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Bahnhof Röthenbach (Allgäu)

Bahnhof der Allgäubahn (Bayern)

Der Bahnhof Röthenbach (Allgäu) ist der Bahnhof der bayerisch-schwäbischen Gemeinde Röthenbach (Allgäu) und befindet sich im Ortsteil Oberhäuser. Er liegt an der Bahnstrecke München–Lindau und befindet sich am nördlichen Ende des Rentershofener Bahndamms, welcher als der größte von Menschenhand aufgeschüttete Damm der Welt gilt.[1]

Röthenbach (Allgäu)
Der Bahnhof von Norden aus gesehen
Der Bahnhof von Norden aus gesehen
Daten
Betriebsstellenart Bahnhof
Lage im Netz Anschlussbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
Bahnsteiggleise 2
Abkürzung MRTA
IBNR 8005138
Kategorie 6
Eröffnung 1853
Lage
Stadt/Gemeinde Röthenbach (Allgäu)
Land Bayern
Staat Deutschland
Koordinaten 47° 37′ 14″ N, 9° 57′ 12″ OKoordinaten: 47° 37′ 14″ N, 9° 57′ 12″ O
Höhe (SO) 705 m ü. NN
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Bayern

GeschichteBearbeiten

Der Bahnhof wurde im Zuge der Fertigstellung des Abschnitts OberstaufenAeschach der Ludwig-Süd-Nord-Bahn am 12. Oktober 1853 eröffnet. Am 12. Juli 1893 wurde die Vizinalbahn von Röthenbach nach Weiler im Allgäu eröffnet.[2] Die Eröffnung der Strecke nach Scheidegg über Lindenberg erfolgte am 1. Oktober 1901.[3]

Die Gleisnutzung war fortan wie folgt geregelt:

Gleis Richtung
1 Weiler/Scheidegg
2 Kempten
3 Lindau

Da im Westallgäu – vor allem in Lindenberg und Weiler – die Hutindustrie angesiedelt war, entwickelte sich der Bahnhof mit zunehmender modischen Bedeutung des Huts zu einem wichtigen Personen-, Güter- und Rangierbahnhof.[4][5]

 
Bauplan des Empfangsgebäudes

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs kam es rund um den Bahnhof immer wieder zu Beschüssen von Tieffliegern, teils fanden auch Bombardierungen statt.[6]

1954 – nach dem Wunder von Bern – fuhr der Sonderzug der deutschen Nationalmannschaft in langsamer Geschwindigkeit durch den Bahnhof Röthenbach und wurde dabei von hunderten Menschen am Bahnsteig bejubelt.[7]

Durch Einsparungen der Deutschen Bundesbahn wurde der Personenverkehr nach Weiler (1960) und Scheidegg (1966) eingestellt. 1991 folgte die komplette Stilllegung der Strecke nach Weiler und 1993 derer nach Lindenberg.[8][9]

Im Jahr 2007 wurde ein barrierefreier Zugang zu den Gleisen mittels einer Unterführung geschaffen. Dabei wurde das Gleis 1 zurückgebaut, so dass heute nur noch Gleis 2 und 3 vorhanden sind. Aufgrund des Schaffens einer P+R-Anlage – mit Busumsteige-Anlage und Parkplätzen – und öffentlicher Toiletten wurde die angrenzende Güterhalle 2010 abgerissen.[10][11]

2011 kaufte die Gemeinde Röthenbach das Bahnhofsgebäude von der Deutschen Bahn ab und schloss 2014 den beheizten Wartebereich im Gebäude. Somit war das Gebäude ab sofort nicht mehr öffentlich zugänglich.[12][13]

2016 wurde ein sogenanntes Video-Reisezentrum errichtet, dabei können Fahrgäste über Bildschirm, Mikrofon und Lautsprecher mit einem Reiseberater kommunizieren.[14]

InfrastrukturBearbeiten

 
Video-Reisezentrum am Bahnhof
 
Bahnsteige

Der Bahnhof liegt an Streckenkilometer 114,39 der Allgäubahn und besitzt Außenbahnsteige an folgenden beiden Gleisen:[15]

Gleis Nutzbare Länge Bahnsteighöhe Richtung
2 171 m 55 cm Kempten
3 171 m 55 cm Lindau

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs besteht aus zwei zweigeschossigen, giebelständigen Bauten mit Satteldach, die durch einen eingeschossigen Satteldachbau verbunden sind. Die Kopfbauten sind auf den nach außen gerichteten Traufseiten jeweils mit einem Erker mit Dreiecksgiebel versehen. Die Wände des Empfangsgebäudes sind im Erdgeschoss verputzt und ab dem ersten Stock mit Holz verkleidet. Auf der Gleisseite bildet das vorstehende Satteldach des Zwischenbaus ein Bahnsteigvordach. Im eingeschossigen Zwischenbau ist ein seit 2014 nicht mehr zugänglicher Warteraum vorhanden. Auf der Gleisseite ist an den nördlichen Kopfbau ein Stellwerksvorbau mit Walmdach angebaut. Am Bahnhofsgebäude befinden sich zwei Fahrkartenautomaten. Eine Busumsteige-Anlage, sowie Parkplätze und eine öffentliche Toilette befinden nördlich des Bahnhofs.

Die Weichen und Signale des Bahnhofs werden seit 1974 durch ein Spurplandrucktastenstellwerk der Bauart Sp Dr L60 von Lorenz gestellt, das die Bezeichnung Rf trägt.[16] Das Stellwerk Rf ist im Stellwerksvorbau am Empfangsgebäude untergebracht.

In Folge der Elektrifizierung der Bahnstrecke München–Lindau über Memmingen soll am Bahnhof Röthenbach (Allgäu) ein Abstellgleis entstehen.[17]

VerkehrBearbeiten

 
Höhenangabe am Bahnhof

ZugverkehrBearbeiten

Folgende Regionalverkehrslinien bedienen den Bahnhof Röthenbach (Allgäu):

Linie Verlauf Taktfrequenz
ALX Lindau – Hergatz – Röthenbach (Allgäu) – Immenstadt – Kempten – Kaufbeuren – Buchloe – München Zweistundentakt
RE Allgäu-Franken-Express:
Lindau – Hergatz – Röthenbach (Allgäu) – Immenstadt – Kempten – Kaufbeuren – Buchloe – Augsburg – Nürnberg
Zweistundentakt
RE Lindau – Hergatz – Röthenbach (Allgäu) – Immenstadt – Kempten – Kaufbeuren – Buchloe – Augsburg
RE (Lindau / Wangen –) Hergatz – Röthenbach (Allgäu) – Immenstadt – Kempten – Memmingen – Ulm einzelne Züge

BusverkehrBearbeiten

Der Bahnhof Röthenbach (Allgäu) bildet einen Knotenpunkt mit dem örtlichen öffentlichen Busverkehr und wird dabei von folgenden Buslinien bedient:[18]

Linie Verlauf Takt
11 Röthenbach (Allgäu), Bf – Lindenberg, Busbahnhof – Scheidegg, Panorama stündlich
12 Röthenbach (Allgäu), Bf – Weiler, Bf – Lindenberg, Busbahnhof stündlich
73 Röthenbach (Allgäu), BfIsny, Kurhaus stündlich

LiteraturBearbeiten

  • Markus Hehl: Eisenbahn im Allgäu. 150 Jahre Ludwig-Süd-Nord-Bahn. EK-Verlag, Freiburg im Breisgau 1993 (Eisenbahn-Kurier Spezial 46, ISSN 1434-3045)
  • Hartmut Klust: Röthenbach – Weiler, Gera-Nova-Verlag

WeblinksBearbeiten

  Commons: Bahnhof Röthenbach (Allgäu) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Infotafel auf dem Bahndamm
  2. Röthenbach (Allgäu) – Weiler. Abgerufen am 29. März 2017.
  3. Alteneder, W., Schüssler, C.: Die Nebenbahnen der BD München, Bonn 1987, S. 141
  4. bayernsammler: Die Post im Westallgäu. 2012, abgerufen am 24. Mai 2017.
  5. Anna Feßler: Viele Röthenbacher können eine Geschichte zum Bahnhof erzählen. Der Westallgäuer, 22. November 2011, abgerufen am 29. März 2017.
  6. Gerd Zimmer: Zusammenbruch und Besetzung im Westallgäu 1945. In: Jahrbuch des Landkreises Lindau 1995.
  7. Winfried Striebel: Das Wunder von Bern: Der Triumphzug. Augsburger Allgemeine, 7. Dezember 2010, abgerufen am 29. März 2017.
  8. Ingrid Grohe: Die Eisenbahn – auch ein Prestigeprojekt. Der Westallgäuer, 23. August 2013, abgerufen am 29. März 2017.
  9. Röthenbach (Allgäu) – Weiler. Abgerufen am 29. März 2017.
  10. Olaf Winkler: Abriss der Güterhalle steht bevor. Der Westallgäuer, 5. November 2009, abgerufen am 29. März 2017.
  11. Olaf Winkler: Park-and-ride-Anlage ist fast fertig. Allgäuer Zeitung, 9. Oktober 2010, abgerufen am 29. März 2017.
  12. Gemeinde Röthenbach kauft Bahnhof. Allgäuer Zeitung, 16. Dezember 2011, abgerufen am 29. März 2017.
  13. Olaf Winkler: Bahn lässt Reisende im Westallgäu in der Kälte stehen. Der Westallgäuer, 7. Dezember 2013, abgerufen am 29. März 2017.
  14. Bettina Buhl: Video-Reisezentrum: Bahn setzt in Röthenbach wieder auf persönliche Beratung. Der Westallgäuer, 6. Oktober 2016, abgerufen am 29. März 2017.
  15. Deutsche Bahn: Bahnsteiginformationen zur Station Röthenbach (Allgäu) (Memento des Originals vom 30. März 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.deutschebahn.com auf deutschebahn.com, abgerufen am 29. März 2017.
  16. Liste Deutscher Stellwerke auf stellwerke.de, vom 26. Oktober 2015, abgerufen am 4. April 2017.
  17. Ingrid Grohe: Abstellgleis: Elektrifizierungen hat indirekte Auswirkungen auf Bahnhof in Röthenbach. Der Westallgäuer, 29. Januar 2015, abgerufen am 29. März 2017.
  18. Fahrpläne Landkreis Lindau