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Bernhard Jussen (* 24. Mai 1959 in Geilenkirchen) ist ein deutscher Historiker.

Bernhard Jussen studierte Geschichte, Philosophie und Katholische Theologie an den Universitäten in München und Münster. In Münster hörte er unter anderem Vorlesungen bei Arnold Angenendt.[1] An der Universität Münster wurde er 1988 promoviert mit einem Thema zu Patenschaft und Adoption im frühen Mittelalter. Die Habilitation mit einer Arbeit über Erkundungen zur Semantik der mittelalterlichen Bußkultur ging 1999 aus dem Projekt „Soziale Gruppen in der Gesellschaft des Mittelalters“ unter der Leitung von Otto Gerhard Oexle am Max-Planck-Institut für Geschichte hervor. Von 2000 bis 2001 hatte er eine Lehrstuhlvertretung für Mittelalterliche Geschichte an der TU Dresden. Von 1988 bis 2001 war er wissenschaftlicher Referent am Max-Planck-Institut für Geschichte. Im Jahr 2001 wurde er Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Bielefeld. Zum Sommersemester 2008 folgte Jussen einem Ruf als Professor für Mittelalterliche Geschichte an die Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Jussen ist Mitglied des Kuratoriums der Hanne Darboven Stiftung.

Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der historischen Semantik, der historischen Politikforschung, der Verwandtschaftsforschung, dem kollektiven Bildwissen und der historischen Imagination in der Moderne sowie in der künstlerischen Produktion der Geschichte. 2007 erhielt er den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Im Jahr 2016 wurde er in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften gewählt.[2]

SchriftenBearbeiten

Monographien

  • Die Franken. Geschichte, Gesellschaft, Kultur (= Beck'sche Reihe. Bd. 2799). C. H. Beck, München 2014, ISBN 978-3-406-66181-5.
  • Der Name der Witwe. Erkundungen zur Semantik der mittelalterlichen Bußkultur (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Bd. 158). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2000, ISBN 3-525-35474-6 (Zugleich: Göttingen, Universität, Habilitations-Schrift, 1999).
  • Patenschaft und Adoption im frühen Mittelalter. Künstliche Verwandtschaft als soziale Praxis (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Bd. 98). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1991, ISBN 3-525-35635-8 (in englischer Sprache: Spiritual Kinship as Social Practice. Godparenthood and Adoption in the Early Middle Ages. Revised and expanded english edition. University of Delaware Press u. a., Newark DE u. a. 2000, ISBN 0-87413-632-6).

Herausgeberschaften

  • mit Stefan Willer und Sigrid Weigel: Erbe. Übertragungskonzepte zwischen Natur und Kultur (= Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft. Stw. 2052). Suhrkamp, Berlin 2013, ISBN 978-3-518-29652-3.
  • Die Macht des Königs. Herrschaft in Europa vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit. C. H. Beck, München 2005, ISBN 3-406-53230-6.
  • Signal – Christian Boltanski (= Von der künstlerischen Produktion der Geschichte. Bd. 5). Wallstein-Verlag, Göttingen 2004, ISBN 3-89244-653-9.
  • Ulrike Grossarth – Ferne Zwecke (= Von der künstlerischen Produktion der Geschichte. Bd. 4). Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2003, ISBN 3-88375-749-7.
  • zusammen mit Gadi Algazi und Valentin Groebner: Negotiating the Gift. Pre-Modern Figurations of Exchange (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Bd. 188). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, ISBN 3-525-35186-0.
  • Ordering Medieval Society. Perspectives on Intellectual and Practical Modes of Shaping Social Relations. University of Pennsylvania Press, Philadelphia PA 2001, ISBN 0-8122-3561-4.
  • Hanne Darboven – Schreibzeit (= Von der künstlerischen Produktion der Geschichte. Bd. 3 = Kunstwissenschaftliche Bibliothek. Bd. 15). Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2000, ISBN 3-88375-398-X.

WeblinksBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. Bernhard Jussen: „Abendland“ – „Lateineuropa“ – „Provincializing Europe“. Bemerkungen zum poströmischen Europa zwischen alten und neuen Deutungsmustern. In: Dirk Ansorge (Hrsg.): Pluralistische Identität. Beobachtungen zu Herkunft und Zukunft Europas. Darmstadt 2016, S. 24–34, hier: S. 31f.
  2. Gisela Lerch: Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften wählt fünf neue Mitglieder. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Pressemitteilung vom 10. Juni 2016 beim Informationsdienst Wissenschaft (idw-online.de), abgerufen am 10. Juni 2016.