kirtorf, hat 40 Häuser und 265 Einw., die ,bis auf 3 Kath. evangelisch sind. Alle Einwohner, außer 3 Handwerkern gehören zum Bauernstand. Die Kirche und das Schulhaus, welche mit Angerod gemeinschaftlich sind, liegen 14 St. von hier, auf dem sogenannten Gethürms. Außerdem hat Billertshausen 2 Mühlen. – Der Ort gehörte vormals zum Kirchengebiete von Kirtorf.“[3]

Am 31. Dezember 1971 wurde Billertshausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen in die Stadt Alsfeld eingegliedert.[4]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Billertshausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[5][1][6]

Gerichte seit 1803Bearbeiten

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit für Billertshausen durch das Amt Romrod. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte übergingen. „Landgericht Homberg an der Ohm“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Homberg, das heutige Amtsgericht, das für Billertshausen zuständig war. 1839 wurde Billertshausen dem Landgericht Alsfeld zugeordnet.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in Amtsgericht Alsfeld und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.<[13] In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

• 1791: 163 Einwohner[8]
• 1800: 185 Einwohner[14]
• 1806: 181 Einwohner, 34 Häuser[9]
• 1829: 265 Einwohner, 40 Häuser[3]
• 1867: 258 Einwohner, 39 Häuser[15]
Billertshausen: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2015
Jahr  Einwohner
1791
  
163
1800
  
185
1806
  
181
1829
  
265
1834
  
249
1840
  
268
1846
  
279
1852
  
268
1858
  
292
1864
  
263
1871
  
256
1875
  
229
1885
  
237
1895
  
276
1905
  
261
1910
  
228
1925
  
250
1939
  
231
1946
  
327
1950
  
331
1956
  
267
1961
  
251
1967
  
233
1970
  
240
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2006
  
228
2011
  
210
2015
  
188
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 2006:[16]; Zensus 2011[17]; 2015:[18]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

• 1829: 262 evangelische (= 98,87 %), drei römisch-katholischer (= 1,13 %) Einwohner[3]
• 1961: 216 evangelische (= 86,06 %), 8 römisch-katholische (= 3,19 %) Einwohner[1]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

In Billertshausen gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus und ein Schützenhaus. Am Ortsrand befindet sich ein Windpark mit zwölf Windkraftanlagen.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e Billertshausen, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Haushaltplan 2018, Vorbericht. Stadt Alsfeld, abgerufen im März 2020.
  3. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126, S. 28 f. (Online bei google books).
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 347.
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  6. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 49 ff. (Online bei google books).
  7. Die Zugehörigkeit des Amtes Romrod anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  8. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 179 (Online in der HathiTrust digital library).
  9. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 230 (Online in der HathiTrust digital library).
  10. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, OCLC 165696316, S. 6 (Online bei google books).
  11. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 422 (online bei Google Books).
  12. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 143 ff. (online bei Google Books).
  13. Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzog von Hessen und bei Rhein (Hrsg.): Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  14. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 189 (Online in der HathiTrust digital library).
  15. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. 14 (Online bei google books).
  16. Stadtteil Billertshausen im Webauftritt der Stadt Alsfeld, abgerufen im Oktober 2017.
  17. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  18. Haushaltsplan 2017, Vorbericht.

WeblinksBearbeiten