Beschaffungsprostitution

Als Beschaffungsprostitution bezeichnet man Prostitution, die der Finanzierung des Drogenkonsums der oder des Prostituierten dient.

DefinitionBearbeiten

Beschaffungsprostitution – auch „Drogenprostitution“ genannt – ist ein vager, wissenschaftlich unzureichend definierter Begriff zur Beschreibung des Überschneidungsbereichs von Drogenkonsum/-abhängigkeit und Prostitution. Die Beschaffungsprostitution ist bis dahin weitgehend beschrieben, jedoch kaum eingehend erforscht worden.[1] Der Begriff „Beschaffungsprostitution“ lässt sich darüber hinaus nur schwer von weiteren Prostitutionsformen abgrenzen, weil die Beweggründe für die Prostitution öfter zusammenfallen.

Im Rahmen der Beschaffungsprostitution ist der Drogenkonsum nicht bloß eine Begleiterscheinung, sondern stellt das Hauptmotiv für die Prostitutionstätigkeit dar. Sie ergibt sich primär aus dem Finanzierungsdruck zur Kostendeckung des Drogenkonsums. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem sogenannten Teufelskreis, wonach die fehlenden Mittel zur Drogenfinanzierung Prostitution erforderlich machen, die ihrerseits nur unter Drogeneinfluss zu ertragen sei.[2]

BefragungBearbeiten

Schätzungen der Anzahl weiblicher Prostituierter, die in der Bundesrepublik zeitweilig oder dauerhaft „anschaffen“ gehen, sind mit großen Unsicherheiten behaftet. Dies gilt in besonderem Maße für Beschaffungsprostituierte, die, wie Gelegenheitsprostituierte, zumeist keine Identität als Prostituierte haben, staatliche Institutionen meiden (müssen) und möglichst unerkannt bleiben wollen. Von ihnen, so zeigten die Befragungen (vom Berliner Institut Intersofia, 1991) von mehr als 2000 Drogenkonsumenten, gehen etwa 40 % zumindest zeitweilig „anschaffen“, woraus sich eine Größenordnung von etwa 5000–8000 weiblichen drogenabhängigen Prostituierten für die alten Bundesländer ergäbe.[3]

UrsachenBearbeiten

Beschaffungsprostitution steht oft am Ende einer Drogenkarriere. Wenn der Konsum eines Suchtmittels ein Ausmaß angenommen hat, das mit normaler Erwerbsarbeit oder staatlichen Zuwendungen nicht zu finanzieren ist, ist die Prostitution neben kriminellen Aktivitäten ein Weg, um kurzfristig an Bargeld zu gelangen. Die Gefahr besteht für die Betroffenen darin, dass sie häufig unter starkem Suchtdruck ihrem Gelderwerb nachgehen müssen und dadurch erpressbar sind. Das wissen auch die Freier, die auf dem Drogenstrich nach Prostituierten suchen und deshalb oft ungeschützten Sex oder niedrigere Preise auszuhandeln versuchen.

GeschlechtskrankheitenBearbeiten

Durch Spritzentausch bzw. kollektiven Spritzengebrauch und ungeschützten Geschlechtsverkehr ist das Risiko einer HIV-Infektion bzw. von anderen Geschlechtskrankheiten im Bereich der drogenbedingten Prostitution erhöht. Zudem kann Kokainkonsum die Risikobereitschaft der betroffenen Prostituierten negativ beeinflussen.[4]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Antje Langer, Klandestine Welten – mit Goffman auf dem Drogenstrich, Verlag Ulrike Helmer, Königstein, 2003, ISBN 3-89741-136-9.
  • Sabine Weymann, Der Einfluss von Ersatzdrogenprogrammen auf die Drogensucht unter besonderer Berücksichtigung von Beschaffungskriminalität, Beschaffungsprostitution und HIV-Infektionsrate von i.v. Drogenabhängigen, Peter Lang Verlag, 1993, ISBN 3631460708.
  • Heike Zurhold, Entwicklungsverläufe von Mädchen und jungen Frauen in der Drogenprostitution, Eine explorative Studie, 2005, VWB-Verlag, ISBN 3-86135-254-0.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. M. Grossop, 1994 und B. Powis, P. Griffiths, J. Strang, Sexual Behaviour and its Relationship to Drug-taking among Prostitutes in South London. In: Addiction, S. 89, 1994.
  2. Guggenbühl, Berger Subjektive Risikowahrnehmung und Schutzstrategien sich prostituierender Drogenkonsumentinnen, Forschungsbericht des Schweizer Institut für Suchtforschung zur Beschaffungsprostitution, Nr. 134, 2001, PDF (Memento vom 30. Juni 2004 im Internet Archive).
  3. Dieter Kleiber: AIDS INFOTHEK 6/00: HIV/Aids und Prostitution. Archiviert vom Original am 11. März 2003; abgerufen am 15. April 2014.
  4. Forschungsbericht des Schweizer Institut für Suchtforschung, Nr. 134, 2001.