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Bakelite

ehemaliges Kunststoffunternehmen
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Typische Produkte aus Bakelit

Die Bakelite GmbH und später auch Bakelite AG war von 1910 bis 2004 ein deutsches Unternehmen zur Kunststoffherstellung.

Leo Hendrik Baekeland entwickelte 1905 Bakelit, einen duroplastischen Kunststoff auf der Basis von Phenolharz. 1907 erhielt er auf das Herstellungsverfahren ein US-Patent, 1908 das in Deutschland. Im Februar 1909 stellte er in den USA seine Erfindung im New Yorker Club der Chemiker vor, im Mai des nächsten Jahres gründete er als Minderheitenbeteiligung zusammen mit Julius Rütgers die Bakelite GmbH in Erkner bei Berlin. Zur Herstellung von Bakelit waren große Mengen an Phenol notwendig, die damals bei der Steinkohlendestillation der Rütgerswerke als Abfallprodukt anfielen.

Baekeland selbst gründete 1910 in den USA die General Bakelite Company, die die Patente hielt. Da das patentierte Bakelit oft plagiiert wurde, ging Baekeland konsequent dagegen vor. Einer der Plagiatoren, Sir Swinburne, vertrieb sein Phenolplastik unter dem Namen „Damard“ (abgeleitet vom englischen „damn hard“). Nach mehreren Jahren Rechtsstreit fusionierten die Konkurrenzfirmen, die Damard Laqueurs Co. und andere verklagte Unternehmen (Redmanol Co., Condensite Co.) mit Baekelands Firma zu einem Großunternehmen, der General Bakelite Corporation, die 1939, nachdem sich Baekeland zur Ruhe gesetzt hatte, von Union Carbide übernommen wurde.

Ab 1910 stellte Bakelite GmbH in Erkner[1] als erster Betrieb der Welt in industrieller Fertigung Kunststoffteile her. Die Produkte waren breit gefächert, von Gehäusen und Sicherungen (wegen der isolierenden Eigenschaften von Bakelit) über Gegenstände des Alltages (Telefone, Radios, Füllfederhalter, und so weiter) bis hin zu militärischen Anwendungen (Zündkapseln, Flugzeugpropellern) reichte die Palette. Bakelit ließ sich bei der Herstellung in jede gewünschte Form pressen, es war allerdings danach nicht mehr verformbar wie Thermoplaste. Es war hitzebeständig, unlöslich, kostengünstig herzustellen und leitete den elektrischen Strom nicht. Allerdings konnte es nur in dunklen Farbtönen hergestellt werden, die bei Sonneneinstrahlung nachdunkelten.

1927 liefen die Patente von Baekelands Herstellungsverfahren aus und zahlreiche andere Hersteller kamen auf den Markt. Auf dem Gelände der Leipziger Technischen Messe verfügte das Unternehmen über einen großzügigen Messestand und in der Leipziger Altstadt über ein eigenes Gebäude – das »Bakelite-Haus« am Markt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Firmensitz nach Iserlohn-Letmathe verlegt.[1] 1950 bis 1952 wurde das dortige Bakelite-Werk errichtet und in Betrieb genommen.

Zahlreiche andere Kunststoffarten kamen in den 1950er Jahren auf den Markt. Sie hatten unter anderem den Vorteil in jedem gewünschten Farbton hergestellt werden zu können. Die Phenolharze blieben trotzdem im Markt, sie wurden nun aber eher in Gehäusen, Leiterplatten oder Isolatoren eingesetzt.

1957 nahm das Werk in Werk Duisburg-Meiderich die Produktion der Phenolharze auf, 1959 kam die Produktion von Epoxidharzen hinzu. 1976 erwarb das Unternehmen das Werk Frielendorf bei Kassel. Ab Ende der 1980er Jahre wurden von der Bakelite AG zahlreiche Firmen in Europa (Italien, Finnland, Spanien) und Asien (Japan, Südkorea) hinzugekauft oder durch Kooperationen verbunden.[2]

2003 erwirtschaftete Bakelite mit circa 1700 Mitarbeitern einen Umsatz von 540 Mio. Euro. Es war einer der führenden europäischen Hersteller von Phenol- und Epoxidharzen sowie duroplastischen Formmassen.[3]

2004 verkaufte die Eigentümerin Rütgers AG die Bakelite AG an die Borden Chemicals mit Firmensitz in den USA. Diese fusionierte 2005 mehrere Geschäftsbereiche zur Hexion Specialty Chemicals, welche heute noch die Markenrechte an Bakelit besitzt und die deutschen Produktionsstandorte betreibt. Ende 2010 fusionierte Hexion mit der Momentive Performance Materials. Beide Unternehmen blieben selbständig und versuchen, durch Kooperationen im Overhead-Bereich Kosten zu sparen.

Unter dem Namen Momentive und zusammen mit Rütgers Chemicals wird die Geschichte des Bakelite-Unternehmens in der Route der Industriekultur aufgeführt. 2003 wurde in Kierspe ein Bakelit-Museum eröffnet. In wechselnden Ausstellungen werden mehrere tausend Exponate gezeigt.[4]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b NRW-Stiftung: Bakelit, Abgerufen am 5. November 2017.
  2. Firmengeschichte (Memento vom 4. April 2004 im Internet Archive) auf der ehemaligen Website der Bakelite AG
  3. Chemienews der Rütgers AG zum Verkauf der Bakelite AG, 8. Oktober 2004
  4. Stadt Kierspe (Heimatmuseum): Bakelitmuseum, Abgerufen am 5. November 2017.

Koordinaten: 51° 21′ 48,6″ N, 7° 37′ 16,6″ O