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Das Prinzregententheater in München-Bogenhausen ist eine der Spielstätten des Bayerischen Staatsballetts
Der Innenraum des Prinzregententheaters zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Das Nationaltheater – eine der Spielstätten des Bayerischen Staatsballetts
Der Zuschauerraum des Nationaltheaters

Das Bayerische Staatsballett in München entstand 1990 als eigenständige Ballettcompagnie aus dem Ensemble des Balletts der Bayerischen Staatsoper. Die Gründerin Konstanze Vernon leitete die Compagnie bis 1997. Bis Sommer 2016 hatte der deutsch-tschechische Tänzer Ivan Liška die Leitung des Ensembles inne. Seit August 2016 steht Igor Selenski dem Ensemble vor.[1]

Das Bayerische Staatsballett besteht aus einem internationalen Ensemble und verfügt über ein vielfältiges Repertoire, das über 70 Werke von der Romantik über die (Neo)-Klassik bis zu Stücken des 21. Jahrhunderts umfasst.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Balletts an der Münchner StaatsoperBearbeiten

Anfänge des Balletts in MünchenBearbeiten

Die Ballettgeschichte begann in München mit dem Aufkommen einer höfischen Festkultur, in deren Rahmen auch das Ballett als Kunstform entwickelt wurde. Die höfischen Feste in München orientierten sich an den vorherrschenden französischen und italienischen Vorbildern des 16. und 17. Jahrhunderts.

19. JahrhundertBearbeiten

Während des 19. Jahrhunderts traten berühmte Tänzer wie Paul und Marie Taglioni 1825 im Nationaltheater auf. Auf Anforderung der Tänzerin Lola Montez wurde das zwei Jahre zuvor einstudierte Ballett Giselle erneut aufgeführt. Die Giselle-Produktion war über Jahrzehnte erfolgreich und wurde aus Anlass eines Gastspiels der Ballerina Lucile Grahn neu inszeniert. 1869 ließ sich Lucile Grahn in München nieder und war bis 1875 am Nationaltheater als Ballettmeisterin tätig. Dabei studierte sie u. a. die Ballette Coppélia und Sylvia ein und war an der tänzerischen Gestaltung der Uraufführung von Richard Wagners Opern Rheingold, Tannhäuser und Meistersinger beteiligt.

20. JahrhundertBearbeiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg belebte Marcel Luipart das Ballett in München neu. Er traf sich mit den Mitgliedern des Ensembles in einem Saal des zerbombten Nationaltheaters. Unter Luipart entstanden eine Reihe erfolgreicher Ballett-Produktionen, meist aus dem Repertoire von Diaghilevs Ballets Russes. Er adaptierte die Vorlage und verursachte einen Theaterskandal, als er 1948 Werner Egks Abraxas uraufführte. Nach nur fünf Vorstellungen verfügte der Kultusminister, dass das Werk „wegen allzu großer Freizügigkeiten“ abgesetzt wurde.[2]

Victor Gsovsky trat die Nachfolge Luitparts als Ballettdirektor an. Er verknüpfte innovative choreographische Tendenzen mit russischer Tanztradition. Mit ihm kam aus Paris die Ballerina Irene Skorik. Anschließend leiteten zwischen 1952 und 1954 Pia und Pino Mlakar das Tanzensemble, die auch einige Arbeiten von Gsovsky wieder auf die Bühne brachten.

Alan Carter und dessen Frau Joan Harris brachten die „Englische Schule“ nach München. Mit den durch Carter ausgebildeten Tänzern arbeitete der folgende Ballettdirektor Heinz Rosen ab 1959 fast zehn Jahre lang. Er setzte auf die dramatische Wirkung von Körperlinien im Raum, brachte jedoch ein eher variationsarmes Tanzvokabular zum Einsatz.

Durch die Einführung der Ballettfestwoche im Jahr 1960 brachte Heinz Rosen die internationale Ballettwelt nach München. Bei Gala-Abenden traten Solisten der westlichen Tanzmetropolen New York, London oder Kopenhagen sowie des Bolschoi-Balletts auf. Erste Auslandsgastspiele in Europa folgten.

Bis das Nationaltheater im Jahr 1963 wiedereröffnet wurde, diente das Prinzregententheater als Spielstätte, das nach dessen Wiedereröffnung im Jahre 1996 heute als zweite Spielstätte des Bayerischen Staatsballetts dient.

Von Ende der 1960er bis Ende der 1980er Jahre wechselten sich verschiedene Ballettdirektoren ab. Entscheidend waren hier die Jahre 1968 bis 1970, als John Cranko parallel zu seiner Arbeit in Stuttgart das Ballett in München leitete. In dieser Zeit inszenierte er drei Handlungsballette: Onegin, Romeo und Julia sowie Der Widerspenstigen Zähmung, die bis heute ein wichtiger Teil des Repertoires des Bayerischen Staatsballetts sind. Crankos künstlerischer Einfluss dauerte auch während der Zeit seines Nachfolgers Roland Hynd an.

Direktor Dieter Gackstetter holte Jerome Robbins zu seiner ersten Arbeit mit einer deutschen Ballettcompagnie. Die dramatische Ballerina Lynn Seymour konnte William Forsythe für eine Uraufführung in München gewinnen und sorgte für die Akquisition von La Sylphide, einer Arbeit von August Bournonville, die bis heute Teil des Repertoires ist. Der Direktor Edmund Gleede holte Youri Vámos nach München, der inzwischen einer der bedeutendsten Choreographen Europas war. David Bintley wurde für seine erste Arbeit in Deutschland von Stefan Erler nach München geholt. Das Tänzerehepaar Ivan Liska und Colleen Scott waren Mitte der 1970er Jahre in München aktiv und kamen über 20 Jahre später als Direktor und Ballettmeisterin zur Compagnie zurück.

Die Zeit von Ende der 1960er Jahre bis Ende der 1980er Jahre waren insbesondere durch wachsende Spannungen zwischen den Ballettdirektoren und den Opernintendanten geprägt. Diese Spannungen wurden schließlich so stark, dass es kaum noch möglich erschien, einen geeigneten Ballettdirektor zu gewinnen.

Der entscheidende Anstoß für eine grundlegende Veränderung dieser Situation kam von Konstanze Vernon, eine in den 1960er und 1970er Jahren führende Ballerina in München. Sie hatte die Opernballettschule in eine staatliche Ballettakademie im Zusammenhang mit der Gründung der Heinz-Bosl-Stiftung umgewandelt. Die Ballettakademie wurde zu einer Münchner Institution mit weltweiter Ausstrahlung, die als erste Akademie Deutschlands auf das russische Waganowa-System in der Ausbildung umstellte, so dass in München schon lange vor dem Fall der Mauer russische Tanzpädagogen tätig waren. Es folgten internationale Wettbewerbserfolge, so dass München bald als eine der besten Adressen für Tänzerausbildungen gehandelt wurde.

20./21. JahrhundertBearbeiten

1988 entschied die Bayerische Staatsregierung, das Ballett den Sparten Oper und Schauspiel gleichzustellen, und das Bayerische Staatsballett als eine von der Oper unabhängige Institution zu gründen. Die Gründungsdirektorin Konstanze Vernon nutzte die Spielzeit 1989/90 zur Vorbereitung und Umstrukturierung, das Ballett wurde zunächst vom "Ballett der Bayerischen Staatsoper" in "Bayerisches Staatsballett in Gründung" und ab 1990/91 in "Bayerisches Staatsballett" umbenannt. Ab der Saison 1990/91 agierte das Bayerische Staatsballett als eigenständige Sparte unter der Leitung von Vernon, die wie der Staatsopernintendant einen Vertrag mit dem zuständigen Staatsminister hatte. Seither teilen sich Bayerisches Staatsballett und Bayerische Staatsoper das Nationaltheater, das Cuvilliéstheater und das Prinzregententheater als Spielstätten. Insbesondere das Prinzregententheater wurde 1996 auf Betreiben August Everdings als zweite Spielstätte für das Bayerische Staatsballett ausgebaut und mit einer zeitgemäßen Bühnenmaschinerie ausgestattet.

Unter Konstanze Vernons Leitung verfolgte das Staatsballett eine konsequente, langfristig angelegte Repertoirepolitik und nutzte die neuen Möglichkeiten als eigenständige Sparte. Durch ihre Kontakte und die Kenntnisse ihrer beiden künstlerischen Mitarbeiter Bettina Wagner-Bergelt (Moderne) und Wolfgang Oberender (Klassik) gelang es, Choreographen wie Lucinda Childs, Hans van Manen, Jiří Kylián, John Neumeier, Angelin Preljocaj oder Mats Ek zu gewinnen.

Die Nachfolge von Vernon trat im September 1998 Ivan Liška an, nachdem er unter John Neumeier über mehr als zwei Jahrzehnte einer der wichtigsten Solisten des Hamburger Balletts gewesen war.

Im August 2016 übernahm der Russe Igor Selenski die Leitung des Bayerischen Staatsballetts, der bis dahin bereits mehrmals als international gefeierter Gasttänzer mit dem Münchner Ensemble aufgetreten war. Sein besonderes Augenmerk gilt der Pflege und dem weiteren Ausbau des Repertoires, das rasch um Werke von Choreographen wie Yuri Grigorovich, Christopher Wheeldon, Wayne McGregor, Christian Spuck, George Balanchine und Andrey Kaydanovskiy erweitert wurde.

Heute umfasst das Repertoire des Bayerischen Staatsballetts mehr als 70 Werke von der Romantik bis hin zu Klassikern des 21. Jahrhunderts. Hinzu kommen herausragende Werke von Kylian, Balanchine, Jerome Robbins und Hans van Manen, Stücke wichtiger Modern-Dance-Vertreter, wie Lucinda Childs, Twyla Tharp, Angelin Prejocaj, William Forsythe bis zur Avantgarde; Saburo Teshigawara, Richard Siegal, Simone Sandroni u. v. a.

Das Ensemble geht regelmäßig auf Auslandstourneen und hat in den vergangenen 20 Jahren Länder Europas (Italien, Spanien, Schweiz, Österreich, Polen, GUS/Russland, Tschechien, Slowakei u. a.) Asiens (Südkorea, Indien, China, Taiwan) und Nordamerikas (USA, Kanada) besucht.

WeblinksBearbeiten

FußnotenBearbeiten

  1. Bayerische Staatsoper: Zelensky Igor. Abgerufen am 8. Mai 2018.
  2. Geschichte des Bayerischen Staatsballetts (Memento des Originals vom 25. Februar 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bayerische.staatsoper.de