Hauptmenü öffnen

Barciany [barˈtɕanɨ] (deutsch Barten, litauisch Barčianiai) ist ein Ort und Sitz der Landgemeinde Barciany im Powiat Kętrzyński (Kreis Rastenburg) der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Barciany
Wappen von Barciany
Barciany (Polen)
Barciany
Barciany
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Kętrzyn
Geographische Lage: 54° 13′ N, 21° 21′ OKoordinaten: 54° 13′ 9″ N, 21° 21′ 12″ O
Höhe: 68 m n.p.m.
Einwohner: 1154 (2011)
Postleitzahl: 11-410
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NKE
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DW 590: BiskupiecReszelKorsze → Barciany
DW 591: MrągowoKętrzynMichałkowo
Schienenweg: kein Bahnanschluss
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Landgemeinde
Gminagliederung: 71 Ortschaften
23 Schulzenämter
Fläche: 294,00 km²
Einwohner: 6384
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 22 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2808022
Verwaltung (Stand: 2015)
Gemeindevorsteher: Ryszard Kozyra[2]
Adresse: ul. Wojska Polskiego 7
11-410 Barciany
Webpräsenz: www.barciany.pl



Geographische LageBearbeiten

Die Ortschaft liegt am Flüsschen Liebe (polnisch Liwna) in der historischen Region Ostpreußen, etwa 75 Kilometer nordöstlich von Olsztyn (deutsch Allenstein) und 16 Kilometer nördlich der Kreisstadt Kętrzyn (Rastenburg).

Ort Barciany (Stadt Barten)Bearbeiten

 
Barten nordöstlich von Allenstein und nördlich von Rastenburg auf einer Landkarte von 1908
 
Pfarrkirche im gotischen Baustil (bis 1945 evangelisch)
 
Nordseite der Pfarrkirche (Aufnahme 2009)

GeschichteBearbeiten

OrtsnameBearbeiten

Der Ortsname wurde 1353 als „zu Barten“[3] erwähnt und erhielt erst 1880 die Namen Barciany, Barty, Borty, Barthen und Barten. Der Name erinnert an den prußischen Stamm der Barten, die im Mittelalter in dieser Landschaft lebten. Er leitet sich von prußisch „bar, bart“: fließen, schnell strömen ab.

OrtsgeschichteBearbeiten

Im 14. Jahrhundert erhielt die Siedlung eine eigene Kirche, und die Ordensburg Barten des Deutschen Ordens wurde erbaut. Beide sind noch heute erhalten. Der Ordenspfleger von Barten war dem Ordenskomtur von Brandenburg unterstellt.[4] Im Schloss befand sich im 19. Jahrhundert der Sitz des Domänenamts.[5]

1630 erhielt der Ort Stadtrechte, konnte sich abseits der wichtigen Verkehrsströme jedoch kaum entwickeln. Mit 1488 Einwohnern im Jahr 1885 bzw. 1541 Einwohnern im Jahr 1939[6] blieb Barten eine kleine Ackerbürgerstadt, obwohl sie seit Beginn des 20. Jahrhunderts durch Kleinbahnen mit der Kreisstadt Rastenburg, der Nachbarkreisstadt Gerdauen und auch mit Nordenburg verbunden war. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Barten eine evangelische Kirche und ein Amtsgericht.[7]

Bis 1945 gehörte Barten zum Landkreis Rastenburg im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Im Sommer 1945 wurde Barten von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt. Die Polen führten für Barten die Ortsbezeichnung Barciany ein.

Der Ort verlor seine Stadtrechte, ist heute jedoch Zentrum einer größeren Gemeinde, der Gmina Barciany im Powiat Kętrzyński (Kreis Rastenburg). Dieser ist etwas größer als der frühere Landkreis Rastenburg und der unter anderem auch die Stadt Reszel (Rößel) beinhaltet.

EinwohnerzahlenBearbeiten

Jahr Einwohner Anmerkungen
1782 über 1200 [8]
1802 1335 [9]
1810 1332 [9]
1816 1242 darunter 1238 Evangelische, drei Katholiken und ein Jude[9]
1821 1505 [9]
1831 1537 [5]
1858 1543 davon 1511 Evangelische und 32 Katholiken (keine Juden)[10]
1864 1690 am 3. Dezember[11]
1871 1734 [12]
1885 1488 [6]
1900 1401 fast nur Evangelische[7]
1910 1221 am 1. Dezember[13]
1933 1473 [6]
1939 1651 [6]
2011 1154 [14]

Amtsbezirk Barten, Domäne (1874–1929)Bearbeiten

Am 30. April 1874 wurde der Amtsbezirk Barten, Domäne errichtet.[15] Er existierte bis 1929 und gehörte zum Kreis Rastenburg im Regierungsbezirk Königsberg in der preußischen Provinz Ostpreußen. Zum Anmtsbezirk gehörten:

Deutscher Name Polnischer Name Bemerkungen
Barten, Domäne (Barciany) 1928 in die Stadtgemeinde Barten eingegliedert
Barten, Amtsfreiheit 1880 in die Stadtgemeinde Barten eingegliedert
Freudenberg Radosze
Taborwiese Taborzec

Nach dem Wechsel des Gutsbezirks Domäne Barten in die Stadtgemeinde Barten wurde der Amtsbezirk am 22. Juni 1929 in „Amtsbezirk Taborwiese“ umbenannt. Zu ihm gehörten bis 1945 nur noch die Orte Freudenberg und Taborwiese.

OrdensburgBearbeiten

KirchenBearbeiten

KirchengebäudeBearbeiten

Römisch-katholische PfarrkircheBearbeiten

Bei der Kirche[16] in Barciany handelt es sich um einen Saalbau aus dem Jahr 1389. Die südlich angebaute Sakristei wurde 1400 mit einem Tonnengewölbe versehen. Den Ostgiebel hat man 1714 umgebaut, und die zusätzliche südliche Vorhalle (neben der im Norden) mit neuem geripptem Kreuzgewölbe entstand 1783. Der Turm aus dem 16. Jahrhundert wurde von 1729 bis 1741 durch Maurermeister Hünchen und Zimmermann Effried aus Königsberg (russisch: Kaliningrad) wieder aufgebaut und erhielt das heutige Dach 1804.

Der Innenraum der Kirche wurde ursprünglich durch ein Gewölbe, heute von einer Holzdecke abgeschlossen. 1989/90 fand eine umfangreiche Innenrenovierung statt. Markante Ausstattungsstücke sind der Altar mit dem Wappen der Familie von Rautter aus dem Jahr 1643, die Orgel – ein Werk aus dem Jahr 1750 von Adam Gottlob Casparini aus Königsberg, und zwei – nicht mehr vorhandene – Kronleuchter, die beide wohl ein Geschenk der Zarin Elisabeth waren.

Von der Reformation bis zum Jahr 1945 war die Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Es wurde zugunsten der römisch-katholischen Kirche enteignet und erhielt 1962 eine neue Weihe mit der Namensgebung Niepokalanego Serca Maryi („Unbeflecktes Herz Mariä“).

Griechisch-katholische PfarrkircheBearbeiten

Heute gibt es in Barciany neben der römisch-katholischen Pfarrkirche noch eine griechisch-katholische Pfarrkirche, die den byzantinisch-ukrainischen Ritus pflegt.

Evangelisch-lutherische KapelleBearbeiten

Seitens der evangelisch-lutherischen Kirche existiert in Barciany eine kleine Kapelle an der ul. Mazurska. Am 26. Oktober 1991 wurde sie durch Bischof Jan Szarek eingeweiht.[17] Die Gemeinde gehört zur Pfarrkirche St. Johannes in Kętrzyn (Rastenburg) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

KirchengemeindenBearbeiten

In Barten lebte vor 1945 eine überwiegend evangelische Einwohnerschaft. Das Kirchspiel war in den Kirchenkreis Rastenburg (polnisch: Kętrzyn) innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert.

Seit 1945 leben fast ausnahmslos katholische Christen in Barciany, von denen die Mehrzahl der Römisch-katholischen Kirche in Polen zugehören. Ihre Pfarrei Barciany gehört zum Dekanat Kętrzyn II – Północny-wschód (Rastenburg II, Nordost) im Erzbistum Ermland.

Daneben besteht in Barciany eine Pfarrei der Griechisch-katholischen Kirche in Polen, die in die Erzeparchie Przemyśl-Warschau eingegliedert ist.

Seitens der ehedem vorherrschenden evangelischen Kirche gibt es nach Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung heute wieder eine kleine Kirchengemeinde in Barciany, die der Muttergemeinde in Kętrzyn (Rastenburg) innerhalb der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen angegliedert ist.

VerkehrBearbeiten

Beim Ort befindet sich der Schnittpunkt der beiden Woiwodschaftsstraßen DW 590 (Biskupiec (Bischofsburg)Reszel (Rößel)Korsze (Korschen) – Barciany) und der DW 591 (Michałkowo (Langmichels)Kętrzyn (Rastenburg)Mrągowo (Sensburg)). Aus der Region kommend enden die Nebenstraßen von Mołtajny (Molthainen) über Bobrowo (Bieberstein) sowie von Taborzec (Taberwiese) in Barciany.

Eine Bahnanbindung besteht nicht mehr, seit die früheren Bahnstrecken Barten–Rastenburg (heute polnisch: Kętrzyn), Barten–Gerdauen (heute russisch: Schelesnodoroschny) und Barten–Nordenburg (russisch: Krylowo), die von den Rastenburger Kleinbahnen betrieben wurden, nach 1945 außer Betrieb genommen wurden.

PersönlichkeitenBearbeiten

Aus dem Ort gebürtigBearbeiten

  • Leo Cholevius (* 11. März 1814 in Barten), Philologe und Literaturhistoriker († 1878)
  • Gustav Dömpke (* 1853 in Barten), Musikkritiker in Königsberg und Wien († 1923)
  • Karl-Heinz Kurras (* 1. Dezember 1927 in Barten), deutscher Polizist, Todesschütze und Stasi-Mitarbeiter († 2014)
  • Lubomir Gliniecki (* 20. März 1957 in Barciany), polnischer Politiker, Ökonom und stellvertretender Abgeordneter des Sejm

Gmina BarcianyBearbeiten

 
Wappen der Gmina
 
Die Lage der Gmina im Powiat Kętrzyński

AllgemeinesBearbeiten

Die Landgemeinde Barciany liegt in der nördlichen Mitte des Powiat Kętrzyński. Sie grenzt im Norden an die Gorodskoje posselenije Schelesnodoroschnoje (Stadtgemeinde Schelesnodoroschny (Gerdauen)) in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)), im Nordwesten an die Gmina Sępopol (Schippenbeil), im Südwesten an die Gmina Korsze (Korschen), im Süden an die Gmina Kętrzyn (Rastenburg) und im Osten an die Gmina Srokowo (Drengfurth).

Die Gemeindefläche von 293,62 km² wird zu 82 % landwirtschaftlich und zu 8 % forstwirtschaftlich genutzt. Flächenmäßig macht die Gmina Barciany 24,21 % der Fläche des Powiat Kętrzyński aus.

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Landgemeinde Barciany gehören folgende Ortschaften:

Polnischer Name Deutscher Name (bis 1945) Polnischer Name Deutscher Name (bis 1945)
Aptynty Aftinten Modgarby Modgarben
Arklity Arklitten Mołtajny Molthainen, 1938–45: Molteinen
Asuny Assaunen Momajny Momehnen
Barciany Barten Moruny Maraunen
Błędowo Blandau Niedziałki Fünfhuben
Bobrowo Bieberstein Niedziały Elisenthal
Cacki Schätzelshöfchen Ogródki Baumgarten
Czaczek Schätzels Pastwiska Milchbude
Dębiany Dombehnen Pieszewo Petermanns
Dobrzykowo Dawerwalde Piskorze Ludwigshöhe
Drogosze Dönhofstädt Podławki Podlacken
Duje Doyen, 1938–45: Dugen Radoski Dwór Freudenbergswalde
Frączkowo Fritzendorf Radosze Freudenberg
Garbnik Garbnick Rodele Rodehlen
Garbno Laggarben Rowy Rawlack
Gęsie Góry Sansgarben Ruta Rauttershof
Gęsiki Meistersfelde Rutka Rauttersfelde
Gęsiniec Wielki Rzymek Romberg
Glinka Friedrichswiese Silginy Sillginnen
Główczyno Egloffstein Skandawa Skandau
Górki Berg Skierki Wehlack
Gradowo Althagel Skoczewo Hermannshof
Gumniska Silzkeim Sławosze Henriettenfeld
Kąpławki Kamplack Solkieniki Solknick
Kiemławki Małe Klein Kemlack Staniszewo Albertinhausen
Kiemławki Wielkie Groß Kemlack Stary Dwór Barciański Althof Barten
Kolwiny Kolbiehnen Suchawa Sausgörken
Kotki Krausen Święty Kamień Heiligenstein
Krelikiejmy Kröligkeim Szaty Wielkie Groß Schatten
Krymławki Krimlack Taborzec Taberwiese
Krzeczewo Sonnenburg Wielewo Willkamm
Kudwiny Kudwinnen Wilkowo Małe Klein Wolfsdorf
Maciejki Blumenthal Wilkowo Wielkie Groß Wolfsdorf
Markuzy Markhausen Winda Wenden
Markławka Marklack Zalewska Góra
Michałkowo Langmichels

LiteraturBearbeiten

  • Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 284–287.
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 18, Nr. 3).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 514–515, Nr. 114.
  • Lotar Weber: Ueber die Gränzen von Barten. In: Neue Preußische Provinzial-Blätter. Vierte Folge, Band 13, Königsberg i. Pr. 1876, S. 222–226.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Barciany – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  Commons: Gmina Barciany – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Website der Gemeinde, Władze, abgerufen am 18. Februar 2015
  3. Geschichte von Barciany – Barten
  4. Johannes Voigt: Geschichte Preußens von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Herrschaft des Deutschen Ordens. Band 6: Die Zeit des Hochmeisters Konrad von Jungingen, von 1393 bis 1407. Verfassung des Ordens und des Landes. Königsberg 1834, S. 547.
  5. a b August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 514–515, Nr. 114.
  6. a b c d Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Rastenburg. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 2, Leipzig/Wien 1905, S. 401.
  8. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 18, Nr. 3).
  9. a b c d Alexander August Mützell, Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z. Halle 1823, S. 250–251, Ziffer 33.
  10. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Königsberg, nach amtlichen Quellen. Hartung, Königsberg 1861, S. 204, Ziffer 11.
  11. Preußisches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Königsberg. Berlin 1966, Kreis Rastenburg, S. 2, Ziffer 7.
  12. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 15–16, Ziffer 8.
  13. Gemeindeverzeichnis Deutschland 1900 – Landkreis Rastenburg.
  14. Wieś Barciany w liczbach
  15. Rolf Jehke, Amtsbezirk Domäne Barten
  16. Kirche in Barten bei ostpreussen.net
  17. Pfarreien/Ev.-luth. Kapelle Barciany