Hauptmenü öffnen

Wikipedia β

Basic Instinct

Film von Paul Verhoeven (1992)

Basic Instinct ist ein Erotikthriller des niederländischen Regisseurs Paul Verhoeven aus dem Jahr 1992. Die amerikanisch-französische Koproduktion sorgte mit ihren erotischen Szenen für Aufsehen und machte die Hauptdarstellerin Sharon Stone weltweit bekannt.

Filmdaten
Deutscher TitelBasic Instinct
OriginaltitelBasic Instinct
Basic instinct logo.png
ProduktionslandVereinigte Staaten,
Frankreich
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1992
Länge128 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
Stab
RegiePaul Verhoeven
DrehbuchJoe Eszterhas
ProduktionAlan Marshall
MusikJerry Goldsmith
KameraJan de Bont
SchnittFrank J. Urioste
Besetzung
Chronologie

Nachfolger →
Basic Instinct – Neues Spiel für Catherine Tramell

Inhaltsverzeichnis

HandlungBearbeiten

Der einstmals erfolgreiche Rocksänger Johnny Boz wird tot in seinem Haus in San Francisco gefunden. Mit einem weißen Seidenschal ans Bett gefesselt, wurde das Opfer beim Sex mit mehreren Dutzend Stichen mit einem Eispickel erstochen. Schnell steht die Freundin des Ermordeten, die schöne und reiche Schriftstellerin Catherine Tramell, im Fokus der polizeilichen Ermittlungen. Sie hat vor Monaten ein Buch veröffentlicht, in dem ein ehemaliger Rockstar mit einem Eispickel ermordet wird.

Detective Nick Curran ist fasziniert von der geheimnisvollen und eiskalten blonden Schönheit, die Männern wie Frauen nicht abgeneigt ist und anscheinend jedes Detail aus seiner Vergangenheit kennt. Curran lässt sich auf eine Affäre mit ihr ein. Catherine kündigt an, dass in ihrem nächsten Buch ein Polizist, der sich in die falsche Frau verliebt, das Zeitliche segnen werde. Nachdem Curran, der früher Drogenprobleme hatte, einen ermittelnden Beamten der Dienstaufsichtsbehörde angreift, wird er vom Dienst suspendiert.

Nach und nach stellt sich heraus, dass es mehrere ungeklärte, gewaltsame Todesfälle in Catherines Vergangenheit gab. Außerdem hatte Catherine im College ein Verhältnis mit Currans Ex-Freundin und Polizeipsychologin Beth. Currans Verdacht fällt zunehmend auf Beth. Als diese unmittelbar nach der Ermordung von Currans Partner am Tatort auftaucht, wird sie von Curran erschossen.

Als in Beths Wohnung belastendes Material gefunden wird, das auf die Psychologin als Täterin verweist, scheint der Fall abgeschlossen. In der letzten Szene liegen Curran und Catherine im Bett. Sie langt unter das Bett, zieht die Hand jedoch zurück, als sie bemerkt, dass Curran sie beobachtet. Während sie ihn küsst, fährt die Kamera unter das Bett, wo ein Eispickel liegt.

HintergrundBearbeiten

 
Das Team von Basic Instinct bei der Premiere in Cannes

Sharon Stone, die bereits in Verhoevens Science-Fiction-Thriller Die totale Erinnerung – Total Recall mitgewirkt hatte, bekam die Rolle der Catherine Tramell erst angeboten, nachdem Michelle Pfeiffer, Kim Basinger, Geena Davis, Ellen Barkin und Mariel Hemingway allesamt abgelehnt hatten.[2]

Schon bei Beginn der Dreharbeiten im April 1991 sorgte Paul Verhoevens Erotik-Thriller für Aufsehen. Der niederländische Regisseur hatte sich zuvor mit zahlreichen Schwulen- und Lesbenvereinigungen in San Francisco zusammengesetzt, um das skandalträchtige und drei Millionen US-Dollar teure Drehbuch von Joe Eszterhas (Music Box – Die ganze Wahrheit) zu entschärfen. Als diese jedoch forderten, Plot und Charaktere drastisch zu verändern, gab Verhoeven die Zusammenarbeit mit ihnen auf. Am ersten Drehtag kamen über 150 Demonstranten und machten mit ihren lautstarken Parolen das Filmen fast unmöglich. Die Produzenten klagten und erwirkten, dass sich die Demonstranten 300 Fuß (etwa 91 Meter) vom Set entfernt halten mussten. Zwei Dutzend Demonstranten durchbrachen die Absperrungen; sie wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen.[3]

Eszterhas erklärte sich bei einem Treffen mit Vertretern der Protestierenden im Hyatt Hotel in San Francisco zu Änderungen an seinem Drehbuch bereit; Verhoeven und die Produzenten lehnten dies kategorisch ab. Peter Hoffman, der Präsident der Produktionsfirma Carolco Pictures, nannte Eszterhas einen „wehleidigen Heuchler“. Eszterhas äußerte, die von ihm vorgeschlagenen Änderungen hätten aus Basic Instinct nicht nur dramaturgisch, sondern auch „in Hinblick auf seine gesellschaftliche Perspektive einen besseren Film gemacht“.[4]

Als der Skandalfilm im März 1992 in den US-Kinos anlief, kam es erneut zu massiven Protestaktionen, die von homosexuellen Gruppierungen sowie von NOW (National Organization for Women), der größten feministischen Organisation in den USA, unterstützt wurden. Demonstranten versuchten die Kinoeingänge zu blockieren und in ganzseitigen Anzeigen wurde zum Boykott des Films aufgerufen.[5]

Basic Instinct lief Anfang Mai 1992 im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Cannes. Kinostart in den Vereinigten Staaten war bereits am 20. März 1992. Der Film kam in Deutschland (am 21. Mai 1992) und anderen europäischen Ländern ungeschnitten in die Kinos kam; die amerikanische Kinoversion wurde um etwa eine Minute gekürzt. Auf späteren DVD-Veröffentlichungen waren die geschnittenen Szenen wieder enthalten. Der Film durchbrach in den Vereinigten Staaten die 100-Mio.-Dollar-Marke und spielte weltweit mehr als 350 Mio. Dollar ein.[6][7]

Der Film sorgte mit seinen freizügigen Sexszenen für Furore und Sharon Stone gelangte als Femme fatale über Nacht zu Weltruhm. Anlässlich des Deutschlandstarts titelte die Bild-Zeitung: „Der schweinischste Film aller Zeiten.“[8] Großen Bekanntheitsgrad erlangte die Szene, in der Stone während eines Verhörs die Beine übereinander schlägt und, weil sie nichts unter ihrem Kleid trägt, ein Sekundenbruchteil ihre Vulva zu sehen ist. Diese Szene war laut Verhoeven mit Stone so abgesprochen; Verhoeven behauptete in einem Interview, Stone habe ihm unmittelbar vor dem Dreh ihren Slip geschenkt. Stone dementierte; sie sei vom Regisseur vielmehr in Hinblick auf das, was auf der Leinwand tatsächlich zu sehen sein würde, hereingelegt worden. Verhoeven und Drehbuchautor Eszterhas bezichtigten Stone der Unehrlichkeit in Bezug auf die Szene.[9][10][11]

RezeptionBearbeiten

KritikenBearbeiten

„Effektvoll inszenierter Thriller, der sexuelles Verlangen und Gewalt verquickt und ein eher reaktionäres Weltbild propagiert. Das Spiel mit den seelischen Abgründen bleibt nur oberflächlich.“

Basic Instinct reiht sich in die Orgien von Brutalität und Menschenverachtung ein, die der Zuschauer von einem auf Hochglanz polierten amerikanischen Actionkino leider nur zu sehr und in steigendem Maße gewohnt ist. So gesehen bietet der Film absolut nichts Neues und Unerwartetes. Michael Douglas agiert wie vor 20 Jahren in der Fernsehserie Straßen von San Francisco. Einzig im Gedächtnis bleibt die wunderbar beherrschte und perfekt durchstilisierte Charakterstudie von Sharon Stone, die zu den Anthologiestücken der Frauendarstellungen in der amerikanischen Filmgeschichte besserer Zeiten hinzugezählt werden mag. Ihr hätte man ein angemesseneres Umfeld gewünscht.“

„Es geht in diesem in Hitchcockscher Manier nach dem Suspensemuster gestrickten Film weniger um plausibles Erzählen als vielmehr um die genau kalkulierte Fesselung des Publikums um raffiniert gestaltete Sex- und Gewaltszenen und ein vom „Total Recall“-Regisseur Paul Verhoeven routiniert eingebrachtes Handlungstempo.“

Zoom

„Kein Film sorgte 1992 weltweit für ähnlichen Wirbel wie Paul Verhoevens […] perfekter Erotikthriller um Obsessionen und menschliche Abgründe. Sharon Stone […] katapultierte sich mit ihrer mutigen und freizügigen Rolle als eiskalter Todesengel zu Starruhm. An ihrer Seite verblaßt selbst Superstar Michael Douglas […]. Bereits jetzt gelten die expliziten, explosiven Sexszenen als Klassiker, doch auch das kühn konstruierte Whodunnit und die schockierenden Gewaltmomente halten jeden Vergleich stand.“

VideoWoche[13]

NachwirkungBearbeiten

Der weltweite Erfolg von Basic Instinct zog eine große Anzahl weiterer Erotikthriller nach sich, darunter Phillip Noyces Sliver (1993), ebenfalls mit Sharon Stone in der Hauptrolle, oder Fair Game (1995) mit Cindy Crawford. Diese Filme konnten jedoch nicht an den Erfolg von Basic Instinct anknüpfen.

2005 entstand eine Fortsetzung unter dem Titel Basic Instinct – Neues Spiel für Catherine Tramell, in der Sharon Stone erneut in die Rolle der Catherine Tramell schlüpfte. Der Thriller, bei dem Michael Caton-Jones Regie führte und in weiteren Rollen David Morrissey, Charlotte Rampling und David Thewlis zu sehen waren, lief ab Ende März 2006 in den deutschen Kinos.

HörfilmBearbeiten

Im Jahr 2009 erstellte der Bayerische Rundfunk im Auftrag des Schweizer Fernsehens eine Audiodeskription für Fernsehausstrahlungen. Die Bildbeschreibungen werden von Thomas Meinhardt gesprochen.[14][15]

AuszeichnungenBearbeiten

Oscarverleihung 1993Bearbeiten

nominiert in den Kategorien:

  • Bester Schnitt
  • Beste Filmmusik

Golden Globe Awards 1993Bearbeiten

nominiert in den Kategorien:

  • Beste Hauptdarstellerin – Drama: Sharon Stone
  • Beste Filmmusik

MTV Movie Awards 1993Bearbeiten

  • Beste Schauspielerin: Sharon Stone
  • Begehrteste Schauspielerin: Sharon Stone

nominiert auch in den Kategorien:

  • Bester Film
  • Bester Schauspieler: Michael Douglas
  • Bestes Filmpaar: Michael Douglas und Sharon Stone

Saturn-Award-Verleihung 1993Bearbeiten

nominiert in den Kategorien:

  • Bester Horrorfilm
  • Beste Regie
  • Beste Hauptdarstellerin: Sharon Stone
  • Bestes Drehbuch
  • Beste Musik

Goldene Himbeere 1993Bearbeiten

nominiert in den Kategorien:

  • Schlechtester Schauspieler: Michael Douglas
  • Schlechteste Nebendarstellerin: Jeanne Tripplehorn
  • Schlechtester Newcomer: Sharon Stone (obwohl sie davor schon in zwei Dutzend Filmen mitgewirkt hatte)

RomanadaptionBearbeiten

  • Richard Osborne: Basic Instinct: Der Roman zum Film. Lübbe, Berg.-Gladbach 1992, ISBN 3-404-13444-3
  • Richard Osborne, Joe Eszterhas: Basic instinct. A novel. Penguin, New York 1992, ISBN 0-451-17243-4 (engl. Ausgabe)

LiteraturBearbeiten

  • Gebhard Hölzl, Thomas Lassonczyk: Sharon Stone: Mit „Basic Instinct“ zum Erfolg. Heyne, München 1995, ISBN 3-453-06551-4, S. 113–124, 230.
  • Oliver Jahraus, Stefan Neuhaus: Der erotische Film: Zur medialen Codierung von Ästhetik, Sexualität und Gewalt. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, ISBN 3-8260-2582-2, S. 107–130.
  • Anselm C. Kreuzer: Filmmusik – Geschichte und Analyse. Lang, Frankfurt 2003 ISBN 3-631-51150-7, S. 119–221.
  • Hans-Dieter König: Der in dem Film Basic Instinct inszenierte Geschlechterkampf. In: S. Müller-Doohm, K. Neumann-Braun (Hrsg.): Kulturinszenierungen. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995, S. 141–164.
  • Stefan Volk: Basic Instinct. In: Stefan Volk: Skandalfilme – Cineastische Aufreger gestern und heute. Schüren Verlag, Marburg 2011, S. 238–243.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Freigabebescheinigung für Basic Instinct. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Dezember 2012 (PDF; Prüf­nummer: 67 827 V).
  2. Bernard Weinraub: Basic Instinct: The Suspect Is Attractive, and May Be Fatal, The New York Times, 15. März 1992, abgerufen am 23. Dezember 2011.
  3. Vgl. Dokumentation auf der Doppel-DVD Basic Instinct. Kinowelt Home Entertainment, 2002.
  4. Vgl.:Stefan Volk: Skandalfilme. Cineastische Aufreger gestern und heute. Marburg 2011, S. 241.
  5. Vgl.:Stefan Volk: Skandalfilme. Cineastische Aufreger gestern und heute. Marburg 2011, S. 239 ff.
  6. Basic Instinct auf der Webseite der Internationalen Filmfestspiele von Cannes, abgerufen am 23. Dezember 2011.
  7. Basic Instinct in der Internet Movie Database.
  8. Zitiert nach:Stefan Volk: Skandalfilme. Cineastische Aufreger gestern und heute. Marburg 2011, S. 243.
  9. Peter Beddies: Was passierte mit Sharon Stones Slip?, Die Welt, Nr. 139, 18. Juni 2007, S. 29, abgerufen am 23. Dezember 2011.
  10. Sven Boedecker: Ich bin der Eispickel, SonntagsZeitung, 8. August 2004, S. 41.
  11. Liz Hodgson: The trouble with Sharon…, Evening Standard, 22. August 2000, abgerufen am 23. Dezember 2011.
  12. Basic Instinct. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins; abgerufen am 13. September 2017.
  13. mediabiz.de
  14. Basic Instinct in der Hörfilm-Datenbank des Hörfilm e. V.
  15. Ansage der Hörfilmversion