Bentheim-Steinfurt

Adelsgeschlecht

Das Haus Bentheim-Steinfurt bzw. Bentheim und Steinfurt ist bis 1919 ein reichsständisches Adelsgeschlecht des westfälischen Uradels, das seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar ist.

Wappen der Fürsten zu Bentheim und Steinfurt
Stammwappen der Grafen zu Bentheim
Wappen des ersten Grafen zu Bentheim aus dem Hause Götterswick (1421–1454).
Wappen der Fürsten zu Bentheim und Steinfurt
Burg Bentheim (Luftbild 2014)
Schloss Burgsteinfurt (Innenseite der Oberburg)
Schloss Burgsteinfurt (Torhaus der Vorburg)

Die eigenständige Linie der Grafen von Bentheim-Steinfurt entwickelte sich 1609 nach einer Erbteilung im reichsgräflichen Haus Bentheim. Von den damals entstandenen fünf Nebenlinien existieren heute noch die 1817 in den erblichen preußischen Fürstenstand erhobenen Familien Bentheim-Steinfurt zu Burgsteinfurt und Bentheim-Tecklenburg zu Rheda.[1]

HerkunftBearbeiten

Die Linie Bentheim-Steinfurt des Adelsgeschlechts Bentheim wurde 1454 von Arnold I. von Bentheim-Steinfurt, dem Grafen von Steinfurt, begründet. Er war der Sohn von Eberwin V. von Götterswick und als Eberwin I. Graf von Bentheim und Herr von Steinfurt. Nach dem Tode Eberwins im Jahr 1454 zerfiel das Haus Götterswick in die zwei Linien Bentheim-Bentheim und Bentheim-Steinfurt.

Oberhaupt von Bentheim-Steinfurt war nun Arnold I., Graf von Steinfurt.

Standesrechtlicher Aufstieg und TerritorienzuwachsBearbeiten

Das Haus Bentheim-Steinfurt besaß den Status eines Grafen mit den Territorien:

ab 1454
ab 1487
  • Grafschaft Steinfurt (Landeshoheit)
  • Herrschaft Gronau (Lehen)
  • Götterswick (Allod)
ab 1492
  • Grafschaft Steinfurt (Landeshoheit)
  • Herrschaft Gronau (Lehen)
  • Herrschaft Wevelinghoven (hälftiges Lehen)
  • Götterswick (Allod)
  • Hawickerwerth (Allod)
ab 1513
  • Grafschaft Steinfurt (Landeshoheit)
  • Herrschaft Gronau (Lehen)
  • Herrschaft Wevelinghoven (Lehen)
  • Hawickerwerth (Allod)
ab 1530
  • Grafschaft Steinfurt (Landeshoheit)
  • Grafschaft Bentheim; größerer Teil (Landeshoheit)
  • Herrschaft Gronau (Lehen)
  • Herrschaft Wevelinghoven (Lehen)
  • Grafschaft Bentheim; kleinerer Teil (Lehen)
  • Hawickerwerth (Allod)
ab 1553
  • Grafschaft Bentheim; größerer Teil (Landeshoheit)
  • Grafschaft Bentheim; kleinerer Teil (Lehen)
  • Hawickerwerth (Allod)
ab 1566
  • Grafschaft Steinfurt (Landeshoheit)
  • Grafschaft Bentheim; größerer Teil (Landeshoheit)
  • Herrschaft Gronau (Lehen)
  • Herrschaft Wevelinghoven (Lehen)
  • Grafschaft Bentheim; kleinerer Teil (Lehen)
  • Hawickerwerth (Allod)
ab 1580
  • Grafschaft Steinfurt (Landeshoheit)
  • Grafschaft Bentheim (Landeshoheit)
  • Grafschaft Tecklenburg (Landeshoheit)
  • Herrschaft Gronau (Lehen)
  • Herrschaft Rheda (Lehen)
  • Herrschaft Wevelinghoven (Lehen)
  • Hawickerwerth (Allod)
ab 1582
  • Grafschaft Steinfurt (Landeshoheit)
  • Grafschaft Bentheim (Landeshoheit)
  • Grafschaft Tecklenburg (Landeshoheit)
  • Herrschaft Gronau (Lehen)
  • Herrschaft Rheda (Lehen)
  • Herrschaft Wevelinghoven (Lehen)
  • Amt Freudenberg (Lehen)
  • Amt Uchte (Lehen)
  • Hawickerwerth (Allod)

Im Jahre 1495 stieg das Haus Bentheim-Steinfurt in den Rang der Reichsgrafen auf, wegen Steinfurt. Nach der Erbschaft des Hauses Bentheim-Bentheim (ä. L.) im Jahre 1530 erhielt das Haus einen erneuten Reichsgrafentitel wegen Bentheim. Außerdem erwarb das Geschlecht infolge der Ehe des Grafen Arnold II. von Bentheim (1554–1606) mit der Gräfin Magdalena von Neuenahr-Alpen (1548–1626) 1589 die Erbvogtei über Köln.[2]

Bekenntnis und GlaubenBearbeiten

Das Haus Bentheim-Steinfurt war seit 1544/1564 bis 1575 evangelisch-lutherischen Glaubens, wechselten dann aber zum evangelisch-reformierten Glauben.

WappenBearbeiten

Oben auf den Helmen stehen:

  1. wegen Bentheim ein Mohr mit einem orientalischen Hut
  2. wegen Tecklenburg ein Pfau mit gespreiztem Schwanzgefieder
  3. wegen Steinfurt ein gefleckter Schwan
  4. wegen Limburg ein Löwe zwischen zwei Pfauenschwänzen[3]

Liste der FamilienoberhäupterBearbeiten

  • Arnold I. (1454–1466)
  • Eberwin II. (1466–1498)
  • Arnold II. (1498–1553) (in der Grafschaft Bentheim gezählt als Arnold I.)
  • Eberwin III. (1553–1561)
  • Arnold III. (1553–1566)
  • Arnold IV. (1562–1606) (in der Grafschaft Bentheim gezählt als Arnold II.)
  • Arnold Jost (1606–1609)

Zerfall und Aufteilung des Hauses 1609

Zusammenbruch und AufteilungBearbeiten

Das Haus Bentheim-Steinfurt ältere Linie zerfiel mit Arnold Jost, der am 26. August 1643 verstarb, in folgende Linien:

  • Bentheim-Bentheim jüngere Linie (ab 1693 Bentheim-Steinfurt jüngere Linie)
  • Bentheim-Steinfurt jüngere Linie (ab 1693 Bentheim-Bentheim jüngere Linie; 1803 ausgestorben und an Bentheim-Steinfurt jüngere Linie gefallen)
  • Bentheim-Tecklenburg

Weiterentwicklung des Hauses Bentheim-SteinfurtBearbeiten

Ab 1803 war das Haus Bentheim-Steinfurt also die jüngere Linie, trotz der Teilung verlor das Haus nicht seinen sozialen Status, denn es blieb als Reichsgraf im Hochadel, dank Bentheim und Steinfurt vertreten. Zur Zeit von Napoleon Bonaparte war der Status des Hauses verloren, da alle Ländereien besetzt und erobert waren sowie das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zerfallen war. Nach dem Wiener Kongress von 1814/15 erhielt die Familie den Titel und Status eines Standesherren des Deutschen Bundes bis ins Jahr 1817.

Am 21. Januar 1817 erhob König Friedrich Wilhelm III. das Haus Bentheim-Steinfurt in den Rang eines Fürsten. Neben der Standesherrschaft in Preußen, wegen Steinfurt, hatte die Familie noch zusätzlich die Standesherrschaft in Hannover inne, wegen Bentheim. Das Fürstenhaus Bentheim-Steinfurt j.L. bestand bis zum Ende der Monarchie 1919.

Liste der FamilienoberhäupterBearbeiten

Weitere FamilienmitgliederBearbeiten

Liegenschaften (Auswahl)Bearbeiten

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gothaisches Genealogisches Handbuch, Fürstl. Häuser 2018 (GGH 7) Deutsches Adelsarchiv, Marburg 2018, ISBN 978-3-9817243-6-3, Seite 201
  2. Genealogisches Handbuch des Adels, Fstl. Häuser, Bd. XIX, Seite 116, C. A. Starke-Verlag, Limburg 2011
  3. Hans-Joachim Böckenholt: Schloß und Herschaft Rheda. Rhode Druck und Verlag, 1. Auflage, Harsewinkel (Marienfeld) 1979, S. 31