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Bernhard Caspar (Bankier)

Bankier und Aufsichtsratsvorsitzender großer Firmen um die Wende zum 20. Jahrhundert, Stiftungsgründer

LebenBearbeiten

FamilieBearbeiten

 
Initialen BC auf Muschelkalk-Relief mit zwei nackten Knaben im Stil von Putten mit Früchten am Bankhaus Caspar

Bernhard Caspar wurde als Sohn des jüdischen Kaufmanns Joseph Caspar und dessen Ehefrau Louise, geb. Dessauer, in der kleinen mecklenburgischen Landstadt Stavenhagen geboren. Durch die Heirat seines Sohnes Julius (schwedischer Generalkonsul und Teilhaber des von Bernhard gegründeten Bankhauses Caspar) mit Dorothea Bergmann, einer Tochter des Sigmund Bergmann, des US-amerikanischen Erfinders und in Berlin Gründers der Elektrizitätswerke Bergmann[3], war er verwandt mit diesem.

WerdegangBearbeiten

Geboren zur Zeit des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, arbeitete Bernhard Caspar nach der Ausrufung des Deutschen Kaiserreichs in Hannover anfangs als Prokurist der Provinzial-Disconto-Gesellschaft Hannover,[1] einer Bankgesellschaft, die sich während der sogenannten Gründerjahre auf die Gründung von Firmen spezialisiert hatte und deren Zentrale in Berlin lag.[4] 1874 gründete Caspar selbst eine eigene Bank,[1] das Bankhaus Caspar.[5]

Für die Besorgung von Bankgeschäften für Großherzog Friedrich Wilhelm II. von Mecklenburg-Strelitz wurde Bernhard Caspar ab 1881 zunächst als Kommerzienrat tituliert, ab 1889 dann als Geheimer Kommerzienrat. Der Bankier engagierte sich vor allem bei expandierenden Unternehmen, vor allem in Handels- und Industrieunternehmen und hier während des Kautschukbooms insbesondere in der Gummiverarbeitenden Industrie. So gelangte er schon bald zu Einfluss und Wohlstand[1] und konnte an der damaligen Parkstraße 2[6] am Puttenser Feld (der heutigen Wilhelm-Busch-Straße am Welfengarten nahe dem Welfenschloss) einen repräsentativen Wohnsitz leisten.[7]

Bernhard Caspar wirkte mit bei der Gründung der „Vereinigung der Banken und Bankiers“ sowie der „Kaufmännischen Vereinigung“,[1] die am 1. Februar 1889 in der Ständehausstraße 1 ein eigenes Vereinslokal bezog und mit der er schließlich die Entstehung der Börse Hannover förderte.[8]

Bernhard Caspar war Mitglied im Aufsichtsrat

und weiterer Unternehmen.[1]

Bereits 1883 wurde Caspar zum Konsul, später auch zum Generalkonsul des Königreichs Schweden ernannt.[1]

 
Das 1911 bis 1912 von Emil Lorenz erbaute, inzwischen vollständig abgerissene Bankhaus Caspar in der Prinzenstraße 23, hier im Juli 2014 mit dem Schriftzug Niedersächsischer Städtetag

1890 betrieb Caspar seine Bankgeschäfte zunächst in der Packhofstraße 26, laut dem Adressbuch der Stadt Hannover von 1899 dann in der Bahnhofstraße 11.[6] Später errichtete er sich nach Plänen des Architekten Emil Lorenz 1911 bis 1912 ein eigenes Bankgebäude unter der (heutigen) Adresse Prinzenstraße 23.[5]

Ganz Kind seiner Zeit, wirkte Caspar mit im Deutschen Kolonialverein sowie im Deutschen Flottenverein, im „Provinzialverein vom Roten Kreuz“, in der Nationalstiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen sowie in anderen Vereinen.[1]

Gemeinsam mit seiner Ehefrau errichtete Caspar die Bernhard-und-Anna-Caspar-Stiftung:[1] Zweck der Stiftung war „die jährliche finanzielle Unterstützung gemeinnütziger oder wohltätiger Institutionen in der Stadt Hannover,“ die im Schenkungsvertrag vom 30. Juli 1918 ausdrücklich namentlich festgelegt wurden.[10]

Bernhard Caspars starb im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs und des Deutschen Kaiserreichs. Sein Grabmal nach einem Entwurf des Bildhauers Hermann Schaedtler findet sich heute auf dem Stadtfriedhof Engesohde.[1]

Bernhard-Caspar-StraßeBearbeiten

Posthum wurde die 1919 angelegte Bernhard-Caspar-Straße im (heutigen) Stadtteil Linden-Mitte nach dem Bankier und Mäzen benannt.[11]

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bernhard Caspar (banker) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h i j Peter Schulze: CASPAR ... (siehe Literatur)
  2. Vergleiche die Angaben unter der GND-Nummer der Deutschen Nationalbibliothek
  3. Carl Graf von Klinckowstroem: Bergmann, Leonhard Sigmund Ludwig. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 91 (Digitalisat).
  4. Carsten Burhop: Die Kreditbanken in der Gründerzeit ( = Schriftenreihe des Instituts für Bankhistorische Forschung e.V., Band 21), zugleich Dissertation 2002 an der Universität Bonn, Stuttgart: Steiner, 2004, ISBN 3-515-08413-4, passim; Vorschau über Google-Bücher
  5. a b Conrad von Meding: Alte Häuser in der City „Es muss Schluss sein mit Abrissen“ / Erneut werden in Hannovers City zwei historische Gebäude abgerissen. Hannovers Baudenkmalstiftung fordert angesichts der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und des Verschwindens vieler weiterer alter Häuser bis heute, dass in der Innenstadt damit endlich Schluss sein müsse. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 16. September 2013, online zuletzt abgerufen am 11. August 2014
  6. a b Vergleiche Alla sökträffar ... (siehe unter dem Abschnitt Weblinks)
  7. Helmut Zimmermann: Am Puttenser Felde. In: Die Strassennamen der Landeshauptstadt Hannover, Hannover: Hahnsche Buchhandlung, 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 20
  8. Thomas Ledermann, Sandra Reich (Vertretungsberechtigter Vorstand): Die Geschichte der Börse Hannover auf der Seite boersenag.de, zuletzt abgerufen am 11. August 2014
  9. Helmut Knocke, Hugo Thielen: Landschaftstraße. In: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon, S. 165
  10. Bernhard und Anna Caspar Stiftung (siehe unter dem Abschnitt Weblinks)
  11. Helmut Zimmermann: Bernhard-Caspar-Straße. In: Die Strassennamen der Landeshauptstadt Hannover. Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1992, ISBN 3-7752-6120-6, S. 38