Bianchi (Unternehmen)

italienischer Fahrradhersteller

Bianchi ist ein 1885 in Italien gegründeter Fahrzeughersteller, der seit 1997 in schwedischem Besitz ist. Bianchi gehörte zu den Pionieren der Fahrrad-, Motorrad- und Automobilhersteller.

FIV Edoardo Bianchi S.p.A.

Logo
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1885
Sitz Treviglio, ItalienItalien Italien
Leitung Tony Grimaldi
(Teil von Cycleurope)
Branche Fahrradhersteller
Website www.bianchi.com

Untrennbar mit Bianchi verbunden ist der Farbton Celeste, ein helles Grünblau.[1] Viele Fahrradrahmen der Marke werden in dieser Farbe lackiert, auch die Trikots der Profiteams sind in Celeste gefärbt. Auf Bianchi fuhren viele bedeutende Radrennfahrer, beispielsweise Jan Ullrich. Weiteres zu Bianchi im Profi-Radsport siehe Bianchi (Radsport-Team).

Neben Modellen für Spitzensportler fertigt Bianchi auch Fahrräder für den Massenmarkt an. Es werden neben Rennrädern auch Triathlonräder und Mountainbikes gebaut. Die Fahrräder des Fahrzeugherstellers Ducati werden bei Bianchi gefertigt.

GeschichteBearbeiten

 
Bianchi-Rennrad aus dem Zeitraum 1950–1952 im Museo nazionale della scienza e della tecnologia Leonardo da Vinci, Mailand
 
Bianchi Bernina 125 von 1960
 
Bianchi ES 250 von 1937
 
Bianchi von 1909
 
Namensaktie der Edoardo Bianchi SpA vom 10. Dezember 1962

Im Jahr 1885 begann Edoardo Bianchi mit der Herstellung von Fahrrädern in seinem Geschäft in Mailand.

Eine seiner ersten Entwicklungen war die Verkleinerung des Vorderrades und die Nutzung der vom Franzosen Vincent erfundenen Kette, um die Pedalhöhe zu verringern. Damit schuf er ein sicheres und modernes Fahrrad. Es war, gegenüber den Vorgängern, wesentlich einfacher zu fahren, da die Balance einfacher zu halten war. Er verbesserte das Fahrrad weiter und entwickelte eine Konstruktion mit fast gleich großen Rädern. 1888 stellte er das erste Fahrrad mit Dunlop-Reifen her. 1895 baute er das erste Damen-Fahrrad für die Königin Margarethe von Italien. Gleichzeitig begann er seine Fahrräder bei Sportveranstaltungen einzusetzen, um so neue technische Entwicklungen zu testen.

1897 baute Bianchi ein Fahrrad mit Hilfsmotor. Der erste Sieg auf einem Bianchi-Fahrrad gelang 1899 Tomaselli, als er den Grand Prix de la Ville de Paris gewann. 1900 erschien das erste Automobil der Marke Bianchi und bald darauf auch das erste Motorrad. Bei der Motorradproduktion wurden zuerst Rennmaschinen gebaut, die der Firma auch zu großen Erfolgen verhalfen. 1901 stellte Bianchi ein Fahrrad mit Kardanantrieb vor, und 1913 erfand er die Vorderradbremse. 1914 betrug die Jahresproduktion 45.000 Fahrräder, 1.500 Motorräder und 1.000 Autos.

1915 schuf Bianchi ein Fahrrad für die königliche leichte Infanterie, die Bersaglieri, das breitere Reifen, einen Klapprahmen und Vollfederung besaß. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg des Unternehmens kamen auch immer mehr sportliche Erfolge. Der erste große Name, der mit der Marke Bianchi verbunden wird, ist der von Costante Girardengo.

1935 war Bianchi mit einer Jahresproduktion von 70.000 Fahrrädern Marktführer in Italien. Mit den Erfolgen von Fausto Coppi fand die Siegesserie von Girardengo eine Fortsetzung.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Werk von Bianchi durch Bomben zerstört. Als es 1946 gerade wieder instandgesetzt war und die Produktion wieder aufgenommen hatte, kam Edoardo Bianchi bei einem Autounfall um. Als Kraftfahrzeug-Hersteller konnte sich Bianchi nicht mehr am Markt behaupten, was 1955 zur Kooperation mit Fiat unter der Marke Autobianchi führte.

1958 schrieb das italienische Militär ein Motorrad aus. Bianchi erhielt überraschenderweise den Zuschlag und fertigte ca. 4.500 Stück der Militärmaschine MT61. Die Konzeption des Motorrades ist eigentlich ein Urtyp einer heutigen Enduro. Es besaß einen Motor mit 318 cm³ und 10 PS. Durch den gekapselten Vergaser und den hochgezogenen Auspuff sind sogar kleine Flussdurchfahrten möglich. 1967 wurde die Motorradproduktion eingestellt.

1980 verlor Bianchi seine Eigenständigkeit und wurde Teil der Unternehmensgruppe Piaggio.

1982 führte Bianchi BMX-Räder auf dem europäischen Markt ein. 1984 wurde gemeinsam mit Bianchi USA das erste Mountainbike angeboten. 1987 übernahm Bianchi die österreichische Marke Puch. 1990 entstand mit dem Bianchi Spillo der Prototyp eines modernen Stadtrades.

Seit 1997 ist Bianchi Teil der schwedischen Unternehmensgruppe Cycleurope AB.[2] Zu dieser gehören Fahrradwerke in Dänemark, Frankreich, Italien und Schweden.[3] Sie ist ihrerseits Teil der Unternehmensgruppe Grimaldi Industri AB, die von Salvatore Grimaldi in Schweden gegründet wurde und dort ihren Sitz hat.[4]

Bianchi-Celeste als Corporate DesignBearbeiten

Die Rahmen der Fahrräder und Rennräder werden in der Markenfarbe Celeste lackiert und so vertrieben. Diese „Bianchi-Farbe“ ist dem Namen nach ein Himmelblauton. Das als CI genutzte italienisch celeste ‚himmlisch‘ verweist auf diesen Farbton des hellen Blaus am Himmel, womit kein Azurblau gemeint war.[5] Über Herkunft von Name und Farbton bestehen verschiedene Aussagen.[6] Eine Theorie besagt, dass der Lack aus Überbeständen der italienischen Armee stammte. Als Edoardo Bianchi in den frühen 1890er Königin Margherita das Radfahren lehrte, nahm er anschließend die Augenfarbe als Vorlage für die Lackierungen. Der Herausgeber des Rouleur magazine Guy Andrews meint, dass der Farbton den Mailänder Himmel reflektiert. Zum Corporate Image der Firma gehören auch die Logos und Schriftzüge im Farbton celeste. Der Farbton celeste wird regelmäßig zur Lackierung von Fahrradrahmen und besonders der Rennräder genutzt. Für andere Produkte von Bianchi wurde zeitweise davon abgewichen. Allerdings hat sich der Farbton, in dem die Rennräder lackiert wurden, im Laufe der langen Firmengeschichte leicht geändert. Insbesondere änderten sich im 20. Jahrhundert die Lackierverfahren. Der originale Farbton gibt dadurch (wohl) Auskunft zum Produktionsjahr. Als Normfarbe gibt es (sicher) einen Firmenstandard bei Bianchi. Eine Angabe von Musterfarben nach RAL, Pantone oder anderen Farbkataloge ist ungeeignet.[7] Ist das teure Markenrad in die Jahre gekommen, wird für das Nachlackieren eine farbmetrische Farbanpassung nötig werden.

PersonenkraftwagenBearbeiten

Die Geschichte der Firma Bianchi als Automobilhersteller ist bislang sehr stiefmütterlich behandelt, bislang taucht die Firma lediglich in allgemeinen Sammelwerken auf, eine Firmenmonographie fehlt. Diese Lücke ist umso bedauerlicher, als Bianchi zu den ältesten italienischen Kraftfahrzeugherstellern gehört und bis 1918 hinter Fiat der zweitgrößte Kraftfahrzeughersteller (mit insgesamt mindestens ca. 6000 von 1897 bis 1918 gebauten PKW und über 500 gleichzeitig gebauten LKW) war.

Modelle bis 1918Bearbeiten

Erste Autos entstanden als Einzelstücke ab 1897: Drei- und Vierrad-Personenwagen mit Einzylinder-Motor, der Schilderung nach De-Dion-Lizenz- oder Nachbauten[8].

1901 (oder 1903 bis 1905?) gab es einen Bianchi 8HP. In der älteren Literatur wird er nicht erwähnt. Nachdem in jüngster Zeit ein Exemplar wieder aufgetaucht und restauriert im Museo nazionale della scienza e della tecnologia Leonardo da Vinci in Mailand zu besichtigen ist, ist er relativ häufig im Netz zu finden. Auch der Bianchi 8HP kann seine Verwandtschaft zu de Dion nicht verleugnen.

Für 1905 werden ein Typ 15/20 HP und ein Typ 20/30 PS erwähnt[9], ferner ein 16/22 HP und ein 24/40 HP[10]. Für diese und einige nachfolgende größere Typen sollen Vorbilder von Daimler-Mercedes Pate gestanden haben.

Um 1906 gab es einen 40/50 hp mit 8 Litern Hubraum und einen Typ E mit 11,4 Litern und 90 hp[11], an anderer Stelle wird seine Leistung mt 70 PS im Jahr 1908 angegeben, 1907 waren zwei Fahrzeuge am deutschen Kaiserpreisrennen beteiligt[12].

1907 verlegte das Unternehmen seinen Automobilbau in neue speziell für diesen Zweck errichtete Fabrikhallen. 1909 betrieb Bianchi Verkaufsniederlassungen in London, Paris, Berlin, Wien, Zürich, New York und Buenos-Aires, was auf ein namhaftes Exportgeschäft schließen lässt. In der gleichen Quelle wird jedoch eingangs behauptet, die Firma sei außerhalb Italiens nahezu unbekannt gewesen[13].

1908 bestand die Modellpalette unter anderem aus dem Modell G mit 2,9 Litern Hubraum, ferner einem Modell mit 2,1 Litern und einem mit 4,4 Litern, alles Vierzylinder[14].

1910 wurden 450 Autos verkauft[15], 1914 ca. 1000.

Der 8Liter-Typ 40/50HP wurde 1914 in 42/60 HP, 1915 in 42/70HP umbenannt[16].

Etwa um 1914 brachte Bianchi einen Kleinwagen, den Tipo A, heraus, der als Konkurrent des Fiat Tipo Zero gedacht war.

1915 wurde ein neuer Typ B mit 4 Zylindern und 3309 cm³ eingeführt. Von ihm sollen ca. 2000 Stück während des 1. Weltkrieges an das italienische Heer geliefert worden sein, wo er als Kommandeursfahrzeug für Divisions- und Regimentskommandeure Verwendung fand[17]. Das Standardwerk zur italienischen Heeresmotorisierung von Pignato und Capellani erwähnt dieses Typs allerdings überhaupt nicht.

Nachfolgend eine Übersicht über die technischen Daten der einzelnen Typen; sie erhebt keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit oder gar Richtigkeit, sondern ist eher als Aufruf an alle interessierten Leser zu verstehen, das hier mühsam Zusammengetragene zu ergänzen.

Typ Bauzeit Länge (m) Breite (m) Radst. (m) Gew.(kg) Zylinder Bo/Hub cm³ PS/min km/h
1899 1
5HP 1900 1 5 ?
8HP 1901 2,30 1,35 680 1 100/120 ? 942 8 ?
15/20 HP 1905 - ? 4 20 ?
20/30 HP 1905 - ? 4 ca. 3000 30 ?
16/22 HP 1906? - ? 4 ca. 4500 22 ?
24/40 HP 1905 - 07 4 ca. 7400 60/1800 85
40/50 HP 1906? - ? 4 ca. 8000 50 ?
E 1908? 4 ca. 11400 90 ?
G 1907? - ? 4 ca. 2900
18 HP 1911 - 13? 4 18 ?
2,1 litri 1910 - 14 4 86/90 2084 28/1850 60
4,4 litri 1910 - 14 4 106/120? 4305 ? 42/2100 70
70 HP 1911 ? - 13 4 125/160? 7860
40/50, 42/70HP 1912 - 15? 4 130/150? 7960
12/18HP 1912 - ? 4 75/120? 2120
Tipo A 1913? 4
Tipo B 1915 - 19 4 90/130 3306

Die kleinen Bianchi ab 1912Bearbeiten

1912 (oder 1914?) erschien als Kleinwagen der Tipo S. Die Leistung des wassergekühlten 1,2-Liter-Vierzylinders wird mit 20 PS angegeben, was für die damalige Zeit als etwas zu hoch erscheint (12 PS wäre realistischer). Das auf einem Profilrahmen aufgebaute Auto hatte Hinterrad-Trommelbremsen und ein Getriebe mit vier Vorwärts- und einem Rückwärtsgang[18].

Der Tipo S wurde 1915 durch den Tipo S1 abgelöst, der sich vor allem durch seinen größeren Motor (vergrößerte Bohrung) von seinem Vorgänger unterschied[19]. 1919 folgte der S 12 mit erneut aufgebohrtem Motor[20].

Den S 12 löste 1925 der Tipo S4 ab. Er hatte jetzt Vierradbremsen und einen völlig neuen Motor[21]. Den S4 löste 1927/8 der Tipo S5 ab, dieser wurde bis 1932 mit einem 1,3-Liter-, von 1932 bis 1934 mit einem 1,5-Liter-Motor gebaut. Insgesamt entstanden 6.600 Stück[22], die anderen Ortes[23] genannte Zahl von 90.000 Stück ist mit Sicherheit falsch (möglicherweise Druckfehler).

Letztes Modell dieser Baureihe war der Bianchi S9, der von 1934 bis 1939 in unbekannter Stückzahl geliefert wurden, für 1939 werden 360 Stück angegeben[24].

Nachfolgend die technischen Daten der einzelnen Typen[25]:

Typ Bauzeit Länge (m) Breite (m) Radst. (m) Gew.(kg) Zylinder Bo/Hub cm³ PS/min km/h
S 12-14 4 60/110 1244 20/2100 60
S 1 14-19 4 65/110 1460 15/ .
S 12 19–24 2,74 4 70/110 1693 25/2200 65
S 4 25–27 2,70 4 64/100 1287 30/3000 90
S 5 28–32 2,70 4 64/100 1287 34/3200 100
S 5 32–34 2,70 4 68/100 1452 40/ . 100
S 9 34-39 2,79 4 68/100 1452 42/3400 95

Die großen Bianchi ab 1919Bearbeiten

Spätestens mit Ende des Ersten Weltkrieges 1918/9 gab man bei Bianchi den Bau großer Wagen zunächst auf und beschränkte sich neben dem oben beschriebenen Kleinwagen auf Fahrräder und Motorräder.

Erst 1922 erschien wieder ein größerer Wagen, der die Produktpalette nach oben abrunden sollte: Der Bianchi S 18 (auch 18HP genannt). Auch er hatte -damals noch allgemein üblich- nur Hinterradbremsen. Sein Getriebe hatte drei Vorwärts- und einen Rückwärtsgang. Von 1922 bis 1924 entstanden 750 Stück[26].

Der S 18 wurde 1925 durch den S20 (auch 20HP genannt) ersetzt, der fast 900 mal bis 1929 produziert wurde. Dessen Motor hatte eine gegenüber dem Vorgänger vergrößerte Bohrung, das Fahrzeug hatte jetzt Vierradbremsen und statt eines Leiter- einen Profilrahmen. Als die Produktion des S20 auslief, gab es zunächst keinen Nachfolger[27].

1930[28] oder 1931[29] (und damit zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt, nämlich mitten in der Weltwirtschaftskrise) erschien als neuer großer der Bianchi S8: Seine Leistung (65 oder 85 PS) holte er aus einem Reihen-Achtzylinder-Motor mit den gleichen Zylindermaßen wie der ab 1932 gebaute S5 (s. o.). Es gab ihn mit kurzem (corto) und langem (lungo) Radstand. Er wurde bis 1935 in unbekannter Stückzahl gebaut: Allzuviele werden es angesichts der wirtschaftlichen Situation nicht gewesen sein.

Als "kleiner Bruder" des S8, der ihn letztlich ersetzte, erschien 1934 der Bianchi S6, der neben dem S9 (s. o.) bis 1939 gebaut wurde. Der Motor des S8 wurde für den S6 um zwei Zylinder "verkürzt", das Fahrgestell des S6 war identisch mit dem des S9. Ein Teil dieses Typs wurde für das italienische Heer als Kübelwagen gebaut: Italien hatte 1936 und 1938 je 100, 1939 50 Stück dieser VM6C genannten Variante bestellt[30].

Nachfolgend die technischen Daten der vorgenannten Modelle:

Typ Bauzeit Länge (m) Breite (m) Radst. (m) Gew.(kg) Zylinder Bo/Hub cm³ PS/min km/h
S 18 22-24 3,00 4 72/120 1947 48/2200 100
S 20 24-29 3,10 4 78/120 2283 59/2850 100
S 8 30–35 2,70/3,20 8 68/100 2904 65/3200 140
S 6[31] 33–39 4,20 1,64 2,785 1500 6 68/100 2179 52/34000 100

LastkraftwagenBearbeiten

Die ersten Nutzfahrzeuge dürfte Bianchi kurz nach Aufnahme des PKW-Baues gebaut haben, jedoch nur in geringer Zahl und als Lieferwagen- und Kleinbus-Varianten der jeweiligen parallel gebauten PKW-Typen.

Die ersten "richtigen" Lastkraftwagen in nennenswerten Stückzahlen entstanden ab etwa 1912, wobei man auch bei diesen zumindest die Motoren aus dem PKW-Programm (Tipo G, Tipo B) verwendete. Sie hatten Nutzlasten zwischen 1,5 und 3 Tonnen[32]. Im Ersten Weltkrieg, in den Italien Ende Mai 1915 eintrat, baute Bianchi von Mai 1915 bis November 1918 insgesamt 505 LKW[33], die eine Nutzlast von 2 bis 2,5 Tonnen und entweder den 3308-cm³-Motor des Tipo B oder einen von diesem abgeleiteten und auf 95 mm Bohrung aufgebohrten Motor (3686 cm³) hatten.[34] Mit Ende des 1. Weltkrieges gab Bianchi die LKW-Produktion zunächst auf: Das italienische Heer hatte viele LKW, die es in Friedenszeiten nicht mehr benötigte, und die daher meistbietend versteigert wurden. Dadurch entstand ein noch über Jahre hinweg bestehendes Überangebot an LKW, die den zivilen Markt völlig sättigten.

1935 wurde erneut mit dem LKW-Bau begonnen, als absehbar war, dass die PKW-Fertigung nicht mehr in rentablen Stückzahlen aufrechterhalten werden konnte. Zunächst entstand der Bianchi Mediolanum 36 mit Vierzylinder-5-Liter-Dieselmotor (Lizenz Mercedes-Benz) mit 60 PS und 3 Tonnen Nutzlast. Ab 1936 hieß das Fahrzeug Bianchi Mediolanum 68 und erhielt einen neuen Motor, erneut Mercedes-Lizenz. Ab 1939 leistete der Motor 65 PS, der LKW hieß jetzt Bianchi Mediolanum Miles und erhielt ein neues Führerhaus mit verkürzter Schnauze. Ab 1940 wurden bestimmte LKW-Teile wie z. B. die Ladepritsche und anderes zur Erleichterung des Kriegsgebrauchs vereinheitlicht, der LKW hieß jetzt Bianchi Miles Unificato. Für das italienische Heer wurden zwischen 1940 und 1943 insgesamt 4.622 Stück dieser Variante bestellt[35], von Okt.1943 bis Dez.1944 wurden an die Wehrmacht 102 Stück ausgeliefert[36]. Neben Ausführungen als Pritschenwagen gab es von allen vorgenannten Typen auch solche mit Bus-Aufbau. Nach dem Krieg wurde der Typ unter der Bezeichnung Bianchi Civis 46 für den zivilen Markt in etwa 1000 Stück jährlich weiter produziert[37]. Von 1935 bis 1945 dürften weit über 10.000 LKW von Bianchi gebaut worden sein.

Nach dem 2. Weltkrieg entstanden bei Bianchi verschiedene leichte LKW in Frontlenker-Bauart. 1955 übernahm Fiat das angeschlagene Unternehmen, das ab da unter dem Namen Autobianchi Nutzfahrzeuge und ab 1957 auch wieder Personenkraftwagen produzierte[38].

PanzerwagenBearbeiten

Bianchi baute ferner 1912 das erste italienische Panzerauto. Es handelte sich um einen aus 6mm-Stahlblechen zusammengesetzten Panzeraufbau, der auf ein LKW-Fahrgestell gesetzt wurde, und der mit einem MG im Drehturm versehen war[39]. Der Wagen hatte den 8-Liter-50PS-Motor aus dem PKW-Programm[40]. 1912 entstand im Rahmen des italienisch-türkischen Krieges ein erster Prototyp, der aber nur in der Heimat getestet wurde und nicht an die Front gelangte. 1915 bei Eintritt Italiens in den 1. Weltkrieg entstand ein weiterer Prototyp, Modell 15 genannt, und 1916 die letzten beiden Prototypen als Modell 16. In Serie ging das Fahrzeug nicht[41]. Die italienische Armee beschaffte stattdessen den Lancia 1Z.

LiteraturBearbeiten

  • Georgano, Nick: The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile Vol. 1, London 2000, ISBN 0-11-702319-1
  • Georgano, Nick/ Naul, G.Marshall: The Complete Encyclopedia of Commercial Vehicles, Iola, Wisc. 1979, ISBN 0-87341-024-6
  • Costantino, Augusto: Le piccole grandi marche automobilistiche Italiane, Novara 1983
  • Pignato, Nicola , Capellano, Filippo: Gli autoveicoli tattici e logistici del R.Esercito Italiano fino al 1943, 2 Bde., Rom 2005
  • Bartolomäus, E.: Early Armoured Cars, Shire Publ., Oxford 1988

WeblinksBearbeiten

Commons: Fahrzeuge von Bianchi – Sammlung von Bildern

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Celeste soll nach einer romantischen Theorie die Augenfarbe von Königin Margarethe gewesen sein.
  2. Bianchi today. (Nicht mehr online verfügbar.) Bianchi, archiviert vom Original am 3. September 2009; abgerufen am 3. Mai 2019 (englisch).
  3. Business. (Nicht mehr online verfügbar.) Cycleurope, archiviert vom Original am 25. Mai 2012; abgerufen am 3. Mai 2019 (englisch).
  4. Short History of the Grimaldi Industry Group. Grimaldi Industri AB. Abgerufen am 1. Oktober 2009.
  5. How Bianchi became an iconic bike brand
  6. Celeste is Bianchi's official color.
  7. After all, it is not like you can walk up to a store and buy Bianchi celeste paint and paint away.
  8. Costantino S. 37
  9. Costantino S. 38
  10. Georgano, Amtmann-Schr.S. 78
  11. Georgano
  12. Amtmann-Schr.S. 79
  13. Georgano
  14. Georgano
  15. Georgano
  16. Georgano
  17. Costantino S. 39, Amtmann-Schr.S. 80
  18. Amtmann/Schr. S. 199
  19. Amtmann/Schr. S. 199
  20. Amtmann/Schr. S. 200
  21. Amtmann/Schr. S. 200
  22. Georgano
  23. Neubauer, Hans Otto: Die Chronik des Automobils, Augsburg 1997 S. 131
  24. Georgano
  25. Amtmann/Schr. S. 199, 200
  26. Amtmann/Schr. S. 200
  27. Costantino S. 40
  28. Amtmann/Schr. S. 200
  29. Costantino S. 41
  30. Pignato/Cap. Bd. 1 S. 476ff, Bd. 2 S. 70
  31. Pignato/Cap. Bd. 2 S. 70
  32. Georgano/Naul
  33. Pignato/Capell. Bd. 1 S. 39
  34. Pignato/Capell. Bd. 1 S. 78
  35. Pignato/Capell. Bd. 1 S. 478ff
  36. Bundesarchiv, Akten R 3176
  37. Pignato/Capell. Bd. 2 S. 212
  38. Georgano/Naul
  39. Bartolomäus
  40. Costantino S. 39
  41. Bartolomäus

Radpanzer