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Die Bell V-280 Valor (dt: Mut; Tapferkeit) ist ein Kipprotor-Wandelflugzeug, das von dem amerikanischen Hubschrauberhersteller Bell Helicopter und dem amerikanischen Rüstungs- und Technologiekonzern Lockheed Martin Corporation für das United States Army Future Vertical Lift (FVL) Programm entwickelt wird. Eine vollmaßstäbliche Attrappe der V-280 Valor wurde 2013 auf der Army Aviation Association of America (AAAA) Ausstellung in Fort Worth, Texas vorgestellt. Der Erstflug war ursprünglich für September 2017,[1] geplant und erfolgte dann im Dezember 2017. Das „V“ in der Bezeichnung steht dabei für „Vertical“ und die Zahl „280“ für die angestrebte Marschgeschwindigkeit von 280 Knoten.

Bell V-280
Typ: VTOL-Transporter
Entwurfsland:

Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten

Hersteller:
Erstflug: 18. Dezember 2017

Future-Vertical-Lift-Programm (FVL)Bearbeiten

Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten starteten 2007 das Programm Future Vertical Lift (FVL). Ziel ist es, Ersatz für die Sikorsky UH-60 Black Hawk, Boeing AH-64 Apache, Boeing-Vertol CH-47 Chinook und Bell OH-58 Kiowa zu schaffen. Insgesamt sollen hierbei 2000 bis 4000 Hubschrauber ersetzt werden.[2]

Bevor es ein Fluggerät in das FVL schaffte, muss es die Hürde des Joint Multi-Role (JMR) Programms schaffen, an dessen Ende das Fluggerät seinen Erstflug im Jahr 2017 absolvieren sollte.[3]

Die Bewerber des FVL sind:

EntwicklungBearbeiten

Am 9. September 2013 gab Bell bekannt, die V-280 in Kooperation mit der Lockheed Martin Corporation herstellen zu wollen.[4] Lockheed wird Rechner-Elektronikeinheiten sowie Sensoren und Bewaffnung liefern. In den folgenden Monaten wurden noch weitere Partner bekannt gegeben, wie Moog Inc. für das Steuerungssystem, GE Aviation für die Triebwerke, GKN für das Heckteil und Spirit AeroSystems für den aus Kompositwerkstoffen aufgebauten Rumpf.

Am 2. Oktober 2013 gab die United States Army bekannt, Bell ein Technology Investment Agreement für das JMR-Programm angeboten zu haben.[5] Diese Vereinbarung erhielten auch die drei Konkurrenten des FVL-Programms. Es hat einen Umfang von 6,5 Mio. Dollar und betrifft Phase I des JMR-Programms, das die weitere Ausarbeitung der Technologie und des Interfaces beinhaltet.

Am 21. Oktober 2013 präsentierte Bell ein vollmaßstäbliches Mock-up der V-280.[6]

Im September 2015 übergab Sprit AeroSystems Inc., ein Subunternehmen von Bell Helicopter, nach 22 Monaten den ersten Rumpf der Bell V-280 in seinem Werk in Wichita, Kansas.[2] Zur Endmontage wird der aus Verbundmaterialien gefertigte Rumpf anschließend zu Bell nach Amarillo, Texas, überführt. Bodentests des montierten Prototyps begannen Anfang September 2017,[7] am 18. Dezember 2017 folgte der Erstflug.[8]

Am 11. Mai 2018 flog die Bell V-280 erstmals mit voll nach vorn geschwenkten Rotoren. Dabei wurde eine Geschwindigkeit von 350 km/h erreicht. Bis Ende 2018 wurden in fast 85 Stunden Flugzeit 460 km/h Höchstgeschwindigkeit, eine größte Flughöhe von 3500 Metern und eine Steigrate von 22,8 m/s erreicht.[9]

KonstruktionBearbeiten

Die V-280 wird laut Bell voraussichtlich eine Reisegeschwindigkeit von 520 km/h (280 kn, 320 mph) erreichen. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 560 km/h (300 kn, 350 mph) und die Reichweite bei 3900 km (2100 Nautische Meilen, 2400 Meilen) liegen. Die effektive Gefechtsreichweite wird zwischen 930 und 1480 Kilometern und die Traglast bei zirka 4500 kg liegen. Die Besatzung wird vier Mann betragen, wobei zusätzlich elf voll ausgerüstete Soldaten transportiert werden können.

Ein großer Unterschied zur Bell-Boeing V-22 Osprey liegt darin, dass die beiden Triebwerke GE Aviation T64-419[7] fest waagerecht in die Flügel eingebaut werden, während die Rotoren kippfähig sind. Die Antriebswelle erstreckt sich über die komplette Spannweite und verbindet beide Rotoren. Sollte eines der Triebwerke ausfallen, kann das noch funktionierende Triebwerk beide Rotoren antreiben. Die V-280 wird über ein einziehbares Fahrwerk, ein dreifach redundantes Fly-by-wire-System und ein V-förmiges Heck verfügen. Der Flügel besteht aus einem einzigen kohlenstofffaserverstärkten Kunststoffbauteil. Im gelandeten Zustand wird sich der Flügel der V-280 etwa 2,10 m über dem Boden befinden. Das ermöglicht den mitgeführten Soldaten nicht nur, aus den 180 cm breiten Türen zu beiden Seiten leicht auszusteigen, sondern wird Bordschützen auch ein breites Schussfeld bieten.

Die V-280 soll mit einem single-screen instrument versehen werden.[10] Bei Bekanntgabe im Mai 2015 war ein solcher Bildschirm im Mock-Up eingebaut. Der Bildschirm, der fast über die gesamte Breite des Fluggerätes reicht, wurde von Bell zusammen mit seinen Partnern Lockheed Martin und Inhance Digital in 18-monatiger Arbeit entwickelt.[10]

Technische DatenBearbeiten

Kenngröße projektierte Werte[11]
(erflogene Werte[9])
Besatzung 0004
Passagiere 0014
Länge
Spannweite
Höhe
Nutzlast 4500 kg
Leermasse
max. Startmasse
Marschgeschwindigkeit 0520 km/h
Höchstgeschwindigkeit 0560 km/h (460 km/h)
Dienstgipfelhöhe 1800 m (größte Höhe: 3500 m)
Steigrate 000000(22,8 m/s)
max. Einsatzreichweite 1480 km
Überführungsreichweite 3890 km (600 km)
Triebwerke GE Aviation T64-419
Bewaffnung

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bell preparing to affix V-280 wing as ‘Valor’ takes shape – Flightglobal.com, 20. Januar 2016
  2. a b Rumpf der Bell V-280. In: Europäische Sicherheit & Technik 1/2015. S. 77.
  3. Modernizing the Army’s Rotary-Wing Aviation Fleet, Congressional Budget Office, November 2007
  4. Bell Helicopter and Lockheed Martin team on V-280 Valor
  5. Army awards JMR-TD program technology investment agreement with Bell Helicopter for next-generation tiltrotor demonstrator
  6. Jon Hemmerdinger: Bell unveils V-280 Valor mock-up. In: flightglobal.com. 21. Oktober 2013, abgerufen am 13. September 2017 (englisch).
  7. a b V-280 Valor: Versuchsflugzeug komplett. In: flugrevue.de. 7. September 2017, abgerufen am 13. September 2017.
  8. Bell V-280 Valor startet zum Erstflug. In: flugrevue.de. 19. Dezember 2017, abgerufen am 19. Dezember 2017.
  9. a b Karl Schwarz: Kipprotor-Versuchsmodell: Bell V-280 im Flugtest. In: flugrevue.de. 20. Dezember 2018, abgerufen am 23. Dezember 2018.
  10. a b Bell Unveils Single-screen V-280 Cockpit. AINonline, 21. Mai 2015, abgerufen am 13. September 2017 (englisch).
  11. Bell V-280 Valor. In: bellflight.com. Abgerufen am 23. Dezember 2018 (englisch).