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Häuserfassaden im Bergmannkiez

Der Bergmannkiez ist eine Ortslage im Berliner Ortsteil Kreuzberg. Teilweise wird davon noch die Ortslage am Chamissoplatz als Chamissokiez abgegrenzt.

LageBearbeiten

Namensgebend ist die zentral gelegene Bergmannstraße, um die herum sich ein homogenes Wohnviertel mit vielen erhaltenen Gebäuden aus der Zeit vor 1900 befindet. Im Norden bilden die Gneisenaustraße bzw. der Landwehrkanal bis zum Südstern die Kiezgrenzen. Die westliche Begrenzung bildet der Mehringdamm. Die Häuser der Schwiebusser- und Jüterboger Straße im südlichen Bereich gehören dazu, wodurch der Columbiadamm eine bauliche Grenze bildet. Nach Osten hin begrenzen die Friedhöfe an der Bergmannstraße den Bergmannkiez zu anderen Vierteln.

Ursprünglich vor der südlichen Stadtmauer Berlins gelegen, wurde das Gebiet mit der umliegenden Tempelhofer Vorstadt 1861 nach Berlin eingemeindet. Das bis dahin weitgehend landwirtschaftlich genutzte Gebiet wurde planmäßig erschlossen: Wohn- wie Gewerbegebiete entstanden neben den Bahnanlagen und diversen militärischen Objekten (Kasernen, Übungsplätze). Die Nähe zu Berlin führte zur Ansiedlung vieler Ausflugslokale, deren Tradition teilweise bis in das 21. Jahrhundert erhalten ist, die das Gebiet stadtweit bekannt machte. Das Zentrum bilden am Marheinekeplatz die Passionskirche und die Markthalle XI. Auf dem Platz finden genauso wie auf dem nahegelegenen Chamissoplatz populäre Wochen- und Flohmärkte statt.

StraßenBearbeiten

ÜbersichtBearbeiten

FidicinstraßeBearbeiten

Dieser West-Ost-Verkehrsweg zwischen dem Mehringdamm (im 19. Jahrhundert: Belle-Alliance-Straße) und der Friesenstraße erhielt 1890 seinen Namen zu Ehren des Städtischen Archivars und Historikers Ernst Fidicin. Zur Trinkwasserversorgung der neuen Bewohner von Kreuzberg ließ die Stadtverwaltung an der Ecke zur Kopischstraße einen Wasserturm errichten, der 1888 in Betrieb ging. Die Windmühle, die ihm gegenüber auf dem heutigen Grundstück Fidicinstraße 10 stand, wurde wenig später zugunsten der Wohnbebauung abgerissen.

Auf dem Gelände zwischen der Fidicinstraße 2/3 und der südlich parallel verlaufenden Schwiebusser Straße siedelte sich um 1840 die Berliner Bockbrauerei an.[1] Die denkmalgeschützten Bauten werden seit den 1920er Jahren nicht mehr als Brauerei genutzt, dagegen hatten sich vorübergehend eine Tanzschule, eine Klavierwerkstatt, Weinlager, eine Trommelschule sowie das Archiv der Jugendkulturen darin niedergelassen. Wegen Bebauungsplänen wurde das Gelände ab 2017 sukzessive entmietet.

In den Erdgeschossbereichen der Mietwohnhäuser entlang der Straße fanden anfangs Bäcker, Schuhmacher, Fleischer sowie Zigarren- und Kohlenhändler Platz für ihre Dienstleistungen. Heute finden sich Cafés und Gaststätten sowie anderes Gewerbe und Wohnungen in den Erdgeschossen. Die mehrgeschossigen Bürgerbauten wurden durch Quer- und Hofflügel ergänzt, sodass häufig bis zu 30 Mietsparteien unter einer Hausnummer genannt wurden.

Straßenbegleitgrün findet sich in dieser frequentierten und beliebten Wohnstraße nur vereinzelt. Die meisten Anwohner der im 21. Jahrhundert gut restaurierten Gründerzeitbauten, die im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört worden waren, sind inzwischen Familien mit Kindern. Nach 1961 dominierten vorübergehend die Familien der türkischen Gastarbeiter.[2]

InfrastrukturBearbeiten

Der Kiez wird durch vier U-Bahnhöfe der Linien U6 und U7 erschlossen:

Daneben finden sich Einrichtungen

  • der Berliner Polizeidirektion V,
  • der Berliner Kfz-Zulassungsstelle,
  • des Hauptzollamts Berlin.

Kultureinrichtungen sind unter anderem

BaudenkmälerBearbeiten

 
Mietshaus Fidicinstraße 36 und Wasserturm Fidicinstraße 37 Ecke Kopischstraße 7
  • Ensemble Chamissoplatz mit Mietshäusern, Gewerbehof und Wasserturm
  • Arndtstraße: „Café Achteck“ (Bedürfnisanstalt) von 1895 an der Ecke Chamissoplatz
  • Bergmannstraße: die 133. und 149. Gemeindedoppelschule, Nr. 28/29 (1884/1985); die 60. und 236. Gemeindeschule, Nr. 60/64/65 (1901/1902); Abspannwerk (1929–1931) Nr. 5–7
  • Friesenstraße: Kaserne des Königin-Augusta-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 4 und des Garde-Kürassier-Regiments (1895–1897)
  • Kopischstraße Nr. 7: Wasserturm (1886–1888)

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fidicinstraße 2/3. In: Adreßbuch für Berlin und seine Vororte, 1900, 3, S. 149.
  2. Marcus Weingärtner: „Ich würde hier nicht mehr weggehen“. In: Berliner Zeitung, 5./6. März 2016, S. 16.