Bandarban (Distrikt)

Distrikt in Bangladesch

Koordinaten: 21° 29′ N, 92° 14′ O

Distrikt Bandarban
Lage
Basisdaten
Staat Bangladesch
Division Chittagong
Sitz Bandarban
Fläche 4479 km²
Einwohner 388.335 (2011)
Dichte 87 Einwohner pro km²
ISO 3166-2 BD-01
Webauftritt bandarban.gov.bd

Der Distrikt Bandarban (Bengalisch: বান্দরবান জেলা, Bāndarabān jelā) ist eine Verwaltungseinheit im südöstlichen Bangladesch, die innerhalb der Division Chittagong liegt. Die im nördlichen Teil des Distrikts liegende Hauptstadt heißt ebenfalls Bandarban. Der Distrikt hat 388.335 Einwohner (Volkszählung 2011).

GeografieBearbeiten

Der 4479 km² große Distrikt ist der südliche Teil der Bergregion Chittagong Hill Tracts und entstand erstmals 1900. Er grenzt im Norden und Osten an den Nachbardistrikt Rangamati und die Provinzen Rakhaing und Chin des östlichen Nachbarlandes Myanmar, im Süden an den Fluss Naf und im Westen an die nationalen Distrikte Chittagong und Cox’s Bazar. Die wichtigsten Flüsse des zu zwei Drittel von Wäldern und Bergen dominierten Distrikts sind der Bakkhali, Matamuhuri und der Shankha (Sangu). Die vier Hauptgebirge Bandarbans sind Meranja, Wailatong, Tambang und Politai.

Im Distrikt Bandarban befindet sich der höchste Berg Bangladeschs. Es ist jedoch noch ungeklärt, ob dies der Keokradong im Südosten der Upazila Ruma oder aber der Mowdok Mual in der Upazila Thanchi ist.

Natur und TierweltBearbeiten

Die natürliche Vegetation besteht aus Regenwäldern, Laubwäldern, Bambuswäldern, Farnen und Grasland.

Zur Tierwelt gehören Elefanten, Leoparden, Wildkatzen, wilde Hunde und mehr als 600 verschiedene Vogelarten. Flora und Fauna entsprechen derjenigen des Nachbarstaats Myanmar und nicht der indischen Pflanzenwelt und Tierwelt.

Häufig werden Agrarflächen durch Brandrodung (bengalisch Jhum) geschaffen. Dies und die Bodenerosion in Gebieten mit Entwaldung sind die Hauptgründe für die Veränderung der Landschaft.

KlimaBearbeiten

Die Temperaturen schwanken zwischen 12,5° C und 37° Celsius. Die durchschnittliche jährliche Regenmenge beträgt 3031 mm. Die durchschnittliche Luftfeuchtigkeit beträgt um die 70 %. In den Monaten von November bis März fällt wenig Regen. Juni, Juli und August sind die Monate mit dem meisten Regen.

GeschichteBearbeiten

Im 9. Jahrhundert war das Gebiet ein Teil des Königreichs von Arakan. Später im Mittelalter gehörte es als Vasallengebiet Mrauk U zum Sultanat von Bengalen und danach zum Mogulreich. Zeitweise wurde die Region allerdings auch vom Königreich Arakan und vom Fürstenstaat Tippera (auch Tripura genannt) beherrscht. Von 1666 an zahlten die örtlichen Herrscher Tribut an das Mogulreich. Das geschwächte Mogulreich überliess das Gebiet 1760 den Briten. Von da an bis 1860 beschränkten sich diese auf die Zahlung von jährlichen Abgaben. Das Gebiet wurde 1860 Teil der Präsidentschaft Bengalen. Doch konnte das Gebiet des heutigen Distrikts Bandarban erst 1891 endgültig unterworfen werden. Danach war es Teil des Gebiets Chittagong Hill Tracts. Seit der Unabhängigkeit von den Briten war es Teil von Ostpakistan, das 1971 zu Bangladesch wurde. Die Bergvölker standen im Unabhängigkeitskrieg von Ostpakistan (heute Bangladesch) eher zum bisherigen Staat Pakistan, da sie den starken bengalischen Druck in ihre Siedlungsgebiete verringern wollten. Der Distrikt entstand 1959 durch Aufspaltung des bisherigen Distrikts Chittagong Hill Tracts in verschiedene Unterdistrikte. Er besteht in seiner heutigen Form seit dem Jahr 1981.

BevölkerungBearbeiten

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Wie überall in Bangladesch wächst die Einwohnerzahl im Distrikt seit Jahrzehnten stark an. Ein spezielles Problem für die einheimische Bevölkerung ist die Zuwanderung von zahlreichen Bengalen. Weniger als die Hälfte der Bevölkerung sind im Distrikt geboren.

AltersstrukturBearbeiten

Wie überall in Bangladesch ist die Bevölkerung im Durchschnitt sehr jung. Das Durchschnittsalter lag bei der letzten Volkszählung 2011 bei 19,95 Jahren bei leicht steigender Tendenz.

Bei der Volkszählung im Jahr 2011 ergab sich folgende Altersstruktur:

Alter 0–9 Jahre 10–19 Jahre 20–29 Jahre 30–39 Jahre 40–49 Jahre 50–59 Jahre 60–69 Jahre 70–79 Jahre 80 Jahre und mehr
Anzahl 109.163 79.036 70.601 51.619 35.107 22.033 12.560 5767 2449
Anteil 28,11 % 20,35 % 18,18 % 13,29 % 9,04 % 5,67 % 3,23 % 1,48 % 0,63 %
Quelle: Zila Bandarban, Tabelle P14, Seite 320

Bedeutende OrteBearbeiten

Einwohnerstärkste Ortschaft innerhalb des Distrikts ist der Distriktshauptort Bandarban. Die einzige weitere Stadt (Town) ist Lama. Doch gibt es mit Alikadam und Naikhongchhari noch zwei weitere Orte ohne Stadtrecht mit mehr als 10000 Einwohnern. Die städtische Bevölkerung macht nur 25,86 Prozent der gesamten Bevölkerung aus. Die Hauptorte der sieben Upazilas haben folgende Einwohnerzahlen:

Bevölkerung des Distrikts nach GeschlechtBearbeiten

Wie in vielen Teilen Bangladeschs ist der Anteil der weiblichen Bevölkerung niedriger als die Anzahl männlicher Bewohner.

Verteilung der Bevölkerung nach Geschlecht im Distrikt Bandarban
Volkszählung 1974 Volkszählung 1981 Volkszählung 1991 Volkszählung 2001 Volkszählung 2011
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
GESAMT 116.426 100 % 171.478 100 % 230.569 100 % 298.120 100 % 388.335 100 %
Männer 61.519 52,84 % 94.006 54,82 % 125.730 54,53 % 162.133 54,39 % 203.350 52,36 %
Frauen 54.907 47,16 % 77.472 45,18 % 104.839 45,47 % 135.987 45,61 % 184.985 47,64 %
Quelle: Zila Bandarban bei der Volkszählung 2011, Tabelle PT-02, Seite 17

VolksgruppenBearbeiten

Es gibt immer mehr bengalische Zuwandernde. Diese stellen heute die Bevölkerungsmehrheit. Dennoch zählten sich bei der letzten Volkszählung 2011 noch 172.401 Menschen (44,39 Prozent der Einwohnerschaft) zu den «tribals», der Stammesbevölkerung. Sie werden von der Regierung von Bangladesch unter dem Sammelbegriff Jumma geführt. In Wirklichkeit beinhaltet dieser Begriff eine äußerst vielfältige Anzahl Völker. Im Distrikt sind dies die elf Völker der Marma (77477 Personen im Distrikt), Murong (auch Mro genannt; 38021 Menschen), Tripuri (20685 Leute), Bawm, Tanchangya, Chakma, Chak, Khyang, Khumi, Lushei und Pankho. In den Subdistrikten Rowangchhari (24745 der 27264 Einwohner), Ruma (26503 der 29038 Einwohner) und Thanchi (21426 der 23591 Einwohner) sind sie deutlich in der Mehrheit. Nur im Subdistrikt Rowangchhari stellt ein einzelnes Minderheitenvolk – die Marma – die Bevölkerungsmehrheit mit 14300 von 27264 Einwohnern (52,45 Prozent der Bevölkerung). In allen anderen Subdistrikten leben mehrere Minderheitenvolksgruppen – ohne die Bevölkerungsmehrheit zu stellen.

ReligionBearbeiten

Heutzutage ist aufgrund der Zuwanderung von meist muslimischen Bengalen eine knappe Mehrheit Anhängerschaft des Islams. Doch leben in Bandarban, im Gegensatz zum übrigen von Muslimen dominierten Land, eine bedeutende Anzahl von Buddhisten und Christen. An der Küste sind die Muslime in der Mehrheit, in der Osthälfte dominieren Buddhisten, Christen und Anhänger traditioneller Religionen. Im Upazila Rowangchhari sind fast 70 % der Einwohner Buddhisten, in den Upazilas Ruma und Thanchi jeweils über 35 % Christen.

Jahr Buddhisten Christen Hindus Muslime Andere Total
Zahl Anteil Zahl Anteil Zahl Anteil Zahl Anteil Zahl Anteil Zahl Anteil
1981 75172 43,84 % 13.737 8,01 % 4582 2,67 % 71.440 41,66 % 6547 3,82 % 171.478 100,00 %
1991 87.613 38,00 % 16.769 7,27 % 8105 3,52 % 109.800 47,62 % 8282 3,59 % 230.569 100,00 %
2001 103.997 34,88 % 28.546 9,58 % 10.796 3,62 % 147.062 49,33 % 7719 2,59 % 298.120 100,00 %
2011 123.052 31,19 % 39.333 10,13 % 13.137 3,38 % 197.087 50,75 % 15.726 4,05 % 388.335 100,00 %
Quelle: Ergebnisse der Volkszählung 1981, 1991, 2001 und 2011

In den sieben Upazilas (Subdistrikten) sieht die Verteilung folgendermaßen aus:

Bevölkerung in den Upazilas des Distrikts nach Religion
Upazila GESAMT Muslime Hindus Buddhisten Christen
Einwohner Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Alikadam 49317 26680 54,10 % 1655 3,36 % 15233 30,89 % 3657 7,42 %
Bandarban Sadar 88282 39600 44,86 % 6862 7,77 % 33051 37,44 % 4511 5,11 %
Lama 108.995 77490 71,10 % 3018 2,77 % 20395 18,71 % 6628 6,08 %
Naikhongchhari 61788 47903 77,53 % 494 0,80 % 12858 20,81 % 288 0,47 %
Rowangchhari 27264 2224 8,16 % 226 0,83 % 18889 69,28 % 4548 16,68 %
Ruma 29038 1694 5,83 % 495 1,70 % 11326 39,00 % 11124 38,31 %
Thanchi 23591 1496 6,34 % 387 1,64 % 11300 47,90 % 8577 36,36 %
Quelle: Ergebnis der Volkszählung 2011

Verteilung Stadt und LandbevölkerungBearbeiten

Bandarban gehört zu den stark ländlich geprägten Distrikten innerhalb des Landes. Die Verteilung:

Stadt- und Landbevölkerung im Distrikt Bandarban
Volkszählung 1974 Volkszählung 1981 Volkszählung 1991 Volkszählung 2001 Volkszählung 2011
Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
GESAMT 116.426 100 % 171.478 100 % 230.569 100 % 298.120 100 % 388.335 100 %
STADT 13.381 11,49 % 36.963 21,56 % 68.522 29,72 % 92.766 31,12 % 100.423 25,86 %
LAND 103.045 88,51 % 134.515 78,44 % 162.047 70,28 % 205.354 68,88 % 287.912 74,14 %
Quelle: Zila Bandarban bei der Volkszählung 2011, Tabelle PT-01, Seite 17

BildungBearbeiten

Es gibt keine Universität im Distrikt, aber mehrere Colleges. Zum staatlichen Bildungswesen gehören noch die Primarschulen und Sekundarschulen. Daneben gibt es Privatschulen und wenige Religionsschulen (Medressen).

Dennoch befindet sich der Bildungsstand auf tiefem Niveau. Nur 55,48 Prozent der 5-9-Jährigen und 63,85 Prozent der 10-14-Jährigen besuchten (2011) die Schule. Eher ungewöhnlich für die Region ist die Tatsache, dass fast gleich viele Mädchen wie Jungen zur Schule gehen.

Am Ende der Kolonialzeit bestand fast die gesamte Bevölkerung aus Analphabeten. Dies änderte sich in der Zeit als das Gebiet Teil von Ost-Pakistan war, nur wenig. Trotz bedeutender Anstrengungen ist das Ziel der vollständigen Alphabetisierung noch weit entfernt. Dazu kommen gewaltige Unterschiede. Während bei den Männern in den Städten fast 3 von 5 lesen und schreiben können, ist dies bei den Frauen auf dem Land bei 1 von 4 Personen der Fall. Die Entwicklung zeigt folgende Tabelle:

Alphabetisierung im Distrikt Bandarban
Einheit Volkszählung 1991 Volkszählung 2001 Volkszählung 2011
Anteil Anteil Anzahl Anteil
GESAMT 23,82 % 31,67 % 112.167 35,86 %
Männer 32,19 % 38,24 % 66.359 40,29 %
Frauen 13,46 % 23,67 % 45.808 30,93 %
STADT GESAMT 39,53 % 48,39 % 45.346 54,13 %
Stadt-Männer 49,52 % 55,79 % 27.045 59,17 %
Stadt-Frauen 25,03 % 37,92 % 18.301 48,07 %
LAND GESAMT 17,00 % 23,78 % 66.821 29,18 %
Land-Männer 23,90 % 29,11 % 39.314 33,04 %
Land-Frauen 9,00 % 17,72 % 27.507 25,00 %
Quelle: Zila Bandarban bei der Volkszählung 2011, Tabellen PT-15, Seite 22 und P-07, Seite 172

VerwaltungBearbeiten

Der Distrikt Bandarban ist in sieben so genannte Upazilas unterteilt: Bandarban Sadar, Rowangchhari, Ruma, Thanchi, Lama, Alikadam und Naikhongchhari. Innerhalb dieser Verwaltungsunterteilung gibt es mit Bandarkan Sadar und Lama zwei selbstverwaltende Städte (municipality), 30 Union Parishads (Dorfräte) und 1554 Dörfer.

 
Distrikt Bandarban
Bevölkerung in den Upazilas des Distrikts
Upazila Fläche GESAMT männlich weiblich städtisch ländlich Alphabeten männlich weiblich
in km² Einwohner Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil Anzahl Anteil
Alikadam 885,77 49317 25650 52,01 % 23667 47,99 % 14525 29,45 % 34792 70,55 % 12116 31,31 % 7127 35,23 % 4989 27,01 %
Bandarban Sadar 501,98 88282 47687 54,02 % 40595 45,98 % 41434 46,93 % 46848 53,07 % 36638 49,28 % 22003 54,39 % 14635 43,18 %
Lama 671,83 108.995 56610 51,94 % 52385 48,06 % 19014 17,44 % 89981 82,56 % 29688 33,96 % 16699 36,62 % 12989 31,05 %
Naikhongchhari 463,60 61788 31347 50,73 % 30441 49,27 % 18257 29,55 % 43531 70,45 % 15098 31,29 % 8473 34,45 % 6625 28,01 %
Rowangchhari 442,88 27264 14243 52,24 % 13021 47,76 % 5052 18,53 % 22212 81,47 % 6985 30,99 % 4448 37,68 % 2537 23,63 %
Ruma 492,09 29038 15469 53,27 % 13629 46,73 % 6848 23,59 % 22190 76,41 % 6781 28,90 % 2668 45,04 % 1434 30,92 %
Thanchi 1020,82 23591 12344 52,33 % 11247 47,67 % 1778 7,54 % 21813 92,46 % 4861 26,94 % 3227 33,85 % 1634 19,20 %
Quelle: Ergebnis der Volkszählung 2011

WirtschaftBearbeiten

Von den Erwerbstätigen arbeitet die Mehrheit in der Landwirtschaft. Insgesamt gibt es (2011) 279.172 Personen, die älter als 10 Jahre alt sind. Von diesen sind 65.963 Personen in der Schule, 3348 Menschen auf Arbeitssuche und 74.207 Menschen arbeiten in einem Haushalt. 135.564 Personen sind erwerbstätig. Davon arbeiten 94.758 (=69,9 Prozent) Personen in Landwirtschaft und Fischerei, 8779 in der Industrie und 32.117 Menschen im Bereich Dienstleistungen.

Landwirtschaftliche Haupterzeugnisse sind Reis, Senfkorn, Baumwolle, Tabak und Gemüse. Als am meisten verbreiteten Obstsorten gelten Bananen, Ananas, Jackfrucht, Orangen und Papayas. Die Hauptexporterzeugnisse sind dementsprechend Bananen, Jackfrucht, Baumwolle und Bambus.

GesundheitBearbeiten

Es gibt ein einziges Krankenhaus und in jedem Unterbezirk ein Gesundheitszentrum. Auf örtlicher Ebene gibt es zudem kleinere Gesundheitszentren und Familienplanungszentren.

VerkehrBearbeiten

Im ganzen Distrikt gibt es keine einzige Bahnlinie. Daher wickelt sich der regionale Verkehr meist mit Autorikschas und Kleinbussen und der überregionale Verkehr mit Bussen ab.

WeblinksBearbeiten