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GeografieBearbeiten

Bad Bayersoien liegt in der Region Bayerisches Oberland. In der Nähe befindet sich der Naturpark Ammergauer Alpen. Die Gemeinde liegt am Bayersoiener See.

Es existiert nur die Gemarkung Bad Bayersoien.

Die Gemeinde hat acht amtlich benannte Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2]

GeschichteBearbeiten

Bis zur GemeindegründungBearbeiten

Erste schriftliche Nachrichten finden sich über Einzelhöfe im heutigen Gemeindegebiet im 13ten Jahrhundert. Bei der Gründung des Marienstiftes in Ettal („ètal“) 1330 durch Kaiser Ludwig der Bayer übertrug der Kaiser die im „distriktus Ammergau“ vorhandenen Reichsbesitzungen an das Kloster – darunter auch mehr als die Hälfte der in „Soyen“ damals existierenden Höfe. Die Bauern des gesamten Ammergau aber mussten dem Kloster neben anderen Abgaben einen Frondienst („Herrendienst“) in Form von Erntearbeit bei der Heubringung leisten. Zu dieser Arbeit wurden die Bauern der jeweiligen Orte und Weiler zur „Hofmahd“ zusammengefasst.

Gleichzeitig mit der Gründung von Ettal erhielt Oberammergau das so genannte „Stapel“- und „Rottrecht“, womit zugleich die auf der Römerstraße Via Raetia basierende Via Imperii zwischen dem Lech (Schongau) und dem Loisachtal (Partenkirchen) auf die Route über Ettal gelegt wurde. An dieser „Rottstraße“ gelegen, wurde „Soyen“ zu einem aufstrebenden Ort für das Dienstleistungsgewerbe jener Zeit. Etliche der zum Kloster Ettal gehörenden bäuerlichen Anwesen im Dorf wurden verkleinert („versöldet“), da Handwerker die so entstehenden kleineren Höfe lediglich zur eigenen Grundversorgung benötigten. Meist wurden deren Anwesen entlang der Durchgangsstraße errichtet, wodurch ein geradezu idealtypisches Straßendorf entstand. Der architektonische Charakter dieses Straßendorfes, mit seinen zur Straße gewendeten Giebeln der Häuser, dominiert bis heute das Bild der zentralen Dorfstraße.

Mit der so genannten Säkularisation von 1803 gingen die in der heutigen Gemeinde liegenden Anwesen der Klöster Ettal und Rottenbuch in den Besitz des Staates über, wobei das neue Königreich Bayern sehr daran gelegen war, dass die Untertanen diesen nun Staatsbesitz käuflich erwarben.

Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde, die zum königlichen Landgericht Schongau gehörte. Da in diesem Zusammenhang im Bereich des königl. Landgericht nun zwei „Soyen“ lagen, wurde zur Unterscheidung jenes „Schwabseits“ des Lechs liegende Soyen zu Schwabsoien, während das an der Ammer liegende Dorf seine Zugehörigkeit zu (Ober-)Bayern demonstrieren darf.

20. JahrhundertBearbeiten

1968 wurde Bayersoien Luftkurort und 1996 Heilbad.

21. JahrhundertBearbeiten

Größere mediale Aufmerksamkeit erfuhr das Dorf im Jahre 2001, als sich im Gemeindegebiet in der Nacht auf den 6. November ein Mord ereignete. Mehr als zwei Jahre blieb die Identität des weiblichen Opfers unbekannt, die eigens gegründete „Soko Soien“ konnte es trotz mehrerer Öffentlichkeitsfahndungen (u. a. in Aktenzeichen XY ungelöst) erst 2004 identifizieren. 2011 konnte dem damaligen Lebensgefährten des Opfers der Mord nachgewiesen werden. Der Fall wurde in Folge 3 der 2. Staffel der Kriminalserie „Ungeklärte Morde – Dem Täter auf der Spur“ thematisiert.[3][4]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 
Einwohnerentwicklung Bad Bayersoien
  • 1961: 0788 Einwohner
  • 1970: 0818 Einwohner
  • 1987: 0993 Einwohner
  • 1991: 1042 Einwohner
  • 1995: 1129 Einwohner
  • 2000: 1137 Einwohner
  • 2005: 1194 Einwohner
  • 2010: 1164 Einwohner
  • 2015: 1186 Einwohner

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Bei den Kommunalwahlen 2014 erreichte die 2008 aus Junge Wählervereinigung/Frischer Wind und Unabhängige Wählervereinigung gebildete Wählvereingung Gemeinsam für unser Dorf (GUD) 58 % und damit sieben Sitze (2008 bis 2014 hatte sie neun Sitze). Die 2008 neu gegründete Bewerberliste Freie Soier Wähler kam auf 42 % und ist damit seit 2014 mit fünf Mitgliedern im Gemeinderat vertreten (zuvor drei Mitglieder).

BürgermeisterBearbeiten

Bürgermeisterin ist Gisela Kieweg (Keine Liste). Sie wurde im Jahr 2014 Nachfolgerin von Eberhard Steiner (Junge Wählervereinigung/Frischer Wind).

GemeindefinanzenBearbeiten

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2011 744.000 €, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto)125.000 €.

WappenBearbeiten

Die Wappenbeschreibung lautet: In Blau die goldene Krümme eines Abtstabs über einer gedeckten silbernen Holzbrücke mit zwei silbernen Wellenleisten zwischen den Widerlagern.

Die Gemeindefahne ist Gelb, Blau und Weiß, in der Mitte das Wappen.

SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

Die Pfarrkirche St. Georg entstand während des 15. oder 16. Jahrhunderts und wurde 1717 in barocken Formen umgebaut und erweitert. Die 183 m lange Echelsbacher Brücke wurde im Jahr 1929 für 900.000 RM Baukosten fertiggestellt und war mit 130 m Bogenspannweite die weitestgespannte Melan-Bogenbrücke der Welt. Sie erlangte makabre Bekanntheit durch die vielen Suizide. Im Jahr 2018 wurde eine Behelfsbrücke unmittelbar neben der Echelsbacher Brücke errichtet, diese gesperrt und deren Tragwerk und Fahrbahn abgetragen. Derzeit laufen die Arbeiten an einem Neubau der Brücke, wobei von dem alten Bauwerk nur der Brückenbogen erhalten bleibt, jedoch nur als Denkmal ohne statisch tragende Funktion der neuen Brücke. Die Kosten dafür werden mit 17,4 Mio. EUR beziffert und die Fertigstellung ist bis Mitte 2021 geplant.[5]

MuseenBearbeiten

Das „Museum im Bierlinghaus“ ist mit seiner umfangreichen Sammlung und wechselnden Sonderausstellungen ist sehenswert. Die „Bierlings“ waren ein Kaufmannsgeschlecht aus Bayersoien und über mehr als 25o Jahre die Familie im Ort. Sie hatten das Amt des Salzfaktors, ein amtlich bestallter Verwalter der Salzdeponien, in denen das auf der Rottstrasse transportierte Salz gelagert wurde. Das Museum zeigt wie sie wohnten und lebten. Ebenfalls beschäftigt sich das Museum mit dem altem Handwerk und dem Torfabbau im Moos.

Der „Lötschmüllerhof“ war ein weiteres Museum in Bad Bayersoien. Mehr als 30 Jahre lang trug der Besitzer des Lötschmüllerhofs Raritäten aus über 150 Jahren zusammen. Das besondere am Museum war ein unterirdischer Verbindungsgang zwischen den beiden Seen, der früher vermutlich als Kloake mit Wasserspülung gedient hat. Der Lötschmüllerhof brannte am 2. September 2017 nieder[6].

SonstigesBearbeiten

Bad Bayersoien liegt an der Rottstraße, einem ehemaligen sehr bedeutenden europäischen Fernhandelsweg von Augsburg nach Venedig. An der Dorfstraße kann man den Rottstein finden, der an das Rottprivileg Kaiser Ludwig des Bayern aus dem Jahr 1332 erinnert.

In Bad Bayersoien liegt der Moorsee Bayersoiener See. Er gilt als einer der wärmsten Badeseen in Südbayern. Um den See führt ein Naturlehrpfad.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Wirtschaft einschließlich Land- und ForstwirtschaftBearbeiten

Es gab 2011 gab es insgesamt 214 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Darauf entfielen auf den Bereich der Land- und Forstwirtschaft keine, auf das Produzierenden Gewerbe 57, auf den Bereich Handel und Verkehr 115, auf den Bereich Unternehmensdienstleister elf und auf den Bereich öffentlicher und privater Dienstleister 31 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 396. Im verarbeitenden Gewerbe gab es keine Betriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern, im Bauhauptgewerbe fünf Betriebe mit 24 Beschäftigten.

Zudem bestanden im Jahr 2010 35 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 738 ha.[7]

VerkehrBearbeiten

Um den Ort führt die Bundesstraße 23, die von Peiting über Garmisch-Partenkirchen zur österreichischen Grenze bei Ehrwald führt. Die Straße ist bei Bad Bayersoien Teil der Deutschen Alpenstraße und überquert an der Gemeindegrenze zu Rottenbuch mit der Echelsbacher Brücke die Ammer. Der Ort ist an das Busnetz des RVO über die Linie 9606 von Garmisch-Partenkirchen nach Füssen angebunden.[8]

BildungBearbeiten

Im Jahr 2012 existierten folgende Einrichtungen:[7]

  • Kindergärten: 50 Kindergartenplätze mit 28 Kindern
  • Volksschulen: eine mit vier Lehrern und 28 Schülern

TourismusBearbeiten

Die Gemeinde Bad Bayersoien gehört zur Tourismusregion Ammergauer Alpen. Touristisch vertreten wird die Region durch die Ammergauer Alpen GmbH. Zur Naturparkregion Ammergauer Alpen gehören neben Bad Bayersoien die Orte Unterammergau, Oberammergau, Bad Kohlgrub, Ettal/Graswang/Linderhof und Saulgrub/Altenau/Wurmansau.

Im Jahr 2018 hat Bad Bayersoien etwa 101.000 Übernachtungen und 21.500 Ankünfte generiert.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der GemeindeBearbeiten

Personen, die vor Ort gewirkt habenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Gemeinde Bad Bayersoien in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 6. September 2019.
  3. Die Akte Lansman: Schrecklicher Mord vor zehn Jahren im Ammertal. 4. November 2011, abgerufen am 18. Februar 2019.
  4. imfernsehen GmbH & Co KG: Ungeklärte Morde – Dem Täter auf der Spur Staffel 2, Folge 3: Zeljka und der eiskalte Killer / Soko Soien und das Mordkomplott. Abgerufen am 18. Februar 2019.
  5. Bayerischer Rundfunk Lui Knoll: Echelsbacher Brücke: Größte Behelfsbrücke Deutschlands wird eröffnet. 22. Juni 2018 (br.de [abgerufen am 21. August 2019]).
  6. Flammenhölle beim Lötschmüller: Nächtlicher Großeinsatz in Bad Bayersoien. 3. September 2017, abgerufen am 18. April 2019.
  7. a b Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung – Statistik kommunal 2012: Bad Bayersoien (PDF-Datei; 1,67 MB)
  8. Regionalverkehr Oberbayern – Fahrplan Linie 9606 (Memento des Originals vom 15. Dezember 2017 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rvo-bus.de (PDF; 0,1 MB)