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Bernd Kauffmann

deutscher Kulturmanager und Jurist

Bernd Kauffmann (* 30. Dezember 1944 in Ahaus) ist ein deutscher Kulturmanager und Jurist. Nach über zehnjähriger Tätigkeit in leitenden Funktionen im Niedersächsischen Kultusministerium und dem Aufbau der Stiftung Niedersachsen als deren erster Generalsekretär war er von 1992 bis 2001 u. a. als Präsident der Stiftung Weimarer Klassik, als Intendant des Kunstfestes Weimar und als Generalbeauftragter der „Weimar 1999 – Kulturhauptstadt Europas GmbH“ in der Stadt Weimar tätig. Von Juni 2001 bis Dezember 2014 war er Generalbevollmächtigter der Stiftung Schloss Neuhardenberg; seit 2003 ist er Künstlerischer Leiter der „Movimentos Festwochen“ der Autostadt in Wolfsburg.

BiographieBearbeiten

Bernd Kauffmann wurde 1944 als viertes Kind des Arztes Clemens Kauffmann und seiner Ehefrau Edith, geb. Tyrell, geboren. Schulbesuch des Aloisiuskollegs in Bad Godesberg und des Canisius-Kollegs Berlin. Während des Studiums der Publizistik und der Rechtswissenschaften in Berlin und Hamburg (Abschluss: I. und II. Staatsexamen) arbeitete Kauffmann als Regieassistent und in der Dramaturgie des Thalia Theaters Hamburg. 1975 war er neben Rechtsanwaltstätigkeit in Hamburg wissenschaftlicher Mitarbeiter im Niedersächsischen Landtag in Hannover. 1976 übernahm er die Leitung des Referats Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Niedersächsischen Kultusministerium. Von 1978 bis 1984 leitete er das Ministerbüro der Kultusminister Werner Remmers und Georg-Berndt Oschatz.

1984 wurde Bernd Kauffmann Abteilungsleiter im Niedersächsischen Kultusministerium und 1987 Gründungsgeneralsekretär der Stiftung Niedersachsen.[1] Er prägte durch mehrtägige internationale Konferenzen zu den Themen „Geist und Natur“ (1988),[2] „Was macht den Menschen krank?“ (1989) und „Die Aktualität des Ästhetischen“ (1992) das Profil der Stiftung und gründete 1990 das Festival Theaterformen,[3][4] dessen künstlerische Leitung er in den Jahren 1990 und 1991 mit Theaterregisseur Peter Ries teilte.[5]

1992 wurde Kauffmann als Präsident der Stiftung Weimarer Klassik nach Weimar berufen. Von 1996 bis Anfang 2000 war er vom Präsidentenamt beurlaubt, um als Generalbevollmächtigter der „Weimar 1999 - Kulturhauptstadt Europas GmbH“ das Programm der Kulturhauptstadt zu planen und zu realisieren. Ziel war es unter anderem, anlässlich des 250. Geburtstags Johann Wolfgang Goethes den Glanz der Klassikerstadt mit dem „Zivilisationsbruch der Nationalsozialisten im Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg“ zu konfrontieren.[6] Mit der im März 1999 eröffneten detailgetreuen Kopie von Goethes Gartenhaus in unmittelbarer Nähe des Originals sollte anhand der Frage „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“ ein Nachdenken über die „Aura des Originals“ und ihre Reproduzierbarkeit in der sich ausdehnenden Mediengesellschaft angeregt werden.[7][8] In das Veranstaltungsjahr 1999 fiel auch der sogenannte „Bratwurstkrieg von Weimar“ der durch Kauffmanns Verbot der Bratwurstzubereitung an Open-Air-Spielstätten der veranstaltenden GmbH entstand.[9][10][11][12] Von April 2000 bis Mai 2001 kehrte er in das Präsidentenamt zurück. Von 1993 bis 2001 war er zusätzlich Intendant des Kunstfestes Weimar. Kauffmanns Wirken in Weimar wurde sowohl von der Landes- und Stadtpolitik[13] als auch den Medien ebenso zustimmend wie kritisch betrachtet.[14] Die in Zusammenarbeit mit dem französischen Bildhauer Daniel Buren geplante künstlerische Gestaltung des zentralen Rollplatzes scheiterte am Protest der Bevölkerung,[15] während das Projekt „Zeitschneise“ zwischen Buchenwald und Schloss Ettersburg, basierend auf einer Initiative des Architekten Walther Grunwald, positiv aufgenommen wurde.[16][17][18] In den Jahren 1996 bis 2000 war er zudem Vorsitzender des Kulturrates der Weltausstellung Expo 2000 Hannover.

Im Jahr 1999 gründete Kauffmann zusammen mit dem Dirigenten Daniel Barenboim und dem Literaturwissenschaftler Edward Said das West-Eastern Divan Orchestra in Weimar.[19][20] Im darauffolgenden Jahr gelang es ihm, mit Hilfe von EU-Mitteln die Fortführung des Projektes sicherzustellen.[21] Eine dauerhafte Bindung an die Stadt Weimar gelang nicht. Das Projekt wird nach Stationen in Chicago und Sevilla in Berlin fortgeführt.[22]

Von Juni 2001 bis Dezember 2014 war Bernd Kauffmann Generalbevollmächtigter der Stiftung Schloss Neuhardenberg.[4] Von 2003 bis 2007 war er zusätzlich ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Kleist-Gedenk- und Forschungsstätte e. V. (Kleist-Museum) in Frankfurt (Oder). Seit 2003 ist er Künstlerischer Leiter der Movimentos Festwochen der Autostadt in Wolfsburg (von 2009 bis 2016 gemeinsam mit Maria Schneider). Daneben ist Bernd Kauffmann seit 2015 Gesellschafter und Consortialmitglied der Moving Points GmbH, die u. a. für die Planung und Realisierung internationaler Kulturprojekte sowie die Beratung von Unternehmen und Institutionen aus Politik und Wirtschaft verantwortlich ist.[23]

AuszeichnungenBearbeiten

VeröffentlichungenBearbeiten

  • mit Klaus Jörk und Rocque Lobo (Hrsg.): Was macht den Menschen krank? 18 Kritische Analysen. Birkhäuser Verlag, Basel 1991, ISBN 3-7643-2583-6.
  • mit Wolfgang Welsch, Ivo Frenzel, Bernd Olaf Küppers u. a. (Hrsg.): Die Aktualität des Ästhetischen. Wilhelm Fink Verlag, München 1993, ISBN 3-7705-2896-4.
  • mit Gert Theile u. a. (Hrsg.): Weimarer Editionen.
    • Norbert Bolz (Hrsg.): Das Pathos der Deutschen. Wilhelm Fink Verlag, München 1996, ISBN 3-7705-3101-9.
    • Hans-Georg Pott (Hrsg.): Liebe und Gesellschaft. Wilhelm Fink Verlag, München 1997, ISBN 3-7705-3245-7.
    • Norbert Bolz (Hrsg.): Weltbürgertum und Globalisierung. Wilhelm Fink Verlag, München 2000, ISBN 3-7705-3510-3.
  • mit anderen (Hrsg.): Edition Stiftung Schloss Neuhardenberg.
  • mit Basil Kerski (Hrsg.): Antisemitismus und Erinnerungskulturen im postkommunistischen Europa. fibre Verlag, Osnabrück 2006, ISBN 3-938400-14-5.
  • mit Heinz Bude und Joachim Fischer (Hrsg.): Bürgerlichkeit ohne Bürgertum. Wilhelm Fink Verlag, München 2010, ISBN 978-3-7705-4627-5.
  • mit Basil Kerski und Tomasz Dabrowski (Hrsg.): Europa, ein unvollendetes Abenteuer. Deutsch-Polnische Dialoge. Dokumentation. Berlin 2010, DNB 1009833820.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Katholische Akademie in Berlin: Theater, Stadt, Religion: Berlin als Bühne. Veranstaltungsinformation, 2013, abgerufen am: 11. Oktober 2017
  2. Hans-Peter Dürr (Herausgeber), Walther Ch. Zimmerli: Geist und Natur: Über den Widerspruch zwischen naturwissenschaftlicher Erkenntnis und philosophischer Welterfahrung. 1991, Fischer Scherz, ISBN 9783502191711
  3. Jennifer Elfert: Theaterfestivals. Geschichte und Kritik eines kulturellen Organisationsmodells. 2009, transcript Verlag, ISBN 978-3-8376-1314-8, S. 285
  4. a b Peter von Becker: Der Schlossgeist geht. In: Der Tagesspiegel, 30. Dezember 2014; abgerufen am: 11. Oktober 2017
  5. Festival Theaterformen: Über uns.Archiv. Abgerufen am 2. April 2019.
  6. Bernd Kauffmann: Editorial in: Weimar 1999 - Kulturhauptstadt Europa. Programmheft. 1998, Weimar 1999 - Kulturhauptstadt Europas GmbH (Hrsg.), S. 4ff
  7. Jochen Wiesigel: Wie wirklich ist die Wirklichkeit? in Der Tagesspiegel, 12. März 1999; abgerufen am 2. April 2018
  8. Thomas Delekat: Nur der Geruch ist anders. in Die Welt, 12. März 1999; abgerufen am 2. April 2019
  9. Thüringische Landeszeitung: Volkhardt Germer mit „Thüringer Bratwurstpreis 2016“ ausgezeichnet. 20. Mai 2016; abgerufen am 2. April 2019
  10. Frank Quilitzsch: Wurstkrieg in Weimar., 20. Mai 1999, Berliner Zeitung, abgerufen. 2. April 2019
  11. Karla Augusta: Die Thüringer Bratwurst. In: Weimar-Lese. Abgerufen am 2. April 2019.
  12. Michael H. Kater: Weimar: From Enlightenment to the Present. 2014, Yale University Press, ISBN 9780300170566, S. 348
  13. Rolf Hosfeld: Festivals 2007/2008. 2007, Helmut Metz Verlag, ISBN 9783937742267, S. 138f
  14. Der Spiegel: Die Maske des Dandys. 20. Mai 1996, abgerufen am 2. April 2019.
  15. Michael Plote: Bernd Kauffmann, der Unruhestifter. 30. Dezember 2014, abgerufen am 2. April 2019.
  16. Christina Tilmann: Die unfaßbare Gleichzeitigkeit. 23. Januar 1999, abgerufen am 2. April 2019.
  17. Süddeutsche Zeitung, Jens Schneider: Wenn nur die Klassiker und das KZ nicht wären. 28. Februar 1998, abgerufen am 2. April 2019.
  18. Annette Seemann: Weimar: eine Kulturgeschichte. 2012, C.H.Beck, ISBN 9783406630309, S. 378ff
  19. Reinhard Schau: Das Musikgymnasium Schloss Belvedere in Weimar: Geschichte und Gegenwart. 2010, Böhlau Verlag, ISBN 978-3412205560, S. 255.
  20. Georg Diez: Eine sehr deutsche Angelegenheit. In: Der Spiegel, 40/2017, S. 120.
  21. Daniel Barenboim: Music Quickens Time. 2009, Verso Books, ISBN 978-1844674022, S. 56.
  22. BR-Klassik: Konzert im Flüchtlingslager und Kritik an Trump. 25. Januar 2017, abgerufen am 2. April 2019.
  23. Thüringer Allgemeine: „Ich möchte die Zeit mit allen Erfolgen und Desastern nie missen“. 14. Februar 2019, abgerufen am 2. April 2019.