Beim Häuten der Zwiebel

autobiografisches Werk von Günter Grass

Beim Häuten der Zwiebel ist ein autobiografisches Werk von Günter Grass aus dem Jahr 2006. Es beginnt mit dem Ende seiner Kindheit in Danzig und dem Anfang des Zweiten Weltkriegs und endet in dem Jahr, in dem sein Buch Die Blechtrommel erscheint.

InhaltBearbeiten

In dem rund 500 Seiten umfassenden Buch berichtet Günter Grass von seinen Erinnerungen an die Kindheit und Jugend und von der Zuneigung zu seiner Mutter, die an Krebs starb. Er erzählt auch von seiner Zeit in der Wehrmacht, davon, wie er als Jugendlicher im Alter von 17 Jahren zur Waffen-SS verpflichtet wurde, 1945 im Dreieck CottbusSprembergAltdöbern stationiert war[1] und wie er später in Kriegsgefangenschaft litt.

Günter Grass gibt Einblicke in die Welt, in die er als junger Mensch hineinwuchs, von seiner Beziehung zur bildenden Kunst, die er zu seiner eigenen Welt ernennt, von den Umständen in Paris beim Schreiben seines Buches Die Blechtrommel, wie auch in seine Persönlichkeitsentwicklung.

Günter Grass legt dabei Schicht für Schicht Erinnerungen an die damalige Zeit und ihre Probleme frei. Dies knüpft metaphorisch an das Zwiebelgleichnis aus Henrik Ibsens Drama Peer Gynt an.[2]

Diskussion zum Dienst in der Waffen-SSBearbeiten

Für Aufsehen sorgte im August 2006 in der nationalen und internationalen Öffentlichkeit ein Abschnitt des Buches, in dem Grass über seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS schreibt. Obwohl sein Buch einige Wochen vor dem Erscheinungstermin an viele Verlage und Redaktionen geschickt worden war, kamen Reaktionen erst nach einem Interview mit dem Autor in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 12. August 2006:[3]

„Das musste raus, endlich. Die Sache verlief damals so: Ich hatte mich freiwillig gemeldet, aber nicht zur Waffen-SS, sondern zu den U-Booten, was genauso verrückt war. Aber die nahmen niemanden mehr. Die Waffen-SS hingegen hat in diesen letzten Kriegsmonaten 1944/45 genommen, was sie kriegen konnte. Das galt für Rekruten, aber auch für Ältere, die oft von der Luftwaffe kamen, ‚Hermann-Göring-Spende‘ nannte man das. Je weniger Flugplätze noch intakt waren, desto mehr Bodenpersonal wurde in Heereseinheiten oder in Einheiten der Waffen-SS gesteckt. Bei der Marine war’s genauso. Und für mich, da bin ich meiner Erinnerung sicher, war die Waffen-SS zuerst einmal nichts Abschreckendes, sondern eine Eliteeinheit, die immer dort eingesetzt wurde, wo es brenzlig war, und die, wie sich herumsprach, auch die meisten Verluste hatte.“

Grass hatte bislang verschwiegen, dass er Angehöriger der Waffen-SS war. Vielmehr war der breiten Öffentlichkeit bekannt gewesen, dass Günter Grass 1944 als Flakhelfer eingezogen worden sei und als Soldat gedient habe, bevor er 1945 in Gefangenschaft geriet. In seiner Autobiografie offenbart er nun, dass er in der 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“ als Ladeschütze gedient hatte, vom 10. November 1944 bis zu seiner Verwundung am 20. April 1945.

KritikenBearbeiten

Die Kritik nahm das Werk sehr unterschiedlich auf. Es wurde einerseits als glänzendes Meisterwerk voller Kraft, Wucht und Sinnlichkeit gepriesen, während andererseits neben der späten Offenbarung der Zugehörigkeit des Autors zur Waffen-SS auch Eitel- und Wehleidigkeit der Darstellung sowie eine Tendenz zur Verharmlosung, zur Verschleierung und Verklärung von Abgründen beanstandet wurde.[4]

AusgabenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Martin Köbel (Hrsg.): Ein Buch, ein Bekenntnis. Die Debatte um Günter Grass’ „Beim Häuten der Zwiebel“. Steidl, Göttingen 2007, ISBN 978-3-86521-427-0.
  • Hans Arnold: Von der Arbeit an der Erinnerung. Zu Günter Grass Beim Häuten der Zwiebel. Günter Grass-Haus, Forum für Literatur und Bildende Kunst, Lübeck 2007.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Klaus Hammer: Die Zwiebel „Erinnerung“: Günter Grass’ Autobiografie „Beim Häuten der Zwiebel“. In: Die Berliner Literaturkritik, 25. Oktober 2006.
  2. 5. Akt. Pfingstabend. Im Hochwald. „Du bist kein Kaiser; du bist eine Zwiebel. Jetzt will ich dich einmal schälen, mein Peer! […]“ (Übersetzung: Christian Morgenstern, HTML). Dazu Meinolf Schumacher: Peer Gynts letzte Nacht. Eschatologische Medialität und Zeitdehnung bei Henrik Ibsen. In: Susanne Gramatzki, Rüdiger Zymner (Hrsg.): Figuren der Ordnung. Beiträge zu Theorie und Geschichte literarischer Dispositionsmuster. Böhlau, Köln u. a. 2009, ISBN 978-3-412-20355-9, S. 147–162, hier S. 150 f. (PDF).
  3. Günter Grass enthüllt: „Ich war Mitglied der Waffen-SS“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. August 2006.
  4. https://www.perlentaucher.de/buch/guenter-grass/beim-haeuten-der-zwiebel.html