Bardi (Adelsgeschlecht)

Adelsgeschlecht

Die florentinischen Bardi waren eine der bedeutendsten Bankiersfamilien der Wirtschaftsgeschichte mit Ursprung im 12. Jahrhundert. Sie gehörten zu den typischen patrizischen Kaufmannsgeschlechtern des oberitalienischen Stadtadels.

Wappen der Bardi

GeschichteBearbeiten

Die Bardi (der Name leitet sich vom keltischen Wort Barde ab) sollen schon im 10. Jahrhundert in Florenz ansässig gewesen sein. Die Bardi finanzierten zwischen 1250 und 1345 mit der Compagnia dei Bardi die Könige von Frankreich und England und hatten Niederlassungen in ganz Europa. Durch die Koordinierung von finanziellen und politischen Aktivitäten wurden sie zum führenden Bankhaus. Die Bank organisierte die finanzielle Abwicklung des päpstlichen Zehnten.[1]

Bartolo de' Bardi wurde 1282 Prior von Florenz. Simone de’ Bardi heiratete 1287 die Bankierstochter Beatrice Portinari, eine Jugendbekannte des Dichters Dante Alighieri. Im Alter von 24 Jahren starb sie während einer Epidemie. Dante lässt in seinem Erstlingswerk Vita Nova den Ich-Erzähler die inneren Wandlungen schildern, die er in der Folge seiner ersten kindlichen Begegnung mit Beatrice durchlebt, welche er seitdem und über den Tod hinaus verehrt. In seiner Göttlichen Komödie ist es die im Himmel weilende Figur der Beatrice, die den Dichter Vergil beauftragt, den Ich-Erzähler (Dante) durch die Höllenkreise und das Purgatorium zu führen, während sie selbst ihn durch die neun himmlischen Sphären führt.

 
Palazzo Bardi in der Via Santo Spirito

1332 erwarb Piero di Gualterotto Bardi für 10.000 fl. Stadt und Burg Vernio in der Toskana von den Grafen Alberti aus Prato, in deren Familie er eingeheiratet hatte. Es bildete sich der Zweig der Bardi di Vernio, die auch den 1164 von Kaiser Friedrich Barbarossa mit dem Besitz verbundenen Grafentitel annahmen. Als Wohnsitz in Florenz kauften die Bardi di Vernio den Palazzo Bardi in der Via Santo Spirito 14, der zuvor den Capponi gehört hatte, und den sie erheblich erweiterten.

 
Palazzo Bardi-Larioni-Canigiani in der Via de' Bardi

Die meisten Familienzweige waren in der Via de' Bardi im Stadtteil Oltrarno, links des Arno, ansässig, insbesondere im Palazzo Bardi-Larioni (später Canigiani genannt) in der Via de' Bardi 28-30, der gegen Ende des 14. Jahrhunderts gebaut wurde. Noch 1427 besaßen sie 60 Häuser in der Stadt, davon 45 in Oltrarno, die meisten von den zahlreichen Familienzweigen selbst bewohnt, darunter auch den Palazzo Bardi alla Postierla und den Palazzo Bardi-Tempi.

Beim antipatrizischen Aufstand von 1343 wurden zahlreiche Häuser der Bardi geplündert. Zwei Jahre später, 1345, ging das Kreditinstitut Compagnia dei Bardi in Insolvenz. Die Unterstützung des englischen Königs Eduard III. (1327–1377) mit einem Kredit in Höhe von 900.000 Goldfiorentini im Hundertjährigen Krieg gegen Frankreich (1337–1453) erwies sich als Nachteil[2], als der König die Zahlungen einstellte. Ebenfalls betroffen war die Familie Peruzzi, die sich mit 600.000 Fiorentini engagiert hatte. Es kam daher im Mai 1345 sogar zu einem bewaffneten Zusammenstoß zwischen den beiden konkurrierenden Familien. Mit dem mächtigen Adelsgeschlecht der Buondelmonti hatten die Bardi hingegen bereits 1342 Frieden geschlossen, den 130 männliche Familienmitglieder vor einem Notar beschworen. Laut dem Geschichtsschreiber und Peruzzi-Teilhaber Giovanni Villani wogen die ausgefallenen Kredite "ein Königreich auf".

Trotz finanzieller Probleme konnten die Bardis hohe Positionen erlangen wie etwa Botschafterposten in Rom. Nach dem Zusammenbruch bauten sie ihr Bankgeschäft jedoch wieder auf, allerdings nicht mit dem früheren Umfang und Erfolg. Sie stellten auch finanzielle Mittel für die Entdeckungsreisen von Columbus und Cabot bereit.[3] Um 1413/1415 heiratete Contessina de' Bardi den mächtigen Bankier Cosimo de’ Medici, mit dessen Familie Medici die Bardi schon in früheren Generationen verschwägert waren.

 
Palazzo Bardi in der Via de' Benci

1482 erwarb Giovanni de' Bardi den Palazzo Bardi in der Via de' Benci 5, der bis zum Erlöschen der Familie 1964 in deren Besitz verblieb. Sein Neffe Agnolo ließ ihn im Renaissancestil modernisieren.

 
Giotto-Fresken in der Bardi-Kapelle von Santa Croce
 
Die Berliner Madonna Bardi von Botticelli

In der Franziskanerkirche Santa Croce stifteten die Bardi, wie viele andere Kaufmannsfamilien, eine Grabkapelle, die Bardi-Kapelle, die 1315–20 von Giotto und seiner Schule mit Fresken ausgemalt wurde. Ende des 15. Jahrhunderts beauftragte Agnolo Bardi bei Sandro Botticelli das berühmte Altarbild der Madonna Bardi für die Familienkapelle in Santo Spirito, das sich heute in der Gemäldegalerie Berlin befindet.[4] Von etwa 1576 bis 1600 versammelte sich um den Grafen Giovanni de’ Bardi der Künstlerkreis der Florentiner Camerata.

Die Familie Bardi erlosch im Hauptstamm mit dem Grafen Pier Maria Bardi im Jahr 1810. Erben, unter anderem des Palazzo Bardi in der Via Santo Spirito 14, wurden die Florentiner Marchesi di Guicciardini. Der Seitenzweig der Grafen Bardi von Vernio hingegen erlosch erst 1964 mit Alberto Bardi Serzelli, der sein Vermögen, darunter den Palazzo Bardi in der Via de' Benci 5 der Familie seiner Schwester, den Marchesi Della Volta aus Genua vermachte, während ein Großteil seiner Gemäldesammlung in die Uffizien kam.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Edwin S. Hunt, The Medieval Super-Companies: A Study of the Peruzzi Company of Florence, S. 39 (engl.)
  • Guidi-Bruscoli, F. (2012). "John Cabot and his Italian financiers*". Historical Research 85 (229): S. 372–393. (engl.)
  • Grazia Pernis, M.; Schneider Adams, L. (2008). Romaniello, M. P., ed. "Lucrezia Tornabuoni de' Medici and the Medici Family in the Fifteenth Century". The Historian 70 (2): S. 389–390 (engl.)

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wilhelm Berdrow, Buch Berühmter Kaufleute, Männer von Tatkraft und Unternehmungsgeist in ihrem Lebensgange geschildert, S. 5 ff., Springer-Verlag, 11. November 2013
  2. Ephraim Russell, British History Online, The societies of the Bardi and the Peruzzi and their dealings with Edward III, S. 93–135 (engl.)
  3. Angelika Franz, Spiegel Online, Ausgegraben - Neues aus der Archäologie: Italiener finanzierten Entdeckung Nordamerikas, Artikel vom 6. Mai 2012
  4. Madonna Bardi