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Barkhausen (Porta Westfalica)

Ortsteil von Porta Westfalica

Barkhausen ist ein Stadtteil der Stadt Porta Westfalica im Kreis Minden-Lübbecke und gehört damit zu Ostwestfalen-Lippe im Bundesland Nordrhein-Westfalen.

Barkhausen
Koordinaten: 52° 15′ 14″ N, 8° 54′ 34″ O
Höhe: 55 m ü. NN
Fläche: 7,4 km²
Einwohner: 4276 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 578 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1973
Postleitzahl: 32457
Vorwahl: 0571
Karte
Lage von Barkhausen in Porta Westfalica

Der Stadtteil zählt 4276 Einwohner (Stand 2017)[1] und liegt als einziger Stadtteil im Nordwesten von Porta Westfalica und damit auf der linken Weserseite. Er liegt auf einer Höhe von 49 m ü. NN.

GeschichteBearbeiten

 
Gedenktafel für die Opfer des KZ-Außenlagers in Porta Westfalica

Barkhausen war bis zum 31. Dezember 1972 eine selbstständige Gemeinde im Amt Dützen im Kreis Minden. Ab den 1930er Jahren verwendete die Gemeinde den Namenszusatz „an der Porta“. Im Rahmen der Gebietsreform wurde Barkhausen am 1. Januar 1973 in die neugeschaffene Stadt Porta Westfalica eingemeindet.[2]

Ab 1893 war Barkhausen über eine Kleinbahn, die spätere elektrische Mindener Straßenbahn, mit Minden verbunden. Der Grund für diesen Bahnanschluss war das von 1882 bis 1886 errichtete Kaiser-Wilhelm-Denkmal und die darauf folgende Entwicklung des Bereiches um das Hotel Kaiserhof zum Ausflugsziel. Seit 1954 bestand an der Straßenbahn-Endstelle Porta Anschluss an den Oberleitungsbus Minden, der über die Weser zum Bahnhof Porta Westfalica und weiter nach Hausberge an der Porta führte. Gedacht war an einen Ersatz der eingleisigen Straßenbahn durch eine Obus-Strecke; der Bahn-Einstellung 1959 folgte jedoch ein Betrieb mit Dieselbussen. Der Obus-Betrieb wurde in den 1960er Jahren eingestellt.

In der Zeit des Nationalsozialismus gab es in Barkhausen zwischen März 1944 und April 1945 das KZ-Außenlager Porta Westfalica des KZ Neuengamme. Das Lager befand sich in dem von der SS beschlagnahmten Festsaal des Hotel Kaiserhof, in dem etwa 1500 Häftlinge aus verschiedenen Ländern untergebracht waren. Diese arbeiteten hauptsächlich daran, unterirdische Produktionsstätten für die Rüstungsindustrie im Jakobsberg zu schaffen.[3]

ArchäologieBearbeiten

Auf dem bis 2008 unbebauten Flurstück „Auf der Lake“ fanden 2008–2012 im Vorfeld der Bebauung archäologische Ausgrabungen statt, die menschliche Spuren von der Bronzezeit bis in die jüngste Zeitgeschichte aufdeckten.

 
Ausgrabungen auf dem unbebauten Flurstück „Auf der Lake“, im Hintergrund der Wittekindsberg mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal, 2008

Am Westrand des Areals fand sich innerhalb eines bronzezeitlichen Urnengräberfeldes eine für Westfalen ungewöhnlich reiche Bestattung eines Mannes mit einem Bronzeschwert aus der Zeit ca. 1200 bis 1100 v. Chr. Zu den Beschlägen seiner Schwertscheide gibt es Vergleichsstücke im nördlichen Niedersachsen und in Mecklenburg-Vorpommern. Einer früheisenzeitlichen Brandbestattung aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. diente eine ca. 17 cm hohe bronzene Rippenziste als Urne, die ursprünglich wohl in Oberitalien angefertigt worden war.[4]

Vom Römerlager Porta Westfalica zeugten zahlreiche Funde, insbesondere Münzen und Metallobjekte wie z. B. römische Schuhnägel.[5][6]

Im 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. wurde ein kleines sächsisches Gräberfeld angelegt.[7] Zahlreiche andere metallene Kleinfunde, u. a. Geschosskugeln aus Blei, und Gruben mit Brandresten stammen von einem Landsknechtslager aus dem Dreißigjährigen Krieg, das vermutlich mit der Belagerung von Minden im Jahr 1634 zusammenhängt. Der jüngste archäologische Befund ist eine gut erhaltene britische Telefonleitung, die unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs angelegt worden war, jedoch seit langem nicht mehr in Funktion war. Ein von interessierten Bürgern gegründeter Verein präsentiere die Ergebnisse der Grabungen in Barkhausen.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Kaiser-Wilhelm-Denkmal

Eine überregional bekannte touristische Sehenswürdigkeit ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Wittekindsberg, welches neben dem Fernsehturm als Wahrzeichen der Stadt Porta Westfalica dient. Ebenfalls auf diesem Berg befindet sich die Wittekindsburg. Sehenswert ist außerdem ein ehemaliges Herrenhaus an der Bundesstraße 61, das Gut Wedigenstein. Im nördlichen Stadtteilgebiet liegt der Baltus See.

VerkehrBearbeiten

Bis zum Bau des Weserauentunnels führte die B 61 durch den Kern des Stadtteils. Die Weserbrücke Porta verbindet den Stadtteil mit dem Stadtteil Hausberge.

Busverbindungen bestehen nach Minden und über das Zentrum in Hausberge bis nach Eisbergen.

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Fritz W. Franzmeyer: Die Porta links der Weser: 2000 Jahre Geschichte und Geschichten aus dem Raume Aulhausen-Barkhausen. Berlin: Franzmeyer und Löhl, 2002; ISBN 3-00-008655-2. Norderstedt: Books on Demand, 2013; ISBN 978-3-7322-0890-6 (Chronik)
  • Robert Kauffeld, Fritz W. Franzmeyer, Hans Rösler: Als Unser Omma noch klein war: Bilder aus dem alten Barkhausen an der Porta. Berlin: Franzmeyer und Löhl, 2003; ISBN 3-9809268-0-X (Bildband)
  • Fritz W. Franzmeyer, Robert Kauffeld: Und der Willem schaute gelassen zu – Berichte und Anekdoten aus dem bewegten Barkhauser Leben vergangener Tage. Porta Westfalica: Autorengemeinschaft Franzmeyer-Kauffeld, 2005; DNB 974297054 (Erzählungen)
  • Rainer Fröbe: „Vernichtung durch Arbeit“? KZ-Häftlinge in Rüstungsbetrieben an der Porta Westfalica in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs. In: Joachim Meynert, Arno Klönne (Hrsg.): Verdrängte Geschichte: Verfolgung und Vernichtung in Ostwestfalen 1933–1945. Bielefeld: AJZ, 1986; ISBN 3-921680-55-7; S. 221–297

WeblinksBearbeiten

  Commons: Barkhausen (Porta Westfalica) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b SV Porta Westfalica - Ortsteile. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  2. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 326.
  3. Das Lager im Kaiserhof / Barkhausen. In: www.gedenkstaette-porta.de. Abgerufen am 22. Mai 2016.
  4. Hannelore Kröger, Eugen Müsch: Wertvoll - die Rippenziste aus Porta Westfalica-Barkhausen. Archäologie in Westfalen-Lippe 2010 (2011), S. 265–268.
  5. Bettina Tremmel: Augusteische Marschlager in Porta Westfalica-Barkhausen. Archäologie in Westfalen-Lippe 2009 (2010), S. 45–47.
  6. Bettina Tremmel: Augusteische Marschlager in Porta Westfalica-Barkhausen „Auf der Lake“. Archäologie in Westfalen-Lippe 2010 (2011), S. 79–81.
  7. Werner Best: Perlen und Schwerter - frühmittelalterliche Körpergräber aus Barkhausen. Archäologie in Westfalen-Lippe 2010 (2011), S. 115–118.