Bellissima

Film von Luchino Visconti (1951)

Bellissima aus dem Jahr 1951 ist der dritte Langspielfilm des italienischen Film- und Theaterregisseurs Luchino Visconti. Das Drehbuch schrieb er nach einer Idee von Cesare Zavattini zusammen mit Suso Cecchi D’Amico und Francesco Rosi. Die Koautoren entfernten dabei die von Zavattini angelegte Sentimentalität der Erzählung,[1] die im zeitgenössischen Rom angesiedelt ist.

Film
Deutscher TitelBellissima
OriginaltitelBellissima
Produktionsland Italien
Originalsprache Italienisch
Erscheinungsjahr 1951
Länge 116 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Luchino Visconti
Drehbuch Suso Cecchi D’Amico
Francesco Rosi
Luchino Visconti
nach einer Idee von Cesare Zavattini
Produktion Salvo d’Angelo
Musik Franco Mannino
Kamera Piero Portalupi
Schnitt Mario Serandrei
Besetzung

HandlungBearbeiten

Maddalena Cecconi ist eine temperamentvolle, eruptive Krankenpflegerin, die mit ihrem Ehemann Spartaco und ihrer fünfjährigen Tochter Maria in Rom lebt. Die finanziellen Umstände der Familie sind bescheiden; das Ehepaar hat öfters Streit miteinander, wobei Spartaco auch schon einmal handgreiflich werden kann. Als der Filmregisseur Alessandro Blasetti eine Kinderdarstellerin für seinen neuen Kinofilm sucht, macht sich Maria wie Hunderte andere Mütter mit ihren Kindern auf dem Weg zum Vorsprechen. Blassetti findet Maria interessant, wohl auch da sie sich beim Spielen beschmutzt hat und zwischen den anderen aufgetakelten Mädchen auffällt. Maria kommt in die weitere Auswahl, was allerdings noch lange nicht bedeutet, dass sie die Rolle hat.

Durch ihre Tochter möchte Maddalena, die in ihrer Jugend selbst Schauspielträume hegte, aus ihren mauen Lebensumständen ausbrechen. Für dieses Ziel opfert sie ihr Sparbuch und mutet dem Kind viel zu. In der Zwischenzeit bis zum nächsten Vorsprechen besorgt sie ihrem Kind Unterricht in Schauspiel und Tanz, sie kauft sie ihr neue Kleider, schickt sie zum Friseur und zum Fotografen. Ebenfalls flirtet Maddalena mit Blassettis Mitarbeiter Annovazzi, der ihr Probeaufnahmen für Maria vermittelt. Der draufgängerische Annovazzi erhofft sich im Gegenzug mehr von Maddalena, doch sie blockt diese Versuche ab. Maddalenas Ehemann Spartaco ist keineswegs erfreut über die Pläne seiner Frau, denn eigentlich wollte er mit dem mühsam ersparten Geld seiner Familie ein kleines Häuschen bauen.

Schließlich sichten Blasetti und seine Mitarbeiter die Probeaufnahmen der Kinder, darunter Maria. Maddalena und Maria schauen heimlich aus dem Vorführraum zu, während die Probeaufnahme projiziert wird. Es stellt sich heraus, dass Maria den Großteil der Aufnahme herumheult, und die Mitarbeiter von Blasetti brechen in lautstarkes Lachen aus. Maddalena ist darüber entsetzt. Der opportunistische Annovazzi distanziert sich davon, die Probeaufnahmen für Maria besorgt zu haben, und wird von Blasetti gefeuert. Denn Blasetti findet das Mädchen interessant und möchte sie daher für seinen Film haben.

Unterdessen ist Maddalena mit der von den Ereignissen der letzten Tage sichtbar geschlauchten Maria in ihre Wohnung zurückgekehrt. Als Blasetti die Cecconis in ihrer Wohnung aufsucht, lehnt Maddalena es trotz eines lukrativen Vertragsangebots ab, ihr Kind vor die Kamera zu bringen, da sie es nicht zum Gespött der Leute machen will. Nachdem die Filmleute aus der Wohnung abgezogen sind, tröstet Spartaco seine weinende Ehefrau, während Maria friedlich in ihrem Bett schläft.

ProduktionshintergrundBearbeiten

 
Das ikonische Filmstudio Cinecitta ist gleichzeitig Schauplatz und Produktionsort des Films

Trotz des finanziellen Misserfolgs von Die Erde bebt schlug Produzent Salvo d’Angelo Visconti vor, zusammen noch einen Film zu verwirklichen, besetzt mit Anna Magnani, mit der Visconti schon seit längerem arbeiten wollte.[2][3] Visconti zeigt Magnani in Einstellungen, die sie samt dem sie umgebenden Raum zeigen, wobei der Film über eine äußerst realistische Ausstattung verfügt.[2] Der Filmregisseur Alessandro Blasetti tritt als er selbst auf, der für ein (fiktives) Filmprojekt ein Kind für eine Rolle sucht. Franco Zeffirelli und Francesco Rosi waren die Regieassistenten von Visconti.

Bellissima war bei der Berlinale 1952 zu sehen, kam aber erst 1960 in die deutschen Kinos.[4]

ThemenBearbeiten

Bellissima ist der einzige überwiegend in komischem Ton gehaltene Langfilm in Viscontis Œuvre.[1] Dabei schuf er eine Satire auf das Filmgeschäft, auf Cinecittà und die vom Kino hervorgerufenen Illusionen, wobei er die Vertreter des neorealistischen Stils nicht von der Kritik ausnimmt, insbesondere deren Einsatz von „authentischen“ Laiendarstellern. So hat Liliana Mancini, die als Laiendarstellerin 1948 in dem neorealistischen Film Unter der Sonne von Rom die Hauptrolle gespielt hatte, daran aber in den Folgejahren nicht mehr anknüpfen konnte, einen denkwürdigen Kurzauftritt: Sie hat die Schauspielerei aufgegeben und ist nun Filmeditorin, wobei sie Maddalena warnt, dass man als Laiendarstellerin im Filmgeschäft meist nur kurzen Erfolg hat, und dieser kurze Ruhm bei vielen Laiendarstellern für ein verpfuschtes Leben sorgen würde. Obwohl der Neorealismus eigentlich die Nöte der „kleinen Leute“ zeigen will, macht er die oft aus der Arbeiterschicht kommenden Laiendarsteller so auch zu Opfern.

Das Ende der ursprünglichen Vorlage von Zavattini ähnelte demjenigen von Fahrraddiebe. Wie dort der kleine Junge seinen Vater an die Hand nimmt und wegführt, sollte hier die kleine Tochter ihre gedemütigte Mutter tröstend an die Hand nehmen.[1] Die Szene, in der die Filmleute über die verpatzten Probeaufnahmen des kleinen Mädchens, auf denen sie in Tränen ausbricht, lachen, bezeichnete Wolfram Schütte als zentral: „Das Lachen der Filmleute über ein wahres, nicht-gespieltes Gefühl der Angst und des Alleinseins kündigt eine Solidarität des Mitleidens und -empfindens auf, von der einmal der (frühe) Neorealismus glaubte, darin seine wirkliche Erfüllung zu finden. Geblieben ist davon in seiner kommerzialisierten Spätphase nur noch Zynismus.“ Viscontis Kritik gelte auch Blasetti, der anders als die übrigen Filmleute nicht über das Mädchen lacht. Denn Blasetti glaubt, „dieses unverstellte Kind besser für seinen Film ausbeuten zu können, weil es glaubwürdiger und lebensechter ist als die gezierten Puppen, die er sonst gesehen hat“.[1]

AuszeichnungenBearbeiten

Anna Magnani wurde mit dem Nastro d’Argento als Beste Hauptdarstellerin geehrt.

KritikBearbeiten

Der film-dienst bezeichnete den Film 1954 als „psychologisch genau beobachtet und so voll menschlicher Wärme, daß wir von einem Exempel sprechen müssen“. Visconti habe seiner Hauptdarstellerin das richtige Gewicht zugestanden: Die „außerordentliche“ Magnani „überspielt jeden, der störend in die Welt eindringt, die sie bis zum Rande ausfüllt […] Aber doch nicht so, daß sie alles Leben um sich herum erdrückt. Es ist etwas Ganzes entstanden, das der Wirklichkeit nahe ist.“[5]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Wolfram Schütte: Kommentierte Filmografie. In: Luchino Visconti, Reihe Hanser Nr. 181, Reihe Film Nr. 4. Carl Hanser Verlag, München 1975, ISBN 3- 446- 12001-7, S. 68–72
  2. a b Giuseppe Ferrara: Luchino Visconti. Editions Seghers, Paris 1970, S. 37–43
  3. Michèle Lagny: Luchino Visconti. Vérités d’une légende. BiFi, Paris 1997 / Durante, Courbevoie 1997, ISBN 2-9509048-7-4
  4. Hans Helmut Prinzler: Daten. In: Luchino Visconti, Reihe Hanser Nr. 181, Reihe Film Nr. 4. Carl Hanser Verlag, München 1975, ISBN 3- 446- 12001-7, S. 150
  5. film-dienst Nr. 25/1954