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Bernhard von Glisczynski

deutscher Bauingenieur

Bernhard Franz von Glisczynski (* 13. April 1912 in Berlin; † 17. April 1992 in Dortmund) war ein deutscher Bauingenieur, Manager und Denkmalschützer. Als Leiter der SS-Sonderinspektion I war er ab 1944 verantwortlich für die unterirdische Verlegung kriegsbezogener Produktionsstätten rund um Porta Westfalica und die damit verbundene Ausbeutung und Ermordung von KZ-Insassen in den zu diesem Zwecke errichteten Außenlagern des KZ Neuengamme.[1][2]

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Bernhard von Glisczynski stammte aus dem pommerellischen Adelsgeschlecht Glisczynski. Er studierte Bauingenieurwesen an der Technischen Hochschule Berlin und schloss das Studium 1935 mit der Diplom-Hauptprüfung ab. Nach zwei Jahren in der Wirtschaft als Statiker im Stahlbau zog es ihn in die Wissenschaft zurück. So war von Glisczynski in den Jahren 1937 bis 1940 Hauptassistent am Lehrstuhl und Forschungsinstitut für Baumaschinen und Baubetrieb von Georg Garbotz in Berlin. Hier promovierte er zum Dr.-Ing. über die Thematik der „Beton-Fahrbahndecken“.

Bereits vor der Machtergreifung trat von Glisczynski in die NSDAP ein, 1933 in die SS.[1] Bis 1941 war von Glisczynski innerhalb der Organisation Todt mit Straßen-, Bau- und Rüstungsprojekten des Generalinspekteurs für das Deutsche Straßenwesen, Fritz Todt, beauftragt. Im September 1941 wurde er Sonderführer, später Fachführer, im SS-Bauwesen. Innerhalb des Wirtschaftsverwaltungshauptamtes bekleidete er die Stelle des Hauptabteilungsleiters C VI/3. 1944 wurde er von Hans Kammler als Leiter der SS-Sonderinspektion I mit dem Sitz in Porta Westfalica mit der Durchführung von insgesamt sieben Untertageverlagerungen betraut.[1][2] Zu diesem Zweck und unter seiner Leitung wurden mehrere KZ-Außenlager in Porta Westfalica sowie das Außenlager Lengerich, errichtet, die organisatorisch dem KZ-Neuengamme zugeordnet waren.[1][2] Er hatte zum Kriegsende den Rang eines SS-Sturmbannführers (SS-Nr. 150512).

Nach dem Krieg war er ohne Unterbrechung bis 1977 Generaldirektor der Dortmunder Bauunternehmung Hanebeck und wurde bekannt durch die Sanierung, Sicherung und Erhaltung von mehr als 45 denkmalwerten Bauten in Nordrhein-Westfalen, die eigentlich als nicht mehr zu retten angesehen wurden und deshalb gesprengt oder abgerissen werden sollten.

Ob und in welchem Umfang sich von Glisczynski als leitender SS-Offizier seiner Beteiligung an den Verbrechen des Naziregimes je stellen musste ist nicht bekannt.

Erhaltene und gesicherte BaudenkmälerBearbeiten

Bernhard von Glisczynski begann im Jahr 1952 mit der Wiederherstellung der Kommende Brackel in Dortmund. Es folgte die Sicherung vom Torhaus im Rombergpark in DO-Brünninghausen in den Jahren 1957 bis 1959. Der Giebel des Torhauses neigte sich durch Kriegsschäden stark nach vorne und drohte, das Gebäude zum Einsturz zu bringen; das Kultusministerium untersagte eine Bergung der bereits abgefallenen Steine und empfahl eine Sprengung. Bernhard von Glisczynski konnte den Giebel durch Pressen wieder richten und so das Baudenkmal erhalten. Mit viel Sachverstand, Tricks und Phantasie sicherte er unter anderem auch die Stadtkirche St. Georg in Lünen, das alte Schloss Brake in Lemgo, Schloss Herten, Burg Lüdinghausen, Haus Martfeld in Schwelm, Haus Langendreer in Bochum oder Schloss Cappenberg in Selm. Bundesweite Aufmerksamkeit erlangte von Glisczynski durch den unkonventionellen Umgang mit dem viereckigen und 55 m hohen Kamins der Zeche Nachtigall in Witten in den Jahren 1976–1980: Der Kamin wurde mit dem Felsboden „vernagelt“.

Sonstige TätigkeitenBearbeiten

  • Bezirksvorsitzender des Bauindustrieverbands Nordrhein-Westfalen e.V., Dortmund
  • Mitglied der Vollversammlung der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund
  • stellvertretender Vorsitzender der Gesellschaft für Technik und Wirtschaft Nordrhein-Westfalen
  • Vorsitzender der Vertreterversammlung der Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) (heute: Vorsitzender des Verwaltungsrats)
  • Vorsitzender des Architekten- und Ingenieurvereins Dortmund

FamilieBearbeiten

Bernhard von Glisczynski war verheiratet mit Maria von Glisczynski (* 07. September 1919; † 02. Oktober 2016), geb. Rettemeier, einer Schwester von Joseph W. Rettemeier. Er hatte drei Kinder:

SchriftenBearbeiten

  • Vergleichende Untersuchungen bei der ganz- und halbseitigen Herstellung von Betonfahrbahndecken. Volk und Reich, Berlin 1939.
  • (mit Torben von Rothe): Die Pensacola-Sperre in Oklahoma (U.S.A.). Bauverlag R. Schirmer, Berlin 1940.

LiteraturBearbeiten

  • Albert Speer: Der Sklavenstaat. Meine Auseinandersetzungen mit der SS. Ullstein, Frankfurt am Main 1980, ISBN 3-548-33041-X, S. 339 und Anhang.
  • Baudoktor rettete viele Denkmäler. In: Ruhr-Nachrichten vom 18. Januar 1986
  • Fritz Michael: Dortmund. Das Profil einer Stadt. Crüwell / Schropp, Dortmund 1969, S. 120/121.
  • Jan-Erik Schulte: Untertage- und Rüstungsverlagerungen – Die Neuengamme-Außenlager in Lengerich und an der Porta Westfalica in: Schulte, Jan-Erik (Hrsg.): Konzentrationslager im Rheinland und in Westfalen 1933–1945. Zwischen zentraler Steuerung und regionaler Initiative. Schöningh, Paderborn 2005, ISBN 978-3506717436, S. 131ff.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Jan-Erik Schulte: Untertage- und Rüstungsverlagerungen – Die Neuengamme-Außenlager in Lengerich und an der Porta Westfalica in: Schulte, Jan-Erik (Hrsg.): Konzentrationslager im Rheinland und in Westfalen 1933-1945. Zwischen zentraler Steuerung und regionaler Initiative. Schöningh, Paderborn 2005, ISBN 978-3506717436, S. 133
  2. a b c Gedenkstätte Konzentrationslager Neuengamme: Ordner zu Außenlager Lengerich. (PDF) In: Hauptausstellung KZ-Gedenkstätte Neuengamme, online unter: http://neuengamme-ausstellungen.info/media/ngmedia/browse/1. KZ-Gedenkstätte Neuengamme, abgerufen am 13. September 2018 (deutsch).