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Berlin-Friedrichswerder

Ortslage und ehemaliger Stadtteil von Berlin
Historische Stadtteile in Berlin-Mitte, wie sie zuletzt 1920 bestanden. Die Grenzen variierten im Lauf der Zeit. (Die Stadtteile VI bis X und XIX bis XXI sowie große Teile der Stadtteile V, XI, XIII, XIV, XVI und XVII liegen außerhalb des Ortsteils Mitte)

I0000Alt-Berlin
II 000Alt-Kölln (Spreeinsel)
III000Friedrichswerder
IV000Dorotheenstadt
V 000Friedrichstadt
XI000Luisenstadt
XII 00Neu-Kölln
XIII00Stralauer Vorstadt
XIV 0 Königsstadt
XV 00Spandauer Vorstadt
XVI 0 Rosenthaler Vorstadt
XVII 0Oranienburger Vorstadt
XVIII0Friedrich-Wilhelm-Stadt

Quellen:
Inhalt: Berliner Adressbuch,
Kartengrundlage: Bezirksamt Mitte von Berlin
Friedrichswerder mit „C“ markiert, 1688

Friedrichswerder ist ein historischer Stadtteil im heutigen Berliner Ortsteil Mitte. Er ist identisch mit der 1662 gegründeten Stadt Friedrichswerder, die bis 1710 eine eigenständige Stadt war. Ab 1710 gehörte Friedrichswerder zur preußischen Residenzstadt Berlin. Benannt ist die frühere Stadt und der spätere Stadtteil nach Kurfürst Friedrich Wilhelm (Großer Kurfürst).

GeographieBearbeiten

LageBearbeiten

Friedrichswerder liegt zwischen dem Spreekanal und dem 1833–1883 zugeschütteten Festungsgraben, dessen Verlauf sich heute noch an Grundstücksgrenzen ablesen lässt und der durch die Mohrenkolonnaden und die Straße am Festungsgraben gekennzeichnet ist. Im Süden grenzt der Stadtteil an Neu-Kölln, im Westen an die Friedrichstadt.

Zum östlich gelegenen Stadtteil Alt-Kölln führen die Eiserne Brücke, die Schloßbrücke, die Schleusenbrücke und die Jungfernbrücke.

GliederungBearbeiten

Der Friedrichswerder wurde um 1727 in zwei Viertel eingeteilt:[1]

Siehe auch: Karte auf der Seite vom Nikolaiviertel

GeschichteBearbeiten

1662 bis heuteBearbeiten

Der Friedrichswerder wurde 1662 als erste Stadterweiterung im Westen der Doppelstadt Berlin-Kölln durch einen kurfürstlichen Frei- und Schutzbrief zur Stadtgemeinde erhoben und 1668 in die Berliner Festung mit einbezogen. Die Bezeichnung als Werder ist darauf zurückzuführen, dass die neu gegründete Stadt anfänglich fast vollständig vom Spreekanal sowie dem Festungsgraben umgeben war. 1678 erhielt die aufstrebende Residenzstadt ein eigenes Rathaus. Der preußische König Friedrich I. verfügte am 18. Januar 1709 die Vereinigung der Stadtgemeinden Berlin, Cölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt zur Königlichen Haupt- und Residenzstadt Berlin.

Seit den 1870er Jahren verdrängten Großbauten Teile der alten Wohnbebauung und der Hausvogteiplatz entwickelte sich zu einem Geschäftszentrum der Textilbranche. Die Einwohnerzahl erreichte ihr Maximum im Jahr 1875 mit 9176 und betrug 1910 noch 2979.[2] Im Zweiten Weltkrieg erlitt der Friedrichswerder schwerste Schäden.

Im Jahr 1995 wurde das ehemalige Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR abgebrochen.

In den 1990er Jahren erfuhr das zwischen dem Spreekanal und der Kurstraße liegende Haus am Werderschen Markt eine Generalsanierung. Es war zwischen 1934 und 1940 für die Reichsbank errichtet worden und von 1959 bis 1989 der Sitz des Zentralkomitees der SED. Der Erweiterungsbau bis zur Werderschen Straße wurde 1999 fertiggestellt und der gesamte Komplex an das Auswärtigen Amt als Dienstsitz übergeben.

Seit 2005 werden die kriegsbedingten Freiflächen nach und nach entsprechend dem 1999 beschlossenen Planwerk Innenstadt wieder bebaut. So entstand auf annähernd historischem Stadtgrundriss ein neues Wohnviertel mit Town Houses und Hotels zwischen Französische Straße und Alter Leipziger Straße. Das Projekt Kronprinzengärten wurde zwischen 2012 und 2019 errichtet. Es ist ein Gebäudekomplex der zwar auf historischen Stadtgrundriss zwischen Werderscher Rosenstraße und Französischer Straße sowie Oberwallstraße bis zur Friedrichwerderschen Kirche gebaut wurde, jedoch in der Höhe die wenigen älteren Gebäude in der Nachbarschaft weit überragt. Bei den Bauarbeiten kam es zu schweren Schäden an der Friedrichswerderschen Kirche. Die wiederentstandene Falkoniergasse ist nicht öffentlich zugänglich. Als letztes wurde die Westseite des Schinkelplatzes und die Nordseite des Werderschen Marktes wieder bebaut.

Wichtige Ereignisse und BegebenheitenBearbeiten

Vor dem Haus Werderscher Markt 11 (früher: 5/6) wurde 2018 eine Gedenkstele eingeweiht, die an das jüdische Modehaus Hermann Gerson und deren spätere Eigentümer, die Familie Freudenberg erinnert, die während der Nazizeit verfolgt waren. Das Modehaus war nach der „Arisierung“ 1939 zum Reichskriminalpolizeiamt umgebaut worden. Im Gebäudes wurde aktiv an der Erprobung und Entwicklung von Massenvergasungen gearbeitet.[3]

KulturBearbeiten

MuseenBearbeiten

Das 1706 fertiggestellte Zeughaus dient heute dem Deutsche Historische Museum als Ausstellungsort. Hinter dem Gebäude, in der Straße Hinter dem Gießhaus, die an das einstige Königliche Gießhaus (1645–1875) erinnert, befindet sich heute der Ausstellungsbau des Deutschen Historischen Museums, der 2003 von dem chinesisch-amerikanischen Architekten Ieoh Ming Pei errichtet wurde.

Die Friedrichswerdersche Kirche wurde 1830 von Karl Friedrich Schinkel am Werderschen Markt erbaut. Sie wurde bis 2012 als Schinkelmuseum genutzt.

Weitere kulturelle EinrichtungenBearbeiten

Das spätklassizistische Kronprinzenpalais (Unter den Linden 3) wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und 1968 wieder aufgebaut. Heute finden hier Ausstellungen und kulturelle Veranstaltungen statt.

Zwischen der Friedrichswerderschen Kirche und dem Spreekanal stand bis 1962 die ebenfalls von Schinkel erbaute Bauakademie. Es gibt Bestrebungen, die Bauakademie wieder originalgetreu aufzubauen. In der Gebäudeatrappe befindet sich ein Veranstaltungs- und Ausstellungsraum.

Historische BautenBearbeiten

Es gibt sieben Einzeldenkmale in Friedrichswerder und ein Bodendenkmal.

LiteraturBearbeiten

  • Erika Schinger: Die Berliner Vorstadt Friedrichswerder 1658–1708, Veröffentlichungen aus den Archiven Preussischer Kulturbesitz, Beiheft 4, Wien 1993 ISBN 3-412-13992-0.
  • Denkmale in Berlin, Ortsteil Mitte, Petersberg 2003, S. 39 ff, ISBN 3-935590-80-6.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. C.E.Geppert: Chronik von Berlin von Entstehung der Stadt bis heute, Berlin 1840
  2. Friedrich Leyden: Gross-Berlin. Geographie der Weltstadt. Hirt, Breslau 1933 (darin: Entwicklung der Bevölkerungszahl in den historischen Stadtteilen von Alt-Berlin, S. 206)
  3. Stiftung Stadtmuseum (Hrsg.): Geraubte Mitte, Die „Arisierung“ des jüdischen Grundeigentums im Berliner Stadtkern 1933–1945 (Ausstellungskatalog), Berlin 2013, ISBN 978-3-9812257-2-3.

Koordinaten: 52° 31′ N, 13° 24′ O