Hammerstein (Wuppertal)

Ortsteil von Wuppertal
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Die Ortslage Hammerstein im Wuppertaler Stadtbezirk Vohwinkel geht auf das Rittergut Hammerstein zurück. Dieses Herrenhaus lag am Sonnborner Wupperbogen und ist Namensgeber der später um 1825 errichteten Villa Hammerstein an der Hammersteiner Allee. Die Ortslage entwickelte sich zur Jahrhundertwende zu einem ansehnlichen Villenviertel Vohwinkels.

Hammerstein
Stadt Wuppertal
Koordinaten: 51° 14′ 2″ N, 7° 5′ 22″ O
Höhe: 170 m ü. NHN
Hammerstein (Wuppertal)

Lage von Hammerstein in Wuppertal

Auch wurde eine naheliegende Schwebebahnstation nach dem Herrensitz benannt.

Industrie Bearbeiten

Unterhalb der Villa Hammerstein entstand 1835 bis 1837 an der Wupper die Weberei und „Baumwollspinnerei Hammerstein“ des Kaufmanns Johann Christian Jung.[1][2] Die Baumwollspinnerei zählte zu den bedeutendsten Betrieben ihrer Art im Rheinland.[2] Neben dem sechsgeschossigen Fabrikgebäude, für das der Architekt Christian Heyden nachgewiesen ist, bestand das Areal im Landschaftspark der Villa aus einem Arbeiterwohnhaus und einer Fabrikschule. Das Produktionsgebäude war 46 Meter lang, 15,5 Meter tief und 20,5 Meter hoch. Im Arbeiterhaus wohnten 1938 20 Familien, die als Gastarbeiter aus Kirchen an der Sieg stammten, dort betrieb die Familie Jung seit 1799 die Spinnerei Jungenthal.[3]

Um 1850 führt Friedrich August Jung das Unternehmen[4] und wird von Levin Schücking im 1856 erschienenen Werk „Eisenbahnfahrt von Minden nach Köln“ beschrieben, hier findet sich auch eine Passage zu einem Absatz durch das Tal der Wupper. Die Industriestädte Barmen und Elberfeld liegen für ihn in einer…:

… Gegend, die vom anziehendsten Gemisch von Gärten und Wiesen, schimmernden Landsitzen, Siedlungen der Fabrikarbeiter, Industrieanlagen vom kleinen Mühlenwerk bis zur riesigen Spindelkaserne und Webstuhlpalast, von Brücken und farbenglänzenden Färbereien und Bleichereien unübersehbar weit bedeckt und malerisch überstreit ist.

Mit „Spindelkaserne“ und „Webstuhlpalast“ kann Schücking nur die Hammersteiner Baumwollspinnerei gemeint haben, da es zur Zeit 1860 keine anderen vergleichbaren großen Fabrikgebäude im Tal der Wupper gegeben hat.[2] Um diese Zeit hatte das Unternehmen 20.000 Feinspindeln sowie 100 Webstühle in Betrieb, dabei wurden 600.000 Pfund Garn verarbeitet.[5]

1869 wurde die Hammersteiner Baumwollspinnerei F. A. Jung geschlossen.[6]

Um die Zeit vor 1895 firmierte die Fabrik als „Tuchfabrik von Herminghaus und Co.“.[7] Ein weiterer Standort der Herminghaus und Co. war an der Friedrich-Ebert-Straße, das Gebäudeensemble ist dort als “Zanella”-Futterstofffabrik bekannt.[8]

Heute existiert Herminghaus & Co. GmbH als eine Gesellschaft für Haus- und Grundstücksverwaltung. Über das Gelände sind Anfang der 1970er Jahre ein Teil der Autobahnbrücken des Sonnborner Kreuz gebaut worden.

AnsichtenBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. In anderen Quellen wird Friedrich August Jung als Erwerber genannt
  2. a b c Hella Nußbaum, Hermann J. Mahlberg (Hrsg.): Das Zooviertel in Wuppertal. Thiergarten, Stadion und malerisches Wohnen rund um den Märchenbrunnen. Müller und Busmann, Wuppertal 2004, ISBN 3-928766-63-5.
  3. Klaus Peter Huttel: Wuppertaler Bilddokumente. Ein Geschichtsbuch zum 19. Jahrhundert in Bild und Text. 2 Bände. Born-Verlag, Wuppertal 1985, ISBN 3-87093-007-1.
  4. Lithographie
  5. Nicolaus Hocker: Die Großindustrie Rheinlands und Westfalens. Ihre Geographie, Geschichte, Production und Statistik (= Die Großindustrie Deutschlands. Bd. 1). Quandt & Händel, Leipzig 1867 (Nachdruck. Olms, Hildesheim u. a. 1987, ISBN 3-487-07873-2).
  6. Historische Informationen aus Wuppertal Stadt, Schwebebahn, Menschen, Firmen und vieles mehr (Memento vom 1. Mai 2003 im Internet Archive) Zugriff Januar 2009
  7. Vohwinkel im Jahr 1895 auf der Plankarte von Parnemann
  8. Herminghaus und Co. als Teil der Route Textil im Wuppertal

WeblinksBearbeiten