Bahnstrecke Tarnów–Leluchów

elektrifizierte Hauptbahn in Polen
Tarnów–Leluchów
Streckennummer:96
Kursbuchstrecke:130
Streckenlänge:146,374 km
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Streckenklasse:C3
Stromsystem:3 kV =
Höchstgeschwindigkeit:100 km/h
Zweigleisigkeit:Stróże–Kamionka Wielka R2
Kamionka Wielka–Nowy Sącz
von Szczucin koło Tarnowa
von Kraków Główny
0,458 Tarnów 205 m
nach Lwiw
0,815 Wątok (17 m)
Verbindungskurve von Tarnów Wschód
1,300 Tarnów Filia 203 m
2,750 Tarnów Południowy
4,805 Zimna woda (9 m)
5,070 Radlanka (20 m)
5,832 Kłokowa 204 m
7,120 (11 m)
7,319 Kłokowa 205 m
9,120 Biała (82 m)
10,586 Łowczówek Pleśna 213 m
16,023 Łowczów 215 m
20,873 Tuchów 234 m
24,591 Lubaszowa 228 m
25,987 Siedliska koło Tuchowa 230 m
29,121 Chojnik 234 m
31,826 Gromnik 238 m
36,257 Bogoniowice Ciężkowice 240 m
40,738 Zborowice 251 m
41,785 Biała (81 m)
42,147 Pławna 256 m
47,39 Bobowa 269 m
49,186 Bobowa Miasto 275 m
50,604 Jankowa 279 m
53,822 Wilczyska 293 m
55,395 Stróże SR4
nach Zagórz
57,411 Stróże 313 m
61,067 Grybów 329 m
Biała (138 m)
66,937 Biała Wyżna 429 m
71,785 Ptaszkowa 507 m
76,558 Mszalnica 430 m
79,38 Kamionka Wielka R2 381 m
79,524 Tunnel Kamionka Wielka (180 m)
80,645 Kamionka Wielka 367 m
83,947 Nowy Sącz Jamnica 330 m
Kamienica Gorczańska
88,19 Nowy Sącz früher Neu Sandez 305 m
nach Chabówka
92,035 Nowy Sącz Biegonice 299 m
Poprad (158m)
95,425 Stary Sącz 306 m
98,932 Barcice 327 m
104,755 Rytro 349 m
107,26 Młodów 354 m
111,157 Piwniczna-Zdrój 373 m
113,308 Piwniczna 378 m
Poprad
114,973 Łomnica-Zdrój 381 m
118,874 Wierchomla Wielka 395 m
121,119 Zubrzyk 396 m
126,11 Żegiestów 411 m
128,276 Żegiestów Zdrój 416 m
129,623 Tunnel Żegiestów (513 m)
132,05 Andrzejówka 426 m
134,193 Milik 435 m
von Krynica-Zdrój
138,838 Muszyna 450 m
Poprad (146 m)
141,769 Muszyna Poprad
146,032 Leluchów 470 m
146,374 Staatsgrenze SlowakeiPolen
nach Kysak

Die Bahnstrecke Tarnów–Leluchów ist eine elektrifizierte Hauptbahn in Polen, die ursprünglich durch den österreichischen Staat als k.k. Tarnów-Leluchówer Staatsbahn erbaut und betrieben wurde. Sie zweigt in Tarnów von der Bahnstrecke Kraków–Lwiw ab und führt in den Beskiden über Nowy Sącz (Neu Sandez) und Muszyna zur slowakischen Staatsgrenze bei Leluchów, wo sie in die Bahnstrecke Kysak–Orlov einmündet. Die Strecke ist Teil einer überregionalen Nord-Süd-Verbindung zwischen Polen und Ungarn.

GeschichteBearbeiten

Der Bau der Strecke von Tarnów über die Beskiden zur Landesgrenze und weiter nach Ungarn gehörte vor allem aus militärstrategischen Gründen zu den wichtigsten Eisenbahnbauvorhaben Österreich-Ungarns. In Ungarn wurde die Bahnstrecke Eperjes–Orlo am 1. Mai 1873 durch die private Eperjes-Tarnówer Bahn (Eperjes-Tarnówi Vasút) eröffnet, ohne dass zunächst der Anschluss über die Landesgrenze nach Galizien gesichert war.

 
Bahnhof Żegiestów (2016)

Mit den Gesetzen „betreffend die Herstellung einer Locomotiv-Eisenbahn von Tarnów an die ungarische Landesgränze bei Leluchów mit einer Abzweigung von Grybów nach Zagórz“ vom 29. Juni 1872 und „betreffend die Herstellung einer Eisenbahn von Leluchów nach Tarnów nebst Abzweigungen“ vom 22. April 1873 gewährte der österreichische Staat einem potentiellen Investor umfangreiche Vergünstigungen für den Bau und Betrieb der Streck.[1][2]

Infolge des Wiener Börsenkrachs im Mai 1873 fand sich jedoch kein privater Investor für das Vorhaben. In dieser Situation übernahm der österreichische Staat selbst den Bau der Strecke, der dann rasch voranschritt. Am 18. August 1876 wurde sie als k.k. Tarnów-Leluchówer Staatsbahn eröffnet. Die Betriebsführung übernahm die Erste Ungarisch-Galizische Eisenbahn (EUGE) für Rechnung des Staates.

Ab 1. Jänner 1889 führten die k.k. Staatsbahnen (kkStB) den Betrieb. Der Abschnitt Stróże–Nowy Sącz wurde 1891 Im Zusammenhang mit dem Bau der Galizischen Transversalbahn zweigleisig ausgebaut.

 
Haltepunkt Wierchomla Wielka (2016)

Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns infolge des Ersten Weltkrieges lag die Strecke auf dem Staatsgebiet der Zweiten polnischen Republik. Betreiber der Strecke waren ab 1920 die neugegründeten Polnischen Staatsbahnen (PKP).

Im Zweiten Weltkrieg lag die Strecke ab September 1939 im durch Deutschland besetzten Generalgouvernement. Betreiber der Strecke war bis zur Befreiung des Gebietes durch die Rote Armee im Januar 1945 die Generaldirektion der Ostbahn (Gedob). Der Sommerfahrplan 1941 verzeichnete vier durchlaufende Personenzugpaare von Tarnów nach Krynica sowie ein Eilzugpaar Krakau–Krynica mit dem Fahrplanvermerk „Nur für Deutsche“. Im grenzüberschreitenden Verkehr in die Slowakei gab es drei Personenzugpaare in der Relation Muszyna–Orlov-Plaveč sowie ein Schnellzugpaar mit Kurswagen von Krynica nach Wien und Budapest. Weitere Personenzüge bedienten Teilstrecken.[3] Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Strecke wieder zu den PKP.

Nachdem 1966 bereits der kurze Abschnitt Tarnów–Tarnów Filia eine elektrische Fahrleitung erhalten hatte, begannen die PKP 1984 mit der Elektrifizierung der gesamten Strecke, die bis 1987 grenzüberschreitend abgeschlossen war. Folgende Tabelle zeigt die Eröffnungsdaten:

Eröffnung Strecke
1. April 1966 Tarnów–Tarnów Filia
30. November 1984 Tarnów Filia–Tuchów
23. August 1985 Tuchów–Gromnik
20. Dezember 1985 Gromnik–Grybów
28. Mai 1986 Grybów–Nowy Sącz
26. August 1987 Nowy Sącz–Muszyna
27. November 1987 Muszyna–Staatsgrenze (–Plaveč)
 
Zerstörte Brücke über den Poprad nach dem Hochwasser vom 4. Juni 2010

Im Spätfrühling 2010 war die Strecke von einem schweren Hochwasserereignis betroffen. Infolge von Erdrutschen und Unterspülungen am Bahnkörper sowie dem Einsturz der Brücke über den Poprad bei Stary Sącz musste die Strecke am 4. Juni 2010 auf ganzer Länge gesperrt werden. Nach Reparatur der gröbsten Schäden verkehrten Züge zunächst nur zwischen Tarnów und Nowy Sącz sowie im Inselbetrieb zwischen Stary Sącz, Muszyna und Krynica-Zdroj. Zwischen Nowy Sącz und Stary Sącz war Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Die fast 160 Meter lange Popradbrücke bei Stary Sącz wurde vollständig neu gebaut und am 15. Januar 2011 wieder in Betrieb genommen.

Die lange Streckenunterbrechung bewirkte letztlich auch die ersatzlose Einstellung des grenzüberschreitenden Reiseverkehrs. Der letzte internationale Fernreisezug war im Jahresfahrplan 2010 ein nur im Sommer verkehrender Nachtschnellzug von Warschau über Košice nach Keszthely.

Seit dem 29. Juni 2019 verkehren im Sommer und Winter wieder zwei grenzüberschreitende Regionalschnellzugpaare zwischen Muszyna und Poprad-Tatry. Mittelfristig ist nach der Fertigstellung der Neubaustrecke Podłęże–Piekiełko auch die Wiederaufnahme hochwertigen internationalen Fernverkehrs geplant.

Der Jahresfahrplan 2022 verzeichnet sechs Personenzugpaare zwischen Tarnów und Muszyna, von denen vier von und nach Krynica-Zdrój verkehren. Weitere Züge bedienen Teilstrecken. Im nationalen Fernverkehr gibt es vier Intercity-Zugpaare nach Krynica-Zdrój sowie zwei nach Zagórz.[4]

FahrzeugeinsatzBearbeiten

 
Triebzug der PKP-Baureihe ED72 in Nowy Sącz (2014)

Der österreichische Staat erwarb für die k.k. Tarnów-Leluchówer Staatsbahn zwölf dreifachgekuppelte Schlepptenderlokomotiven von der Lokomotivfabrik der StEG in Wien, die vor allen Zuggattungen zum Einsatz kamen. Sie erhielten durchweg Namen nach Orten des Bahngebietes und wurden 1885 in die kkStB-Reihe 32 eingeordnet. Einige wenige übernahmen 1919 noch die PKP, bis 1926 wurden sie ausgemustert.[5]

Heute werden die Personenzüge der Relation Tarnów–Muszyna–Krynica-Zdrój ausschließlich mit den elektrischen Triebzügen der PKP-Baureihen EN57, EN71 und ED72 geführt.

WeblinksBearbeiten

Commons: Railway line 96 (Poland) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Reichsgesetzblatt 106/1872
  2. Reichsgesetzblatt 60/1873
  3. Fahrplan 1941
  4. Jahresfahrplan 2022
  5. Pospichal Lokstatistik